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Apple, Google und Microsoft speichern auch die ins Mikrofon gesprochenen Suchanfragen.
bild: ANDROIDPIT

Google speichert alles, was du ins Handy sagst. So hörst du deine (peinlichen) Sprach-Suchanfragen ab – und löschst das Archiv

19.10.15, 13:02 19.10.15, 13:19

Siri tut es, Cortana tut es und natürlich tut es auch Google Now: Die Sprachassistenten von Apple, Microsoft und Google nehmen jede ins Mikrofon diktierte Suchanfrage auf. Diese mündlichen Anfragen bleiben danach für alle Ewigkeit auf den Servern von Apple, Microsoft und Google als Sound-Dateien erhalten.

Die Sprachassistenten sind vor allem auf Smartphones nützlich, ersparen sie dem User doch das Eintippen von Suchanfragen. Bei Android ist die Google-App vorinstalliert, iPhone-Nutzer müssen sie herunterladen. Mit dem Sprachbefehl «Ok Google» wird der Assistent aktiviert. Nun hört die App zu und speichert die Aufnahme auf den Google-Servern.

Was viele nicht wissen: Bei Google ist das Archiv aller Suchanfragen – Text- und Sprachsuche – inklusive der gespeicherten Standortdaten abrufbar. Google hat im Juni die Übersichtsseite Google History lanciert, die den Nutzern einen guten Überblick über alle gespeicherten Daten gibt. So lässt sich nicht nur Tag für Tag nachverfolgen, wo wir gerade waren, sondern eben auch, was wir der Google-Sprachsuche (Google Now) ins Mikrofon diktiert haben.

Auf Google History werden alle Sprachanfragen archiviert. Per Klick auf «Wiedergeben» kann man sie nochmals anhören. Die Aufnahmen können dort auch gelöscht werden.
screenshot: history.google.com

Offenbar habe ich Google Now in den letzten Tagen nach den Ständeratskandidaten im Kanton Zürich gefragt. Ich wollte wissen, ob der Sänger Beck wirklich bei Scientology ist und die Öffnungszeiten der Migros in meiner Nähe kann ich mir auch nie merken. Natürlich kann nur ich meine eigenen Sprachanfragen abhören und wie immer klingt die eigene Stimme dabei seltsam fremd. Zum Glück kann man die aufgezeichneten Aufnahmen auch wieder löschen.

Bleibt die Frage, warum Google die Sprach-Suchanfragen speichert und archiviert? «Anhand Ihrer Sprach- und Audioaktivitäten kann Google Sie besser verstehen, wenn Sie Funktionen wie die Sprachsuche verwenden», schreibt Google auf seiner Webseite.

Klingt plausibel. Zürcher und Berliner sprechen beide Deutsch, klingen aber trotzdem unterschiedlich. Wenn Google unterschiedliche Dialekte und Akzente besser versteht, ist uns allen geholfen. Warum der Internet-Konzern dafür alle Sprachanfragen zeitlich unbefristet speichert, erklärt dies aber noch immer nicht.

Nebst den Suchanfragen finden sich in Googles Archiv auch die aufgezeichneten Standorte des Nutzers, dessen Web- und App-Aktivitäten sowie die Liste der geschauten Youtube-Videos.

Google History zeigt auch den persönlichen Standortverlauf: Jahr für Jahr und Tag für Tag.
google history

Das Aufzeichnen der persönlichen Daten kann in den Einstellungen der Google History gestoppt werden. Zusätzlich lässt sich das persönliche Archiv mit den gespeicherten Daten herunterladen. Dafür muss man natürlich mit seinem Google-Konto angemeldet sein.

Google History: In den Einstellungen lässt sich das Speichern von Suchanfragen oder das Aufzeichnen des Standortverlaufes deaktivieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • swissda 19.10.2015 15:18
    Highlight Im Gegensatz zu Google sind die Spracheingaben bei Apple (Siri) anonymisiert und können nicht wie bei Google einem Nutzer zugewiesen werden. Ein kleiner, aber erheblicher Unterschied der verschiedenen Dienste!
    23 7 Melden
    • Tilman Fliegel 19.10.2015 16:55
      Highlight Das ist die Ausrede von Apple, wenn du fragst, ob sie dir deine Daten zeigen können. Google ist wenigstens transparent.
      13 9 Melden
    • G-4 19.10.2015 20:06
      Highlight Google bietet dir wenigstens noch die Möglichkeit anzuschauen was aufgenommen wurde und das Archiv zu "löschen".

      Apple speichert genau so viel wie Google einfach wie gesagt die Nutzer haben keine Kontrolle.
      Das tragische genau das wird noch als Vorteil von Apple gewertet, es nennt sich Benutzer Freundlichkeit und einfache Bedingung😂
      8 6 Melden
    • Durtydawg 19.10.2015 20:40
      Highlight swissda hat recht. Apple generiert aus den Spracheingaben eine Art sprachlichen Fingerabdruck der gesendet wird. Die Spracheingabe an sich wird nie gesendet. Wenn ihr Interesse habt kann ich das mit einem Sniffer untersuchen.
      3 0 Melden
    • G-4 19.10.2015 21:41
      Highlight Sache ist doch das Apple sowie auch Google zu undurchsichtig für uns "normale" Konsumenten sind. Wir werden wohl nie wissen welche unserer Daten gesendet werden und welche nicht...

      und welche an die Nachrichtendienste aller Herrenländer gehen.

      ..... #NSA
      0 0 Melden
    • Durtydawg 19.10.2015 22:20
      Highlight Da hast du recht G-4. Deshalb finde ich Berichte dieser Art auch besonders wichtig. Der Konsument muss ein Bewusstsein für seine Daten entwickeln und darf den Anbietern nicht blind vertrauen.
      0 0 Melden
    • Sir Jonathan Ive 20.10.2015 10:53
      Highlight @G-4

      Solche Informationen sind viel zu einfach nachzuweisen, als dass sich eine grosse Firma wie Apple oder Google dabei erlauben könnte falsche Informationen zu veröfentlichen.

      Google assoziert die Anfragen mit dem Google-Account des Benutzers.
      Apple generiert dabei eine Zufallsbasierte ID, in denen die Muster gespeichert werden, die jederzeit vom Nutzer in der Systemeinstellung erneuert werden kann, um vollständig nicht mehr mit den getätigten Anfragen in Verbindung gebracht werden zu können.
      1 0 Melden

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