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Diese neue Schweizer App rettet Leben – und du kannst mitmachen

Die App-Entwickler, die hinter dem SBB-Touch-Fahrplan stecken, haben sich mit einem ehemaligen Rega-Notfallarzt zusammengetan. Resultat: «First Responder» – eine App, die bei einem Herzstillstand Hilfe organisiert.

04.04.17, 17:42 05.04.17, 09:24

Solche Push-Mitteilungen gehen ein, wenn jemand in der Nähe einen Herzstillstand erleidet.

Wenn ein Herz plötzlich stillsteht, zählt jede Sekunde. Doch je nach Ort des Notfalls dauert es viel zu lang, bis professionelle Hilfe eintrifft, um den Betroffenen zu reanimieren.

Das soll sich mit der neuen App «Echo112 – First Responder» ändern. Ziel ist es, überall im Land möglichst viele Freiwillige zu gewinnen, die bereit sind, bei Herz-Notfällen zu helfen.

watson hat mit dem Geschäftsführer der Entwicklerfirma Ubique, Mathias Wellig, gesprochen. Vom gleichen Unternehmen stammen die MeteoSwiss-App und die neue SBB-App (oder zumindest wichtige Teile davon, wie etwa der Touch-Fahrplan).

Mathias Wellig, die Schweiz erhält als eines der ersten Länder ein nationales Netzwerk von freiwilligen Rettungshelfern – wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Mathias Wellig: Beim Echo112-Projekt arbeiten wir mit Jocelyn Corniche zusammen, das ist ein Arzt aus Lausanne, der früher Notarzt bei der Rega war. Er kannte die Bedürfnisse der Notfalldienste und wir brachten das Wissen über die technischen Möglichkeiten – so war der erste Schritt für First Responder getan.

Mathias Wellig, Geschäftsführer von Ubique. bild: zvg

In welchen anderen Ländern gibt's so einen Service?
Wir haben von einem System gehört, das in Grossbritannien mit einem ähnlichen Ansatz ein Netzwerk von Ersthelfern via Mobile-App aufbaut.

Anmelden sollen sich hauptsächlich Ärzte, Krankenschwestern und professionelles Pflegepersonal, richtig?
Je professioneller die Ausbildung, desto effizienter kann geholfen werden, das ist klar. Oft geht es aber bei Notfällen um Minuten, und da kann jeder mit einem abgeschlossenen Erste-Hilfe-Kurs einen erheblichen Beitrag leisten.

«Man verpflichtet sich auf keine Weise für einen Einsatz, man kann bei jedem Aufgebot explizit zustimmen, dass man verfügbar und bereit ist, zum Notfall hinzugehen.»

Reicht der Nothelferkurs wirklich?
Ja, absolut. Die Überlebenschancen bei einem Herzstillstand steigen mit jeder Minute, bei der früher mit der Herzmassage begonnen wird. Deshalb braucht es so viele Helfer wie möglich – vor allem in abgelegenen Orten befinden sich nicht immer professionelle Spezialisten in unmittelbarer Nähe.

Die «First Responder»-App gibt's vorerst fürs iPhone. Die Android-App soll bald folgen.

screenshot: ubique

Was soll ich tun, falls ich mich unsicher fühle, respektive nicht weiss, ob ich den Anforderungen genüge?
Die Einsatzleitzentralen werden nie jemanden für eine Hilfe aufbieten, die er nicht leisten kann. Wenn der Nothelferkurs schon eine Weile zurückliegt, kann es aber sicher nicht schaden, einen Kurs zur Auffrischung zu besuchen.

Die Registrierung auf dem iPhone funktioniert einfach und ist innert Minuten erledigt. Man gibt die Personalien ein und lädt Kopien von Dokumenten hoch, die belegen, dass man bei einem Herz-Notfall medizinisch korrekt zu handeln weiss.

Welche Notfalldienste sollen die registrierten User alarmieren, respektive aufbieten?
Am System teilnehmen können alle professionellen Notfalldienste, wie beispielsweise die kantonalen Einsatzleitzentralen.

«Eine genaue Positionierung via GPS wird nur im Notfall durch autorisierte Notfallzentren durchgeführt.»

Kann ich meine Verfügbarkeit als Rettungshelfer vorübergehend deaktivieren, zum Beispiel wenn ich in den Ferien nicht gestört werden will?
Eine sehr wichtige Eigenschaft des Systems ist gerade die ortsunabhängige Verfügbarkeit – wenn beispielsweise in der Wandersaison in den Walliser Bergen ein Notfall passiert, kann es gut sein, dass ein First Responder aus Zürich in der Nähe am Wandern ist und helfen könnte. Wichtig ist: Man verpflichtet sich auf keine Weise für einen Einsatz, man kann bei jedem Aufgebot explizit zustimmen, dass man verfügbar und bereit ist, zum Notfall hinzugehen. Dann und nur dann wird erwartet, dass der First Responder zum Unfallort hingeht.

Stichwort Abdeckung: Wo überall ist der Service verfügbar?
Der Service funktioniert im Prinzip weltweit. Aktuell fokussieren wir uns aber auf die Schweiz.

screenshot: ubiquehealth

Ihr ortet die registrierten User «ohne ständig die GPS-Position zu verfolgen». Wie geht das?
Unser System hat die Schweiz in mehrere grosse Sektoren eingeteilt – das System weiss nur, in welchem Sektor sich ein First Responder befindet. Die App braucht dazu eine grobe Positionierung via Funkmasten, und meldet anschliessend, in welchem Sektor sich der Nutzer befindet. Eine genaue Positionierung via GPS wird nur im Notfall durch autorisierte Notfallzentren durchgeführt. Dieses System wird von uns bereits seit mehreren Jahren erfolgreich in der App des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eingesetzt, um ortsbasierte Wetterwarnungen zu versenden.

Wie gewährleistet Ihr Unternehmen den Datenschutz und wer kann auf die Informationen zugreifen?
Das System lässt nicht zu, dass ein Verlauf der Sektoren gespeichert wird. Effektive Positionen, die via GPS ermittelt wurden, können nur von autorisierten Notfallzentren angefragt werden und bleiben nur für die Dauer des Einsatzes im System. Auf die persönlichen Daten, wie das Nothelferzertifikat, haben nur autorisierte Personen Zugriff, die verantwortlich sind, die Echtheit der Registrationen zu prüfen.

Wie wird der Service finanziert?
Der Service ist eine Investition von Ubique Health. Wir sind überzeugt, dass wir durch das System einen grossen Beitrag zur Optimierung des Rettungswesens in der Schweiz beitragen können, und suchen in dieser Branche entsprechend nach Partnern.

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Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arben 28.05.2017 11:25
    Highlight Das ist genial! Als Instruktor von Nothelferkursen (https://nohe.ch) kriegen wir immer Kommentare mit, wie "Reanimieren könnte ich nicht, das würde ich mir trotz des Kurses nicht zumuten". Da ist diese App die perfekte Lösung dafür. Wir freuen uns, die App im Kurs zu integrieren!
    0 0 Melden
  • Saith 06.04.2017 19:52
    Highlight Man kann dem Unternehmen nur gratulieren, dass es das Rad neu erfunden hat: http://momentum.dos-group.com/de/
    2 0 Melden
  • Max Havelaar 05.04.2017 06:57
    Highlight Was passiert, wenn jemand nach einem Einsatz psychologische Betreuung braucht, weil er mit dem Gesehenen nicht ungehen kann? Oder der Mensch unter seinen Händen wegstirbt? Wer zahlt da?
    9 4 Melden
    • Saith 06.04.2017 19:37
      Highlight Im Tessin, wo es schon lange eine solche App gibt, hat man ein System der Nachbetreuung etablierte.
      3 0 Melden
    • Max Havelaar 06.04.2017 19:55
      Highlight Ok, danke. Weiss nicht, ob ich das beissen würde. Ausserdem bleibt die Versicherungsfrage offen. Nicht dass man noch belangt wird, wenn ein Mensch unter seinen Händen weg stirbt. Aber sicher eine gute Idee für Menschen, die sich das zutrauen und sich solche Sachen gewohnt sind.
      0 0 Melden
  • gesetzesbecher 04.04.2017 23:56
    Highlight In den Vereinigten Staaten würde eine solche App nicht funktionieren - aus Angst vor (mithin erfolgreichen) Haftungsklagen gegen Nothelfer gilt dort "911 anrufen und zuschauen", selbst für ausgebildete Ärzte.

    Bleibt zu hoffen, dass wir in Europa nie solche Zustände erleben und dass die App rege heruntergeladen wird.
    19 5 Melden
    • Saith 06.04.2017 19:48
      Highlight http://www.pulsepoint.org Aber nicht weitersagen. Wären übrigens die Ersten weltweit.
      2 0 Melden
  • Pak Nov 04.04.2017 20:30
    Highlight Mega guet! Ab uf Android demit!
    28 10 Melden
  • bänz 04.04.2017 19:48
    Highlight gute sache, habe mich registriert. doof finde ich, dass für uns pflegefachpersonen immer noch veraltete berufsbezeichnungen verwendet werden. ich bin kein krankenbruder...
    51 6 Melden
    • Mafi 04.04.2017 21:51
      Highlight Hi Bruder ;)
      36 1 Melden
  • Stolzi Ämmitalere 04.04.2017 18:46
    Highlight Ist ne gute idee nur doof wenn man nicht vom arbeitsplatz weg darf für solche notfälle. Ich selber habe seit 2 jahren den nothelfer und bin im MSV bern mittelland und könnte so mein wissen aufrecht halten aber in meiner firma sind solche sachen egal. Besonders meinem lehrmeister. Der will das ich haubtsächlich arbeite und nicjt an 1. Hilfe, schutz vor gefahren und sanität denke. Dafurch hab ich mich schon oft verletzt weil ich eigendlich genau wusste wie ich handeln muss aber nicht durfte😔.

    Für alle die, die den nothelfer haben und nen guten chef, ladet die app runter und rettet leben❤
    31 13 Melden
    • Randy Orton 04.04.2017 19:10
      Highlight Ich glaube nicht, dass die App dazu gedacht ist um "Wissen aufrecht zu halten". Wenn man üben will, kann man das in den Kursen tun.
      37 1 Melden
  • Michel@sith 04.04.2017 18:39
    Highlight Das finde ich eine gute Idee. Werde mich dann auch registrieren wenn die Android App erscheint.
    36 2 Melden
  • Hallo Hallo 04.04.2017 18:15
    Highlight Super Idee!
    35 5 Melden
  • Randy Orton 04.04.2017 18:07
    Highlight Solche Apps gibts schon länger als die Ubique Health GmbH überhaupt gegründet wurde (zB in Bern mit firtresponder.be). Klingt eher als wolle man in eine noch recht junge Idee mit agressiver Vermarktung übernehmen, die Frage ist wie die App dann Geld generieren soll (es steht eine GmbH dahinter, nicht die REGA oÄ). Alles in allem eine gute Sache mit fadem Beigeschmack.
    34 16 Melden
    • Gugelhöpfli 04.04.2017 21:53
      Highlight Auch verstehe ich nicht ganz, für was ich meine Mail-Adresse, mein Geburtsdatum und meinen Arbeitgeber angeben muss um jemandem das Leben zu retten...
      20 3 Melden
    • Randy Orton 05.04.2017 07:24
      Highlight Und noch die Emailadresse des Arbeitgebers, alles ohne dass irgendwo steht, wer diese Daten sieht und wem sie weitergegeben werden...
      11 0 Melden
  • Datsyuk * 04.04.2017 18:05
    Highlight Super, dass es das gibt. Ich hatte letzte Woche einen Kurs zum Thema 1. Hilfe. Rettungssanitäterinnen unterrichteten uns und machten uns auf die "First Responder" aufmerksam. Alle teilnehmenden Personen waren froh um das Gelernte. Ohne Wiederholungen aber ist man im Ernstfall womöglich nicht bereit. Auch Menschen mit Behinderungen können an sie angepasste Kurse besuchen.
    24 2 Melden

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