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Google-Chef Eric Schmidt: «Das trifft unsere Branche sehr». Bild: KEYSTONE

Folgen der NSA-Affäre

Google-Chef warnt: «Am Ende droht das Internet zu zerbrechen»

Eric Schmidt fürchtet grosse Schäden durch die NSA-Affäre. Der Google-Chef warnte Länder davor, sich vom globalen Datenverkehr abzuschotten – und plauderte von einem Treffen mit Angela Merkel.

09.10.14, 10:18 09.10.14, 12:48

Ein Artikel von

Die Internetriesen Google, Facebook und Microsoft fürchten im Zuge der NSA-Affäre um ihre Pfründe. Google-Chef Eric Schmidt warnte bei einer Veranstaltung in Kalifornien vor ernsthaften wirtschaftlichen Schäden infolge des globalen Spähskandals. «Am Ende droht das Internet zu zerbrechen», sagte Schmidt bei einer Podiumsdiskussion des US-Senats, an der er gemeinsam mit weiteren Vertretern der Internetbranche teilnahm.

Indirekt warnte er Deutschland und andere Länder davor, ihre Daten vom weltweiten Verkehr abzuschotten. Viele Länder hätten das Vertrauen in die USA verloren und dächten darüber nach, wichtige Internetdienste nur noch auf eigenem Boden anzusiedeln. «Das trifft unsere Branche sehr stark», sagte Schmidt.

Solche Pläne würden die Kosten und technischen Hürden für international agierende Internetkonzerne in die Höhe treiben, pflichtete der Chef der Rechtsabteilung von Facebook, Colin Stretch, bei. Dies mache es «hochgradig schwierig, in Anbetracht unserer Fähigkeiten Dienste anzubieten».

Wenn das Vertrauen in US-Firmen schwinde, werde es zwangsläufig zu wirtschaftlichen Einbussen kommen, fügte Microsoft-Anwalt Brad Smith hinzu: «Das ist ein echtes Problem für amerikanische IT-Unternehmen.»

«Was will man mit meinen Telefonaten anfangen?»

Google-Chef Schmidt, so schreibt die «Washington Post», wusste in Kalifornien auch von einer vertraulichen Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu berichten. Im Sommer habe er sich mit ihr in Deutschland getroffen, dort habe Merkel die Überwachung zu DDR-Zeiten erwähnt. Dann habe sie ihr Mobiltelefon aus der Tasche gezogen – und Schmidt zufolge kommentiert: «Was kann jemand damit anfangen, wenn ich mit meiner Mutter telefoniere?». Für Schmidt habe das Treffen gezeigt, dass die Überwachungsaffäre nicht nur eine politische Dimension habe, sondern auch «tief persönlich» sei.

Senator Ron Wyden setzt sich gegen Überwachung ein. Bild: REUTERS

Der demokratische Senator Ron Wyden, der die Veranstaltung organisiert hatte, forderte die US-Regierung auf, die breit angelegte Überwachung zu stoppen. Das «digitale Schleppnetz» mache das Land nicht sicherer, sondern schade der US-Wirtschaft, erklärte er: «Das ist eine klare Gefahr für die Internetwirtschaft.»

Einige Experten prognostizieren Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe, die durch den Vertrauensverlust nach der Spähaffäre entstehen könnten. Bisher sind wirtschaftliche Auswirkungen der NSA-Spähaffäre aber nicht mit konkreten Zahlen zu belegen.

Die Öffentlichkeit hatte im Juni 2013 durch den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden von den NSA-Spähpraktiken erfahren. Demnach hatten der US-Geheimdienst und die Bundespolizei FBI Zugriff auf Serverdaten grosser Internetkonzerne wie Yahoo, Google, Microsoft, Facebook und Apple. Als die Zugriffe bekannt wurden, behaupteten die Konzerne, sie hätten nichts von der Überwachung gewusst. Laut den US-Behörden wurde das Spähprogramm 2011 eingestellt.

In der kommenden Woche wird Google-Chef Schmidt nach Deutschland reisen. Dort trifft er unter anderem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Gabriel hatte in der Vergangenheit damit gedroht, den amerikanischen Konzern notfalls entflechten zu wollen. In der sogenannten «Digitalen Agenda» der Bundesregierung ist von Massnahmen gegen nichteuropäische Internetfirmen die Rede, die ihre «marktbeherrschende Stellung» ausnutzten. (amz/AP)



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 09.10.2014 11:04
    Highlight Soso, Merkel findet also auch die Stasi-Überwachung ganz harmlos. Und sowas nennt sich Bundeskanzlerin?
    5 5 Melden
    • Dubio 09.10.2014 13:21
      Highlight Mmmhh, Frau Merkel meinte genau das Gegenteil. Das war eine rhetorische Frage ihrerseits. Besser nochmals den Text lesen...
      2 1 Melden

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