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Von Dächern springen, verliert einfach nie seinen Reiz. Bild: ubisoft

Neuster Teil des Meuchelmörder-Spiels

«Assassin's Creed: Unity» kommt in die Läden: 6 Gründe, warum das Game grossartig ist – und 5, warum es Sie zur Weissglut treiben wird

In «Assassin's Creed: Unity» wird geklotzt und nicht gekleckert. Der Umfang und die Präsentation suchen ihresgleichen. Trotzdem verfehlt der neuste Teil die Bestmarke.

11.11.14, 19:47 17.11.14, 08:39
Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Redaktor

Ich gehöre zu denen, die zwar über «Assassin's Creeds» jährliches Erscheinen fluchen, es dann aber doch meistens spielen. Als noch bekannt wurde, dass «Assassin's Creed: Unity» im Paris zur Zeit der Revolution spielen wird, war für mich die Reise in die Vergangenheit ein weiteres Mal gebucht. Leider kommt der Trip nicht ohne Stolpersteine aus. Darum habe ich hier meine sechs Highlights und fünf Enttäuschungen aufgelistet.

Bemerkung: Ich habe das Spiel vor dem 1 GB grossen Patch gespielt, der am Launch-Tag veröffentlicht wird. Ubisoft verspricht sich davon unter anderem eine bessere Performance.

6-mal Jubel

Paris

Paris wurde mit viel Liebe fürs Detail nachgebildet. bild: ubisoft

Ubisoft hat es mal wieder geschafft. Im Nachbilden historischer Städte macht dem französischen Entwickler niemand was vor. Geschichtsprofessoren können sich noch stundenlang den Mund fusslig reden, an das Erlebnis von «Assassin's Creed: Unity» reicht es niemals heran. Unfassbar viele Details im Paris des 18. Jahrhunderts stecken. Wenn man an den pompösen Gemäuern der Notre-Dame hochklettert, wünscht man sich, man hätte auf dem letzten Städtetrip etwas besser aufgepasst.

Die Grafik

An «Assassin's Creed: Unity» kann man sich kaum sattsehen. Besonders mit einem leistungsfähigen PC glänzt das Spiel. bild: ubisoft

Die originalgetreue Nachbildung der Stadt der Liebe gelingt dank der bombastischen Grafik. Ob bei Tag oder bei Nacht, «Assassin's Creed: Unity» sieht zum Anbeissen aus. Besonders eindrücklich sind die Menschenmassen, die ausnahmsweise mal nicht alle gleich aussehen. In einer Szene sollen gar 10'000 Personen gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen sein. Damit gelingt eine von Leben strotzende Stadt, wie man sie noch selten gesehen hat. Selbst Los Santos, die fiktive Stadt aus «GTA V» muss sich hier geschlagen geben.

Ein Genuss für Zuschauer

Auch ohne Controller in der Hand, weiss das Spiel zu unterhalten. bild: ubisoft

«Assassin's Creed: Unity» macht auch passiv Spass. Meine Freundin schaut mir regelmässig dabei zu, wie ich über Paris' Dächer kraxle und von den höchsten Zipfeln der Stadt das Panorama geniesse.

Sherlock Holmes lässt grüssen

Als Detektiv auf Spurensuche. bild: ubisoft

In Nebenaufgaben, aber auch innerhalb der Hauptstory darf man den Sherlock Holmes mimen – oder besser Inspector Clouseau. Mit der Spezialsicht (Eagle Vision) sucht man nach versteckten Hinweisen, wie Giftspuren oder Blutflecken und befragt Zeugen. Hat man das Gefühl, den Täter entlarvt zu haben, kann man ihn stellen. Und hier kommt gleich mein nächster Punkt ...

Ich darf laut J'accuse schreien

Hat man den Täter ausgemacht, geht es ans Beschuldigen. bild: ubisoft

Bei jeder Mordaufklärung gibt es verschiedene Tatverdächtige, die man beschuldigen kann. Im Englischen steht auf den betreffenden Personen jeweils in gelber Schrift: accuse (beschuldigen). Da wir uns in Frankreich befinden, schreie ich hingegen laut «J'accuse». Herrlich. Sollten Sie unbedingt versuchen. Gleichzeitig mit dem Finger auf den Fernseher zeigen, ist das Sahnehäubchen.

Alternative Epochen

Ab und zu besucht man auch andere Zeiten. bild: ubisoft

Abwechslung bringen die Zeitsprünge in andere Zeitalter. Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dass man dieses Mal mehr als nur ein paar Jahre hin und her reist. Dabei zeigt sich auch, wie viel unverbrauchtes Potential noch in der Serie steckt.

5-mal Frust

Das ewige Klettern

Nicht immer will das Klettern so mühelos gelingen. bild: ubisoft

Es ist das Merkmal, das die Serie schon immer ausgezeichnet hat – die Bewegungsfreiheit. Jede Mauer und jeder Turm kann erklommen werden. Das klingt in der Theorie gut, aber in der Realität ist man noch längst nicht am Ziel. Eigentlich sollte man sich mit dem Halten einer einzigen Taste praktisch frei bewegen können. Dabei nervt man sich regelmässig, weil Arno (der Hauptcharakter) die falsche Mauer hochklettert, nicht herunterspringen will und dafür mal spontan in den Tod hechtet. Es ist zum Haare raufen. Besonders nervig ist es, wenn man jemanden verfolgt oder sich auf der Flucht befindet. Man kann sich darauf verlassen, dass Arno just in diesem Moment lieber den Fensterrahmen besteigt, statt nach Draussen in die Freiheit zu klettern. Wenigstens sind die Speicherpunkte fair gesetzt, so dass man selten lange Abschnitte wiederholen muss.

Das Spiel ruckelt

Regelmässig kommt es zu Einbrüchen in der Bildwiederholrate. bild: ubisoft

Vor der Veröffentlichung gab Ubisoft bekannt, dass «Assassin’s Creed Unity» nicht mit der vollen Auflösung (1920 mal 1080 Pixel) auf der Xbox One und der PS4 laufen werde. Stattdessen müssen sich die Spieler mit 1440 mal 900 Pixel und 30 Bildern pro Sekunde (FPS), statt der üblichen 60, zufrieden geben. Dadurch erhalte man ein filmischeres Erlebnis, war die Begründung. Eine schamlose Lüge, wenn Sie mich fragen. Ehrlicher wäre die Aussage gewesen, dass man mit 60 FPS niemals so viel Details in das Spiel hätte packen können. Was auch immer der Grund war, es sieht so aus, als ob selbst 30 FPS noch zu viel sind. Regelmässig ruckelt das Spiel. Teilweise so stark, dass man kaum noch steuern kann. Bei grösseren Menschenmassen wird zudem die Bildrate derart reduziert, dass man das Gefühl hat, man klebt fest.

Ja hab' ich denn eine Leuchtweste mit Sirene umgehängt?

Gegner weisen manchmal ein erstaunliches Gespür auf. bild: ubisoft

Was mich bei solchen Spielen immer nervt, ist das scheinbare superschnelle Kommunikationsnetz über das Feinde verfügen. Sobald man von einem Gegner verfolgt wird, weiss sofort jeder Soldat in der Stadt, dass der Typ in der blauen Kapuze Staatsfeind Nummer eins ist. Kommt dazu, dass man selbst in dichtesten Menschenmassen erspäht wird. Diese Sehstärke würde jeden Optiker vor Neid erblinden lassen.

Viel zu viele Nebenbeschäftigungen

Die Masse an Nebenbeschäftigungen erschlägt einen fast. bild: ubisoft

Ich verstehe ja, dass man in Openworld-Games versucht, den Spieler möglichst lange bei Stange zu halten, aber wer sich die Karte von Paris in «Assassin's Creed Unity» anschaut, kriegt fast den Koller. Gefühlt tausend Aufgaben warten darauf beackert zu werden. Hier würde ich eindeutig Qualität Quantität vorziehen. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, all die Zeichen und Symbole abzuarbeiten, aber ich verspüre leider immer den Drang zur Vollständigkeit. Und wenn ich mir nicht gerade einen Monat frei nehme, kann ich das schlicht vergessen. Wenigstens waren die meisten Quests bisher einigermassen abwechslungsreich.

Lange Ladezeiten

Selbst eine solche Kanone lädt man schneller als das Spiel. bild: ubisoft

Während den Ladezeiten kann man sich entspannt einen Kaffee machen. Das war beim Test mit der PS4-Version. Möglich, dass ein PC mit SSD etwas schneller lädt. Jedes Mal, wenn man stirbt, die Schnellreisefunktion benutzt oder eine neue Mission startet, greift man unbewusst zum Handy, um die Zeit totzuschlagen.

Ich habe die PS4-Version von «Assassin's Creed Unity» gespielt, die mir Ubisoft zur Verfügung gestellt hat. Das Spiel ist ausserdem für die Xbox One und den PC erhältlich.

Der offizielle Trailer zum Spiel

video: youtube/assassin's creed de

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tobias K. 13.11.2014 08:36
    Highlight Philipp hast du das Game mittlerweile mit Day One Patch gezockt? In deiner Einleitung schreibst du ja, dass du den Patch da noch nicht geladen hattest. Sind immer noch Ruckler und Performance-Einbrüche zu sehen?
    0 0 Melden
    • Philipp Rüegg 13.11.2014 09:08
      Highlight Ich hab es gestern kurz gespielt, allerdings kam kein Update. Evtl. wurde das aber von der PS4 schon installiert. Jedenfalls fielen mir keine grossen Ruckler auf und einem Kumpel von mir vielen noch gar keine auf. Aber auf den US-Seiten gibt es zahlreiche Beiträge und Videos, die von schlechter Framerate sprechen. Xbox One soll etwas besser laufen. Es war aber auch vorher problemlos spielbar, auch wenn es ab und zu nerven kann. Man überlebt es :)
      0 0 Melden
  • Anded 12.11.2014 14:21
    Highlight Danke für das ausgewogene review. (Da wurde hier schon anderes veröffentlicht.) Habe num Glück noch einige PS4-Games zum "abarbeiten". Höre mir dann später nochmals den Massen-Tenor zu Unity auf PS4 an... Wer weiss was der patch bringt, die Hoffnung stribt zuletzt.
    0 0 Melden
  • Lezzelentius 12.11.2014 07:47
    Highlight Habe das Spiel für den Computer vorbestellt da ich von den "Next-Gen" Konsolen etwas enttäuscht war. Alleine die Tatsache bezüglich Auflösung und FPS ist eine Beleidigung für das, was ab 2014/15 versprochen wurde. Gut, Entwickler müssen sich auf neue Hardware einstellen - aber. dennoch. Auch muss ich damit rechnen dass der Port auf PC schlecht sein wird. R9 290x wird als GPU von Ubisoft empfohlen. Das ist eine +600.- Karte. Das ist ein Verschulden schlechter Programmierung. Freue mich auf das Spiel weil immer noch: Gameplay > Grafik.
    7 0 Melden
    • droelfmalbumst 12.11.2014 09:08
      Highlight Ich bin von den Konsolen auch enttäuscht, aber weil man 75.- für ein Game bezahlt und dann nochmal 70.- um alle Inhalte zu bekommen. Somit mind. 140.- um ein Game ganz auskosten zu können...

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      6 0 Melden

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