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Jason Segel und Cameron Diaz drehen im gleichnamigen Film ein Sextape. Bild:Sony

Google sagt Rachepornos den Kampf an – eine wichtige Frage bleibt aber offen

Google will sich fürs Recht am eigenen Bild einsetzen – zumindest am eigenen Nacktbild. Links zu sogenannten Rachepornos sollen künftig auf Wunsch entfernt werden. Europäer haben dieses Recht längst.

20.06.15, 16:12 21.06.15, 11:24

Christian Stöcker

Ein Artikel von

Der Blogeintrag, mit dem Google-Manager Amit Singhal wohl Hunderttausenden rund um den Globus Hoffnung macht, ist nur vier Absätze lang. «Racheporno-Bilder sind extrem persönlich und verursachen emotionale Schäden», schreibt Singhal, «sie dienen dazu, die Opfer herabzusetzen – vor allem Frauen.» Deshalb habe Google sich entschieden, in Zukunft «Wünschen von Menschen nachzukommen, die möchten, dass wir Nacktfotos oder sexuell explizite Bilder von ihnen aus den Suchergebnissen entfernen, die ohne ihre Zustimmung verbreitet werden».

Über ein Webformular sollen Betroffene in einigen Wochen entsprechende Anträge stellen können. «Wir wissen, dass wir so das Problem von Rachepornos nicht lösen werden», schreibt Singhal. Schliesslich würden die Bilder auf diese Weise nicht von ihren ursprünglichen Speicherorten gelöscht, sie könnten nur nicht mehr über die Google-Suche gefunden werden. Die Massnahme könne aber «helfen».

US-Bürger haben weniger Rechte als Europäer

Singhal betont, dass es sich hier um eine «beschränkte Massnahme» handele, ähnlich wie man mit «anderen sensiblen persönlichen Daten wie Kontonummern oder Unterschriften» umgehe. Auch Links zu Websites mit urheberrechtsverletzendem Material löscht Google schon jetzt auf Wunsch der Rechteinhaber, in Deutschland auch solche, die auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien stehen.

Andere Web-Unternehmen wie Twitter, Facebook und die Social-News-Plattform Reddit hatten in den vergangenen Monaten ähnliche Ankündigungen zum Thema Racheporno-Bilder gemacht.

Tatsächlich hat Google eigentlich nur entschieden, dass das, was für Europäer bereits gilt, nun auch für Nutzer im Rest der Welt gegen soll – eingeschränkt auf einen einzigen Bereich. Es dürfte für den Konzern gerade in den USA, wo es eine intensive öffentliche Debatte über sexuelle Herabsetzung im Netz gibt, kaum zu vermitteln gewesen sein, warum US-Bürger hier weniger Rechte haben als Europäer.

Nacktbilder, die ohne Zustimmung der Beteiligten ins Netz gestellt worden sind, will Google entfernen. Bild: shutterstock

Google löscht zwar Links – aber längst nicht überall

Das vom Europäischen Gerichtshof (EuGh) verfügte Recht auf Vergessen versetzt Menschen seit Mai 2014 in die Lage, bestimmte Suchergebnisse von ihrem eigenen Namen zu entkoppeln. Bis heute soll Google auf Antrag eine Million Links aus den Suchergebnissen entfernt haben. Der Umgang mit den Löschanfragen wird von einem achtköpfigen Gremium beaufsichtigt, zu dem unter anderem die ehemalige deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört.

Bislang kommt Google Löschanordnungen, die der Konzern selbst als berechtigt einstuft, aber nicht in allen seinen Angeboten nach. Erst vor wenigen Tagen hat die französische Datenschutzbehörde CNIL den Konzern deshalb aufgefordert, entsprechende Links nicht nur auf seinen europäischen Seiten – solchen mit Domainendungen wie .de, .uk oder .fr – zu löschen, sondern auch auf der US-amerikanischen Google.com-Seite. Wenn Google diesem Wunsch nicht nachkomme, behalte sich die CNIL weitere Schritte vor, die am Ende auch in Sanktionen münden könnten.

Welche Rolle spielt Max Mosley?

Eine Rolle dürfte bei der aktuellen Entscheidung auch der jahrelange Rechtsstreit des Suchmaschinenkonzerns mit dem ehemaligen Formel-1-Manager Max Mosley gespielt haben. Ein britisches Boulevardblatt hatte Mosley vor sieben Jahren bei einer Sexparty mit mehreren Prostituierten heimlich filmen lassen, anschliessend Videos davon ins Netz gestellt und Fotos veröffentlicht. Mosley klagte gegen Hunderte Websites, die die Bilder weiterverbreitet hatten, und gewann.

Trotzdem tauchten die Bilder immer wieder auf, aufzufinden auch über Google. Mosley klagte auch gegen den Konzern, und zwar in Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Mitte Mai kam es dann zu einer überraschenden aussergerichtlichen Einigung. Zu einem Urteil kam es nicht.

Wenn man nun mit einschlägigen Begriffen nach den Mosley-Bildern sucht, findet man bei Google in der Regel keine Bilder der Orgie mehr –zumindest auf europäischen Sites des Unternehmens. Wie genau das funktioniert, ist unklar – Google hatte sich dem Ansinnen, Webseiten mit dem entsprechenden Material proaktiv zu identifizieren und sie aus den Suchergebnissen zu werfen, zunächst verweigert.

Unklarheit besteht nun auch im Bezug auf Googles Ankündigung, Racheporno-Bilder künftig aus seinen Ergebnissen zu filtern. Ob auf Wunsch der Betroffenen nur konkrete Links entfernt werden oder ob Google auch proaktiv neue Verlinkungen des gleichen Bildmaterials herausfiltern wird, liess Singhal offen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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