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Apples 2015 lancierter Streaming-Dienst ist mal wieder unter Beschuss. screenshot: spon

Komponist klagt: «Apple hat meine Musik gestohlen»

Ein Musiker behauptet, der Streamingdienst des iPhone-Herstellers habe die auf seinem Rechner gespeicherten Songs gelöscht. Sein Blogbeitrag verbreitet sich rasant – aber hat er überhaupt recht?

06.05.16, 13:26 08.05.16, 11:12

Ein Artikel von

Man merkt Komponist James Pinkstone seine Empörung in jedem Satz an. Auf dem US-Blog «Vellum» beschreibt er, dass 122 Gigabyte an eigenen Musikdaten von seinem Laptop verschwunden sind. Gelöscht wurden. Nicht von Pinkstone selbst, beschwört er die Leser – sondern von Apple.

Genauer gesagt durch den Musik-Streamingdienst des Konzerns, Apple Music. «Apple hat meine Musik gestohlen. Ernsthaft», lautet die Überschrift von Pinkstones Beitrag.

Was ist passiert?

Pinkstone hat Apple Music abonniert und beschreibt das Problem mit dem Dienst aus seiner Sicht wie folgt: Nachdem er sich für Apple Music angemeldet habe, habe iTunes sich durch sein grosses Archiv an Musikdateien gewühlt und die Ergebnisse abgeglichen mit den Datenbanken von Apple. Bei einem Match habe es die lokal gespeicherte Originaldatei gelöscht, behauptet Pinkstone.

Gab es kein Match, zum Beispiel wenn es sich um ein von Pinkstone selbst komponiertes Lied handelte, habe Apple die Datei an sich gezogen und in die Datenbank von Apple gespeichert, während es auch in diesem Fall die Originaldatei auf Pinkstones Laptop gelöscht habe.

«Das beschriebene Verhalten hat nichts damit zu tun, wie Apple Music funktioniert.»

Bloggerin Serenity Caldwell

Viele User berichten von ähnlichen Erlebnissen

«Apple bietet mir jetzt meine eigene Musik an. Die kann ich aber gar nicht mehr anhören, wenn ich keine WLAN-Verbindung habe», empört sich Pinkstone.

In vielen Fällen, bei denen Apple ausserdem ein Match erkannt haben will, sei gar keins vorhanden. Apple habe wertvolle Versionen von Titeln gelöscht und verweise ihn nun auf Standard-Titel in seiner Datenbank. «Wenn ich mir ‹Taxi Driver› auf Netflix ansehe, dann kommt Netflix nicht zu mir nach Hause und klaut meine ‹Taxi Driver›-DVD», schreibt Pinkstone.

Zahlreiche Nutzer reagierten auf sozialen Netzwerken auf Pinkstones Leidensgeschichte. Und berichteten von ähnlichen Erlebnissen mit Apple und verlorenen Dateien. Dieser Nutzer behauptet, Apple habe Live-Mitschnitte mit Studioaufnahmen gleichgesetzt – und die Live-Versionen seiner Songs gelöscht:

Andere Nutzer machten Pinkstone selbst für die Löschung der Daten verantwortlich. «Apple Music hat sicherlich einige Probleme und die Matching-Algorithmen sind nicht toll. Aber das beschriebene Verhalten hat nichts damit zu tun, wie der Dienst funktioniert», schreibt Bloggerin Serenity Caldwell auf «Imore.com».

Der Dienst erstelle in Referenz der Originaldateien eine zweite Musik-Bibliothek für den Nutzer, die Originaldateien blieben aber unberührt. Caldwell vermutet, Pinkstone habe einen Fehler gemacht und so unwillentlich die Dateien gelöscht.

Das könne zum Beispiel passieren, wenn man sich die Musikbibliothek von iCloud auf seinen Mac-Rechner lädt. Dann spart man Speicherplatz und kann seine Musik streamen. Für diese Option wird die lokale Datei gelöscht – wenn man im aufpoppenden Dialogfenster die Option «Remove Download» anwählt.

Diese Option eignet sich deshalb laut Caldwell nur für Kopien der Original-Bibliothek – Pinkstone könne sie aus Versehen für Master-Kopien angewählt haben, mutmasst die Bloggerin.

Wir leihen uns Filme und Musik, besitzen sie aber nicht mehr

Unabhängig davon, ob Pinkstone oder Caldwell Recht haben: Die Aufregung im Netz ist gross. Denn Pinkstones Anekdote verweist auf ein grösseres, grundsätzliches Problem, das das immer weiter verbreitete Streamen von Inhalten hervorruft: Wer Netflix, Maxdome, Apple Music oder andere Streaming-Anbieter nutzt, kauft das Recht, sich den Film im Netz anzusehen, die Musik online anzuhören.

Eine physische Kopie der Inhalte, die er unabhängig von den Diensten nutzen könnte, hat man damit nicht eingekauft. Endet das Netflix-Abo, kann man nichts mehr anschauen. Die Nutzung ist gekoppelt an Abonnements, und damit an die Nutzungsbedingungen der grossen Tech-Firmen.

Für den unglücklichen Komponisten indes ging die Sache noch glimpflich aus: Er konnte auf ein mehrere Wochen altes Backup seiner Daten zurückgreifen und so zumindest Teile seiner Musik wiederherstellen.

Apple Music wird überarbeitet

An der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC, die am 13. Juni in San Francisco eröffnet wird, präsentiert das Unternehmen laut 9to5Mac und anderen US-Medien ein umfangreiches Update für seinen Musik-Streamingdienst Apple Music. Geplant sei ein komplettes Redesign der öfters kritisierten Benutzeroberfläche und das Radio-Angebot werde ausgebaut.
Apple Music wurde am 30. Juni 2015 in 100 Ländern lanciert, darunter die Schweiz und Deutschland. Der Dienst, den man als iOS- und Android-App sowie über iTunes (Mac, PC) nutzen kann, ist während der ersten drei Monate gratis, dann kostet das Abo 12.90 Franken pro Monat (USA: 9.99 Dollar).
Laut eigenen Angaben hat Apple Music mittlerweile über 13 Millionen Abonnenten. (dsc)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Olaf! 07.05.2016 11:41
    Highlight Also gerade bei Netflix ist es mir sowas von egal, dass mir die Kopie eines Filmes nicht gehört, die meisten schaut man ja sowieso nur einmal. Sollte ich dann doch ein Film auf meiner Festplatte lokal speichern wollen, gibt es die ja in der Schweiz noch alternative Wege, die sogar noch legal sind.
    3 0 Melden
  • Groll 06.05.2016 17:22
    Highlight Deshalb sollte man Warndialoge genau durchlesen und sich vielleicht erkunden was sie bedeuten.. :)

    Zum Glück ist die Sache so gut ausgegangen das wäre sonst schade für den Herrn gewesen.
    9 0 Melden
  • John Smith (2) 06.05.2016 13:47
    Highlight Wer kein Backup hat, ist grundsätzlich mal selber schuld. (Im vorliegenden Fall hatte er eines, wenn auch ein mehrere Wochen altes.)
    22 6 Melden

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