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Tomodachi Life

Bild: Fuorigio

Streit um neues Nintendo-Spiel

In Nintendos Comic-Welt ist Homosexualität nicht vorgesehen

Nintendos neues 3DS-Spiel «Tomodachi Life» simuliert das alltägliche Leben, samt Freizeit und Partnerschaften. Gleichgeschlechtliche Beziehungen aber sind im Spiel nicht möglich. Im Internet hat das eine hitzige Diskussion entfacht.

09.05.14, 15:10

Ein Artikel von

«Deine Freunde. Deine Storys. Dein Leben» – mit diesem Slogan bewirbt Nintendo sein neues 3DS-Spiel «Tomodachi Life». Vom Prinzip her erinnert die Lebenssimulation ein wenig an die beliebte Spielereihe «Die Sims»: Auf einer fiktiven Insel kann der Spieler Figuren nach Wahl ansiedeln und mit ihnen interagieren. So lassen sich zum Beispiel Familienmitglieder und Freunde als sogenannte Miis nachbauen.

Die comicartigen Figuren können Ausflüge und Musik machen, Freundschaften schliessen und sich sogar verlieben und heiraten – ein Feature, das auch im Werbevideo prominent vorgestellt wird.

Doch im Vergleich zu «Die Sims» kommen sich in Nintendos Spiel viel weniger Figuren nahe. Anders als im Spieleklassiker erlaubt es «Tomodachi Life» männlichen Figuren lediglich, mit Frauen Partnerschaften einzugehen und umgekehrt. Homosexualität scheint in der bunten Spielwelt nicht zu existieren.

Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in «Tomodachi Life» nicht möglich.  Bild: Fuorigio

Ein Amerikaner fordert «Miiquality»

Im Internet gibt es nun eine Fan-Bewegung, die sich dafür stark macht, die Simulation ans echte Leben anzupassen. Tye Marini, ein 23-jähriger Nintendo-Fan aus den USA, hatte im April unter dem Schlagwort #Miiquality eine Online-Kampagne gestartet. In den sozialen Netzwerken haben sich seitdem zahlreiche Fans seiner Forderung angeschlossen, homosexuelle Partnerschaften im Spiel zu erlauben.

«Ich will in der Lage sein, den Mii meines Verlobten aus dem echten Leben zu heiraten, aber das geht nicht», kritisiert Marini in einem Online-Video. Seine einzigen Optionen seien es, einen weiblichen Mii zu heiraten oder das Geschlecht eines der beiden Miis zu ändern.

In Japan ist «Tomodachi Life» bereits 2013 auf den Markt gekommen, bis zum Jahresende hat es sich dort 1,8 Millionen Mal verkauft. Die Debatte dreht sich nun um die Versionen für den amerikanischen und europäischen Markt, die am 6. Juni erscheinen.

Laut Nintendo ist die Spielwelt «drollig und skurril»

Die Entscheidung, eine Lebenssimulation ohne Homosexualität zu veröffentlichen, mag damit zusammenhängen, dass Nintendo ein Unternehmen aus Japan ist. Dort sind gleichgeschlechtliche Ehen bislang nicht erlaubt. Doch auch in Spielen aus westlichen Ländern sind homosexuelle Charaktere noch immer selten. Beziehungen, die vom Mann-Frau-Schema abweichen, finden sich am häufigsten in Rollenspielen. In «Mass Effect» zum Beispiel lassen sich Menschen verführen, aber auch Ausserirdische.

Im Sci-Fi-Game «Mass Effect» konnten Beziehungen mit beiden Geschlechtern eingegangen werden. Bild: Bioware

So radikal sind Nintendo-Titel nicht. Und auch die #Miiquality-Debatte scheint daran nichts ändern zu können. In einer Stellungnahme verteidigt Nintendo die Einschränkungen in «Tomodachi Life»: "Nintendo hat nie beabsichtigt, mit der Veröffentlichung von ‹Tomodachi Life› irgendeine Form eines gesellschaftlichen Statements abzugeben. Die Beziehungsoptionen im Spiel repräsentieren eher eine lustige alternative Welt, als dass sie das echte Leben simulieren." Man hoffe, dass alle Fans erkennen, dass das Spiel "drollig und skurril" sein will.

Bislang scheint sich das Verständnis vieler Spielefans allerdings in Grenzen zu halten – die Stellungnahme scheint vielmehr neue Angriffspunkte geliefert zu haben. So fragt zum Beispiel ein Twitter-Nutzer: «Ist es denn keine Form eines gesellschaftlichen Statements, schwule Menschen nicht-existent zu machen?» Und eine andere Nutzerin kommentiert: «Okay Nintendo, nur zu: Ignoriert, dass die Beziehung zwischen mir und meiner Frau ursprünglich über eure Spiele zustande kam. Ich nehme an, wir sind zu politisch, um zu existieren.» (mbö/AP)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 10.05.2014 17:26
    Highlight Man kann auch wirklich wegen allem ein Theater machen. Diese Empörungsgesellschaft verkommt langsam aber sicher zur Lächerlichkeit.
    2 0 Melden
  • mxvds 09.05.2014 23:07
    Highlight Ich bin selbst Homosexuell und finde das ganze ein riesen Theater. Mensch hier geht es um ein Spiel und nicht um das echte Leben.. wem es nicht passt sollte es einfach nicht kaufen und halt zur Konkurrenz gehen. Ich bin auch für eine Gleichstellung und setzte mich proaktiv dafür ein - aber mit solchen unnötigen Aktionen werden Leute wie ich (die sich politisch dafür einsetzten) einfach nur noch ins lächerliche gezogen.
    7 1 Melden
  • John Smith 09.05.2014 21:13
    Highlight Und wären homosexuelle Ehen möglich, würde Russland das Spiel wegen Schwulenpropaganda vom Markt nehmen lassen und Christen in Amerika würden eine ähnliche Petition starten.
    Wie man's als Entwicklerstudio macht, macht man's verkehrt.
    3 1 Melden
    • Chaose 10.05.2014 00:57
      Highlight Das sind kommerzielle Überlegungen. Das andere sind menschliche Gründe. Welche sind wohl wichtiger?
      2 1 Melden
    • Mia_san_mia 10.05.2014 08:32
      Highlight Für die Produktionsfirma ist die kommerzielle Seite wichtiger...
      2 1 Melden

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