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Gute Idee: So wird mit YouTube-Werbung gegen Fremdenhass gekämpft

«Search Racism, Find Truth»: Eine Berliner Flüchtlingsinitiative hat gezielt die YouTube-Werbeplätze vor Hassvideos gebucht. Wer rechte Hetze sehen will, sieht sich mit geflüchteten Menschen konfrontiert.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wer auf YouTube nach rechten Videos sucht und zum Beispiel «Pegida live vom Altmarkt Dresden» eintippt, der könnte künftig Firas zu sehen bekommen. Firas ist 26 Jahre alt und aus Syrien geflohen. In einem kurzen Video-Einspieler erzählt er auf Deutsch, warum er glaubt, dass Deutsche und Flüchtlinge sehr wohl zusammenleben können – anders als im Pegida-Clip behauptet wird.

Das Video von Firas ist Teil einer Kampagne unter dem Motto «Search Racism, Find Truth». Rassismus suchen und die Wahrheit finden, heisst das und es beschreibt das Prinzip der Aktion schon ziemlich gut: Wer auf YouTube nach bestimmten Videos mit rechten Inhalten sucht, bekommt nun in bestimmten Fällen einen vorgeschalteten Clip wie den mit Firas zu sehen.

In diesen Clips versuchen Geflüchtete, die im späteren Video aufgeworfenen Vorurteile zu entkräften – etwa mit einer persönlichen Geschichte. Initiiert hat das Projekt die Berliner Initiative «Flüchtlinge Willkommen». Sie hat die Werbeplätze vor den Videos aufgekauft.

In seinem Videoclip beschäftigt sich Firas zum Beispiel noch mit der Frage, wie ernst man es nehmen sollte, dass beim Eintippen von «Flüchtlinge sind ...» in Googles Suchmaschine Begriffe wie «Kriminelle» und «Terroristen» vorgeschlagen werden – nicht so ernst, die Suchvorschläge zeigen eher Ängste der Menschen, als das echte Leben.

Vorurteil: «Die sind doch alle faul und gefährlich.»

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YouTube/Flüchtlinge Willkommen

«Mit der gezielten Platzierung der Spots wollen wir die Konsumenten der rechtsradikalen Videos zum Nachdenken anregen und am besten sogar umstimmen», sagte «Flüchtlinge Willkommen»-Initiatorin Mareike Geiling.

Hinter der Initiative «Flüchtlinge Willkommen» steht der Berliner Verein Mensch Mensch Mensch, der unter anderem Zimmer für Flüchtlinge vermittelt und sich das Ziel gesetzt hat, «Menschen in Kontakt zu bringen, die sich direkt, gleichberechtigt und auf Augenhöhe begegnen und einander unterstützen können».

Vorurteil: «Die Flüchtlinge wollen sich gar nicht integrieren.»

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YouTube/Flüchtlinge Willkommen

Bei einem Testaufruf des eingangs erwähnten Videos aus Dresden, in dem Pegida-Chef Lutz Bachmann auftritt, wird deutlich, wie sich die Macher die Wirkung ihrer Vorschaltclips vorstellen: Im eingespielten Kurzvideo erzählt ein 31-Jähriger aus Syrien von Bachmanns krimineller Vergangenheit. Erst dann kommt Bachmann im eigentlich angewählten Videoclip zu Wort – und wettert gegen angeblich kriminelle Flüchtlinge. Der vorgeschaltete Clip soll zeigen: Es sind nicht die Flüchtlinge, die kriminell sind.

Vorurteil: «Alle Flüchtlinge sind kriminell.»

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YouTube/Flüchtlinge Willkommen

Zum Beginn der Aktion wurden am Dienstag insgesamt neun verschiedene Clips vor rund 100 Hassvideos geschaltet – hier kann man alle sehen. Demnächst sollen neue dazu kommen.

«Für YouTube gelten strenge Werberichtlinien.»

Aus der Stellungnahme des Unternehmes

Die Verknüpfung mit den Hetzvideos auf YouTube funktioniert durch die Kombination mit bestimmten Schlüsselbegriffen, zusätzlich bucht die Initiative Werbespots vor ausgewählten Videoclips. Überspringen lassen sich die Vorschaltclips nicht, sie können allerdings nach einigen Sekunden per Klick abgebrochen werden.

Image

Henkel-Werbung vor Hassvideo (Archivbild).
screenshot: spiegel online

Die Frage, welche Clips YouTube vor Hetzvideos schaltet, erregte schon im Herbst Aufmerksamkeit – auf andere Art. Spiegel Online hatte damals Organisationen und Unternehmen wie die Aktion Mensch, Edeka und DM darauf hingewiesen, dass ihre Werbespots vor Hetzvideos laufen. Die Unternehmen, die davon offenbar nicht wussten, bemühten sich daraufhin stärker darum, sicherzustellen, dass ihre Clips nicht mehr in diesem Umfeld auftauchen.

YouTube teilte damals auf Anfrage mit: «Für YouTube gelten strenge Werberichtlinien. Für den Fall, dass sich Inhalte als ungeeignet für unsere Werbepartner herausstellen, ergreifen wir Massnahmen, dass keine Werbung in entsprechenden Videos, Kanälen oder Seiten erscheint.»

Ein wenig komisch können die «Flüchtlinge Willkommen»-Videos manchmal übrigens auch wirken: Etwa dann, wenn man vor einem Bachmann-Clip als Pegida-Sympathisant angesprochen wird. So gezielt, dass die Kampagne-Videos nur echten Pegida-Fans angezeigt wirkt, lässt sich YouTube-Werbung dann doch nicht schalten.

Das sagt die Initiantin

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YouTube/Flüchtlinge Willkommen

(mbö/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Achja 21.04.2016 00:19
    Highlight Highlight 2/2
    Ich fand es eigentlich immer Falsch wen es nach Terroranschlägen wider heisst, die Moslems sollen sich davon distanzieren. Ist ja klar das der Ausländer von neben an nicht für den IS ist!!!

    Aber hier können uns nur die gemässigten Moslems helfen. Das Einzige was WIR für zum Schutz vor Extremen Islamisten machen kommen ist keine mehr reinlassen und die welche hier sind möglichst ausweissen. Liebe Bosnier, Albaner und woher ihr auch alle kommt. Schaut zu das der Islam in der Schweiz so gemässigt bleibt wie wir es von euch bisher kennen.

    Danke<3
  • Achja 21.04.2016 00:18
    Highlight Highlight 1/2
    Sehr gute Idee!! Wen auch wie bereits angetönt etwas so schönmalerisch und deshalb nicht wirkungsvoll.

    Dies wär auch eine gute für alle die Hetzvideos der Islamisten da draussen. Es ist wirklich schlimm was da alles für Ansichten und Aufrufe zur Abgrenzung gegen uns Ungläubige im Netz herumschwirren. Das anzuschauen sollte sich wirklich niemand antun.
  • Tom Garret 20.04.2016 18:42
    Highlight Highlight super Idee und gut umgesetzt!
  • Retarded Wizard 20.04.2016 17:38
    Highlight Highlight Das unten angefügte Video finde ich inetwa gleich problematisch und verlogen wie die kritisierten "Hetzpropagandavideos".

    Die Initiantin redet nur von Flüchtlingen, spricht keine Gewalt oder Kulturproblematik an, alle Vorurteile lösen sich direkt in Luft auf, wenn man die Menschen kennenlernt und eigentlich kommen nur Personen die genauso sind wie "wir". In anderen Ländern sind alle gastfreundlich und hierzulande nicht.

    Man muss Flüchtlinge willkommen heissen, ansonsten ist man Rechts oder gar Nazi.

    Utopisch auch deren Vorstellung mit WGs für alle.




    • Altweibersommer 20.04.2016 20:24
      Highlight Highlight Leider ist ein vernünftiger Dialog über dieses Thema in fast allen Ländern Europas so gut wie unmöglich. Organisationen wie Pegida sei Dank.

      "Rechte Hetze" muss kritisiert werden. Diese ist meiner Meinung nach um einiges gefährlicher als der kriminellste aller Flüchtlinge.
    • Retarded Wizard 21.04.2016 00:45
      Highlight Highlight Gruppierungen wie Pegida finde ich persönlich auch fragwürdig.

      Was allerdings paradox ist :

      Die Einwanderung hauptsächlich muslimischer Mitmenschen, welche ebenfalls über ein rechtes Weltbild verfügen und mit welchen auch kein Dialog zustande kommt, scheint für euch kein Problem.

      Den Islam zu kritisieren oder Religionen im Allgemeinen hat nichts mit rechter Gesinnung zu tun, im Gegenteil. Diese zu verteidigen allerdings schon.

      Das scheinen leider noch immer wenige zu verstehen.
    • amade.ch 21.04.2016 10:22
      Highlight Highlight Pegida findest Du "fragwürdig"? Da bin ich aber beruhigt.

      Das von Dir angefügte Paradoxon ist aber tatsächlich heikel. Man würde annehmen, Ausländer in fremden Ländern seien offener für Fremdes. Das ist aber nicht so oder wenn dann sicher nicht überproportional vertreten. Aber genau darum sollte man mit mehr Offenheit zeigen, wie wir hier mit Fremdem umgehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sonst irgendeinen positiven Effekt erzielen könnte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Steddybär 20.04.2016 17:26
    Highlight Highlight Ach, ich finde Firas super 😃
  • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 20.04.2016 16:38
    Highlight Highlight Yeah! ❤️
    • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 20.04.2016 16:59
      Highlight Highlight Für den Blitzer:
      Play Icon
  • UlrichVoZürich 20.04.2016 16:27
    Highlight Highlight Geile Aktion!!

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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