Digital

Eine Video-Plattform mit lustigen Tiervideos soll zum Spenden animieren. screenshot: youtube

Petflix statt Netflix – wie Tierschützer bei den Millenials punkten wollen

Die Stiftung Tier im Recht lanciert eine freche Netflix-Kopie. Die Filmstars haben vier Beine oder Flügel – und gestreamt wird für einen guten Zweck.

14.06.17, 12:16 14.06.17, 13:42

Kennst du Petflix?

Kein Verschreiber, nein, gemeint ist tatsächlich petflix.ch.

Hinter der Website steckt die Stiftung Tier im Recht (TIR), eine unabhängige Tierschutzorganisation aus der Schweiz.

Woran bloss erinnert das Layout? 🤔 screenshot: petflix.ch

Der Name der am Mittwoch lancierten Video-Plattform ist kein Zufall: Aufbereitet in Blockbuster-Manier verweisen die Clips auf bekannte Filme und Serien. Ein Hamster packt in «Le Chocolatier» Pralinen zurück in die Packung. In «Hawk High» attackiert ein Falke eine Drohne und in «Secret Agent Fox» tarnt sich ein Hund auf geheimer Mission als Wischmopp.

Action, Horror, Drama oder doch lieber Comedy? Der Petflix-Trailer

Video: YouTube/Tier im Recht

Binge Watching

Wie beim bekannten Streaming-Anbieter ist auch bei Petflix der Spass nicht umsonst zu haben. Ab 15 Franken gibt's «unbegrenzten Zugang» – und auf Wunsch eine Spendenquittung.

Denn ja: Petflix ist eine professionell gemachte Fundraising-Kampagne, mit der die Tierschützer Geld sammeln und für ihr Anliegen werben. Neben den Videos erhalten die Nutzer Informationen zum rechtlichen Schutz von Haus- und Wildtieren.

Gieri Bolliger, Geschäftsleiter bei TIR:

«Tiere geniessen in unserer Gesellschaft zwar einen hohen Stellenwert, in vielen Bereichen ist ihr rechtlicher Schutz aber immer noch mangelhaft. Auch werden Tierquälereien und andere Tierschutzdelikte von den zuständigen Behörden zu wenig konsequent verfolgt. So kommt den Tieren nicht der Schutz zu, den sie verdienen.»

Für die Konzeption und benutzerfreundliche Umsetzung der Spendenkampagne arbeitete TIR mit der Zürcher Kreativschmiede Equipe zusammen. screenshots: tir

Wir haben mit den Verantwortlichen der Spendenkampagne ein schriftliches Interview geführt, in dem sie auch zu einem allfälligen Rechtsstreit mit Netflix Stellung nehmen.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

In erster Linie wollten wir eine Kampagne für Millennials machen, denn diese werden für NGOs immer wichtiger. Sie sind sehr engagiert, wenn es um soziale Themen wie Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit geht. Und nicht zuletzt verdienen sie bereits ihr eigenes Geld, das sie gerne für einen guten Zweck ausgeben. Millennials ticken aber etwas anders als ältere Generationen, wenn es um Spenden geht. Sie informieren sich primär online und legen grossen Wert auf eine rasche und einfache Interaktion. Und natürlich spielt auch der Entertainment-Faktor eine grosse Rolle.

Habt ihr Petflix markenrechtlich prüfen lassen?

Wir haben vorab umfassende Abklärungen hinsichtlich Name und Aufbau getroffen und unsere Grenzen ausgelotet. Mit Namen und Logo spielen wir natürlich auf Netflix an, uns war es aber sehr wichtig, dass von Anfang an klar ist, dass es sich um eine Spendenkampagne handelt und die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) der Absender der Kampagne ist. Schliesslich verkaufen wir keine Fernseh-Abos, sondern belohnen Spender mit einer Reihe unterhaltsamer Tiervideos. Die Spendenplattform sowie die Videos selbst kommen mit einem komplett eigenen Design und selbst produziertem Inhalt daher.

Was passiert, wenn Netflix mit rechtlichen Schritten droht?

Durch Abklärungen vorab haben wir bewusst versucht, dieses Risiko zu minimieren und gehen deshalb davon aus, dass es keine rechtlichen Komplikationen mit Netflix geben wird. Sollte es wider Erwarten zu rechtlichen Schritten kommen, müssen wir situativ entscheiden. Grundsätzlich hoffen wir aber, dass Netflix unser Anliegen unterstützt, falls es davon Wind kriegt.

TIR gelingt es immer wieder, mit Aktionen aufzurütteln. Gibt's viele negative Reaktionen?

Die positiven Reaktionen überwiegen ganz klar. Grundsätzlich ist es wichtig, dass eine Kampagne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewinnt, denn nur so kann die Gesellschaft für die wichtigen Anliegen des Tierschutzes sensibilisiert werden. Leider ist das Thema Tierschutz oftmals von der negativen Seite der Mensch-Tier-Beziehung geprägt und auch in der Schweiz geniessen Tiere noch nicht den Schutz, den sie verdienen. Deshalb ist es bedeutsam, mit eingängigen Kampagnen auf diese Problematik aufmerksam zu machen.

Ein Poster aus einer preisgekrönten Kampagne der Stiftung Tier im Recht. bild: tir

Stichwort Online-Spenden: Kann ich bei Petflix auch mit Paypal bezahlen?

Um den Spendenprozess so einfach und bequem wie möglich zu gestalten, fokussieren wir auf die in der Schweiz am mit Abstand weitesten verbreiteten Zahlungsmethoden bei digitalen Spenden; das heisst Kreditkarten und PostFinance Card. Darüber hinaus richtet sich unsere Kampagne explizit an Mobile Users, deshalb sind auch SMS-Spenden ein Must Have. Paypal spielt hierzulande hinsichtlich Spendenvolumen eine vernachlässigbare Rolle, weswegen wir uns bei der Kampagne gegen diese Schnittstelle entschieden haben.

Online-Spenden machen erst wenige Prozent vom ganzen Spendenvolumen aus. Warum?

Dafür gibt es zwei Gründe. 

  1. Erstens setzen auch heute noch viele NGOs bei der Akquisition von Spenden auf Print- und Plakatwerbung und insbesondere auf Direkt-Mailing. Dadurch versuchen sie ihre Spendenthemen langfristig zu streuen und im Anschluss ihre Spender per Post zuhause abzuholen und zum Spenden zu motivieren. Damit verstärken sie natürlich das bestehende Spendenverhalten.
  2. Zweitens spenden die Leute hierzulande traditionell höhere Summen, dafür aber nicht so oft. Bei höheren Beträgen überlegt man sich natürlich zweimal, wofür man spenden will und trifft diese Entscheidung nicht spontan und unterwegs am Smartphone.

Durch den demographischen Wandel sehen wir hier aber eine klare Trendwende: Dank einer durch und durch digitalisierten, jüngeren Generation konnten wir über die vergangenen Jahre einen kontinuierlichen Anstieg an digitalen Spenden verzeichnen und hoffen, mit dieser Kampagne auch wertvolle Erfahrung im Umgang mit dieser Zielgruppe zu machen.

Wofür wird das gespendete Geld verwendet?

Die TIR finanziert sich ausschliesslich über private Spenden. Die Organisation erhält weder vom Bund noch von den Kantonen finanzielle Unterstützung. Das gespendete Geld fliesst in die Tierschutzprojekte. So werden angehende Juristen zu Tierschutzrechts-Spezialisten ausgebildet, oder man reicht Strafanzeigen wegen Tierquälereien und anderen Tierschutzverstössen ein und analysiert jedes Jahr den Tierschutzstrafvollzug in der Schweiz. Zudem erarbeitet die TIR Gesetzesvorschläge für bessere Tierschutzbestimmungen und bringt diese auf das politische Parkett.

Mehr Informationen über aktuelle TIR-Projekte gibt's unter tierimrecht.org.

Umfrage

Was hältst du von der Aktion?

  • Abstimmen

155 Votes zu: Was hältst du von der Aktion?

  • 93%Gute Idee und Umsetzung
  • 5%Na ja, geht so
  • 1%Netflix zu imitieren geht gar nicht

Das könnte dich auch interessieren:

42s

Australische Pfleger ziehen Großen Gleithörnchenbeutler von Hand auf

Video: reuters

Diese Jäger mussten einen Shitstorm über sich ergehen lassen

Noch mehr Tiergeschichten

Auch Hunde und Katzen können dement werden: Das kannst du als Herrchen für deinen Vierbeiner tun

Über 500 Hunderassen in der Schweiz

Schnappschuss im Nationalpark: Kleiner Bär gibt Händchen

11 Arten, deiner Katze zu zeigen, dass du sie lieb hast

Kuhherde brennt während Unspunnen-Schlussvorführung durch

Grosses Interesse: Pferde aus Hefenhofen werden am Donnerstag verkauft

Person wird in Neuenburg von Tollwut-Fledermaus gebissen

9 Anzeichen, dass deine Katze anders ist als andere Katzen

«Muuuh»-tmasslicher Diebstahl: Räuber entführen 500 Kühe von einer neuseeländischen Weide

Hier überqueren gerade 1500 Schweizer Schafe einen Berg – in Einerkolonne

Wolf soll von «streng geschützt» auf «geschützt» zurückgestuft werden

Sogar Hündeler fordern Wiedereinführung der Hundekurse

Neue Studie über tierische Empathie: Präriewühlmäuse trösten einander bei Stress

Hündeler, aufgepasst! Eure Vierbeiner verstehen menschliche Sprache besser als gedacht

Dieses Gürteltier ist so gross wie ein VW-Käfer und sieht auch so aus

10 Gründe, warum es nichts Besseres gibt, als eine Katze zu haben

Wenn aus einer kleinen Paddeltour hautnahes Whale Watching wird

Neue Theorie: Dinosaurier gingen im Rauch einer Ölexplosion auf

Der fünffache Fiffi: Das grosse Geschäft mit geklonten Haustieren

Jöö! Baby-Wölfchen im Tessin in die Foto-Falle getappt

Drohnen und Suchtrupp versagten – dank Wurstgeruch tauchen verschollene Hunde wieder auf

Urner wollen Wolf, Bär und Luchs an den Pelz

22 Grafiken, die perfekt zeigen, wie man Tiere richtig streichelt

9 Tage nach dem Erdbeben holen Retter Hund Romeo aus den Trümmern Amatrices 

27 Katzen, die seeehr schlechte Entscheidungen getroffen haben

21 Cartoons, in denen die Tiere den Spiess umgedreht haben (SPOILER: Es tut weh)

Dutzende tote Tiere: Polizei räumt Hof des Thurgauer Pferde-Quälers

11 Gründe, warum du unbedingt einen Katzenmenschen als Freund brauchst

Nachwuchs im Dom – bald fliegen die Jungfalken aus

Dieser Otte spielt besser Basketball als du

Höhlenbären waren Veganer – und darum starben sie aus

Die besten Geheimagenten dieser Welt sind immer noch Katzen

Photobomb-Alarm! Wenn dir dein tierischer Freund die Show stiehlt

9 Gründe, warum ein Leben ohne Katze zwar möglich, aber sinnlos ist

Freuet euch, die Otten kehren zu uns zurück! 

12 Fragen, die wir unseren Katzen schon immer mal stellen wollten

Happy End in den Schweizer Alpen: Kätzchen rettet verletzten Mann und wird weltberühmt

10 Gründe, warum Katzen besser sind als Babys

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • öpfeli 14.06.2017 14:10
    Highlight <3 Tiervideos <3 das schaue ich mir gerne genauer an
    7 0 Melden

Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. 

Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher …

Artikel lesen