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Google killt die Navi-Tasten im neuen Android P – sozusagen. Und bringt was viel Besseres

Google hat das seit Langem grösste Update für sein Smartphone-Betriebssystem angekündigt. Die neue Software soll primär die Bedienung vereinfachen und die Akkulaufzeit optimieren. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

12.05.18, 15:45 13.05.18, 07:23

Matthias Kremp / spiegel online

Ein Artikel von

Mehr als eineinhalb Jahre hat es nach Apples Präsentation des damals revolutionären iPhones gedauert, bis Google im September 2008 das erste Android-Smartphone präsentierte. Erst Monate später, im Februar 2009 kam das Gerät als T-Mobile G1 in Europa auf den Markt. Wir urteilten damals, man könne damit «viele Aufgaben schneller erledigen als mit anderen Handys, auch schneller als mit dem iPhone», «wenn man den Touchscreen mit dem Trackball und der Tastatur kombiniert». Fast zehn Jahre später sind physische Tastaturen und Trackballs bei Smartphones längst Geschichte.

Die Android-Buttons verschwinden – sozusagen

Mit Android P will Google die Benutzung von Smartphones weiter vereinfachen. Der Multitasking-Button, der die zuletzt genutzten Apps aufruft, verschwindet ganz, der Zurück-Knopf taucht nur noch in Apps auf. Nur der Home-Button bleibt, hat in «P» aber eine neue Logik. Tippt man ihn in einer App an, führt er zum Startbildschirm zurück. Wischt man nach oben über den Bildschirm, werden die geöffneten Apps nebeneinander angezeigt und man kann mit seitlichem Wischen durch diese Liste scrollen und schnell zu anderen Apps springen.

Wischt man zweimal nach oben, gelangt man zur Übersicht der installierten Apps (siehe folgendes Video). Dort wiederum werden in einer separaten Reihe fünf Apps angezeigt, von denen das System annimmt, dass man sie als nächsten benutzen wird. Welche Apps dort auftauchen entscheidet ein Algorithmus. Wie gut das in der Praxis funktioniert, wird erst ein Test zeigen.

So funktioniert die neue Wisch-Steuerung

Handy mit Display nach unten blockiert Benachrichtigungen

Ausserdem hat Google mehrere Funktionen in Android P eingebaut, die Anwendern helfen sollen, ihr Smartphone bewusster zu nutzen und sich weniger davon ablenken zu lassen. Die einfachste davon aktiviert einen «Bitte nicht stören»-Modus, sobald man das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf einen Tisch legt. In der Folge werden alle Benachrichtigungen und Klingeltöne stummgeschaltet. Ist gerade kein Tisch zur Hand, lässt sich dieser Modus auch manuell einschalten. Google-Manager Sameer Samat sagt, das Feature sei dazu gedacht, alle Ablenkungen abzuschalten, damit man sich, etwa beim Abendessen, nicht vom Handy stören lässt.

Während das noch eine Funktion ist, die man sehr aktiv einschalten muss, gibt es andere, mit denen man sich selbst regelrecht vom Handy zu einer massvolleren Nutzung desselben erziehen lassen kann.

Massvollere Smartphone-Nutzung

Neu gibt es eine Art Cockpit, im Englischen heisst es Dashboard, das das Nutzungsverhalten aufschlüsselt. Es zeigt nicht nur an, wie viel Zeit man insgesamt am Tag, in der Woche oder im Monat mit dem Handy verbringt, sondern schlüsselt auch genau auf, wie viele Minuten lang man welche Apps benutzt und wie oft man das Gerät am Tag entsperrt.

Zum einen erfährt man so, wie viel Zeit man wirklich mit dem Gerät verbringt. Viele Nutzer würde schon diese Angabe erstaunen, sagt Samat. Zum anderen kann man sich hier selbst Limits setzen, etwa die Nutzungszeit für die YouTube-App einschränken. Etwa fünf Minuten bevor dieser Wert erreicht ist, wird man gewarnt. Ist das Limit überschritten, wir die App eingefroren, ihr App-Symbol in Graustufen dargestellt. Ein Neustart der App ist dann nicht mehr möglich - ausser man öffnet erneut das Dashboard und deaktiviert das selbstgesetzte Limit. Ob die Funktion in dieser Form erhalten bleibt oder noch etwas entschärft wird, will Google erst entscheiden, wenn genug Rückmeldungen von Betatestern vorliegen.

«Gute Nacht»-Modus

Ganz ähnlich arbeitet der «Gute Nacht»-Modus. Er aktiviert zu einer voreingestellten Zeit den sogenannten Nachtlichtmodus, in dem die Bildschirmfarben auf ein warmes Spektrum mit wenig Blautönen umgeschaltet werden. Vor allem aber sollen zu einer vorgewählten Schlafenszeit die Bildschirmfarben ganz abgeschaltet, Apps und Betriebssystem nur noch in Graustufen dargestellt werden. Das würde die meisten farbenfrohen Apps, mit denen man sich gerne noch abends beschäftigt - Spiele und YouTube beispielsweise - deutlich weniger attraktiv erscheinen lassen, sagt Samat.

Smarte Akkunutzung

Die Funktion «Adaptive Battery» erkennt, welche Apps man bald, welche später bzw. nur selten braucht. Der Prozessor soll dadurch weniger aufwachen und das Gerät Akku sparen.

Neben diesen Neuerungen, die einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone erreichen sollen, gibt es noch zahlreiche weitere Neuerungen, viele davon rein technischer Natur. So rückt Android P das immer wieder beliebte und trotzdem ungelöste Thema der Stromsparsamkeit wieder in den Fokus. Eine Funktion, die Google den adaptiven Akku nennt, soll den Stromverbrauch mithilfe künstlicher Intelligenz so regeln, dass jene Apps bevorzugt mit Energie versorgt werden, die man besonders häufig nutzt. Bis zu 30 Prozent mehr Laufzeit soll das bringen. Die zweite Funktion, die helfen soll, die Akkulaufzeit - und gleichzeitig den Komfort - zu verbessern, regelt die Helligkeit des Bildschirms laut Google in Abhängigkeit davon, wo man sich aufhält.

Einige der Neuerungen im Android-P-Update sind allerdings nur für Google neu. Manches wurde von Apples iOS inspiriert, anderes von Handyherstellern entliehen, die ihre Android-Geräte mit eigenen Extras aufgewertet haben. Die Funktion beispielsweise, die den Nutzer beim Anstecken eines Headsets fragt, ob er jemanden anrufen oder die zuletzt abgespielte Musik-Playlist fortsetzen will, kann man längst mit Apps wie Headphones Detector, Automate und Tasker automatisieren.

Die Beta-Version ist für alle verfügbar, aber ...

Wie sich die neue Testversion von Android P in der Praxis schlägt, werden wir in den nächsten Tagen ausgiebig testen. Die Software ist seit dem 8. Mai für jedermann kostenlos verfügbar und läuft auf den folgenden Geräten:

Realistisch betrachtet sind davon in der Schweiz nur Googles Smartphones, das Nokia 7 Plus und das Sony Xperia XZ2 relevant. Bemerkenswert ist, dass noch kein Samsung-Smartphone in der Liste zu finden ist. Mehr zu den kompatiblen Geräten und Links zur Anmeldung zum Betaprogramm gibt es auf dieser Seite. Solche Betasoftware hat immer Fehler und kann immer zu Datenverlust führen. Deshalb sollte man sie lieber nicht auf einem Gerät installieren, das womöglich für die Arbeit wichtig ist.

Diverse neue Funktionen

Google Photos

Google Photos kann nun beispielsweise alte Schwarzweiss-Aufnahmen einfärben.

Google Maps

Google Maps erhält den neuen Tab For You, der interessante Restaurants, Orte etc. in der Nähe anzeigt. Mit Machine Learning wird ein persönlicher Übereinstimmungswert errechnet, der Lokale und Orte vorschlagen soll, die man vermutlich mag.

Google Lens

Google Lens analysiert, was die Kamera sieht: Das Handy erkennt Produkte, Objekte, Tiere etc.

Google Lens in Google Maps

In Google Maps kann man nun mit Lens live die Umgebung durch die Kamera betrachten und Informationen zu Strassen, Plätzen etc. werden direkt auf dem Display angezeigt. Dies ist vor allem für die Navigation zu Fuss von Vorteil.

Das neue Google News

Video: YouTube/Google

Eine weitere Neuerung, die für Aufsehen sorgen dürfte, ist das neue Google News. Beim ihm soll künstliche Intelligenz (KI) automatisch die wichtigsten Themen für den jeweiligen Nutzer aus dem Netz zusammensuchen. Welche das sind soll das System im Laufe der Zeit selbst lernen, indem es das Nutzungsverhalten des Users auswertet. Um einen schnellen Überblick zu aktuellen Themen zu ermöglichen, stellt das System dazu passende Artikel und Videos in Paketen zusammen, aus denen man für den jeweiligen Geschmack die relevanten auswählen soll.

Die neuen Funktionen von Android P im Video erklärt

Diese 15 super-nützlichen Apps solltest du unbedingt kennen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Tom 13.05.2018 15:32
    Highlight Ach regt euch nicht auf. Kaum jemand wird das Update erhalten ohne ein neues Gerät kaufen zu müssen.
    5 0 Melden
  • Lukakus 13.05.2018 13:30
    Highlight Alle Android User, nachdem sie diesen Artikel gelesen haben:

    3 1 Melden
  • Siebenstein 12.05.2018 19:57
    Highlight Hmm, ich gewinne den Eindruck, dass Google sich von Huawei hat inspirieren lassen mit den "neuen" Funktionen.
    Die one Button-Navigation ist sehr ähnlich bei Huaweis Schnellzugriff den ich zu schätzen gelernt habe und der Rest quasi gleich bis auf Punkt 7.
    5 12 Melden
  • Caturix 12.05.2018 19:15
    Highlight Die Funktionen sind voll Müll. Wenn ich iOS Funktionen will kaufe ich mir ein iPhone und keinen Android Klon.
    Wenn man noch Platz sparen würde, aber nein es sind 2 Buttons anstatt 3 und der selbe Platz verloren.
    9 40 Melden
    • Alnothur 12.05.2018 19:31
      Highlight Die Gestensteuerung ist aber keine "iOS-Funktion", sondern stammt direkt aus dem Palm webOS ;)
      15 2 Melden
    • Rumo 12.05.2018 21:47
      Highlight iOS mit Gestensteuerung 2007. Web OS 2009.
      6 13 Melden
    • Alnothur 12.05.2018 23:13
      Highlight Na, die Gestensteuerung würde ich gerne sehen... iOS hat ja auch eben gerade die webOS-Gestensteuerung übernommen.
      7 2 Melden
    • Rumo 13.05.2018 20:10
      Highlight Mit zwei Fingern zoomen!
      0 2 Melden
    • Rumo 13.05.2018 20:13
      Highlight iOS hat diese Bestimmte Gestensteuerung übernommen. Aber der Multitouchscreen des iPhone kann Gestensteuerung seit dem ersten. Alles andere ist eine Weiterentwicklung, teils mit anderen Ideen und Ansätzen.
      0 2 Melden
  • Barracuda 12.05.2018 18:21
    Highlight Schwachsinnig. Das kommt raus, wenn man einfach auf Teufel komm' raus Änderungen macht. Ich persönlich habe null Verständnis, dass man nun die drei bewährten Tasten teilweise weglässt.
    30 20 Melden
  • Jim_Panse 12.05.2018 17:54
    Highlight Oh la la. Ein bisschen appelé für androidé. Bien sur
    14 22 Melden
  • Alnothur 12.05.2018 17:01
    Highlight Willkommen zurück, webOS.
    25 4 Melden

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