Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
netzneutralität

Netzneutralität in Gefahr: Bei kleineren Internetdiensten besteht die Gefahr, dass sie zur Kasse gebeten werden, damit ihre Angebote gleich schnell transportiert werden im Netz wie jene von Google oder Facebook.

«Wer zum Teufel seid Ihr überhaupt?» US-Telekomchef pöbelt gegen Google und Netz-Aktivisten

«Wer zum Teufel seid ihr überhaupt?» Im Streit um Netzneutralität und die Streaming-Funktion Binge On verliert Amerikas T-Mobile-Chef John Legere die Fassung und beschimpft Kritiker. Das beschert ihm eine Menge Spott.

08.01.16, 15:49


Ein Artikel von

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) ist die wohl renommierteste digitale Bürgerrechtsorganisation der Welt. Einst gegründet von einem Softwaremillionär und einem Hippie, kämpft sie seit 25 Jahren für freie Netze und Datenschutz, gegen Überwachung und Netzzensur.

John Legere, T-Mobile-Chef in den USA, hält offenbar nicht viel von der EFF. Bei einer Twitter-Fragerunde am Donnerstag postete er eigens ein Video, in dem er an die Organisation die wenig höflich formulierte Frage richtete: «Who the fuck are you anyway, EFF?» - «Wer zum Teufel seid Ihr überhaupt, EFF?». Er ergänzte noch: «Warum macht ihr so viel Ärger? Wer bezahlt Euch?» Der Firmenchef, der mit seinem nackenlangen Haar und gebräuntem Gesicht an einen kalifornischen Bühnenmagier erinnert, wirkte etwas erregter als der Situation angemessen. Auf Twitter erntete Legere mit dem Auftritt viel Spott, ausserdem entspann sich eine spontane Solidaritätskampagne für die gescholtene Organisation.

Anlass für die Auseinandersetzung ist T-Mobiles mobiles Streaming-Angebot Binge On. Mit dieser Funktion bietet der Konzern den Kunden an, Online-Videos auf ihrem Smartphone anzuschauen, ohne dabei Datenvolumen zu verbrauchen. Die EFF hatte das Angebot am Montag scharf kritisiert, da es ihrer Meinung das Gebot der Netzneutralität verletzt.

«Netzneutralität bedeutet, dass Videos, Musik und Webseiten von Internetfirmen wie YouTube, Facebook oder watson von den Internetprovidern gleich schnell über ihre Datennetze transportiert und nicht blockiert werden.»

Netzneutralität in 2 Minuten im Video erklärt

YouTube/Watson Redaktion

Bei Twitter haben die Bürgerrechtler den T-Mobile-Chef nun – wie von der EFF angeregt – gefragt, ob die Binge-On-Funktion die Videos verändere oder einfach nur die Bandbreite gedrosselt werde. Daraufhin antwortet John Legere, dass Binge On eine selbst entwickelte Technologie sei, die «nicht nur den Videostream erkennt, sondern auch die passende Bitrate auswählt, um das Video zu optimieren».

Unter dem Hashtag #WeareEFF verteidigen zahlreiche Nutzer des Netzwerks die Bürgerrechtler gegen die verbalen Angriffe, manche posteten Fotos ihrer Mitgliedsausweise. Und auch die EFF reagiert: Aktivismus-Direktorin Rainey Reitman antwortet Legere in einem Blogbeitrag mit dem Titel «Freunde, bitte erklärt dem T-Mobile-Chef die EFF». Sie schreibt darin, dass die Organisation durch Spenden von zehntausenden Menschen finanziert werde. Als Organisation, die für Bürgerrechte in der digitalen Welt kämpfe, könne man sich auch mit Tech-Giganten anlegen.

T-Mobile drosselt auch YouTube-Videos

Legere selbst stellt per Tweet klar: Natürlich kenne er die EFF, und sicher tue die Organisation viel für Verbraucher. Aber Innovation könne nun mal Kontroversen hervorrufen. In einem weiteren Video versuchte Legere ausführlicher zu erklären, dass die Praxis seines Unternehmens keineswegs einen Verstoss gegen die Netzneutralität darstelle. Google, das T-Mobile ebenfalls kritisiert hatte, griff er in diesem Clip ebenfalls an. Er äusserte den erstaunlichen Verdacht, die Kritiker versuchten mit ihren Einlassungen nur «in die Nachrichten zu kommen».

Auch unabhängige Beobachter sehen das anders. Das Online-Wirtschaftsmagazin «Quartz» etwa sieht das Verhalten von T-Mobile als «am äussersten Rand dessen», was die US-Regulierungsbehörde FCC gestatte. T-Mobile habe Sanktionen bislang nur vermeiden können, weil es allen Videoanbietern gestatte, dem Binge-On-Programm kostenlos beizutreten.

Worum geht es genau?

Der Konflikt zwischen T-Mobile und der EFF hatte damit begonnen, dass die Bürgerrechtler Binge On als Mogelpackung bezeichnet hatten. Die Funktion ist seit November standardmässig bei allen Kunden aktiviert und wirkt sich auf die Videos bei rund 20 Streaming-Diensten wie Netflix, Hulu und HBO Now aus.

Laut EFF werden die Videos nicht wie von T-Mobile angegeben auf DVD-Qualität heruntergerechnet, sondern die Bitrate werde bei allen Anbietern auf 1.5 MBit pro Sekunde gedrosselt. Selbst Videodienste wie YouTube, die keine Binge-On-Kooperationspartner sind, würden von der Funktion ausgebremst. Die YouTube-Mutter Google hatte sich schon kurz vor Weihnachten beklagt, T-Mobile drossele Video-Bandbreite.

Alles, was man über Netzneutralität wissen sollte

«Es darf nicht sein, dass sich Blick.ch bei der Swisscom schnellere Ladezeiten kaufen kann als watson» 

Zwei Tage nach Beerdigung der Netzneutralität sind die Wegelagerer da: Deutsche Telekom will Gamer und Startup-Firmen zur Kasse bitten

Von «Netzneutralität ist Quatsch» bis «In stiller Trauer um das WWW»: So reagiert das Netz auf das Zwei-Klassen-Internet

Schlechte Nachrichten für die Verfechter der Netzneutralität: Europaparlament beschliesst Zwei-Klassen-Internet

Die EU will das Zwei-Klassen-Internet. Das riecht auch für uns nach Ärger! Das musst du über Netzneutralität wissen​

Swisscom, Sunrise und Cablecom wollen das Zwei-Klassen-Internet. Das riecht nach Ärger! Genau darum gibt es jetzt eine Schlichtungsstelle

Swisscom und Co. wollen die Netzneutralität freiwillig gewährleisten – und ernten Spott und massive Kritik 

Google, Microsoft, Facebook und Co. plädieren für Netzneutralität

«Ich glaube nicht, dass die europäischen Mobilfunk-Provider diesen Kampf gewinnen können»

Alle Artikel anzeigen

jbr/cis

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • giguu 08.01.2016 16:51
    Highlight macht doch die swisscom auch mit ihren flatrate abos. ich fragte die swisscom auch schon, ob sie routing probleme.haben, weil youtube und netflix sehr langsam geladen haben (bei einer 100mbit leitung!!!). steckt da was dahinter?
    16 0 Melden
    • The_Doctor 08.01.2016 20:43
      Highlight Ach ja? Inwiefern äußert sich das bei dir? Ich hatte neulich einen Totalausfall beim Internet Zuhause für mehrere Tage. Deshalb habe ich mein Smartphone mittels HDMI an den TV gehängt und übers mobile Netz Netflix und Swisscom TV geschaut. War absolut flüssig und hat nichts gestockt. Am Ende hatte ich über 15GB Verbrauch in dem Monat. Hast du evtl. noch mehr und dann drosseln sie irgendwann?
      3 0 Melden
    • Tikvaw 09.01.2016 01:54
      Highlight Nein die Swisscom drosselt (noch) keine einzelne Dienste (youtube/streams,torrents, etc.) dir steht dafür die volle vertraglich vereinbarte Bandbreite zur Verfügung (im Rahmen des: "best effort"). Swisscom kann jedoch für ihre eigenen Dienste zusätzliche Ressourcen bereitstellen, das ändert jedoch nichts an der grundlegenden Verbindung. Was bei dir genau das Problem ist kann schwierig sein herauszufinden. Wie weit entfernt ist die nächste SCS-Zentrale von Swisscom? Wie lang sind die Kabel in deinem Haus?, W-LAN Probleme?, Router/Modem Probleme? Der PC/etc. selber? Browser/Erweiterungen? usw.
      5 1 Melden

iOS 12 ist hier – das sind 13 nützliche Tipps für iPhone-User

iOS 12 macht iPhones und iPads schneller. Mit diesen Ratschlägen holst du noch mehr aus Apples neuer Software heraus.

Yep. Das geht mit iOS 12. «Noise Canceling» kann zum Beispiel in grossen Menschenmassen ziemlich praktisch sein.

So geht's: Als Erstes fügt man dem Kontrollzentrum das Steuerelement «Hören» hinzu (> Einstellungen > Kontrollzentrum > Steuerelemente anpassen).

Nun tippt man im Kontrollzentrum aufs Ohrensymbol. Während man die AirPods trägt, lässt sich die Funktion «Live-Mithören» aktivieren, und die Stöpsel werden zur Hörhilfe.

Man kann den Cursor beim Verfassen von Nachrichten und E-Mails …

Artikel lesen