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Das Nexus 9 (links) mit der watson-App wird von HTC für Google produziert. Bild: watson/Miguel Tupak Kratzer

Im Praxistest: Das Nexus 9

Das taugt das neue Google-Tablet mit Android 5.0

Das Nexus 9, gebaut von HTC, ist Googles neues Vorzeige-Tablet: Sein schneller Prozessor und der hochauflösende Bildschirm sollen das neue Betriebssystem Android 5.0 «Lollipop» möglichst gut aussehen lassen. Ob das gelingt, zeigt unser Test. 

22.11.14, 17:07 23.11.14, 14:05

Matthias Kremp

Ein Artikel von

Googles Nexus-Handys und -Tablets haben vor allem einen Zweck: Sie dienen als Demonstrationsobjekte für die jeweils aktuelle Android-Version. So auch das Nexus 9, das von HTC produziert wird. Für kurze Zeit war es das einzige Tablet auf dem die Version 5 des Google-Betriebssystems, Codename «Lollipop» (Lutscher), lief. Erst seit dem 18. November liefert Nvidia als erster Hersteller ein Android 5.0-Update für sein Gamer-Tablet Shield aus. 

Äusserlich wirkt das neue Nexus unspektakulär: Die Front wird ganz vom Deckglas des Bildschirms eingenommen, der Rahmen ist aus Aluminium, die Rückseite wird von einem Kunststoffdeckel geschützt. Der fühlt sich angenehm weich an und ist es leider auch. Schon durch mässigen Druck kann ich ihn fühlbar eindellen. Gehe ich etwas kraftvoller zur Sache, biegt sich das Gerät sichtbar durch. Zum Glück findet es aber stets zur alten Form zurück. 

Hinter dem Plastikdeckel arbeitet ein Tegra-K1-Prozessor von nVidia, der in ähnlicher Form auch im Shield-Tablet steckt. Während im Shield allerdings eine 32-Bit-Version dieses Prozessors sitzt, steckt im Nexus eine 64-Bit-Variante. Dafür hat der K1 im Shield vier Rechenkerne, der im Nexus nur zwei. In der Praxis und in Leistungsmessprogrammen macht das allerdings kaum einen Unterschied. Beide sind schnell. Der Grafikchip ist ohnehin identisch und lässt Spiele in bester Qualität ruckelfrei über den Bildschirm laufen. 

«Lollipop»-Tablet: Android 5.0 auf dem Google Nexus 9

Und das Display?

Der Bildschirm selbst macht auf den ersten Blick einen hervorragenden Eindruck. Mit 2048 x 1536 Bildpunkten auf 8,9 Zoll ist die Auflösung so hoch, dass auch bei genauem Hinsehen keine Bildpunkte zu erkennen sind. Schriften werden sehr randscharf dargestellt, die Farben sind klar und kontrastreich, aber nicht übertrieben stark. Bemerkenswert ist, wie gut das Display auch dunkle Grauschattierungen differenziert. Bemerkenswert ist aber auch, dass sich bei dunklen Bildern die ungleichmässige Ausleuchtung des Displays erkennen lässt: In den Ecken sind deutliche Lichthöfe zu erkennen (siehe Slideshow). 

Die Netzwerkanbindung erfolgt bei meinem Testgerät per WLAN, bis hin zum schnellen Standard IEEE 802.11 ac. Gegen Aufpreis ist auch eine LTE-Version erhältlich. Zur Wahl stehen ausserdem Varianten mit 16 und 32 Gigabyte Speicher. Einen Erweiterungssteckplatz gibt es leider nicht. Die Qualität der Fotos, die ich mit der eingebauten 8-Megapixel-Kamera gemacht habe, ist durchschnittlich, Farben wirken etwas blass. Damit die Fotos etwas werden, muss man zudem sehr darauf achten, die Linse sauber zu halten, die, genau wie der Rest des Geräts, sehr anfällig für Fingerschmutz ist. 

Das Betriebssystem: Android 5.0

Interessanter als die Hardware ist jedoch das Betriebssystem. So niedlich der Name «Lollipop» klingen mag, so wichtig ist Android 5.0 für Google. Die neue Software soll die Grundlage für ein System legen, bei dem die Grenzen zwischen verschiedenen Geräten verschwimmen. Musik, Fotos und Apps beispielsweise sollen auf allen mit einem Google-Account verbundenen Geräten zugleich verfügbar sein, egal ob Smartphone, Tablet, Notebook oder TV-Box. 

Optisch fällt zuerst auf, dass das neue Android ebenso flach geworden ist wie das aktuelle iOS 8.1. Das bringt unter anderem Geschwindigkeitsvorteile, weil flache Mitteilungsboxen und Menüs schneller zu berechnen sind als solche, die mit einem 3D-Effekt Räumlichkeit vortäuschen. Das könnte unter anderem dazu beitragen, dass Android 5 auch auf vergleichsweise schlapper Hardware noch rundläuft. 

Die watson-App für Android auf dem Nexus 9. bild: watson/miguel tupak kratzer

Auf dem Nexus 9 konnte ich diesen Effekt freilich nicht testen, dafür ist es zu schnell. Leistungsmessungen mit Textprogrammen (Benchmarks) erbrachten sehr hohe Werte. Im weiter verbreiteten Geekbench etwa erzielt das Nexus 3200 Punkte. Damit ist es zwar noch weit vom iPad Air 2 entfernt, das im selben Test knapp 4500 Punkte erzielt, gehört aber dennoch zu den schnelleren Android-Tablets. 

Wisch und weg 

Abgesehen von den Leistungsvorteilen, die «Lollipop» bringen mag, sieht die neue Optik aber einfach gut aus. Besonders deutlich macht sich das zum einen auf dem Sperrbildschirm bemerkbar, auf dem Mitteilungen jetzt sauber untereinander angeordnet sind, wie die Kontrollstreifen eines Fluglotsen. Noch plastischer wird das Bild in der Ansicht geöffneter Apps, die wie ein Stapel Karteikarten dargestellt werden, den man durch Wischbewegungen schnell durchstöbern kann. Nicht mehr benötigte Apps werden per Fingerwisch aus dem Speicher entfernt. 

Vor allem aber ist sichtbar, wie sich Googles Entwickler bemüht haben, Android einfacher zu machen. Die Einstellungen beispielsweise sind nun übersichtlicher und aufgeräumter. Und es gibt Details, die das Leben leichter machen: Ändert man die Lautstärke, erscheint unter dem gewohnten Lautstärkebalken die Auswahl «Keine, Wichtig, Alle», mit der man festlegen kann, welche Mitteilungen auf dem Bildschirm eingeblendet werden sollen. Etwas tiefer in den Menüs lässt sich ausserdem einstellen, welche Apps Mitteilungen einblenden dürfen und wann. 

Das Fazit 

Hard- und Software des Nexus 9 hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Schnell ist das neue Google-Tablet ohne Zweifel, einen schönen Bildschirm hat es auch. Qualitativ wäre aber noch Luft: Verarbeitung und Material des Gehäuses können es nicht mit Apples iPads oder Samsungs Galaxy Tab S aufnehmen. In der Basisausstattung kostet das Nexus 9 im Onlinehandel ab 399 Franken. Das etwas kleinere Galaxy Tab S 8.4 ist praktisch gleich teurer, ein iPad Air 2 – mit grösserem Bildschirm – gibt es ab 549 Franken.

Das neue Android 5.0 zeigt sich auf dem Nexus 9 jedenfalls als eine gelungene Weiterentwicklung, die nicht nur optisch, sondern vor allem in Sachen Funktionen zugelegt hat. 

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • metall 23.11.2014 01:57
    Highlight habe dies damit geschrieben. funzt ordentlich
    4 1 Melden
  • Kfj 23.11.2014 00:42
    Highlight Sicher nicht!!
    6 4 Melden

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