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Diese Drecks-Handys: So schlägt sich ein 17-jähriges Gerät gegen zwei aktuelle Outdoor-Smartphones

Vor 17 Jahren brachte Siemens das erste Outdoor-Handy auf den Markt. Seither hat sich viel getan. Wir haben ausprobiert, ob so ein Oldie noch eine Chance gegen moderne Outdoor-Smartphones hat.

Matthias Kremp / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Als ich mich 1998 nach einem neuen Mobiltelefon umschaute, hatte ich zwei Wünsche: Ich wollte ein Gerät, das anders ist als die vielen Nokias, und am besten eines, das auch mal einen Regenschauer verkraftet und nicht gleich kaputt geht, wenn es runterfällt. Mein Glück: Siemens, damals noch Handyhersteller, hatte gerade das S10d Active vorgestellt, das erste Outdoor-Handy der Welt.

Aber das ist lange her, längst haben ganz andere Geräte das alte Siemens abgelöst. Outdoor-Mobiltelefone gibt es allerdings immer noch. Gerade erst hat Samsung das neue Galaxy Xcover 3 und Kyocera das robuste Torque auf den Markt gebracht. Zwei Gründe, einmal nachzuschauen, ob mein altes S10 heute noch gegen die neuen Modelle ankommen kann.

Die Hardware

Als ich das alte Siemens-Handy wieder hervorhole, fällt mir sofort die knallgelbe Sondertaste an seiner Seite auf. Sie dient dazu, Sprachaufnahmen zu starten. So sollten Siemens-Kunden Notizen von bis zu 40 Sekunden Länge ins Handy sprechen können. Der Haken dabei: Jedes Mal, wenn man die Taste drückt, wird der Speicher gelöscht, um Platz für eine neue Aufzeichnung zu machen.

Eine Besonderheit des Torque ist, dass es seinen Bildschirm beim Telefonieren vibrieren lässt. So soll man seinen Gesprächspartner auch in lauter Umgebung gut verstehen können. Dazu hält man das Telefon einfach so, dass der Bildschirm direkt auf dem Ohr aufliegt. Zum einen werden Aussengeräusche dadurch gedämpft, zum anderen wirkt das Bildschirmglas wie ein Lautsprecher. Beim Test in der Einflugschneise des Hamburger Flughafens funktionierte das recht gut.

Genau wie das Siemens-Handy haben auch die Modelle von Samsung und Kyocera farblich markierte Knöpfe für Sonderfunktionen. Beim Xcover 3 ist er Metallicblau, schaltet das LED-Licht an, nach zweimal Drücken die Kamera. Beim Kyocera-Handy gibt es eine knallrote Taste, der man eine beliebige App zuweisen kann, die dann auf Tastendruck startet.

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Der eine zu hell, der andere zu dunkel

Während also Einigkeit herrscht, dass eine zusätzliche Taste draussen – etwa bei nassen Fingern – nützlich sein kann, gibt es bei den Bildschirmen grosse Unterschiede. Das Xcover 3 überrascht mit einem für Samsung erstaunlich blassen Display. Mit 800 x 480 Pixeln ist die Auflösung vergleichsweise gering, die Kontraste sind schwach. Im direkten Vergleich wirkt das HD-Display des Kyocera mit seinen 1280 x 720 Pixeln heller und kräftiger. In der höchsten Helligkeitsstufe ist es schon fast zu hell.

Das Display des S10 Active kann da nicht mithalten. Auf seinen drei Textzeilen finden rund 50 Buchstaben Platz, darüber und darunter liegen Symbolleisten. Immerhin war es seinerzeit das erste Handy mit einem Display, das vier Farben anzeigen konnte. Der Kontrast ist aber so mässig, dass man das Bildschirmchen bei heller Sonne mit der Hand beschatten muss, um etwas erkennen zu können.

Zu schwer zum Schwimmen

So hart im Nehmen wie das Kyocera-Telefon ist keines der beiden anderen Geräte. Das fest verschraubte und teilweise gummierte Gehäuse soll Stürze aus mindestens 1,2 Metern Höhe aushalten. Im Test vertrug es auch eine weitaus rabiatere Behandlung mit Stürzen und Würfen. Einzig das Display könnte Schaden nehmen, wenn es ungünstig fällt. Ansonsten wird es von den überstehenden Kanten des Gehäuses zusätzlich geschützt.

Das viel stärker auf schlankes Design ausgelegte Samsung kann da nicht ganz mithalten. Dabei hat auch das koreanische Smartphone einen verstärkten Rahmen, der zudem an den besonders empfindlichen Ecken noch einen Hauch dicker gebaut ist und an den Kanten minimal das Display überragt.

Das alte S10 Active hingegen ist schon aufgrund seiner klobigen Bauform recht gut gegen Beschädigungen geschützt. Das zwei Finger dicke Gehäuse steckt viele Schläge und Stürze weg, eine umlaufende Gummilippe schützt es zusätzlich vor Schäden.

Unzerstörbar ist es deshalb nicht. Bei meinem S10 zerbrach 1999 nach einem Sturz der Bildschirm. Telefonieren konnte ich mit dem Gerät trotzdem noch, weil es ein echtes Tastenfeld hat und keine Bildschirmtastatur. Der Hersteller tauschte das Gerät problemlos auf Garantie aus.

Vorsicht ist allerdings bei Wasser geboten: Während die Outdoor-Smartphones von Samsung und Kyocera auch mal eine halbe Stunde in der Badewanne aushalten, ist das Siemens-Handy nur gegen Spritzwasser geschützt. Im Regen telefonieren geht also, beim Schwimmen sollte man es lieber am Ufer lassen. Aber das empfiehlt sich wegen seines Gewichts sowieso.

Fazit

Kyocera Torque und Samsung Galaxy Xcover 3 sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Samsung hat versucht, ein Outdoor-taugliches Handy zu bauen, das nicht klobig ist. Der Versuch ist gelungen, mit einem Listenpreis von knapp über 200 Euro ist das Xcover 3 erschwinglich.

Kycoeras Torque kostet gut doppelt so viel, kann allerdings auch mehr wegstecken als das Samsung. Der japanische Konzern will nicht mit Lifestyle punkten, sondern mit Firmentauglichkeit. So lässt sich das Torque auch mit dicken Handschuhen bedienen, kann an Firmennetzwerke angebunden und vom Administrator aus der Ferne gewartet werden. Ausserdem hielt sein Akku im Test regelmässig mehrere Stunden länger durch als der des Samsung.

Die Akkuleistung ist auch das einzige Argument, das heute noch für das Siemens S10d Active spricht. Selbst nach 17 Jahren hält es mit dem Originalakku von 1998 immer noch vier bis fünf Tage im Standby durch.

Leider ist es gebraucht nicht so billig, wie man es erwarten sollte: Als Sammlerstück wird es für bis zu 75 Euro angeboten. Wenn man wirklich nur telefonieren möchte und erreichbar sein will, ist es trotzdem die richtige Wahl. Aber wem reicht das heutzutage schon?

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