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Sehen komisch aus und machen Spass: VR-Brillen von Samsung (l.) und Oculus
Bild: spiegel

10 Fakten zu Samsungs Virtual-Reality-Brille fürs Smartphone, die du kennen solltest

Handy einstecken, ab in fiktive Welten: Samsung bringt die erste marktreife Virtual-Reality-Brille in den Handel. Ist das die Zukunft der Unterhaltung? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

30.11.15, 17:55

Markus Böhm und Matthias Kremp / spiegel online



Ein Artikel von

Was ist eigentlich Virtual Reality (VR)?

Matthias Kremp: Virtual Reality, die virtuelle Realität, versucht reale oder auch Fantasiewelten im Computer nachzubilden und über spezielle Ausgabegeräte für den Nutzer erlebbar zu machen. Im Idealfall wähnt sich der Anwender tatsächlich in der virtuellen Realität, agiert dort, als wäre er wirklich da.

Von diesem Idealbild ist die aktuelle Technik noch weit entfernt. Derzeit bieten VR-Brillen die beste Möglichkeit, sich in eine VR zu begeben. Manche nutzen Rechenleistung, Speicher, Sensoren und Bildschirm eines Smartphones, um virtuelle Welten entstehen zu lassen. So hat es Google mit seinem Project Cardboard vorgemacht.

Die Brille selbst dient dazu, das Bildschirmbild über spezielle Linsen zu den Augen zu führen, sodass ein räumlicher Effekt entsteht. Ein an der Seite montierter Magnet dient dazu, Menüpunkte im VR-Bild auszuwählen. Einfache VR-Brillen kann man sogar aus Pappkartons bauen, wie hier in Bildern vorgeführt:

Samsungs Gear VR hingegen hat ein paar eigene Sensoren. Die kommunizieren über die USB-Buchse mit dem Handy und beziehen von dort auch Strom. Durch diesen Trick werden Bewegungen von der Gear VR besonders schnell auf die virtuelle Welt übertragen.

Markus Böhm: Das Besondere bei VR-Apps ist das Gefühl von Präsenz. Spiele sind nicht nur in 3D, wie beim 3D-Kino, sondern man kann sich auch darin umgucken, da die Brillen Kopfbewegungen in alle Richtungen registrieren. VR lässt sich schwer beschreiben, im Prinzip hilft nur, sie selbst auszuprobieren.

Diese VR-Brillen gibt es

Was ist besonders an Samsungs Gear VR?

Matthias Kremp: Samsungs Gear VR ist die erste relevante VR-Brille mit eigener Technik, die wirklich in den Handel kommt: Bislang liessen sich zwar Testversionen von Brillen wie der Oculus Rift bestellen, diese waren jedoch nicht für Endkunden ausgelegt. Auch von der Gear VR wurden sogenannte Innovator Editions verkauft, Vorabversionen für Enthusiasten und Softwareentwickler. Wir haben das Gerät bereits im Januar getestet. Hier der Test in Bildern:

Irgendwann im Dezember soll die neue Version der Brille nun zum Beispiel auch in Elektromärkten angeboten werden, für voraussichtlich 99 Franken. In den USA ist die Gear VR schon seit Freitag im Handel.

Per Brille und Smartphone in virtuelle Welten

Ist die Gear VR nicht dasselbe wie Googles VR-Brille aus Pappe - nur teurer?

Markus Böhm: Das könnte man auf den ersten Blick meinen - mit der Gear VR sind aber runder wirkende VR-Erlebnisse möglich. Das liegt daran, dass sie eigene Sensoren an Bord hat, konkret einen Beschleunigungssensor, einen Lagesensor und einen Näherungssensor. Mit dem Oculus Store hat die Brille auch einen eigenen App-Store, in dem man Apps bekommt, die exklusiv auf der Gear VR laufen.

Matthias Kremp: Unterschätzen sollte man Google Cardboard aber nicht. Die Pappbrille läuft zumindest mit wirklich vielen Smartphones und zum ersten Ausprobieren reicht sie allemal. Bei mir wird sie regelmässig von Kollegen ausgeliehen, die «nur mal gucken» wollen. Bei Versendern wie Amazon gibt es Cardboard-Brillen auch schon für ein paar Franken.

Wie unterscheidet sich die neue Gear VR von den Vorabversionen?

Matthias Kremp: Das neue Modell ist etwas leichter als sein Vorgänger, soll dank eines grösseren Touchpads einfacher zu bedienen sein. Und es ist mit 99 Franken billiger als die Testmodelle. Benutzen kann man die Brille nur mit dem Galaxy S6 edge+, S6 und S6 edge. Ebenfalls kompatibel ist das Galaxy Note 5. Das Note 4 dagegen wird vom neuen Modell nicht mehr unterstützt.

Markus Böhm: In ersten Tests aus den USA, etwa von «Wired», heisst es, die neue Brille ziehe etwas weniger am Akku als die Vorabmodelle und werde nicht mehr ganz so schnell warm. Die Überhitzung war bislang ein Problem, offenbar wurde es auch jetzt noch nicht komplett gelöst.

Apps für die Samsung Gear VR

Welche Apps gibt es für die Gear VR?

Markus Böhm: Das App-Angebot ist in den letzten Wochen spürbar umfangreicher geworden, vermutlich mit Blick auf den Marktstart in den USA. Mittlerweile gibt es ein paar Dutzend brauchbare Programme, wenngleich viele noch immer eher Demos oder Ideenskizzen sind.

Hier einige Beispiele für Gear-VR-Apps in Bildern:

Mein bisheriges Highlight ist das Krimispiel «Dead Secret». Das Spiel ist nicht wirklich gruselig, mich hat es aber tief in seinen Bann gezogen. Ich stand stellenweise allein in der Mitte meines Wohnzimmers und habe zur eigenen Beruhigung laut gedacht, wo ich nun als Nächstes hingehe.

Wie sieht es abseits von Spielen aus?

Markus Böhm: Schwer vorherzusagen, wann Chat-Apps wie «Oculus Social» ein breites Publikum erreichen. Bislang ist in den Chaträumen wenig los. Die Gear VR ist aber gut zum Filmgucken geeignet, allein wie gemeinsam: Apps wie die von Netflix und «Oculus Cinema» simulieren grosse Fernseher und Kinosäle, das ist beeindruckend. Gleichzeitig merkt man immer, dass man eine grosse, schwere Brille im Gesicht hat. Mehr als eine Serienepisode halte ich damit selten durch.

Ist die Gear VR ihre 99 Franken wert?

Markus Böhm: Ich nutze die Innovators Edition der Brille jetzt seit ein paar Monaten. Nicht ständig, aber immer wieder. Insgesamt bin ich angetan: Die Bedienung ist superleicht. 99 Franken finde ich einen fairen Preis, sofern man ein kompatibles Handy besitzt.

Ein neues Handy würde ich mir wegen der Gear VR aber nicht kaufen. Ich würde die Startphase der VR-Brillen mit der der Nintendo Wii vergleichen: Es ist eine neue Spielerfahrung, mit der man auch Nicht-Gamer beeindrucken kann. Ein Spiel auf dem Niveau von «Super Mario» gibt es bislang aber nicht - und vermutlich wird es noch dauern, bis VR-Spiele dieser Spieldauer und Qualität erscheinen.

Auch bis zum Massenmarkt-Durchbruch wird wohl noch einige Zeit vergehen: Durch die Beschränkung auf teure Android-Handys dürfte die Gear VR vorerst nur in der Nische Erfolg haben.

Wie gut kommen Einsteiger mit der Brille klar?

Markus Böhm: Man steckt einfach sein Handy in die Brille, und alles startet von selbst. Neben mir haben viele Freunde die Gear VR aufgehabt, die meisten ohne vorherige VR-Erfahrung. Fasziniert waren eigentlich alle, ein wenig schlecht geworden ist manchem Tester bei bewegungslastigen Spielen wie «Temple Run VR».

Eine kleine Hürde ist, dass man manche Apps nur per Gamepad steuern kann. Die Erfahrung ohne Gamepad ist mitunter kurios: Da steht man etwa in «Oculus Arcade» vor einem virtuellen «Sonic»-Spielautomaten und kann das Spiel starten, aber nicht beeinflussen.

Sollte man nicht lieber versuchen, an eine Oculus Rift zu kommen?

Matthias Kremp: Zumindest für die Entwicklerversion braucht man starke Nerven. Als ich die Rift zum ersten Mal installieren wollte, war das ein stundenlanges Gefummel. Das fängt mit den vielen Kabeln an: Wie nervig! Die Brille muss an HDMI und USB gestöpselt, dann noch mit dem Netzteil verbunden werden. Als ich dann auch noch die Bewegungskamera angeschlossen hatte, waren beide USB-Anschlüsse meines Notebooks belegt, und vor mir schlängelten sich diverse Strippen.

Richtig schlimm war dann die Software-Installation: Was brauche ich dafür? Wo bekomme ich die nötigen Treiber und in welcher Reihenfolge muss ich die installieren? Viel Hilfe dazu gab es bei Oculus nicht.

Markus Böhm: Ich weiss nicht, ob sich Warten auf die Rift lohnt. Der Gear VR fehlt zwar das coole Positions-Tracking der Oculus-Brille, das zum Beispiel das Vorbeugen im Spiel ermöglicht, und natürlich ist die Rift dank der PC-Verbindung technisch leistungsfähiger. Dafür hat man bei der Samsung-Brille aber auch kein Kabelchaos. Ein Drehstuhl ist für VR übrigens extrem praktisch.

Wie steht es denn um die restlichen VR-Brillen?

Matthias Kremp: Qualitativ die beste VR-Brille für Smartphones ist meiner Meinung nach die VR One von Zeiss. Das Optik-Unternehmen hat spezielle Linsen entwickelt, mit denen man immer ein scharfes Bild sieht, ohne sie an den Augenabstand anpassen zu müssen. Subjektiv habe ich das Gefühl, mit diesem Modell die besten Bildqualität zu bekommen.

Ausserdem ist es vergleichsweise flexibel, es kann mit iPhones und mehreren Galaxy-Smartphones benutzt werden. Mit einem 3D-Drucker kann man sich sogar einen passenden Einschub für andere Handys herstellen. Eigene Sensoren, wie die Gear VR, hat die VR One aber nicht an Bord.

Spannend wird auch HTCs Vive, hinter der der Spielehändler und -hersteller Valve steckt. Als ich sie ausprobiert habe, war ich beeindruckt von der grafischen Qualität und der Geschwindigkeit. Vor allem aber ist das Spielerlebnis hier ein ganz anderes, weil man sich weitgehend frei im Raum bewegen kann. So fühlt sich die virtuelle Realität noch echter an.

Erste Exemplare der Vive sollen angeblich schon bald in den Handel kommen, ein genaues Datum oder ein Preis sind aber nicht bekannt. Wie die Oculs Rift wird die Vive wird wohl einige Hundert Franken kosten und einen Highend-PC benötigen, ein Smartphone reicht nicht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 30.11.2015 18:28
    Highlight die oculus rift ist richtig cool mein bruder hat sie
    2 0 Melden

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