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Bye-bye WhatsApp, hello Telegram?

Nicht der NSA-Skandal, sondern der Anti-Facebook-Reflex beschert Threema und Telegram Zulauf

26.02.14, 17:01 27.02.14, 15:59

Seit Mark Zuckerberg vor einer Woche WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar übernommen hat, dominieren alternative Kurznachrichten-Apps die Download-Charts. Allen voran Telegram, ein russischer WhatsApp-Klon, der vor allem durch seine vollständige Verschlüsselung glänzt. Auch Schweizer Messenger-Apps wie Threema, Myenigma und Swisscoms iO reiten auf der Empörungswelle. 

Threema, die App des Zürcher Start-ups Kasper Systems, soll in den letzten Tagen über eine Million Downloads verzeichnet haben. Telegram spricht gar von mehreren Millionen neuen Nutzern innerhalb weniger Tage.

Auch Swisscom lässt uns über Twitter wissen, dass der iO-Messenger täglich drei mal häufiger als vor dem WhatsApp-Deal heruntergeladen werde. 

WhatsApp war schon immer löchrig

Freunde fordern mich auf Facebook auf, das unsichere WhatsApp fallen zu lassen. Eine Kollegin schlägt Threema vor, der Informatikerfreund Telegram – die wenigsten sind sich der Ironie bewusst, wenn ausgerechnet Facebook-Nutzer das Argument Datensicherheit bemühen. 

Facebooks Geschäftsmodell bestand schon immer darin, unsere Daten zu Geld zu machen. Und WhatsApp ist seit Jahren löchrig wie ein Emmentaler. Zeitweise entdeckten Sicherheitsforscher fast monatlich kritische Sicherheitslücken. Gekümmert hat's die Wenigsten. Was WhatsApp mit den Nutzerdaten tut, liegt ebenfalls im Dunkeln. Nach dem Verkauf an Facebook scheint zumindest geklärt, wer die gesammelten Informationen zu Geld macht. 

Sichere WhatsApp-Alternativen haben Rückenwind. WhatsApp bleibt trotzdem der Messenger-König. Bild: spreeblick.com

Die Boykottaufrufe haben System

«Nicht der NSA-Überwachungsskandal oder die Sicherheitsprobleme von WhatsApp, sondern der Anti-Facebook-Reflex beschert alternativen Messenger-Apps derzeit Zulauf.»

Als sich Mark Zuckerberg vor zwei Jahren die Foto-App Instagram unter den Nagel riss, war der Aufschrei eingefleischter Instagram-Fans ähnlich gross. Alternativen wie Hipstamatic profitierten kurzfristig von der kollektiven Empörung. Heute ist Instagram populärer als je zuvor. Wann haben Sie zuletzt von Hipstamatic gehört? Auch WhatsApp mit seinen über 450 Millionen Nutzern und täglich bis zu einer Million neuen Anmeldungen droht von den kleinen Rivalen keine Gefahr. Zum Vergleich: Swisscoms iO-Messenger wird an einem normalen Tag 2500 bis 3000 Mal heruntergeladen.

Fakt ist: Nicht der NSA-Überwachungsskandal oder die Sicherheitsprobleme von WhatsApp, sondern der Anti-Facebook-Reflex beschert alternativen Messenger-Apps derzeit Zulauf. Threema und Telegram kann dies egal sein. Sie nutzen die Gunst der Stunde, könnten aber schon in wenigen Wochen, wenn sich die Empörung gelegt hat, wieder in den Tiefen der App-Stores verschwunden sein. Trotzdem: Dass von der WhatsApp-Übernahme nicht primär bekanntere Messenger-Apps wie Viber oder Line profitieren, sondern Newcomer, die den Datenschutz ernst nehmen, ist erfreulich. 

Telegram gewinnt Nutzer – sie zu halten ist das Problem

Die grosse Herausforderung für Telegram, Threema oder Myenigma ist es nun, die neuen Nutzer zu halten. Und das ist alles andere als gewiss. Kurznachrichten-Apps funktionieren wie Facebook als soziale Netzwerke. Doch ein Netzwerk ist nur so stark, wie die Anzahl Freunde, die es nutzen. Die Geisterstadt Google+ zeigt eindrücklich, wie schwierig es ist, Menschen im grossen Stil zum Wechseln zu bewegen und langfristig an sich zu binden. Der vermeintliche Facebook-Killer ist Mitte 2011 mit einem bekannten Namen und viel Tamtam gestartet. Die Anzahl meiner Freunde, die Google+ heute nutzen, kann ich an einer Hand abzählen. 

Genau gleich sieht es bei Threema und Co. aus. Von meinen rund 200 im Smartphone gespeicherten Kontakten nutzen exakt 100 WhatsApp. Nur je 15 haben sich für Telegram und Threema entschieden. Die meisten davon sind Informatiker oder Technik-Interessierte, die praktisch jede neue App ausprobieren, die gerade angesagt ist. Die Frage, welche Kurznachrichten-App in meinem Alltag noch länger den Ton angeben wird, dürfte daher beantwortet sein. 

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  • 20%Threema
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  • 52%WhatsApp
  • 1%Viber
  • 0%Line
  • 2%Facebook Messenger
  • 1%Skype
  • 0%Kik
  • 3%Google Hangouts
  • 6%iMessage
  • 2%Irgendein anderer Kram

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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13
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • tremo.ch 27.02.2014 10:00
    Highlight noch was für die verunsicherten kollegen, welche noch nicht Threema nutzen:

    http://www.giga.de/apps/threema/news/whatsapp-alternativen-threema-telegram-u-a-bei-stiftung-warentest-im-datenschutz-check/
    1 0 Melden
  • Luc 27.02.2014 09:27
    Highlight Ich denke, das Problem mit FB/WhatsApp ist ja nicht, dass eine Behörde oder ein Unternehmen an meine Daten kommt. Das Problem ist, wie der vorgestrige Tages-Anzeiger zeigt, dass FB heute schon weiss, ob ich daran bin, eine Beziehung zu starten oder eine zu beenden. Ebenso dauert es wohl nicht mehr lange, bis sie wissen, an welcher Krankheit ich erkrankt bin, bevor ich es selber weiss. Wenn ich dann die Zusatzversicherung wechseln will, hat die Krankenkasse diese Information von FB schon gekauft und verweigert mir die Versicherung... Da gibt es noch einige Beispiele, was auf uns zukommen mag, wenn wir die Gratis-Angebote von FB und Google etc. nutzen. Der Preis von 2.- dafür, dass meine Daten auf den Servern von Threema verschlüsselt rumliegen und somit auch von einem Käufer nicht ausgewertet werden können, erscheint mir da sehr gering.
    2 0 Melden
  • Miautsch 27.02.2014 07:01
    Highlight Finde Threema trotz des Preises top! Wegen dieser 2 CHF mache ich persönlich kein Drama, halt mal ein Gipfeli weniger essen. ;-)
    3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.02.2014 06:30
    Highlight Telegram ist OpenSource, hat API und das Peotokoll offengelegt und trotzden ein Hack-Wettbewerb wo man USD 200'000 gewinnen kann
    1 1 Melden
  • Androider 26.02.2014 23:11
    Highlight Solange WhatsApp sich nicht all zu stark verändert, sehe ich keinen Grund, den Messenger zu wechseln. Und betreffend Datenspionage: Wenn jemand bzw. eine Behörde an meine/eure Daten kommen will, dann schaft diese das auch.
    Telegram & Sykpe finde ich aber gute Alternativen. Threema hingegen kommt eher nicht in frage. Ich bin nicht bereit, für einen Instant Messenger zu bezahlen. Obwohl man WhatsApp auch bezahlen müsste, wurde mir das Abo bereits mehrmals einfach so gratis verlängert.
    2 4 Melden
  • MSC 26.02.2014 22:38
    Highlight Ich schwöre ja auf Line (by Naver) sehr populär in Süd Korea und Japan.
    2 1 Melden
  • jhuesser 26.02.2014 21:54
    Highlight Wer G+ Heute noch als Geisterstadt bezeichnet hat keine Ahnung! Mittlerweile ist es das 2. grösste Social Network, gemessen an den aktiven Nutzer pro Monat. Ausserdem kann man G+ nicht bewerten in dem man sich anmeldet und evt. etwas postet und wartet. Die Nutzer erwarten hochwertigen Content, man muss auf sich aufmerksam machen, am besten in dem man interessante Personen zu den Kreisen hinzufügt.
    Ausserdem wird G+ auch sonst rege genutzt. Die ganze Kommunikation des AR MMROG "Ingress" läuft über G+!
    5 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 26.02.2014 22:39
      Highlight G+ würde ich auch nicht als Geisterstadt bezeichnen, allerdings hat es einen stark anderen Nutzerkreis:

      Ich verwende G+ primär um einigen Interessanten IT-Leuten (Linus, Theodore Ts'o, etc) zu folgen - also quasi ein RSS-Reader für Personen.

      Deutschsprachigen content sehe ich dort allerdings fast nie - meine Bekannten stellen bei G+ nichts ein. (...und auch ich verhalte mich auf G+ extrem passiv)
      3 0 Melden
    • Oliver Wietlisbach 26.02.2014 22:40
      Highlight Ich mag GooglePlus, aber im Vergleich zu Facebook, YouTube, QZone und Weibo (beide China) bleibt es weit zurück http://www.businessinsider.com/a-global-social-media-census-2013-10

      Auch für Schweizer Medien sind Facebook und Twitter als Besucher-Lieferanten viel, viel wichtiger. Siehe: http://themenpuls.ch

      Die bescheidene Nutzung gilt insbesondere für "das eigentliche" GooglePlus. Bekanntlich schönt Google die Nutzerzahlen, indem GooglePlus-Funktionen bei anderen Google-Diensten, wie Gmail, YouTube oder PlayStore, als GooglePlus-Nutzung mitgezählt werden.
      2 0 Melden
    • jhuesser 27.02.2014 19:29
      Highlight @adrian glaub mir es gibt ganz viel deutschsprachigen Content.
      0 1 Melden
  • Claudy 26.02.2014 21:29
    Highlight Habe auch auf Telegram gewechselt... Es kotz mich an, dass Facebook alles aufkauft und nur Mengegeil ist.
    5 3 Melden
  • W@land 26.02.2014 21:21
    Highlight das ist eine schlagzeile wert?
    0 1 Melden
  • FourR 26.02.2014 21:07
    Highlight Wieso soll Google+ eine Geisterstadt sein, also ich bevorzuge Google+ vor Facebook. Google+ ist auch in der Qualität des Contents viel gepflegter. Na sowieso jedem das was gefällt.
    6 1 Melden

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