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Drei Dinge, die Google richtig macht

Auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco hat Google viele Neuheiten präsentiert. Drei davon haben das Zeug, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen – und gleichzeitig die Sorge vor der Macht des Konzerns zu nähren. 

Matthias Kremp, San Francisco



Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein echtes Highlight, so wie im vergangenen Jahr das Project Cardboard, also die billige Pappbrille, die Virtual-Reality zu einem Spielzeug für jedermann machte, gab es in diesem Jahr nicht. 

Klar, Android M wurde angekündigt und bringt auch ein paar sinnvolle Neuerungen. Ein so weitreichendes Update, wie Android 5.0 Lollipop es war, ist es aber nicht. Und bis es die ersten M-Updates für aktuelle Smartphones geben wird, dürfte in Europa bereits der erste Schnee gefallen sein.

Drei andere Dinge sind es, die nachhaltige Auswirkungen darauf haben werden, wie wir Google nutzen.

Die allgegenwärtige Google-Suche

Das erste ist Now on Tap. Dieser neue Bestandteil von Android M wird Googles Kerngeschäft, die Internetsuche, wieder in den Vordergrund bringen, nachdem Apps das Web und damit Google immer mehr in den Hintergrund gedrängt haben. Denn Now on Tap läuft immer, egal, ob man im Web surft, E-Mails liest oder in einer App nach Restaurant-Empfehlungen sucht.

Ausgelöst wird die neue Funktion durch eine langen Druck auf die Home-Taste. Das System kopiert dann die gerade auf dem Bildschirm angezeigten Daten in seinen Speicher und sucht nach sinnvollen Verknüpfungen. Hört man gerade Musik, würde die Software Informationen zum Künstler hervorholen, chattet man in WhatsApp darüber, wohin man abends ausgehen möchte, würde es Veranstaltungstipps suchen.

epa04772912 An Intel Adroid walks across the street outside the Moscone Convention Center, before the Google I/O 2015 developers conference keynote address, in San Francisco, California, USA, 28 May 2015.  EPA/JOHN G. MABANGLO

Auf den Strassen San Franciscos. Bild: JOHN G. MABANGLO/EPA/KEYSTONE

Möglich wird das, so Google-Manager Dave Burke, durch neuronale Netze, eine Technologie also, die im Rechenzentrum versucht, Verknüpfungen in Anlehnung an die Architektur des menschlichen Gehirns darzustellen. Diese neuronalen Netzwerke seien kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt worden, sagt Burke. Jetzt helfen sie Google, komplexe Aufgaben zu lösen, wie sie etwa beim Übersetzungsdienst Translate oder eben dem neuen Now on Tap anfallen.

Sicher ist: Die neue systemweite und kontextsensitive Suchfunktion wird die Art, wie man mit Smartphones umgeht, verändern und könnte viele manuelle Suchvorgänge obsolet machen, indem sie die Dinge für uns sucht, die uns interessieren werden.

Zigtausende Fotos, sekundenschnell durchsuchbar

Ähnlich weitreichende Folgen könnte die Einführung von Google Photos haben. Der Web-Dienst, der auch als App für Android und iOS angeboten wird, hat das Potenzial, die immer schneller immer grösser werdenden Bildersammlungen, die wir selbst mit unseren Handykameras erzeugen, sinnvoll nutzbar zu machen.

Möglich machen das wiederum Googles Algorithmen, die unsere Bilder automatisch mit Stichwörtern versehen, selbst erkennen, wer und was auf einem Foto zu sehen ist und auch gleich den Ort vermerken, wenn GPS-Daten vorhanden sind.

Das mag für manchen Anwender allerdings auch abschreckend wirken: Wenn ich sie ihnen übergeben habe, wissen Googles Rechner besser als ich selbst darüber Bescheid, was ich wo und wann fotografiert habe. Dafür nehmen sie uns eine Arbeit ab, die,  Hand aufs Herz, so gut wie kaum jemand erledigt: Das Verschlagworten all der vielen Handyfotos, sodass man beispielsweise alle Bilder vom Schneesturm im letzten Winter schnell zusammengesucht bekommt.

Anil Sabharwal (R), Director of Product Management, pose for a photograph during the Google I/O developers conference in San Francisco, California May 28, 2015. REUTERS/Robert Galbraith

Selfie auf der Bühne. Check. Bild: ROBERT GALBRAITH/REUTERS

Googles Foto-System hat ausserdem drei entscheidende Vorteile: 

Reale Produkte für virtuelle Realitäten

Das dritte Highlight – und jenes, das vorläufig von Normalanwendern am wenigsten wahrgenommen werden wird – ist Jump. Der Name bezeichnet ein System, an dem die Entwickler der VR-Brille Project Cardboard lange gearbeitet haben: Es beinhaltet eine Software zur Erstellung von Virtual-Reality-Filmen, den Bauplan für einen Kamera-Aufbau zum Filmen solcher VR-Videos und ausserdem den Vertriebskanal für VR-Inhalte, nämlich YouTube.

Noch mag das alles wie eine Nerdspielerei aussehen, aber Google öffnet damit ein Schleusentor. Nachdem der Konzern mit seiner Billig-VR-Brille das Thema VR massentauglich gemacht hat, sorgt er nun dafür, das Inhalteanbieter auch in der Lage sein werden, ohne sechsstellige Investition in Hard-und Software Virtual-Reality-Inhalte zu produzieren.

SAN FRANCISCO, CA - MAY 28:  An attendee inspects Google Cardboard during the 2015 Google I/O conference on May 28, 2015 in San Francisco, California. The annual Google I/O conference runs through May 29.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Sieht bescheuert aus, ist aber praktisch. Bild: Getty Images North America

Es wird wohl trotzdem noch Jahre dauern, bis VR zum Massenphänomen wird. Doch mit der Einführung von Project Cardboard und Jumo hat Google sichergestellt, dass die Grundlagen dafür auf Google-Technik basieren werden, und man kaum um den Konzern herumkommen wird, um VR-Angebote unters Volk zu bringen.

Bemerkenswert war aber auch ein Detail, das nicht so offensichtlich ist: Google mag Apple. Etliche Male wurde im Laufe der Keynote Apples Mobil-Betriebssystem erwähnt, einige Male darauf hingewiesen, dass diese oder jene Google-Software auch für iOS angeboten wird. Microsoft oder gar Windows dagegen wurden mit keinem Wort erwähnt.

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