Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Videomacherin Dagi Bee: Fast jeder Schüler kennt heutzutage das Gesicht der 20-jährigen YouTuberin. Dagi Bees Fans nennen sich Bienchen, es gibt aber auch viele Dagi-Bee-Hasser, die auf Twitter und Facebook über die Düsseldorferin herziehen. bild. youtube/dagi bee

Bei Teenagern ist YouTube-Ikone Dagi Bee berühmter als jeder Film-Star – «Ich bin für sie die Elternperson, das ist schon krass»

Zwei Millionen Teenies haben den Videokanal von Dagi Bee auf YouTube abonniert. Im Interview spricht die 20-jährige Deutsche über die Elternrolle, die sie für ihre Fans spielt, und wie sie die öffentliche Beziehung mit ihrem Freund lebt.

16.08.15, 20:22 17.08.15, 10:34

Markus Böhm, Fabian Reinbold / spiegel online

Ein Artikel von

Dagi Bee ist eine neue Art von Star. Sie ist nicht durch Musik oder Kinofilme berühmt geworden, sondern durch ihre YouTube-Clips, in denen sie vor allem sich selbst filmt. Millionen von Teenagern in der Schweiz, Deutschland und Österreich schauen sich die Videos Woche für Woche an.

Und so präsentiert sich Dagi Bee auf YouTube

YouTube/Dagi Bee

Die 20-Jährige gibt Schminktipps, präsentiert ihre Einkäufe und lässt die Kamera beim Reisen laufen. Es ist ein sorgsam gemanagtes Geschäft – über ihre Einnahmen aus der Werbung vor den Videos und Sponsoring darf sie wie alle YouTuber nicht reden.

Für ihre Fans, die sie «Bienchen» nennt, inszeniert sie sich als Freundin von nebenan. Dagi Bee behauptet immer wieder, ein ganz normales Leben zu führen – doch ihre Autogrammstunden wurden schon mehrfach abgebrochen, weil Massenpaniken drohten.

Im Interview spricht sie über diesen Widerspruch und darüber, wie sie als 20-Jährige eine öffentliche Beziehung führt, an der Hunderttausende Fans Anteil nehmen – eine Trennung von ihrem Freund, sagt sie, wäre «so wie bei Take That, als Robbie Williams gegangen ist».

Mit bürgerlichem Namen heisst Dagi Bee Dagmara, der Öffentlichkeit ist nicht einmal ein Nachname bekannt. Als wir sie vor dem Interview danach fragen, sagt sie: «Einfach duzen!» – in Ordnung.

Hier das gesamte Interview:

Spiegel Online: Du hast mehr als zwei Millionen Abonnenten auf YouTube, auf Twitter eine Million Follower. Wie fühlt es sich an, ein Star zu sein?
Dagi Bee: Ich sehe mich überhaupt nicht als Star. Ich bin eine ganz normale Person, die sich eine Kamera gekauft hat und aktiv im Netz ist.

Ganz normal? Wenn Du einfach nur «Gute Nacht» twitterst, favorisieren das sofort 5000 Leute.
Ok, das ist schon krass. Es ist ja nur ein alltäglicher Spruch. Aber vielleicht wollen mir die Leute damit auch einfach gute Nacht sagen, so genau weiss ich es gar nicht.

Du gehst dann ins Bett und das Handy surrt 5000 Mal?
Um Gottes willen, nein. Benachrichtigungen habe ich schon lange ausgestellt. Neulich habe ich die Funktion bei Instagram extra einmal wieder angeschaltet, um zu sehen, was passiert. Dring, dring, dring, mein Handy ist dann abgestürzt.

Du betonst sehr oft, dass du «ein ganz normaler Mensch» und «authentisch» bist. Muss man das als YouTuber machen?
YouTube ist ehrlich, ganz anders als Fernsehen, wo sich jemand verspricht, und dann dreht man alles neu, damit alles perfekt ist. Wir aber lassen in unseren Videos Fehler drin, einfach weil das menschlich ist. Wenn man sich verspricht, ist das lustig. Das heisst für mich authentisch.

Ein ganz normaler Mensch könnte anders als du ungestört durch die Düsseldorfer Fussgängerzone gehen.
Ich muss halt schauen, wann ich gehe. Morgens um neun oder zehn Uhr sind nur Erwachsene unterwegs, die mich ja sowieso nicht kennen. Nachmittags um drei oder vier wird schon schwieriger – dann sind die Teenies unterwegs.

Dagi-Bee-Video zur «3-Minuten-Schmink-Challenge». screenshot: youtube/dagi bee

Deine Fans nennen sich Bienchen. Du hast kürzlich ein Video gepostet, in dem sie dir zur Marke von 2 Millionen Abonnenten gratulieren. Alle von ihnen sagen, dass sie stolz sind – auf dich, aber auch auf sich selbst. Warum?
Das können sie mit gutem Gewissen sagen. Meine Community hat mich aufgebaut, nur dank ihnen bin ich so weit gekommen. Ich bin die Person hinter Dagi Bee, aber ich sage auch immer: «Dagi Bee, das sind ich und ihr zusammen.» Ohne die Community wäre ich nicht, wer ich bin.

Wie nah kommen dir die Fans denn wirklich?
Einmal kam ein Fan zu mir und hat mich auf den Mund geküsst. Das hat mich schockiert. Wie kommen Leute darauf, einen fremden Menschen zu küssen? Die denken sich, wir sind Freunde, aber letztlich kennt man sich ja nicht. Manche meiner Fans sind so jung, dass die das nicht verstehen.

Du inszenierst dich als Freundin deiner Fans.
Aber trotzdem gelten Grenzen. Wenn man vor der Haustür lungert oder in den Tourbus einbricht, das ist ja auch passiert, das ist schon krass. Das geht nicht. Ich habe dann ein Video zu übertriebener Fanliebe gemacht.

Du erziehst deine Fans auch?
Manchmal schreiben mir auch Eltern: Meine Tochter hat schlechte Noten, schaut aber dauernd deine Videos. Dann thematisiere ich das nach dem Motto: «Hey, es ist superlieb, dass du meine Videos guckt, aber Schule ist auch wichtig.»

Dagi Bee mit Youtube-Star Sami Slimani an den Nickelodeon «Kids' Choice Awards» in Kalifornien. Bild: Getty Images North America

Wie lebt es sich mit dieser Verantwortung?
Mir ist das bewusst, dass ich diese grosse Verantwortung habe. Wenn ich Hass sehe, sage ich oft: «Hey, beleidigt euch nicht, chillt einfach.» Meine Fans verlassen sich sehr auf mich und ich habe ein bisschen Angst, dass sie ihre Eltern gar nicht so wahrnehmen. Ich bin für sie die Elternperson, das ist schon krass.

Dabei bist du erst 20. Da will man auch nicht immer vernünftig sein. Würdest du etwa von einem Wodkaabsturz berichten?
Wenn ich etwas getrunken habe, sage ich das auch. Aber ich will auf keinen Fall jemanden dazu animieren. Ich möchte wirklich ein gutes Vorbild sein.

Teenie-Stars müssen sich oft verstellen. Britney Spears inszenierte sich als Jungfrau, Mitglieder von Boybands verheimlichen, dass sie eine Freundin haben. Was dürftest du deinen Fans nicht zumuten?
Wenn mich etwas bedrückt, sage ich das schon, wenn es nicht in meine Privatsphäre eindringt. Ich würde jetzt nicht über meine Beziehungsprobleme reden. Die Fans wissen, dass ich einen Freund habe….

... den YouTuber Liont, der auch in vielen deiner Videos auftaucht und über den du zu YouTube gekommen bist.
Ja, und die Fans sehen uns als Traumpaar, beschäftigen sich sehr mit unserer Beziehung. Viele denken, dass sie Teil unserer Beziehung sind, machen sich Sorgen.

Dagi Bee mit Liont in einem Schminkvideo von 2013. Bild: youtube/Dagi Bee

Es gibt ja immer wieder Gerüchte, auch in der Bravo, dass ihr euch getrennt habt. Du hast neulich zwei Tweets geschrieben, die für viel Aufmerksamkeit gesorgt haben. Es waren Anspielungen auf deine Beziehung.
Unsere Beziehung ist auch öffentlich, wir sind zusammen auf YouTube gross geworden und, klar, hat man manchmal Probleme. Ich muss das dann auch rauslassen, und sei es mit einem Tweet. Aber genau die Redaktion darauf – «Was ist mit Timo?» – die meine ich: Sie befassen sich zu viel mit uns, deshalb habe ich geschrieben, man soll sich nicht auf uns fixieren.

Wenn den Fans die Beziehung so wichtig ist, wie könntest du ihnen überhaupt eine mögliche Trennung beibringen?
Das würde ich schon erzählen. Aber es wäre schwer, das wäre in etwa so wie bei Take That, als Robbie Williams gegangen ist. Sie kennen uns zusammen, wir sind für die ein Traumpaar. Aber sie wissen auch, dass wir auch Probleme haben. Wir führen eine normale Beziehung.

Die Spiegel Online-Redaktoren Böhm, Reinbold beim Interview mit Dagi Bee in Köln. bild: spiegel online

Aber das ist doch ein Riesendruck. Wenn man nicht nur an seine Beziehung denken muss, sondern auch noch daran, wie zwei Millionen Leute auf ein Ende reagieren.
In so einer Beziehung ist es natürlich erst einmal wichtig, dass beide Partner erst einmal klarkommen mit der Situation und die Öffentlichkeit aussen vor lassen. Ich stecke ja nicht in der Situation. Ich glaube aber, dass es sehr schwer ist, das der Community zu verklickern. Erst einmal muss man selbst reinen Kopf machen, bis man es sagt und sich wirklich sicher ist. Sonst ist man vielleicht zwei Wochen getrennt, weil man sich gestritten hat, und dann ist man doch wieder zusammen.

Was im echten Leben ja durchaus häufiger passiert. Nur dass da keine Millionen Fans dranhängen.
Genau.

Jetzt machst du erst einmal Kinofilme. Geht es weg von YouTube hin zur Schauspielerei?
Ich will schon gern bei YouTube bleiben. Als ich die Filme gedreht habe, habe ich weiter Videos hochgeladen: Ich will schon Rhythmus beibehalten, für den YouTube-Algorithmus und für meine Fans. Die haben ja auch Erwartungen. Die Community guckt ja auch kaum Fernsehen und deshalb bin ich deren Fernsehen – die wollen auch was Neues sehen.

Umfrage

Kennst du Dagi Bee?

  • Abstimmen

764 Votes zu: Kennst du Dagi Bee?

  • 6%Ja, ich schaue die Videos
  • 30%Ja, aber ich schau mir nie was an
  • 18%Ja, seit ich dieses Interview gelesen habe
  • 46%Dagi wer?

Im Video: YouTube-Stars im Kinofilm «Kartoffelsalat»

Aktuell ist Dagi Bee im Kino zu sehen, sie spielt die weibliche Hauptrolle im YouTuber-Film «Kartoffelsalat». YouTube/MrTrashpack

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Linux-Stick statt Windows-PC: Das muss sich in der IT-Schweiz ändern

Der Schweizer Open-Source-Experte Matthias Stürmer über vergünstigte Schul-iPads, die teuren Folgen der Windows-Monokultur und die unterschätzten Vorteile von «freier» Software.

Herr Stürmer, Apple lanciert ein «Günstig»-iPad für Schulen – was halten Sie von der jüngsten Offensive im Bildungssektor?Matthias Stürmer: Das sind technologisch sehr attraktive und für Schulen auch relativ günstige Geräte, die Apple vorgestellt hat. Allerdings gibt's nichts gratis: Mit den reduzierten iPads für Schulen investiert Apple in die Anwender von morgen, denn logisch werden die iPad-Schülerinnen und -Schüler auch Apple-Geräte kaufen wollen wenn sie älter werden. Wenn …

Artikel lesen