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Die ungarische Polizei hat dieses Verhaftungsvideo veröffentlicht. video: youtube/PoliceHungary

Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung

Operation Onymous hatte Auswirkungen bis in die Schweiz: So verliefen die Einsätze in Zürich und Waadt

Der internationale Schlag gegen Darknet-Schwarzmärkte hat auch hierzulande Wellen geschlagen. Wenn auch kleine.

«Es gibt keine absolute Anonymität im Internet.»

Die Leiterin des Landeskriminalamtes Hessen, nach einer Polizei-Aktion gegen deutsche Darknet-Händler

«Wer Straftaten über das Internet begeht, muss mit konsequenter Strafverfolgung rechnen.»

Der Oberstaatsanwalt von Frankfurt, anlässlich einer Medienkonferenz zur Operation Onymous

Operation Onymous war der bislang grösste Schlag gegen den Drogenhandel im Darknet. Am 6. November traf es zunächst die bekannteste Plattform, The Silk Road 2.0. Kurz darauf gingen auch andere Dark Markets, die nur über das Tor-Netzwerk zu erreichen waren, vom Netz. 

In den USA und zahlreichen europäischen Ländern rückten Ermittler und Einsatzkommandos aus, machten Hausdurchsuchungen und verhafteten insgesamt 17 Verdächtige. Nebenbei wurden Bitcoins im Wert von einer Million Dollar sichergestellt, dazu 180’000 Euro in bar, Gold, Silber und «grosse Mengen» an Drogen. Es folgten weitere Razzias in mehreren osteuropäischen Ländern, darunter Ungarn (siehe Video), aber auch in Deutschland wurden angeblich fünf Server beschlagnahmt

In der Schweiz kam es in den Kantonen Zürich und Waadt zu Einsätzen. Allerdings in kleinem Rahmen, wie Recherchen von watson zeigen. 

Im Kanton Zürich waren vier Ermittler beteiligt, Hausdurchsuchungen wurden keine vorgenommen, Verhaftungen gab es nicht. Es habe diverse Herausgabeverfügungen gegeben, teilt die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich auf Anfrage mit. Details werden nicht verraten. Es dürfte sich um Informationen handeln, die bei Schweizer Internet-Providern oder in hiesigen Rechenzentren gespeichert waren und mit Silk Road 2.0 zusammenhängen.

Mutmasslichen Betrüger erwischt

Im Kanton Waadt fand am frühen Morgen des 6. November eine Razzia statt. Laut Staatsanwalt Yves Nicolet rückten drei bis vier Ermittler und Informatik-Spezialisten der Kantonspolizei zu einer Hausdurchsuchung aus. Im Visier stand ein rund 30-jähriger Mann, der via Tor-Netzwerk illegale Geschäfte betrieben haben soll. 

Die ihm zur Last gelegten Delikte sind Betrug sowie Verstösse gegen das Schweizerische Waffengesetz und das Betäubungsmittelgesetz. Beschlagnahmt wurden mehrere Computer, darunter ein Server, Smartphones und Bitcoins in unbekannter Höhe. 

Der junge Mann wurde befragt, aber nicht in Untersuchungshaft gesetzt. Laut ersten Erkenntnissen handelt es sich nicht um einen Drogenhändler, sondern einen Betrüger («Scammer»). Er soll in der Befragung gesagt haben, dass er die im Darknet angebotenen illegalen Produkte gar nicht besessen und ausgeliefert habe. Diese Angaben hätten sich im Verlauf der Untersuchung bestätigt, sagt der Staatsanwalt. Ob der Mann nur bei Silk Road 2.0 oder auf anderen (beschlagnahmten) Plattformen aktiv war, ist nicht bekannt. 

USA verlangten Rechtshilfe

Das Bundesamt für Justiz erklärte auf Anfrage, dass die Schweizer Ermittler mit klarem Auftrag aus den USA gehandelt hätten. «Im Rahmen ihrer Ermittlungen wegen des Verdachts des Handels von Betäubungsmitteln über Online-Plattformen haben die US-Behörden die Schweiz um Rechtshilfe ersucht.» 

Das Bundesamt für Justiz, die zuständige Behörde für den Vollzug von US-Rechtshilfegesuchen, habe letzte Woche im Rahmen einer international koordinierten Aktion in den Kantonen Zürich und Waadt die Erhebung von Beweismitteln angeordnet. «Die erhobenen Beweismittel werden nun gesichtet und dann ans Bundesamt für Justiz weitergeleitet, das die Herausgabe an die US-Behörden verfügen wird. Diese Verfügung kann beim Bundesstrafgericht angefochten werden.»

Bald kommt die nächste Dark-Market-Generation

Unabhängig davon tüfteln schlaue Köpfe seit längerem an einer Open-Source-Software namens OpenBazaar, die das Prinzip der freien und anonymen Marktplätze revolutionieren soll. Das System funktioniert ohne zentrale Server, bezahlt wird mit Bitcoin.

Die Initianten von OpenBazaar denken bei ihrem Projekt nicht nur an den Online-Drogenhandel. Erklärtes Ziel ist es, den Internet-Nutzern rund um den Globus ein Instrument in die Hand zu geben, um miteinander freien Handel zu treiben – ohne Zensur und lästige Gebühren. Das normale Wirtschaftssystem kranke ausserdem daran, dass Staaten und private Unternehmen den Datenschutz missachteten, die Leute ausspionierten und ihre Privatsphäre verletzten.

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Das Promo-Video zu OpenBazaar. video: youtube/Openbazaar

Noch ist OpenBazaar nur als Beta-Version erhältlich. Mancher Darknet-Händler dürfte gespannt auf den offiziellen Release warten ...



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