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Snapchat nehme es mit dem Jugendschutz nicht so genau, meint ein junger Amerikaner. bild: shutterstock

Teenager verklagt Snapchat wegen Sex-Geschichten

Snapchat präsentiert Inhalte von Medienpartnern wie CNN, Buzzfeed oder Vice, manchmal geht es darin auch um Sex. Ein 14-jähriger Amerikaner sieht den Jugendschutz verletzt – und klagt.

08.07.16, 13:54 09.07.16, 10:05

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«Zehn Dinge, an die er denkt, wenn er dich nicht zum Orgasmus bringen kann» oder «23 Bilder, die dir sofort etwas sagen, wenn du jemals Sex mit einem Penis hattest»: Wegen Geschichten mit solchen Überschriften hat Snapchat nun Ärger vor Gericht. Ein 14-Jähriger und seine Mutter verklagen den Anbieter der App in Kalifornien. Ihre Begründung: Snapchat nehme es mit dem Jugendschutz nicht so genau und zeige auch jungen Nutzern sexuell anstössige Inhalte.

Die Klage bezieht sich dabei auf den sogenannten Discover-Tab von Snapchat. Das ist ein Bereich in der App, in der Snapchat extra für den Anbieter produzierte Geschichten von ausgewählten Medienpartnern wie CNN, «Buzzfeed», «Cosmopolitan», «Vice», «National Geographic» oder dem «People»-Magazine zeigt.

Der Discover-Tab

screenshot: watson

Bisweilen geht es in diesen Geschichten eben auch um Sex, Altersschranken hat Snapchat nicht vorgesehen. Die App ist besonders bei Teenagern unter 20 beliebt.

Die Sammelklage an einem kalifornischen Bezirksgericht wurde im Namen des 14-Jährigen aus Los Angeles eingereicht, der durch seine Mutter vertreten wird. Aufgrund der Rechtslage bleibt der Teenager anonym. Für die beiden arbeitet zudem eine bekannte Kanzlei von Medienanwälten.

Warnhinweis gefordert

Auf Snapchat würden «Minderjährige bewusst verletzenden, lasziven und sexuell anrüchigen Inhalten ausgesetzt, ohne Warnungen an die Minderjährigen oder die Eltern, dass sie solch expliziten Inhalten ausgesetzt würden», heisst es in der Klageschrift, die etliche Beispiele auflistet.

So seien in einer Geschichte von «Buzzfeed» auch Disney-Charaktere, die der 14-Jährige noch aus seiner Kindheit kenne und liebe, dazu benutzt worden, um eine Geschichte über Sex zu illustrieren, heisst es darin weiter. Die Kläger fordern eine nicht näher bezifferte Geldstrafe sowie einen Warnhinweis in der App.

«Es tut uns leid»

Bei Snapchat hingegen heisst es, dass man als Plattform nicht für die Inhalte einzelner Anbieter verantwortlich sei. «Es tut uns leid, wenn sich jemand angegriffen fühlt», zitiert das US-Tech-Portal «The Verge» Snapchat. «Unsere Partner bei Discover haben journalistische Unabhängigkeit.»

Die Klage illustriert, dass Snapchat, das einst als Sexting-Werkzeug zum Versenden von eindeutigen Bildern verrufen war, mittlerweile so stark gewachsen und erweitert worden ist, dass es längst nicht mehr nur ums Versenden von Bildern geht, die sich nach ein paar Sekunden wieder löschen.

2016 soll das Jahr sein, in dem Snapchat – auch mit Hilfe der Medienpartner im Discover-Tab – seine Werbeeinnahmen hochschraubt. Die App hat aktuell rund 150 Millionen Nutzer weltweit.

(gru)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Nameless Hero 08.07.2016 15:55
    Highlight "Ein 14-Jähriger und seine Mutter verklagen..." Mhm. Alles klar, ein 14-jähriger.
    100 2 Melden
  • mister_michael 08.07.2016 15:07
    Highlight Jugendschutz okay, aber da geht es eher ums Geld. Es ist niemand zu schaden gekommen, Snapchat kann / soll halt die Inhalte nach Alter Filtern und denen ja nichts zahlen!
    64 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.07.2016 15:19
      Highlight Ja, Snapchat geht es ums Geld, deshalb haben sie keinen Jugendschutz.
      Geht es dem Kläger um Geld? Ja und wenn schon? Hätte sich Snapchat an Gesetze gehalten und nicht aus Gier darauf verzichtet, hätten sie nie eine solche "Angriffsfläche" geboten.
      13 73 Melden
  • Theor 08.07.2016 14:24
    Highlight "Die Kläger fordern eine nicht näher bezifferte Geldstrafe..." --> Die Wahrheit

    "...sowie einen Warnhinweis in der App." --> Die scheinheilige Begründung dazu.
    71 4 Melden
    • Stachanowist 08.07.2016 16:46
      Highlight Eine Geldstrafe geht an die Staatskasse, nicht an den Kläger. Warum sollte das die wahre Motivation des Klägers sein? Bringt ihm finanziell nichts. Er fordert ja laut Artikel keinen Schadensersatz.
      6 38 Melden
    • Theor 08.07.2016 17:13
      Highlight Ich kann die Hauptquelle nicht anschauen, aber aufgrund der hier gelieferten Terminologie ist es eine zivile Sammelklage. Das heisst, einer klagt Milliarden und dann dürfen sich andere Betroffene melden.

      Meist wird das Vermögen in einen Pott gelegt und von einem Anwaltsbüro treuhänderisch verwaltet. Dann kann man sich dort melden und erhält einen bestimmten Anteil daran. Daraus entstehen riesen Beträge, die man dann schön verwalten kann und Zinsen generieren und Anwälte in den USA arbeiten ja mit einem %-Honorar, dass entsprechend riesig ausfällt.

      Das Geld geht aber nicht an die Staatskasse.
      43 0 Melden
    • Jaing 08.07.2016 17:26
      Highlight Bei einer Sammelklage geht's natürlich um Geld für die Kläger.
      35 0 Melden
    • CyanidC 08.07.2016 18:04
      Highlight Als würde sich ein 14 Jähriger an Sex-Content stört. Bejubeln wäre wohl das richtige Wort aber wahrscheinlich hatte Mami mal was auf dem Handy gesehen, dass sie besser nicht gesehen hätte und nun wird Kasse gemacht.
      @Stachanowist: Ich glaube, da es sich hier um eine private Sammelklage gegen ein nicht staatliches Unternehmen handelt, würde die Geldstrafe den Klägern zugute kommen und unter ihnen aufgeteilt werden. Bin aber nicht 100% sicher.
      36 2 Melden
    • Stachanowist 08.07.2016 18:11
      Highlight Ok, merci für den Hinweis auf die Sammelklage :) den habe ich überlesen. Ist dann auch "verständlicher", die ganze Klage. Dinero, ¥€AH!!!
      22 0 Melden

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