Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Pädagogen sind sich uneins, was die Abgabe eines persönlichen Geräts betrifft. bild: shutterstock

In diesem Kanton soll jeder Sekundarschüler gratis einen Laptop erhalten

Als erster Schweizer Kanton will Baselland jeden Sekundarschüler mit einem eigenen iPad oder Laptop ausstatten. Lehrer fürchten, dass die Geräte vom Unterricht ablenken.

24.09.17, 10:04 24.09.17, 10:39

leif simonsen / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Als Pionierkanton konnte sich der Kanton Baselland in den vergangenen Jahren im Bildungswesen nicht hervortun. Dazu fehlte der Geist – und das Geld. Nun aber prescht die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) vor:

Bis in wenigen Jahren sollen sämtliche Sekundarschüler im Kanton mit eigenen Laptops oder iPads ausgestattet werden.

Bisher sind in der Schweiz erst einzelne Gemeinden dazu übergegangen, den Schülern individuelle Laptops und Computer zu finanzieren.

Für das «One 2 one» genannte Projekt sei das Baselbiet nun aber bereit, ist Christoph Straumann überzeugt. Der IT-Chef der BKSD sagt: «Alle Sekundarschulen sind mittlerweile ans Glasfasernetz angeschlossen. Zudem verfügen ab dem laufenden Schuljahr praktisch alle Schulräume an kantonalen Schulen über einen WLAN-Zugang.»

Zunächst will Baselland im Rahmen eines Pilotprojekts an verschiedenen Sekundarschulstandorten Erfahrungen sammeln. Nach den Herbstferien sollen an sechs Schulen über 13 Klassen rund 350 Geräte verteilt werden. Mehr will Straumann nicht dazu sagen. Er möchte nicht, dass die betroffenen Lehrer und Schüler davon aus den Medien erfahren.

Es geht um Grundsätzliches. Sollen alle Sekundarschüler einen eigenen Laptop oder einen eigenen Tablet-Computer bekommen? Das ist eine sensible Frage, die derzeit in Lehrerkreisen intensiv diskutiert wird. Zum einen gibt es pädagogische Bedenken.

Befürchtung: kaum «bildschirmlose» Abende mehr

Philipp Loretz, Geschäftsleitungsmitglied im Lehrerverein Baselland, äusserte sich jüngst in der Verbandszeitschrift «LVB Inform» nicht nur wohlwollend. «Nicht nur jene Eltern, die dem Wisch- und Tippzeitalter generell kritisch gegenüberstehen, dürften Mühe haben, wenn ihnen die Schule noch mehr ICT-Geräte ‹bescherte› und verlangte, dass diese auch zuhause intensiv genutzt werden», schreibt er. Bildschirmlose Abende oder gar Ferien, die von Experten empfohlen würden, seien nur noch «schwer organisierbar».

Der Aescher Englisch-Lehrer liess sich davon in einem Lernexperiment selbst vergewissern. Die Schüler testeten zehn Tage, wie es ist, ohne Smartphone zu lernen. Die Erkenntnis: «Die meisten Schülerinnen und Schüler räumten ein, dass es ihnen nur selten gelungen war, ihr Smartphone in einen anderen Raum zu legen.»

Beat Zemp beurteilt das Baselbieter Pilotprojekt letztlich aber positiv. Der Präsident des schweizerischen Lehrerdachverbands ist der Meinung, dass es «das Ende der Volksschule» wäre, die Augen vor der Digitalisierung zu verschliessen.

In pädagogischer Hinsicht biete die Ausstattung der einzelnen Schüler mit Laptops und iPads grosse Vorteile. Es erlaube die Vermittlung des Unterrichtsstoffs in unterschiedlichen Geschwindigkeiten:

«Damit kommt man weg von der Vorwärts-Marsch-Systematik. Mit der digitalen Erfassung des Lernprozesses ist es für Lehrpersonen einfacher zu sehen, wie gross der Lernfortschritt bei jedem Schüler ist.»

Beat Zemp, Präsident LCH

800'000 Franken pro Jahr

Wann «One 2 one» umgesetzt wird und alle Baselbieter Sekundarschüler ihr eigenes Gerät bekommen, ist unklar. «Dies hängt von den Erfahrungen im Pilotprojekt ab», sagt Christoph Straumann.

Er erhofft sich nicht nur Erkenntnisse über die pädagogischen Herausforderungen, sondern auch über die technischen. Schliesslich ist es mit der Bereitstellung der Geräte nicht getan. Und selbst wenn die Geräte künftig zentral aufgesetzt und aufdatiert werden, braucht es fachkundige Lehrer an den Schulen.

Wie die BKSD im Mai an der Kick-off-Veranstaltung für das IT-Projekt sagt, würden nur die Projektverantwortlichen entschädigt. Alle anderen Personen arbeiteten an einer Schule «im Rahmen ihrer Anstellung» mit. Es sei Idealismus gefragt.

Gymi-Schüler müssen selber bezahlen

Anders als in den Baselbieter Sekundarschulen sollen die Schüler an den Gymnasien auch weiterhin ihr eigenes Gerät mitbringen. Der Baselbieter IT-Chef Christoph Straumann begründet dies damit, dass die Sekundarschule zur obligatorischen Schulzeit gehöre und die Ausrüstung der Schüler staatliche Aufgabe sei.

Skepsis äussert auch SP-Landrat Jan Kirchmayr. Trotzdem wird «One 2 one» ans Geld gehen. Für die jährlich rund 2500 Schüler, die in die Sek eingeschult werden, müssen Geräte für etwa 800'000 Franken besorgt werden.

Straumann verweist auf den 2013 gesprochenen sechsjährigen Verpflichtungskredit von 10,9 Millionen Franken. «Man muss bedenken, dass mit ‹One 2 one› andere Kosten gesenkt werden können – so kann beispielsweise auf die stationären Geräte in den Schulzimmern verzichtet werden», sagt er.

Umfrage

Solle alle Sekundarschüler einen eigenen Laptop bekommen?

516 Votes zu: Solle alle Sekundarschüler einen eigenen Laptop bekommen?

  • 47%Ja
  • 44%Nein
  • 8%Weiss nicht

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schule geht wieder los? So viel verdient dein Lehrer – der grosse Lohnreport

Digital Natives? Von wegen! Die Lüge einer Generation

Zu heiss, fiese Fragen: Berufsmaturand klagt (teilweise) erfolgreich gegen schlechte Noten

Die Tessiner haben 10 Wochen Sommerferien – eine Aargauer Gemeinde nicht mal halb so lang

Ja, der Name ist doof: 3 Gründe, warum der «Greentopf» trotzdem eine gute Sache ist

Junge haben wenig Ahnung von Biologie. Aber bist du wirklich schlauer?

Bei MINT-Studiengängen deutlich in Unterzahl: Die Angst der Frauen vor dem Wettbewerb

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

26
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roterriese 26.09.2017 13:17
    Highlight Wieso zur Hölle iPads?
    3 0 Melden
  • Whitebeard 25.09.2017 07:32
    Highlight Parallel dazu wird an der Bildung im Kt. Zug gespart
    5 2 Melden
  • Likos 24.09.2017 18:51
    Highlight Ein Wikipedianachschlaggerät fördert jetzt auch nicht gerade die prekären Informatikkompetenzen heutiger Schüler...
    Das Geld sollte wirklich lieber ein ein guten Informatikunterricht fliessen.
    Davon ab, dürfte eh keiner wirklich gerne ein 320.- Laptop benutzen... Das ist einfach nur Elektroschrott.
    27 1 Melden
  • Bastard 24.09.2017 15:13
    Highlight An der AHV sparen wollen und dann sowas. Stellt euch mal die Kosten vor!

    Spendiert lieber jedem Schulhaus ein gescheites Informatikzimmer mit Computern, so könnt ihr auch unterrichten.

    Dazu kommt noch, dass solche Geräte verloren oder gestohlen werden oder beschädigt werden können.
    39 5 Melden
  • Triumvir 24.09.2017 14:11
    Highlight Na toll, so etwas nennt man dann Giesskannenbildung. Hat der klamme Kanton BL wirklich genügend Geld für solchen Luxus?
    28 5 Melden
  • who cares? 24.09.2017 13:58
    Highlight Ich bin absolut dafür, Medienkompetenz früh zu fördern, jedoch weiss ich nicht, ob staatlich finanzierte Laptops für Schüler eine so gute Idee sind. Jeder hat andere Präferenzen bezüglich Betriebssystem, Grösse, etc.
    Ich kann mir auch nicht so gut vorstellen, wie man Laptops im Unterricht benutzen sollte, Lernspiele und so sind ja alle schön und gut, jedoch bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich nicht bereits als Kind 6h am Tag in einen Bildschirm starren musste.
    41 2 Melden
  • pamayer 24.09.2017 12:24
    Highlight Dafür wird in BL alles andere im Bereich des Service Public kaputtgespart.
    Verlogene Sache.
    21 5 Melden
  • Robin Hood 24.09.2017 12:13
    Highlight Interessant, dass jeder Schulträger in der Schweiz zuerst Erfahrungen sammeln will mit einem Pilotprojekt.. so geht wertvolle Zeit verloren. Es gab schon dutzende solcher Pilotprojekte in Schweizer Gemeinden und Bezirken.
    17 3 Melden
    • dan2016 24.09.2017 19:32
      Highlight es muss doch sicherlich grosse Unterschiede geben, ob eine Gemeinde den Beschluss fällt oder ein Kanton..... viele Grüsse aus einer der gefühlt 1500 Pilotgemeinden:)
      3 0 Melden
  • dracului 24.09.2017 11:57
    Highlight Ich bin überzeugt, dass früher und mehr mit digitalen Geräten gearbeitet werden muss und finde die Integration von digitalen Kompetenzen in den Schulalltag überfällig. Allerdings bin ich nicht so glücklich darüber, dass dies Steuereinnahmen kostet und die Sorgfaltspflicht nicht gefördert wird. Viele Jugendliche haben bereits einen Computer und man müsste die (finanzielle) Verantwortung zwischen Schule, Schülern und Eltern aufteilen. Ich würde auch mehr auf Android/Apple Tablets setzen, da Windows-Geräte (leider) viel zu pflegeintensiv sind für den robusten und verlässlichen Schulbetrieb.
    3 24 Melden
    • You will not be able to use your remote control. 24.09.2017 14:24
      Highlight In Schulen darf nur Freie Software eingesetzt werden. Alles andere fördert hauptsächlich eine digitale Abhängigkeit. Diese ist in der Schweiz sowieso schon unglaublich stark und sie wird gänzlich unkritisch betrachtet.

      Android, Apple und Windows kommen daher nicht in Frage.
      9 8 Melden
    • fabianflu 24.09.2017 14:33
      Highlight Ich muss dir da leider Widersprechen: ich würde auf Windowsgeräte setzen, da später in der Arbeitswelt primär auf solchen gearbeitet wird. Kontakt mit iOS/Android werden die Kids dank Smartphones genügend haben. "Pflegeintensiv" sind sie auch nicht, Updates können automatisch und stabil eingespielt werden. Viele der Lehrmittel benötigen BTW. Flash als Plattform und laufen gar nicht auf den Tablets.
      16 3 Melden
    • Knut Atteslander 25.09.2017 08:46
      Highlight Ob jetzt auf Linux oder Windows gelehrt wird spielt doch keine rolle, Die Systeme sind nicht so verschieden wie man denkt. Ausserdem wer mehr als Office einsetzt beim Arbeiten nutzt meist Linux (Embedded Systeme zB)
      2 1 Melden
  • Po3o 24.09.2017 11:54
    Highlight Für einen solchen Quatsch geb ich mein Geld nicht aus es gibt dringerende Möglichkeiten dieses Geld Für Arme zu verwenden!
    6 17 Melden
  • efrain 24.09.2017 11:44
    Highlight Die Benutzung der Laptops könnten per Software relativ gut überwacht und begrenzt (verschlossen) werden, in Unix- und Windows-Netzwerken geht das recht einfach, nur sollte man das nicht den Lehrern überlassen.

    Ich denke, das Ziel sollte genau sein, Mündigkeit im Umgang mit IT-Technologien zu erlangen. Mündigkeit, welche die meisten Menschen nicht haben, notabene.

    Es ist nicht ideal, wenn ein Kind oder Teenager (oder Erwachsener) einfach irgendwann ein Smartphone kriegt, und plötzlich alleine mit dieser unendlichen Fülle an Information, Unterhaltung und Pornografie konfrontiert ist.
    7 5 Melden
  • Zeit_Genosse 24.09.2017 11:21
    Highlight Wir sollten es begrüssen wenn Experimente und Pilotprojekte dazu entstehen. Der flächenkleinen und ressourcenarmen Schweiz eröffnen sich mit der Digitalisierung eine historische Chance. Auf dem Wissensplatz kann die Schweiz eine Führungsrolle einnehmen. Auch in der Weltgemeinschaft zu grösserer Bedeutung und Macht werden. Damit liesse sich die Schweiz in diesem Jahrtausend entwickeln, wie es einst die Industrialisierung tat. Wir sollten nicht von der Technik Angst haben, sondern sie für unseren Wohlstand, Sicherheit und Wohlfahrt konsequent einsetzen. Dazu müssen wir früh ansetzen. Just do it.
    6 3 Melden
  • pali2 24.09.2017 11:04
    Highlight Das Geld könnte sicher besser eingesetzt werden. Ein Computerraum, wie wir ihn immer hatten, reicht doch vollkommen aus oder nicht?
    6 14 Melden
    • Niki404 24.09.2017 14:38
      Highlight Stimmt absolut!!! Ein Computerraum mit Geräten der neusten Generation!!!
      3 4 Melden
    • dan2016 24.09.2017 19:35
      Highlight stimmt, mein Arbeitgeber hat auch eine Computerraum geschaffen, dort sind 16 Iphones (falls jemand telefonieren möchte) und 16 Computer, falls jemand mit der Schreibmaschine unglücklich ist.
      3 1 Melden
    • Knut Atteslander 25.09.2017 08:44
      Highlight Heutzutage haben doch die meisten eh ein Laptop, da brauchrs keinen Computerraum mit angestaubten Geräten. Das Geld würde man besser anderswo investieren.
      1 0 Melden
  • Knut Atteslander 24.09.2017 10:36
    Highlight Philip Loretz macht den Eindruck er sei mit der heuten Zeit überfordert 😄
    2 0 Melden
    • Philipp Loretz 24.09.2017 17:21
      Highlight Deshalb zeige ich meinen Schülerinnen und Schülern seit Jahren, wie sie ihre Englischkenntnisse mit Hilfe der einschlägigen Lernapps und Online-Lernangebote wirkungsvoll trainieren und schnell erweitern können. Meine Klasse freut sich bereits jetzt auf das Pilotprojekt One2One ;-)
      4 0 Melden
    • dan2016 24.09.2017 20:09
      Highlight @Philipp Loretz, schön schalten Sie sich hier ein. Aber Himmel, warum müssen Sie nochmals einen Piloten machen? Auch Algebra muss nicht in jeder Klasse nochmals pilotiert werden. Irgendwie habe ich schon den Eindruck, dass jede Schule den Umgang mit den Technologien selber testen muss. Der Kanton Solothurn, sofern ich mich richtig erinnere, hat 2013 Pilotklassen mit Ipads ausgerüstet, Gemeinden haben Vergleichsklassen IPad/Notebook 2012 pilotiert etc....
      1 0 Melden
    • Knut Atteslander 25.09.2017 08:42
      Highlight @Loretz Schön zu hören. Was halten Sie davon wenn Schulen vermehrt mit gemeinnützigen Organisationen zusammenarbeiten würden was die Ausbildung am Computer angeht? Meinem Eindruck nach sind viele Lehrer mit der IT überfordert (was ich durchaus nachvollziehen kann, kein Vorwurf meinerseits).
      0 0 Melden

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2018

In vielen Kantonen beginnt heute für die Schüler das neue Schuljahr. Ihre Lehrer verdienen nicht nur nach Schulstufe massiv unterschiedlich, eindrücklich sind auch die Differenzen zwischen den Kantonen.

Der Lehrermangel bleibt schweizweit ein Problem – und er dürfte sich bis 2025 verschärfen. Dass viele Lehrer Teilzeit arbeiten, ist dafür nur ein Grund. Die Zunahme der Schülerzahlen, die Pensionierung der Babyboomer und eine hohe Fluktuation tragen ihren Teil dazu bei. Und oft auch der Lohn.

Denn insbesondere auf den unteren Stufen sind die Entschädigungen nicht gerade rosig – gemessen an der Ausbildung und der gesellschaftlichen Verantwortung. Dazu kommen massive Unterschiede zwischen den …

Artikel lesen