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epa04705171 EU Commissioner for Competition Margrethe Vestager gives a news conference after a college meeting at the European Commission Headquarters in Brussels,15 April 2015. The EU Commission sends Statement of Objections to Google on comparison shopping service and opens separate formal investigation on Android.  EPA/JULIEN WARNAND

Die Brüsseler Wettbewerbskommissarin Margrete Vestager hat Google im Visier. Bild: KEYSTONE

Jetzt geht's ans Eingemachte: Die EU knüpft sich Googles Geldmaschine vor

Die EU-Kommission steht offenbar kurz davor, ihr Vorgehen gegen Google massiv zu verschärfen. Diesmal geht es um das Anzeigengeschäft, die mit Abstand grösste Geldquelle des Internetkonzerns.

Markus Becker, Brüssel



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es wäre nicht das erste Mal, dass Google mit der EU-Kommission aneinandergerät. Die Brüsseler Wettbewerbskommissarin Margrete Vestager hat den Internetkonzern bereits wegen dessen Shopping-Angeboten und zuletzt wegen des Mobil-Betriebssystems Android ins Visier genommen. Jetzt aber geht es ans Eingemachte: Vestager will sich offenbar Googles Anzeigengeschäft vornehmen – und das ist für rund 90 Prozent der Gewinne des Unternehmens verantwortlich.

Wie Spiegel Online von Brancheninsidern erfuhr, hat die Kommission mehrere Beschwerdeführer gebeten, ihre Vorwürfe gegen Google zu untermauern. Diese hatten der Kommission bisher Dokumente mit geschwärzten Passagen zur Verfügung gestellt, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen.

In einer E-Mail vom 20. Juni hat die Kommission einen Verband nun darum gebeten, Schwärzungen zu entfernen, um das Vorgehen gegen Google zu erleichtern. Die Frist ist am 27. Juni abgelaufen.

«Angst vor Repressalien»

In der Branche gilt das als sicheres Zeichen, dass die Kommission schon bald gegen Google losschlagen wird – «vermutlich schon Anfang Juli», wie der Vertreter eines Verbandes meint. Er vertritt Firmen, die sich von Google unfair behandelt fühlen und sich bei der Kommission beschwert haben – «weil sie aus Angst vor Repressalien nicht selbst gegen Google vorgehen wollen».

Andere Unternehmen scheren sich nicht um Geheimhaltung. So teilte Kate Sutton, Chefin des britischen Kartendienstes StreetMap, am Montag über ihren Facebook-Account mit, dass die Kommission sie um Erlaubnis gefragt habe, E-Mails und den Inhalt eines Telefonats vom Oktober 2015 zu nutzen. «Will ich Vertraulichkeit?», schrieb Sutton. «Die einfache Antwort lautet: Nein!»

StreetMap wirft Google schon seit Jahren vor, seinen eigenen Kartendienst in den Suchergebnissen zu bevorzugen.

Jahresumsatz: 74,5 Milliarden Dollar

Die Kommission wollte die Vorgänge am Dienstag nicht kommentieren. Die Brüsseler Wettbewerbshüter beäugen Googles Werbegeschäft mit Diensten wie AdWords und AdSense aber schon seit Jahren kritisch.

Für den Konzern sind die Anzeigen im Umfeld von Suchanfragen die bei weitem grösste Geldquelle. Allein im letzten Quartal 2015 brachten sie nach Angaben des Branchendienstes «Advertising Age» rund 19 Milliarden Dollar ein, was rund 90 Prozent von Googles Gesamteinnahmen ausmache.

Sollte die EU-Kommission zu dem Ergebnis kommen, dass Google mit seinen Anzeigen EU-Wettbewerbsrecht verletzt hat, drohen dem Konzern Strafen in Höhe von bis zu zehn Prozent seines Jahresumsatzes. Er lag 2015 bei 74,5 Milliarden Dollar.

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    Alle Leser-Kommentare
  • So en Ueli 29.06.2016 08:08
    Highlight Highlight Die EU soll lieber vor dem eigenen Teppich kehren, bevor sie auf andere losgeht. Zuerst die eigenen Probleme (von denen gibt es viele) angehen.
  • http://bit.ly/2mQDTjX 28.06.2016 23:43
    Highlight Highlight Selbst wenn es Googles beste Absicht ist, nichts Böses zu tun, müssen diese BigData-Firmen alle nach den Regeln des Marktes handeln und ihren Profit maximieren.

    Die EU will scheinbar für einen fairen Markt sorgen.

    Aber vielmehr geht es ihr doch darum, diesen Markt mit unserer Privatsphäre und der privat-regulierten Meinungsfreiheit (Facebook) zu zementieren, um letztlich selber davon angemessen profitieren zu können.

    In diesem Sinne legitmiert die EU ein unfaires/inhumanes Geschäftsmodell zur Ausbeutung der Menschen, indem es das kurzerhand zum Teil des freien Wettbewerbs erklärt. Simpel.
  • Alnothur 28.06.2016 19:57
    Highlight Highlight duckduckgo.com ...
    • Andy 28.06.2016 20:04
      Highlight Highlight Einer ders verstanden hat :)
  • Andy 28.06.2016 19:54
    Highlight Highlight Grundsätzlich durchaus gerechtfertigt. Wenn die Leute verstehen würden was FB, Google und Apple für eine Macht haben und dabei noch nicht mal wirklich Steuern zahlen, würde ein Shitstorm einer Atombombe über diese Unternehmen hereinbrechen. Das Problem ist nicht Google etc: Das Problem ist das Unternehmen keine Steuern mehr bezhalen und nur immer das 1-2% oberste Prozent massiv profitiert (sei es die EU oder die Unternehmensteuerreform II-III) - pervers mehr ist nichtmal genug! Wir sind leider die dummen Sklaven welche über unsere Bedürfnisse gesteuert brav im Hamsterrad rennen.
    • WeischDoch 28.06.2016 20:28
      Highlight Highlight Ich verstehe die Macht sehr wohl...habe mich oft intensiv damit beschäftigt...ja man kriegt Angst! ABER dann machs eben so, dass du deine Gesetze änderst um an die Steuern zu kommen! Den Dienst stören hilft niemandem!
    • Andy 28.06.2016 20:35
      Highlight Highlight Das wäre meiner Meinung nach auch der falsche Ansatz und dumm. Aber man könnte die ganze EU Situation (zahlt nicht Google in Irland "Steuern"?) nutzen um endlich mal EU weit etwas aufzuräumen und nicht Menschen gegeneinander ausspielen was nur einen wenigen hilft. Die Logik wäre: Firmen können sich gerne dumm und dämlich verdienen (basierend auf einigen Fairness-Regeln) aber es sollte zumindest indirekt wirklichen der Allgemeinheit von Nutzen sein. Steueroptimierung ist für mich Betrug welcher sich der Normalbürger nicht leisten kann (und auch nicht sollte).
    • http://bit.ly/2mQDTjX 29.06.2016 00:12
      Highlight Highlight Ich halte es für problematisch, wenn man privaten Firmen erlaubt, unsere Privatsphäre in grossem Umfang auszuspionieren, um darauf gestützt m.E. ausbeuterische, aber höchst profitable Geschäftsmodelle aufzubauen.

      Noch bedenklicher, wenn der Staat an solchen menschenverachtenden Geschäftsmodellen mitverdienen will.

      Die Privatsphäre der Bürger verkommt zur käuflichen Ware.

      Ich sehe die ursächlichen Probleme vielmehr in der zugundeliegenden Technologie des Internets. Die Hippies standen unter Drogen.

      Lösungsvorschläge, zB. da:

      https://gnunet.org/sites/default/files/fk-2016-1-p46.pdf
    Weitere Antworten anzeigen
  • TheMan 28.06.2016 18:29
    Highlight Highlight Wan kommt Apple dran? Geschlossenes System, die Steuern die gleich 0 ist. Apple würde sich mehr Lohnen.
    • Der Tom 28.06.2016 19:40
      Highlight Highlight Googles Suchalgorithmen sind fast so top secret wie das Appenzellerkäse Rezept.
    • TheMan 28.06.2016 20:02
      Highlight Highlight @Der Tom. Sorry auch Cola's Rezept, ist geheim. Stell dirmvor Google müsste den Algorithmus bekannt geben. Das würde Geschäftsschädigend sein. Und danach gibt es Viele Suchseiten mit dem Gleichen Algorithmus. Was auch der Innovation schaden könnte. Ab und zu muss halt was Geheim bleiben.
    • http://bit.ly/2mQDTjX 29.06.2016 00:50
      Highlight Highlight Das ist nicht so eine Zauberei, TheMan und Tom. Googles Suchalgorithmen sind öffentlich.

      https://en.wikipedia.org/wiki/PageRank

      Die Marktmacht von Google begründet sich aber nicht auf den Suchalgorithmen, sondern an Googles enormen Möglichkeiten, grosse Datenmengen zu sammeln und zu verarbeiten.

      Die Such-Algorithmen von Google dienen nur dazu, alle möglichen Daten über dich und dein Verhalten aus dir zu saugen, um sie aufzubereiten und zu verkaufen.

      Spionage war schon immer etwas undurchsichtig.
  • purzelifyable 28.06.2016 17:57
    Highlight Highlight Vestager klingt verdächtig ähnlich wie Versager 😜. Im Ernst, was ist das Problem?! Es ist doch zum Beispiel völlig natürlich, dass Google den eigenen Kartendienst bevorzugt anzeigt. Und punkto "übermächtiges Google": Wenn es die europäischen Firmen halt verpeilen, ein Angebot auf die Reihe zu kriegen, das einschlägt, sind sie selber schuld. Das Google-Bashing der EU ist ähnlich blöd wie die Browserauswahl, das Glühlampenverbot oder die penetrante Cookiewarnung, Ein Riesen Tamtam, das den Konsumenten nur nervt.
  • WeischDoch 28.06.2016 17:12
    Highlight Highlight Wenn man bedenkt, dass Google auch politische Karrieren zerstören kann, würd ich da aufpassen...auch wenn ich es einigen Politikern nur zu gerne gönnen würde!

    Meiner Meinung nach ist Google in Ruhe zu lassen...Das Unternehmen hat was erreicht, und schützt sich jetzt...mach es besser, dann kommen die Leute zu deinen Diensten!
  • Kommentareschreiber 28.06.2016 16:10
    Highlight Highlight Billige Revanche wegen VW, wie ich vermute. (Wirtschaftskrieg)

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