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Szene von der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC. Apps bringen immer mehr Geld, aber es profitieren längst nicht alle Entwickler. Und auch die User gehören zu den Leidtragenden. Bild: Eric Risberg/AP/KEYSTONE

Der App Store von Apple hat ein Zombie-Problem – und du bist auch betroffen

Über 50 Milliarden Dollar hat Apple bereits an App-Entwickler ausbezahlt. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Was nur die wenigsten iPhone- und iPad-User wissen dürften: 90 Prozent der Apps bekommen sie nicht zu Gesicht.

05.08.16, 09:30 05.08.16, 09:49

Der 2008 von Apple lancierte App Store hat sich zu einer Geldmaschine entwickelt.

Konzernchef Tim Cook verkündete am Mittwoch via Twitter, dass mit dem Juli ein Rekordmonat verzeichnet worden sei. Noch nie habe man so viel Geld an die Entwickler ausbezahlt.

Dann «verriet» Cook eine unglaublich klingende Zahl...

Das Internet reagierte prompt

Und natürlich gab es auch Spott an die Adresse des grossen Rivalen

Zwar werden auf der von Google betriebenen Android-Plattform Google Play doppelt so viele Apps heruntergeladen wie in Apples App Store. Der Umsatz soll jedoch nur halb so hoch sein.

Was der Apple-Chef anlässlich des jüngsten App-Store-Rekordes nicht speziell betonen wollte, was aber das Top-Management und die Investoren umso mehr freuen dürfte:

Dank der App-Entwickler hat Apple bislang über 21 Milliarden Dollar verdient

Bekanntlich kassiert die Plattform-Betreiberin 30 Prozent des Umsatzes, der über den App Store gemacht wird.

Dass Apple bei den Apps ausgerechnet im Juli 2016 einen neuen Umsatz-Rekord verzeichnen konnte, dürfte nicht zuletzt auf Pokémon Go zurückzuführen sein. In der vergangenen Woche wurde die Marke von 100 Millionen Downloads erreicht.

Das neue Kultspiel schlägt alle Download-Rekorde für das iPhone und iPad und spült dank In-App-Verkäufen nicht nur der Entwicklerfirma richtig viel Geld in die Kasse.

Die Nummer 1 bei den Gratis-Apps...

...und der grösste Umsatzbringer. screenshots: watson

Selbstverständlich kassiert Apple als Plattform-Betreiberin auch bei allen Pokémon-Go-Deals 30 Prozent.

Die Analysten der US-Investment-Firma Needham machten schon im Juli zu Beginn des Hypes eine eine krasse Prognose:

Apple könnte dank Pokémon Go innert zwei Jahren über 3 Milliarden Dollar verdienen.

Das sind natürlich prächtige Aussichten für das reichste Unternehmen der Welt, das sich in den vergangenen Wochen mit weniger erfreulichen Prognosen beschäftigen musste. Kritiker und Analysten sehen Apple nach dem Rückgang der iPhone-Verkaufszahlen wieder mal im Niedergang.

Fest steht: Wenn die Einnahmen durch Hardware-Verkäufe zurückgehen, werden die so genannten «Services» – darunter eben der App Store – immer wichtiger.

Allerdings hat Apple diesbezüglich noch einige Hausaufgaben zu machen. iTunes und der dazugehörende App Store stehen seit Jahren unter Beschuss. Und zwar wegen...

Zombie-Apps

Im App Store sind 2 Millionen Apps verfügbar. Doch nur ein relativ kleiner Prozentsatz davon ist gut aufzufinden. Laut einer aktuellen (und unabhängigen) Studie der international tätigen Marktforschungsfirma Adjust «versanden» 90 Prozent aller Anwendungen in den Tiefen des App Stores. 

Gemäss der Klassifikation von Adjust ist eine App dann ein Zombie, wenn sie es nie in irgendwelche App-Rankings für mindestens zwei Tage geschafft hat. «Sprich, sie ist für die meisten Nutzer fast unsichtbar, weil sie auch bei der Suche im Store nicht dargestellt wird», hält das deutsche Apple-Fachmagazin Macwelt fest.

Das Problem der Zombie-Apps habe sich in den letzten zwei Jahren verschärft, konstatiert die aktuelle Adjust-Studie mit dem Titel «The Zombie Uprising» (das PDF-Dokument kann hier über die Adjust-Website kostenlos angefordert werden).

Tatsächlich werden die App-Ranglisten von bekannten Namen dominiert. Was Facebook und die anderen mächtigen App-Anbieter freut, macht sich bei kleinen Entwicklern schmerzlich im Portemonnaie bemerkbar: Anwendungen, die gar nicht wahrgenommen werden, bringen keinen Umsatz.

Die App-Zombie-Rate variiert leicht nach Ländern, am höchsten ist sie in den USA und Australien. screenshot: adjust-studie «the zombie uprising»

Aufgrund der hohen Zombie-Rate kommt «Macwelt» zum Fazit, dass die App-Entwickler selber gefordert seien:

«Hier wird klar, dass Apple trotz dem Versprechen von 2014, die Suche im App Store intuitiver zu machen, es dennoch nicht geschafft hat, einen funktionierenden Mechanismus zur Entdeckung (oder Empfehlung) der neuen Apps zu bringen. Hier bleibt wohl den App-Entwicklern und -Betreibern wohl nur eine Lösung: sich um das Marketing der eigenen Programme selber zu kümmern.»

Einen kleinen Trost gibt es aus Sicht der Entwickler und User: Apple hat das Problem erkannt und arbeitet an Lösungen. So soll die nächste Version des mobilen Betriebssystems, das für Herbst erwartete iOS 10, einige Verbesserungen bringen.

Im Herbst kommt App-Werbung

Eine kleine, aber gewichtige Änderung: Neu sollen keine Apps mehr in Listen wie den «Highlights» aufgeführt werden, falls sie bereits auf dem jeweiligen Gerät installiert sind.

Eine grössere Veränderung betrifft die Entwickler. Sie können neu im App Store für ihre Produkte werben. Ob die zu den Suchresultaten eingeblendeten Anzeigen eine spürbare Verbesserungen bringen, muss sich zeigen.

Zu begrüssen ist auf jeden Fall, wenn die Apple-Ingenieure die in den App Store integrierte Suchfunktion endlich aufmotzen. Wünschenswert wäre etwa eine erweiterte Suche, bei der sich die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien filtern lassen.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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19
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    Alle Leser-Kommentare
  • maddiepilz 06.08.2016 11:20
    Highlight Zombieproblem also.
    0 0 Melden
  • MiNiK 05.08.2016 20:16
    Highlight Um etwas neues zu entdecken verwendet man AppZapp.
    0 0 Melden
  • Money is everything 05.08.2016 14:57
    Highlight Bin ich der einzige, der denkt 30% sind unverschämt hoch, dafür dass sie nur eine Plattform zum Download zur Verfügung stellen. Also Apple ist für mich nach wie vor ein absoluter Abzocker-Verein. Sie verlangen sehr hohe Preise für Musik, Filme, ihre Geräte etc. und die Abgaben der App-Macher und Stars (Musik) sind auch immens hoch.
    15 9 Melden
    • Statler 05.08.2016 16:05
      Highlight Es ist ja nicht nur die Plattform. Sie wickeln ja auch den ganzen Zahlungsverkehr ab, etc.
      D.h. man muss sich nicht selbst mit Kreditkartenfirmen, Verträgen und was weiss ich nicht alles rumschlagen. Die Einnahmen werden automatisch aufs eigene Bankkonto überwiesen.
      Als Entwickler find' ich die 30% eigentlich recht fair.
      10 4 Melden
    • rmnblm 06.08.2016 11:27
      Highlight Zudem darf man nicht vergessen, dass Apple das Werkzeug (Xcode) und die Umgebung (iCloud) zum Entwickeln gratis zur Verfügung stellt (die 100$ Apple Dev Membership sind ja nicht die Rede wert).
      2 0 Melden
  • Pokus 05.08.2016 12:41
    Highlight Das "Problem" nennt sich Globalisierung.
    Und die war mal die Lösung für ein anderes Problem.

    - Einfach eine Liste mit den 100 zuletzt aktualisierten Apps würde wohl auch nichts helfen.
    - Eine Liste mit 100 der beliebtesten Apps würde auch nichts bringen, weil die erst jemand finden muss, damit sie da rein kommen
    - Zufällige Resultate wären fair, aber das will man als User doch nicht
    - Redaktionellen Inhalt mit vorgeschlagenen Apps gibt es

    Die Goldgräber-Stimmung ist in jedem Markt mal vorbei.
    Da bräuchte schon einer eine ziemlich ausgefuchste Idee, die nicht so direkt auf der Hand liegt.
    9 0 Melden
  • Micha Moser 05.08.2016 10:54
    Highlight Dieses Problem habe ich auch schon bemerkt. Apps, die nicht in die Top 100 kommen oder auf der Startseite erscheinen, müsste man direkt eingeben um sie zu finden. Und wenn man neue Apps finden möchte, ist das schlicht nicht möglich.
    16 0 Melden
  • marcb70 05.08.2016 10:30
    Highlight Das ist doch nicht das Problem von Apple/Google. Ihre Möglichkeiten, den User zu "steuern", sind limitiert. Wenn ich in ein Warenhaus gehe ohne zu wissen was ich will, dann werde ich höchstwahrscheinlich mit leeren Händen wieder rauskommen... Du musst einfach wissen, was du willst!
    14 15 Melden
    • Scaros_2 05.08.2016 10:50
      Highlight Ja, aber im Warenhaus gibt es eine Bedienung, welche das Sortiment kennt (bzw. kennen sollte!) und dich dann berät, was du brauchen könntest.

      Aber die Suchfunktion (sozusagen der Berater) ist so schlecht und bittet so wenig Funktionen zur Suche, dass es einfach schwer ist.

      Ich würde mir da einfach mehr Suchoptionen wünschen.

      Z.B. würde ich vielleicht gerne wissen, was waren die beliebtesten 10 Apps in den letzten 7 Tagen in Deutschland oder so was. Oder suche mir nach Apps der Kategorie Video, welche keine In-App-Käufe anbieten und zwischen 1-5 Fr. liegen und nicht älter als 1/2 Jahr sind.

      28 1 Melden
    • Tsunami90 05.08.2016 12:36
      Highlight Wenn sich Apple erdreistet, 30% des Umsatzes für sich zu nehmen, darf man dafür auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten.
      7 2 Melden
    • purzelifyable 05.08.2016 17:43
      Highlight @scaros "im Warenhaus gibt es eine Bedienung, die das Sortiment kennt". Muahahahhhhhhh!
      2 2 Melden
  • Scaros_2 05.08.2016 09:53
    Highlight Ich muss ehrlich sagen, wenn ich den App Store öffne, dauert es keine Minute bis ich ihn (wieder) schliesse. Ich bin schlicht überfordert, eine App zu finden, wo ich sehe, dass die gut/schlecht ist. Ich habe seit Jahren die gleichen 5 Spiele auf dem iPhone und sonst lade ich da nix herunter, das ich nicht über ein Bedürfnis geladen habe. Z.B. Netflix weil ich Netflix abonniert habe oder Skype4Business weil wir das in der Firma haben oder die App der ZHAW wegen Studium usw.

    Letztens brauchte ich eine bessere Videoaufnahme App. 30min im Internet Reviews etc. gelesen und dann zielgerichtet gesucht.
    27 6 Melden
    • Madison Pierce 05.08.2016 10:23
      Highlight Geht mir auch so. Die Suchfunktion hat zu wenig Optionen. Man kann zum Beispiel nicht nach Spielen ohne In-App-Käufe suchen.

      Den Play Store finde ich übersichtlicher, aber auch noch weit vom Optimum entfernt.
      14 0 Melden
  • Statler 05.08.2016 09:49
    Highlight Die Zeiten, in denen man eine Furz-App programmieren und damit reich werden konnte, sind halt definitiv vorbei.
    Und zu meinen, man könne eine App bauen und werde dann sofort Millionär, ist genauso blauäugig wie die Vorstellung, man baue eine Internet-Seite und habe sofort tausende Kunden.
    Das Marketing ist entscheidend in einem Markt mit derart vielen Playern.
    46 2 Melden
    • redeye70 05.08.2016 10:23
      Highlight Stimmt! Aber es wäre auch im Interesse Apples, die kleinen Entwickler besser zu fördern. Die grossen Würfe in der digitalen Welt kamen meist von kleinen Unternehmen. Die ausbezahlten 50 Mia. gehen sicherlich hauptsächlich aufs Konto der ohnehin schon Grossen, die Unmengen Geld fürs Marketing haben.

      Apple sollte eine Plattform bieten, wo sich neue Produkte vorstellen können. Da käme sicher noch manch unentdecktes Juwel hervor.
      16 0 Melden
    • Scaros_2 05.08.2016 10:51
      Highlight Ich glaube das meiste Geld geht an die Entwickler der Spiele, Boom Beach, Clash of Clans, Clash Royal und diesem Farmerspiel... ach, das ist ja immer der gleiche XD. Die verdienen fett an den In-App-Käufen.
      19 0 Melden
    • Money is everything 05.08.2016 14:53
      Highlight Es gibt aber noch ein paar wenige Leute, die es trotzdem schaffen mit einer "Furz-App" reich zu werden. Die besten Beispiele sind slither.io, flappy bird und doodle jump.
      7 0 Melden
    • Scaros_2 05.08.2016 16:25
      Highlight Ja, aber es würde mich einmal wundernehmen, wie viel das wirklich ist. Aber das sind jetzt 3 von wie viel?
      2 0 Melden
    • Olaf44512 05.08.2016 20:32
      Highlight Doodle Jump und Flappy Bird sind doch genau aus der Goldgräberzeit. Die waren von fast Anfang an dabei
      3 1 Melden

iOS-Kontrollzentrum lässt WLAN und Bluetooth aktiv, selbst wenn es der Nutzer deaktiviert

Aus heisst nicht immer aus: Apples neues Kontrollzentrum in iOS 11 hat zwar Knöpfe zum Deaktivieren der WLAN- und Bluetooth-Verbindung, doch die Funkverbindungen bleiben im Hintergrund aktiv. Das sei so gewollt, sagt Apple.

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