Digital

Das taugt das erste Smartphone​ von Marshall für Musik-Liebhaber​

Eigentlich baut die britische Firma Marshall Gitarrenverstärker. Jetzt versucht sie sich an ihrem ersten Smartphone. Steckt da Musik drin? Der Test.

29.09.15, 10:09 29.09.15, 10:39

Matthias Kremp / spiegel online

Ein Artikel von

Selten habe ich mich so auf ein Testgerät gefreut wie auf dieses: Das London-Smartphone von Marshall. Selbst wer Marshall nicht kennt, hat den Namen schon einmal gelesen, die Produkte der Firma schon mal gesehen. Das britische Unternehmen baut Gitarrenverstärker. Und weil die so gut stapelbar sind, werden sie von manchen Bands gerne zu riesigen Verstärkertürmen, regelrechten Soundwänden aufgebaut. Seit einigen Jahren baut die Firma auch Kopfhörer und Aktivboxen. Und jetzt sogar ein Smartphone.

Dessen Look, das wird sofort klar, soll den der legendären Röhrenverstärker imitieren. Das gelingt auch recht gut, so lange man nicht zu genau hinsieht. So ist der Kunststoffrahmen schön griffig geriffelt, die Regler und Anschlüsse aus Messing hergestellt, nur die USB-Buchse nicht. Die Rückseite hat einen Struktur, die an den Bezug der britischen Verstärker erinnert.

Die Rückseite ist griffig.
bild: spiegel online

Allerdings nur, bis man den Deckel öffnet und dann eben doch nur billiges Plastik in der Hand hat. Darunter findet man allerdings noch einen Hinweis auf den Ursprung des Handys: Der Akku ist in eine schwarze Folie gewickelt, auf der in grossen weissen Lettern «Long live Rock'n'Roll» steht. Auf den Kopfhörern geht das Branding weiter: Überall Marshall-Schriftzüge, überall das geschwungene «M».

Technik aus der Mittelklasse

Optisch erfüllt das London also die Erwartungen. Technisch kann es dagegen nicht in allen Disziplinen überzeugen. Das liegt zum einem an seinem Prozessor. Der ist schon ein älteres Modell, hat etwa ein Drittel der Leistung eines aktuellen Highend-Handys. Manchmal merkt man das auch. Mit Android 5.0 hat der Chip keine Probleme, manche Apps machen ihm aber so sehr zu schaffen, dass er anfängt zu ruckeln.

Die Acht-Megapixel-Kamera wiederum macht bei gutem Wetter gute Bilder, braucht nur oft zu lange, um auf ein Motiv scharf zu stellen. Wird es schummrig, lässt die Bildqualität merklich nach. So wie auch der Akku, der im Test oft viel zu früh an seine Grenzen kam. Bei intensiver Nutzung kommt man kaum über den Tag.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Sound

Aber beim London geht es ja auch nicht ums Fotografieren, sondern um Musik. Und da schlägt sich das Marshall-Smartphone viel besser. Denn um den Sound kümmert sich ein eigener Prozessor, der unter anderem die Möglichkeit bietet, verlustlos komprimierte FLAC-Musikdateien abzuspielen, ohne damit den Hauptprozessor zu belasten.

In-Ear-Kopfhörer gibt's auch dazu.
bild: spiegel online

Nebenbei ermöglicht er den Einsatz von Equalizern und bietet Funktionen für hochwertige Audioaufnahmen. In Kombination mit den mitgelieferten In-Ohr-Kopfhörern jedenfalls, kann man es sehr gut auch über längere Zeit aushalten. Highend-Sound liefern sie nicht, produzieren aber doch einen sehr kräftigen Sound, bei dem ich nur gelegentlich die Höhen etwas reduzieren musste.

Damit der Nutzer das kann, bestückt Marshall das London mit mehreren Zusatz-Apps, die beispielsweise Equalizer-Funktionen bieten oder als DJ-Mischpult fungieren. Eigentlich eine schöne Idee, wären diese Apps nur ein wenig intuitiver zu bedienen. So öffnet ein Druck auf den messingfarbenen Marshall-Knopf zwar eine Marshall-App, in der es einen Play-Button gibt und ich am Equalizer fummeln kann. Um Musik hören zu können, muss ich aber erst ein Menü aufrufen und von dort aus in eine App springen, die mir die Titel anzeigt, die im Handy oder auf Speicherkarte abgelegt sind.

Die Lautstärke reguliert man per Rädchen.
Bild: spiegel online

Fazit

Marshalls London-Smartphone ist zu teuer. 549 Euro kostet es beim Hersteller. Für so viel Geld kann man durchaus auch Highend-Handys bekommen. Aber beim London geht es nicht um die Leistung allein: Das Marshall-Handy will man entweder haben – oder eben nicht. Wer sich vom Rock-Image dieses Smartphones angesprochen fühlt, wird es kaufen wollen, egal was drin steckt.

Und wenn man es kauft, bekommt man immerhin sehr gute Audiomöglichkeiten, auch um etwas mit den integrierten Mikrofonen aufzunehmen. Der Soundchip leistet ganze Arbeit. Wer das nicht braucht, ist mit einem anderen Gerät wahrscheinlich besser bedient.

Vorteile und Nachteile

Zum Hersteller passendes Design
Umfangreiche Musikfunktionen
Guter Sound

Gemessen an der Hardware teuer
Unübersichtliche Musik-Apps

Das könnte dich auch interessieren

Du weisst, dass du zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringst, wenn ...

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Swisscom-Chef: «In der Schweiz ist es sehr schwer, ein 5G-Netz aufzubauen»

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit dem besten und schnellsten Netz zum Surfen. Doch jetzt droht laut Urs Schaeppi gleich doppeltes Ungemach – wegen dem strengen Strahlenschutz und dem neuen Fernmeldegesetz.

Tief entspannt und eine Viertelstunde früher als angekündigt trifft Swisscom-Chef Urs Schaeppi in unserem Newsroom in Aarau ein. «Es hatte für einmal keinen Stau», sagt er. Der Chef über 22 000 Mitarbeiter nimmt Platz und legt sein Smartphone auf den Tisch. Es ist 9 Uhr und wir fragen, wie oft er das Gerät am Morgen schon benutzt habe. Schaeppi überlegt kurz und antwortet dann, «sicher schon 15- bis 20-mal». 

Was haben Sie mit dem Gerät gemacht?Urs Schäppi: E-Mails und SMS …

Artikel lesen