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Die unfassbare Geschichte des faulsten Programmierers der Welt

Im Netz macht eine Geschichte die Runde, die fast zu schön klingt, um wahr zu sein. Ein Programmierer wechselt den Job, und seine alten Kollegen finden ein Vermächtnis: Computer-Skripte für einen vollautomatischen Alltag: Zum Beispiel automatische Ausreden-SMS an den Chef verschicken, wenn man verschlafen hat.

26.11.15, 20:21 15.02.18, 16:06


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Eigentlich spielt es gar keine Rolle, ob die Geschichte wirklich stimmt. Sie sagt in jedem Fall etwas über unsere heimlichen Bedürfnisse: Das Leben möge etwas leichter, die täglichen Aufgaben etwas weniger zahlreich, das Immergleiche wenigstens automatisierbar sein.

Die Geschichte geht so: Ein offenbar fähiger aber selektiv arbeitsscheuer Programmierer schreibt einige Skripte, um sich den Alltag leichter zu machen. Er wechselt den Arbeitgeber, lässt die Skripte zurück, und seine ehemaligen Kollegen finden sie.

Die Skripte sind so interessant, dass einer dieser Kollegen einen Eintrag darüber auf einer Programmiererplattform veröffentlicht – auf Russisch. Dieser Beitrag wird ins Englische übersetzt, dann stehen von dem Beitrag inspirierte lebenserleichternde Skripte auf der Code-Plattform Github. Binnen Tagen wird das Ganze zur viralen Sensation, auch US-Medien berichten darüber.

Vieles an der Geschichte wirkt seltsam, aber kommen wir erst einmal zu dem, was sie so lebendig macht: die Skripte, die auf Github zu finden sind. Eines heisst zum Beispiel hangover. Es hat augenscheinlich den Zweck, automatisierte Ausreden-SMS zu verschicken, wenn sein Schöpfer morgens nicht aus dem Bett kommt.

SMS an den Chef, Ausrede automatisch ausgewählt

Unter den Bedingungen «Heute ist nicht Samstag oder Sonntag» und «Es ist nach 8:45 Uhr» sorgt das Skript dafür, dass eine SMS an das Handy des Vorgesetzten geschickt wird, wenn der Programmierer nicht an seinem Rechner eingeloggt ist. Zufällig wird eine von mehreren Ausreden aus einer Liste ausgewählt: etwa «Ausgesperrt», «Rohrbruch», «Lebensmittelvergiftung», «Geht mir nicht gut», ergänzt jeweils um «arbeite heute von zu Hause aus».

Ein anderes Skript soll offenbar einen besonders lästigen und unfähigen Kunden vollautomatisch betreuen: Wenn eine E-Mail von einem Datenbankadministrator namens Kumar ankommt, die eines der Worte «Sorry», «Hilfe» oder «falsch» enthält, wird die Datenbank des Kunden per Fernzugriff auf den letzten Backup-Stand zurückgesetzt und eine E-Mail abgeschickt: «Kein Problem. Ich hab's repariert. Sei nächstes Mal bitte vorsichtig.» Das Skript trägt den Namen kumar_asshole.

Szene aus der Nerd-Serie «The IT Crowd».

Ein weiteres Kurzprogramm schickt der Freundin oder Frau des Entwicklers eine automatische SMS, wenn es sich um einen Wochentag handelt und er nach 21.20 immer noch im Büro ist. Aus einer Liste wird wieder automatisch eine Begründung ausgewählt: «Arbeite hart», «Muss dieses Feature fertigkriegen» oder «Irgendjemand hat wieder das System geschrottet». Das Skript trägt den etwas beunruhigenden Namen smack-my-bitch-up – das ist ein Liedtitel der britischen Band «The Prodigy».

Das letzte der Skripte hat die vermutlich intensivste Breitenwirkung: Es weist die Bürokaffeemaschine zum Aufbrühen eines mittelgrossen Latte Macchiato an – und verzögert die Ausgabe genau so lange, wie es dauert, aus dem Büro zur Maschine zu schlendern.

Die erlösende Kraft der Software

Wir haben versucht, den Mann zu kontaktieren, der die Skripte auf Github gestellt hat, bis zum Erscheinen dieses Artikels hat er sich nicht gemeldet. Protest gegen die Skripte hat sich aus Programmiererkreisen bislang noch nicht geregt. Ob die Ursprungs-Geschichte aber stimmt, bleibt trotzdem völlig unklar – existiert der angeblich ebenso clevere wie faule Ex-Kollege überhaupt? Warum wurde der Text zum Thema zunächst auf Russisch veröffentlicht, die Skripte enthalten aber Stichworte und Ausreden auf Englisch?

Geschichten über faule Angestellte mit überraschenden Tricks gibt es immer wieder: Zum Beispiel die über den Entwickler, der seinen eigenen Job nach China outgesourct hatte, um am Arbeitsplatz überhaupt nicht arbeiten zu müssen. Diese allerdings ist gesichert – der Mann verlor seinen Job, als die Sache aufflog.

Es könnte gut sein, dass die Geschichte vom Skriptschreiber nur ein sehr elaborierter Witz unter Softwareentwicklern ist, so etwas kommt durchaus vor. Ganz egal aber, ob sie nun stimmt oder nur ein Programmierermärchen ist: Die rasende Verbreitung, die sie erfährt, sagt viel über unser Bedürfnis nach einem bisschen Erleichterung und unseren Glauben an die erlösende Kraft der Software.

Oder, wie es beim Online-Magazin «VentureBeat» heisst: «Start-ups – und faule Programmierer – haben immer noch viele Möglichkeiten, unser Leben besser zu hacken. Selbst, wenn es dabei nur darum geht, die Zeit bis zur nächsten Tasse Kaffee um ein paar Sekunden zu verkürzen.» Smart Life statt nur Smart Home gewissermassen.

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cis

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 28.11.2015 19:22
    Highlight Die Plural von Skript ist Skripte, nicht Skripten, das ist ja haarsträubend... Soll aber tatsächlich ein den Alltag leichter machendes Skript geben, das die Rechtschreibung kontrolliert. Solltet ihr euch mal ansehen.
    0 0 Melden
    • Olaf 28.11.2015 19:59
      Highlight Uih, da hat sich tatsächlich ein N zu viel eingeschlichen. Merci für den Hinweis. Ein N - will jemand ein N kaufen? Ich habe eins übrig ;-)
      5 0 Melden
  • smoe 27.11.2015 10:03
    Highlight "If something - anything - requires more than 90 seconds of his time, he writes a script to automate that."

    Es gibt Programmierer/Sysadmins, die das nicht tun? o_0
    13 1 Melden
  • Zwingli 27.11.2015 09:36
    Highlight Wer interessiert an den Scripts ist sind auf Github :)

    https://github.com/NARKOZ/hacker-scripts
    6 1 Melden
  • Charlie7 27.11.2015 08:51
    Highlight Deshalb liebe ich Llama auf meinem Smartphone so sehr.
    Ortsabhängige Bedingungen definieren, die automatische Ereignisse lösen. So kann man sich diverse Routineklickereien ersparen.
    6 2 Melden
    • Madison Pierce 27.11.2015 10:28
      Highlight onX (https://www.onx.ms) ist auch ganz praktisch. Da kann man Scripts hinterlegen, die bei bestimmten Ereignissen ausgelöst werden. Geofencing geht auch, kann also WLAN und Bluetooth deaktivieren, wenn ich das Haus verlasse und auf lautlos schalten, wenn ich im Büro bin.
      2 1 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 27.11.2015 06:25
    Highlight Ganz ehrlich, die Scripte sind meiner Meinung nach zu fabriziert und beinhalten ein bisschen zu weniger Gründe und Abfragen für weitere eventualitäten, als ich es erwarten würde, für wenn jemand das wirklich über Jahre pflegt.
    Nichtsdestotrotz: super inspirierend :-)
    19 1 Melden
  • Pana 27.11.2015 02:14
    Highlight The IT Crowd. Sehr empfehlenswert die Serie.

    Hope it doesn't sound arrogant, when I say that I am the greatest man in the world!
    13 1 Melden
  • dä dingsbums 26.11.2015 20:49
    Highlight Erinnert sehr stark an den "Bastard Operator From Hell".
    33 1 Melden
    • Tatwort 26.11.2015 23:39
      Highlight Wollte auc eben den BOFH bringen... du warst schneller...
      13 1 Melden
    • DonCerveza 27.11.2015 09:41
      Highlight ja ist wohl sehr stark inspiriert durch den BOFH
      3 1 Melden

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