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Fans watch the opening ceremony of the League of Legends season 4 World Championship Final between South Korea against China's Royal Club, in Paris, Sunday May 11, 2014. (AP Photo/Jacques Brinon)

Games wie «League of Legends» locken tausende von Fans vor den Bildschirm oder gar direkt an den Event, wie hier bei der Weltmeisterschaft in Paris. Bild: AP/AP

Gamern beim Gamen zuschauen

Das Spielen der Anderen: Warum YouTube die begehrte Videoseite Twitch eine Milliarde Dollar Wert ist

Auf Twitch kann man zusehen und diskutieren, während andere Nutzer Videospiele spielen. Eine Milliarde Dollar könnte Google die Seite samt Community wert sein. Warum eigentlich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

21.05.14, 09:08 21.05.14, 11:44

Ein Artikel von

Markus Böhm und Niklas Weith / Spiegel Online

Mit einem Klick direkt ins Spiel: Auf der Videoseite Twitch kann man sich live zuschalten und anderen beim Spielen zusehen, zum Beispiel beim neuen Ego-Shooter «Wolfenstein: The New Order». Der Spieler, der stellvertretend fürs Publikum einen Roboterhund niedermetzelt, ist rechts oben im Videofenster zu sehen – ein bärtiger Mann mit Kopfhörern, der am Computer sitzt. Mehr als 3400 Zuschauer sind dabei, einige unterhalten sich im Chat. «Nice», kommentiert einer.

Innerhalb von drei Jahren ist Twitch mit solchen Videoübertragungen gross geworden. Rund 45 Millionen Besucher zählt die Seite im Monat. Nun soll Google Interesse an einer Übernahme haben. Was reizt Google an Twitch, warum spielt der Konzern mit dem Gedanken, eine Milliarde Dollar zu investieren? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Twitch und geben einen Einblick in die Spielvideoszene.

1. Warum ist Twitch bei Spielefans so angesagt?

Bei Twitch können Zuschauer mit wenig Aufwand auch selbst senden: Dazu muss man am PC nur eine kostenlose Software installieren, schon werden die eigenen Spielpartien live übertragen. Auch die neuen Konsolen Xbox One und Playstation 4 unterstützen Twitch. Seit dem Start des Dienstes im Jahr 2011 hat sich die Twitch-Szene so stark professionalisiert, dass einige der Sendungen aus richtigen Studios kommen. Einige E-Sport-Organisationen verdienen Geld damit, dass sie ihre Spielturniere per Twitch übertragen.

Game-Meisterschaften wie das «Dota 2» International wird auch auf Twitch übertragen. Bild: PC Gamer

Eine Chat-Funktion ermöglicht den direkten Austausch zwischen Zuschauern, Gamern und Moderatoren. Auch diese Interaktion führt dazu, dass die Übertragungen mancher Profispieler über 50.000 Zuschauer gleichzeitig haben. Bei Turnier-Streams schauen auch mal 300.000 Fans zu.

Für die Zuschauer sind die Profi-Spieler nahbar, aber trotzdem Stars: Ihr Spielstil, ihre Persönlichkeit, ihre Erfolge machen sie populär. Zu den angesagtesten Videospielen zählen auf Twitch zum Beispiel die Team-Strategiespiele «League of Legends» und «Dota 2» und das digitale Kartenspiel «Hearthstone».

2. Auf YouTube gibt es ebenfalls Millionen Spielevideos – was ist an Twitch so besonders?

Beide Videoplattformen werden zur Verbreitung von Spielmitschnitten genutzt. YouTube kann man sich dabei allerdings eher als Mediathek vorstellen. Twitch ist dagegen ein Livekanal: Wer die Seite besucht, kann sofort Spielern aus aller Welt beim Spielen zuschauen. So wird Twitch zum Beispiel genutzt, um E-Sport-Wettkämpfe live zu übertragen - einzelne Spiele davon werden später bei YouTube als Video-on-Demand angeboten.

Durch den Live-Faktor gewinnen viele Twitch-Videos an Reiz: Anders als bei YouTube kann man nicht vorab in den Kommentaren lesen, welches Team gewinnen wird. Vieles ist improvisiert, spontan und wird ungeschnitten übertragen.

Von der Xbox One, dem PC oder der PS4 kann man auf einfachste Weise seine Spielpartie live auf Twitch übertragen. Bild: AP/Microsoft/Twitch

Für ein solches Erlebnis sind manche Zuschauer sogar bereit, Geld auszugeben: Wer möchte, kann sich bei Twitch durch Kanal-Abonnements Zusatzoptionen freischalten, etwa eine höhere Auflösung oder die Möglichkeit, bestimmte Emoticons im Chat zu verwenden.

3. Wie reagieren die Twitch-Nutzer auf die Übernahmegerüchte?

Greift ein Tech-Riese nach einem Start-up, das sich bereits eine Fangemeinde aufgebaut hat, folgt fast immer ein Aufschrei. «Fuck Facebook», schrieben Fans der Datenbrille Oculus Rift, als das zugehörige Unternehmen im März von Facebook gekauft wurde. Als im Frühjahr 2012 der Fotodienst Instagram aufgekauft wurde, posteten viele Nutzer komplett schwarze Fotos - mit dem Hashtag #blackstagram. Und als die Blogplattform Tumblr 2013 an Yahoo ging, versprach der US-Konzern vorsichtshalber sofort, es «nicht zu versauen».

Bei Twitch ist die Situation ähnlich. Schon jetzt werfen Nutzer den Plattformbetreibern Verrat vor, andere fürchten, eine Übernahme durch Google könnte zu einer stärkeren Regulierung führen. Im Vergleich zu Googles Videoseite YouTube habe Twitch «deutlich weniger Beschränkungen», sagt etwa Matt Lees, ein Londoner Spielejournalist, der selbst Videos bei Twitch einstellt.

Während bei YouTube ein automatisiertes Copyright-System greift, sei Twitch «Wilder Westen». Deutsche Nutzer sind vor allem besorgt, dass die Musik, die in vielen Twitch-Videos vorkommt, zu Videosperrungen führen könnte, wie man sie von YouTube kennt.

Andere Nutzer dagegen raten zur Gelassenheit: «Wie können sie Verrat begehen?», fragt ein Facebook-Nutzer, der den Deal wohl schon für vollzogen hält: «Sie sind noch immer ein Videostreaming-Service und wurden von einem Videoverbreitungsdienst gekauft.»

4. Was sind die bekanntesten Twitch-Kanäle?

Der ehemalige «Warcraft 3»-Profi Dennis «TaKe» Gehlen ist mit «TaKe-TV» einer der populärsten deutschen Streamer. Aus einer zum Studio ummodelierten Wohnung in Krefeld übertragen Gehlen und sein Team Partien aus «Starcraft 2», «Hearthstone» und «League of Legends». Immer wieder finden bei Gehlen daheim auch Turniere statt. Zu den beliebtesten internationalen Angeboten zählen die Kanäle von Profi-Gamern wie «Dendi», der «Dota 2» spielt, und «TheOddOne», der sich «League of Legends» widmet.

Spieler wie TheOddOne zählen auf einige tausende regelmässige Zuschauer. Bild: Legendstube

Auf Twitch finden sich aber auch abseits grosser Namen interessante Live-Übertragungen. Anfang des Jahres machte der Kanal «Twitch Plays Pokemon» weltweit Schlagzeilen: Dort hatten Zehntausende Spieler gleichzeitig die Chance, eine «Pokemon»-Partie zu beeinflussen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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