Digital

Verfolgt Surfspuren: Der Social-Media-Konzern Facebook.
Bild: DADO RUVIC/REUTERS

Urteil in Belgien: Facebook darf Daten über Nichtmitglieder sammeln

Facebook sammelt über eine Datei auch Daten von Nutzern, die gar nicht registriert sind. In Belgien klagten Datenschützer dagegen – zunächst mit Erfolg, in der Berufung setzte sich jetzt aber der Konzern durch.

30.06.16, 14:10 30.06.16, 14:39

Ein Artikel von

Darf Facebook über eine kleine Datei auch Daten von Nichtmitgliedern sammeln? Um diese Frage stritt der Konzern in Belgien mit Datenschützern. Nun hat Facebook sich in einem Berufungsurteil durchgesetzt – und wird in dem Land wieder Informationen von Internetnutzern erfassen, die gar nicht bei Facebook registriert sind.

Die belgische Datenschutzbehörde war dagegen vorgegangen, dass Facebook-Nichtmitglieder beim Besuch von Facebook-Seiten erfasst und einige Daten über ihr Verhalten sammelt. Facebook erklärt, das sogenannte Cookie mit dem Namen «Datr» sei für die Sicherheit des Netzwerks insgesamt wichtig, unter anderem, um gefälschte Profile herauszufiltern.

Bei dem Cookie handelt es sich um eine kleine Datei, die Facebook im Browser speichert, und die einige Informationen über das Verhalten von Nutzern auf Seiten mit Like-Buttons sammelt.

Im vergangenen Herbst hatten die Datenschützer vor Gericht Recht bekommen, das Verfolgen von Surfspuren bedürfe einer eindeutigen Zustimmung. Nichtmitglieder könnten diese gar nicht gegeben haben.

Facebook störte sich am Wort «Cookie» im Cookie-Urteil

Facebook hatte das Urteil vom November aber angefochten, mit einer interessanten Begründung. Der Richterspruch zum Cookie sei hinfällig, argumentieren die Facebook-Anwälte, weil in ihm englische Wörter wie eben «Cookie» vorkommen. Oder auch «Browser». Und sogar «Homepage».

Damit verstosse das Urteil gegen ein Gesetz, nach dem alle Urteile in den offiziellen Sprachen des Landes verfasst werden müssen: Das sind Französisch, Niederländisch, Deutsch. Wegen der englischen Wörter im Urteilstext, so Facebook, müsse das gesamte Urteil annulliert werden.

In der aktuellen Urteilsbegründung heisst es nun aber, die belgische Datenschutzkommission sei nicht zuständig, weil Facebook seinen Europa-Sitz in Irland habe. Behördenchef Willem Debeuckelaere will ein weiteres Vorgehen in dem Fall prüfen. Facebook zeigte sich zufrieden und kündigte an, alle Dienste würden in dem Land wieder aktiv sein.

Der Konzern erklärte, die Daten, die der «Datr»-Cookie sammele, würden nicht einzelnen Personen zugeschrieben und könnten auch nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Das Onlinenetzwerk nutze es auch nicht, um Werbung auf Nichtmitglieder zuzuschneiden, und es werde nicht gesetzt, wenn jemand auch nur irgendeine Seite mit einem «Gefällt mir»-Knopf besuche.

Das Netzwerk hatte nach dem Urteil vom November den Cookie ohnehin nie abgeschafft. Der Plan war es vielmehr, in Belgien jene Internetnutzer aussperren, die öffentliche Facebook-Profile ansteuern, aber keinen Account besitzen. (gru/dpa)

Umfrage

Soll Facebook Daten über Nichtmitglieder sammeln dürfen?

  • Abstimmen

63 Votes zu: Soll Facebook Daten über Nichtmitglieder sammeln dürfen?

  • 0%Ja, klar, das sind doch nur Cookies!
  • 95%Nein, auf keinen Fall!
  • 2%Das ist mir egal.

Wie Apple, Google und Facebook entscheiden, was wir lesen – und was nicht

Jetzt kannst du News direkt auf Facebook lesen. 8 Gründe, warum dies mehr Spass macht als auf Newsportalen – und 8 Gründe, warum das stinkt​

Die digitale Medienrevolution hat erst gerade begonnen und das sind die 3 wichtigsten Trends

Facebook erklärt seine Spielregeln: Pobacken und Brustwarzen nein, die Vagina von Courbet ja

Darum muss Google zerschlagen werden

Wie die Popstars aus den Kinderzimmern mit YouTube Millionen verdienen

Facebook macht jetzt Journalismus: Warum wir uns der Realität nicht verweigern können

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • C0BR4.cH 30.06.2016 14:21
    Highlight KEINER sollte Daten über Personen sammeln dürfen, ohne deren Einverständnis.
    15 0 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 30.06.2016 15:49
      Highlight Der Witz ist ja, dass alle "freiwillig" einwilligen.

      Die AGBs dieser Firmen sind eigentlich Knebelverträge, wie sie typisch sind für Monopolisten. Wer liest sie noch?

      Facebook, Google & Co. versuchen mit ihren Algorithmen ihre Kunden auch zu einem wohlgefälligen Verhalten zu erziehen/nötigen.

      zB. blockt mir FB regelmässig den Nachrichtenfluss mit dem Kommentar: "Willst du mehr Nachrichten sehen, dann füge Freunde hinzu." - Die mir im Notebook/Webbrowser vorgeschlagenen Freunde kann Facebook nur über Whatsapp von meinem Handy abgesaugt haben.
      5 2 Melden
    • C0BR4.cH 30.06.2016 16:06
      Highlight Um einer AGB zu unterstehen, müsste man zuerst etwas akzeptieren oder sich für etwas anmelden.

      Die Daten, die oben aber gennant gesammelt werden, sind von Leuten, die sich auf Seiten bewegen, die im Grund nichts mit Facebook zu tun haben und lediglich irgendwo einen Like-Button verlinkt haben.
      11 0 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 30.06.2016 16:25
      Highlight Das stimmt schon, C0BR4.cH. Die Sammelwut geht weit über die eigene AGB-unterjochte Kundschaft hinaus. Aber wenn du es streng formalistisch/juristisch anschaust, sind die nötigen gegenseitigen Einwilligungen stets vorhanden. Auch bei irgendwelchen Like-Buttons.

      Etwas weniger streng gesehen, entsteht die Einwilligung bereits mit der Benutzung des Internets. Die Möglichkeiten, ausspioniert zu werden, sind im Internet systemimmanent.

      Überspitzt: Wer das Internet benutzt, der willigt dadurch ein, dass er nackt ausgezogen wird.
      1 5 Melden

Warum einer Aargauerin die IV-Rente halbiert wird, nachdem sie zu viel getwittert hat

Brigitte Obrist ist aktiv auf Twitter und Facebook. Zu aktiv, finden einige und fragen sich, wie eine IV-Bezügerin den ganzen Tag vor dem PC sitzen kann. Sie beschweren sich bei den Behörden – mit fatalen Konsequenzen für Obrist.

In ihrem Wohnkanton, dem Aargau, ist Brigitte Obrist bekannt als eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Vor zwei Jahren hat sie gegen ein Muslim-Inserat von der SVP Strafanzeige eingereicht. Über die Kantonsgrenze hinaus kennt man Obrist als ehemalige Bordellbetreiberin, AIDS-Hilfe-Projektleiterin und heutige Kämpferin für die Rechte von Sexarbeiterinnen. 

Mit fast allem in ihrem Leben geht Obrist offen um. Mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte, mit ihrer Krankheit, den …

Artikel lesen