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«Fifa 18» im grossen Test: Drei Redaktoren, drei Meinungen

Heute erscheint «Fifa 18» – EA Sports motzt im Fussballspiel vor allem Top-Spieler wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar auf. Gegen Weltstars zu verteidigen wird so deutlich schwieriger.

29.09.17, 06:51 31.10.17, 15:24

Jörg Breithut / spiegel online

Ein Artikel von

Nebelschwaden trüben die Sicht, leichter Regen nieselt auf den Platz. Die Trikots kleben an den Körpern der Spieler, der Schweiss perlt ihnen von der Stirn. Cristiano Ronaldo legt sich den Ball zurecht und stellt sich breitbeinig vor die gegnerische Mauer. Mit einem gezielten Schuss zirkelt der Top-Star von Real Madrid den Ball ins Netz und sprintet mit einem Lächeln im Gesicht zum Jubel an der Eckfahne.

Solche Szenen beeindrucken. Die Weltstars sind bei «Fifa 18», das am Freitag, den 29. September erscheint, so realistisch digitalisiert worden wie noch nie. Die Bewegungen am Ball, die Sprinttechnik, die Mimik: Wer Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar über das Spielfeld steuert, der fühlt sich wirklich ein bisschen wie ein Profi beim Auftritt in der Champions League. Das Entwicklerteam von EA Sports hat die Bewegungen der echten Stars für die Fussball-Simulation noch feiner als beim Vorgänger aufgezeichnet, die Tattoos nachgezogen und die Frisuren zurechtgestutzt.

Das ist neu bei «Fifa 18»

So ist «Fifa» dieses Jahr vor allem eine Liebeserklärung an die Superstars. Viele andere Spieler aus den Top-Ligen dagegen sind offenbar durchs Raster gefallen und bekommen ein Standardgesicht übergestülpt. Insgesamt aber ist die Grafik noch besser geworden, die Trikots werfen mehr Falten, das Flutlicht bricht sich hübscher bei trüben Abendspielen. Und auch die Spielermimik ist wesentlich lebendiger geworden.

Trägheit bremst die Spieler aus

Spielerisch hat sich nicht allzu viel verändert. Wer sich mit «Fifa 17» wohl gefühlt hat, aber trotzdem Lust auf den Versionswechsel hat, der braucht nicht lange, um auch den Nachfolger zu beherrschen. Eine Änderung ist jedoch deutlich spürbar: Die Entwickler haben den Schwierigkeitsgrad etwas angezogen. Es ist anspruchsvoller geworden, die Abwehr zu steuern. Das liegt vor allem an der grösseren Trägheit der Spieler.

Wer sich einmal für die falsche Richtung entscheidet, der hat das Duell mit dem Gegenspieler so gut wie verloren. Muss ein Spieler abrupt umkehren, dauert es, bis er sich berappelt hat, um die Laufrichtung zu wechseln. Damit ist es noch schwieriger geworden, Angriffe abzuwehren, vor allem dann, wenn man auf schnelle Spieler trifft, die sich bei einem Abwehrschnitzer rasch absetzen können.

Das sind die 50 besten Spieler in «Fifa 18»

Dafür lohnen sich Angriffe über die Flügel bei «Fifa 18» noch mehr als bisher. Flanken von der Seitenlinie lassen sich viel besser beeinflussen als im Vorgänger. Die hohen Pässe landen nicht ständig an der gleichen Stelle im Strafraum, sondern lassen sich präzise je nach Tastendruck und Schussposition steuern. Der Ball segelt nun gut kontrollierbar an den kurzen oder langen Pfosten.

Zum Durchklicken: So hat sich die «Fifa»-Reihe verändert

Alex Hunter feilt weiter an seiner Karriere

Bei den Spielmodi setzt Electronic Arts auf sein bewährtes Angebot. So ist natürlich der beliebte und für den Hersteller lukrative Karten-Sammelmodus Fifa Ultimate Team wieder mit an Bord, dieses Mal unter anderem mit Ikonen wie Diego Maradona und Pelé. Die Stars von früher versteckten sich bei «Fifa 17» lediglich in den Kartensets der Xbox-Spieler. Nun haben auch PC- und Playstation-Nutzer die Chance, eine Legende zu ziehen.

Offline-Spieler dürften sich darüber freuen, dass der «Journey» genannte Story-Modus fortgesetzt wird. Der Fussballprofi Alex Hunter ist mittlerweile zum Stammspieler in der Premier League gereift und feilt nun an der ganz grossen Karriere. Die Geschichte ist auch dieses Mal gut erzählt und wird immer wieder mit Starauftritten angereichert. Ausserdem haben die Entscheidungen nun grössere Auswirkungen, die Geschichte ist nicht mehr ganz so straff erzählt wie beim ersten Auftritt von Hunter.

So macht der «Journey»-Modus noch mehr Spass und ist auch in der Neuauflage eine Bereicherung für Solospieler. Ein weiterer Pluspunkt für manche Fans: In «Fifa 18» ist jetzt auch die dritte deutsche Liga mit an Bord.

Um dir mehr als eine Meinung zu «Fifa 18» präsentieren zu können, haben wir gleich mehrere Fussballspielfans aus der Redaktion das Spiel ausprobieren lassen. Hier finden Sie noch Ihre persönlichen Einschätzungen:

Christoph Winterbach – der Online-Spieler

«Ich bin seit Jahren ‹Fifa›-Spieler, lasse aber die meisten Funktionen des Spiels unberührt. Mich reizt vor allem der Saison-Modus: Online-Duelle mit echten Gegnern sind schon taktisch spannender als Partien gegen Mannschaften mit Computerintelligenz.

Im Saison-Modus konnte ich in meinen Testpartien aber keine monumentalen Veränderungen ausmachen. Den grössten Unterschied zu ‹Fifa 17› spürt man, wenn man die virtuellen Kicker über den Rasen lenkt. Die Figuren laufen langsamer, scheinen auf manche Gamepad-Befehle mit Verzögerung zu reagieren. Das ist womöglich eine Gewöhnungssache.

Die grossen Stars des Spiels verfügen nun aber auch über noch souveränere Fertigkeiten am Ball und tricksen sich elegant selbst durch höchstklassige Abwehrreihen. Das merken sogar dribbelfaule Anhänger des rustikalen Fussballs: Einmal an den Dribbelstick geraten und der Spieler führt einen Zaubertrick auf. Sieht super aus - mir ist das ein bisschen zu viel des Guten.»

Attacke in «Fifa 18».

Jörg Breithut – der Kartensammler

«Nichts ist für mich spannender, als sich bei Ultimate Team in die erste Liga zu schiessen. Jedes Jahr starte ich mit einer Gurkentruppe und kämpfe mich gegen andere Online-Spieler nach oben. Dafür habe ich mir schon Münzen für mehr als 100 Kartensets verdient. Mit den Sammelkarten bekomme ich immer eine ordentliche Mannschaft mit Erstligaspielern zusammen - doch ein Superstar war nie dabei.

Und das bleibt das grosse Problem des Modus: Denn Superstars dominieren ihn. Wer Messi oder Ronaldo in seiner Startelf hat, kann nicht mehr viel falsch machen. Die Top-Spieler tricksen sich mit Leichtigkeit durch die schwer zu steuernde Abwehr.

Rund 1,5 Millionen Münzen kostet Messi. Dafür muss man sich die Belohnung aus Hunderten Spielstunden zusammensparen. Das wissen auch die Entwickler - und bieten ungeduldigen Spielern an, die Chancen mit Paketen zu erhöhen, die bis zu 100 Franken kosten. So viel Geld würde ich nie zusätzlich zum Spielpreis ausgeben, da verzichte ich lieber auf grosse Stars.»

Philipp Awounou - der Team-Spieler

«Für mich ist das gemeinsame Spielen mit einem versierten Teamkollegen die Königsdisziplin. Im Online-Saisonmodus, bei Ultimate Team oder auf der Couch gegen die eigenen Kumpel: Zu zweit eine Mannschaft zu steuern verleiht einem ganz andere Möglichkeiten. Man kann Laufwege, Verteidigungsstrategien, Eckballvarianten und vieles mehr einstudieren und so noch mehr Spielkontrolle übernehmen.

Bei ‹Fifa 18› wird das Zusammenspiel allerdings anspruchsvoller, als es ohnehin schon war. Die Bewegungen sind realistischer, aber auch träger geworden. Wird ein Pass nicht optimal getimt, ist die Pille weg. Im Spiel gegen den Ball hat man teilweise das Gefühl, die Spieler hätten den Wendekreis eines Lkw, was die Defensivarbeit deutlich erschwert. Immerhin: Mein geliebter Schlenzer von der Strafraumgrenze scheint wieder eine echte Waffe geworden zu sein.»

«Fifa 18» von EA Sports, für Playstation 4, Playstation 3, Xbox One, Xbox 360, PC, Nintendo Switch; ca. 60 Franken, getestet auf Playstation 4 und Xbox One, eine Switch-Testversion haben wir nicht rechtzeitig bekommen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Neninivek 29.09.2017 13:59
    Highlight @Philipp Awounou - Zu zweit lässt sich aber FUT nicht mehr spielen oder?
    1 0 Melden
  • sierra2011 29.09.2017 11:32
    Highlight Man würde sich besser mal um die richtig mühsamen Dinge in FIFA kümmern:

    - Der Schiri pfeift das Spiel ab, obwohl man mitten im Angriff ist, nur weil Halbzeit ist.

    - Es zählt oft als Eigentor, wenn der Torwart den Ball noch mit den Fingerspitzen berührt, nachdem dieser am Pfosten abgeprallt ist und dann ins Tor fliegt.

    Das nervt brutal...
    21 2 Melden
  • Wehrli 29.09.2017 11:07
    Highlight Ronaldo sieht im Game genau gleich deppert aus wie in echt.
    24 5 Melden
  • welefant 29.09.2017 09:00
    Highlight Sorry chef, komm dann irgendwann mal wieder!
    10 2 Melden
    • Datsyuk 29.09.2017 10:49
      Highlight Ich habe sogar Ferien!
      3 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.09.2017 08:22
    Highlight Also ich finde, Ronaldo sieht im Original besser aus!
    7 16 Melden
    • Raembe 29.09.2017 09:10
      Highlight Am besten sieht die Büste von ihm aus.
      48 2 Melden
  • Asmodeus 29.09.2017 08:18
    Highlight Wie lange dauert "the journey" eigentlich?
    Wäre nämlich das einzige was mich daran reizt.
    12 1 Melden
    • chnobli1896 29.09.2017 09:10
      Highlight Ist bei mir auch so. Wenn ichs kaufe dann wegen "The journey".

      Und weil es den FCZ wieder gibt dieses Jahr ;-)
      17 5 Melden
  • Jaing 29.09.2017 07:25
    Highlight Mir wär's zu kompliziert. Da bleibe ich lieber bei Sensible Soccer.
    13 4 Melden

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