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US-Behörden zeigen ihr wahres Gesicht: Als nächstes ist WhatsApp dran

14.03.16, 10:40 14.03.16, 11:38


Auch wenn es die abhörsichere Verschlüsselung bislang nur für die Android-App, aber nicht für das iPhone gibt: Der populäre Smartphone-Messenger WhatsApp ist laut der «New York Times» ins Blickfeld der US-Regierung geraten.

In einem Ermittlungsfall seien von einem Richter angeordnete Überwachungsmassnahmen an der WhatsApp-Verschlüsselung gescheitert. Im amerikanischen Justizministerium werde nun über das weitere Vorgehen beraten, hiess es am Wochenende unter Berufung auf informierte Personen.

Die US-Regierung steckt bereits in einem Gerichtsstreit mit Apple über das Entsperren von iPhones, der für Schlagzeilen sorgt.

Die Zeitung konnte keine näheren Details zu dem Ermittlungsfall in Erfahrung bringen. Es hiess nur, es sei keine Terrorismus-Ermittlung und es sei unklar, ob die Regierung sich auf einen Streit mit WhatsApp vor Gericht einlassen werde.

Eine Milliarde Nutzer

Der von Facebook übernommene Messaging-Dienst WhatsApp hat eine Milliarde Nutzer weltweit. Der Service greift zumindest bei der Android-App seit 2014 zur sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der nur Absender und Empfänger die Nachrichten lesen können. Damit kann WhatsApp den Behörden ähnlich wie Apple sagen, man könne keine Daten herausrücken, auf die man keinen Zugriff habe.

In Brasilien war WhatsApp im Dezember für 14 Stunden landesweit blockiert worden, weil der Dienst in einem Kriminalfall keine Daten herausgab. Dann ersetzte ein Berufungsgericht die Sperrung durch eine Geldstrafe. Anfang März wurde aber deswegen auch ein Facebook-Manager für kurze Zeit festgenommen. Die Justiz will einen Gesprächsverlauf zwischen mutmasslichen Drogenhändlern einsehen.

Bei klassischer Telekom-Infrastruktur zum Beispiel für Telefon-Anrufe ist für Behörden gesetzlich ein Arsenal von Abhörmassnahmen vorgesehen, in den USA sind Online-Dienste wie WhatsApp sind davon bisher ausgenommen. Im US-Senat wird aber über ein neues Gesetz dazu nachgedacht.

Angst vor Gesetzen mit harten Auflagen

Apple wurde von einer Richterin angeordnet, dem FBI beim Entsperren eines iPhones zu helfen. Der Konzern kontert, die Verschlüsselung einmal auszuhebeln, würde weniger Sicherheit für alle bedeuten. Apple-Chef Tim Cook will den Streit notfalls bis zum Obersten Gerichtshof der USA durchfechten.

Der Streit verstärkte die Spannungen zwischen dem Silicon Valley und der US-Regierung. Tech-Schwergewichte wie Google, Facebook oder Microsoft stellten sich auf die Seite von Apple.

epa05177568 A man holds a sign outside the FBI headquarters to express support for Apple's decision to fight an effort  by the FBI to compel the company to create a so-called 'backdoor' into Apple devices, outside the FBI headquarters in Washington, DC, USA, 23 February 2016.  Gatherings to show support for Apple were planned for 23 February across more than 20 US states and several countries. Apple is fighting a court order that the FBI claims would help a terrorism investigation in San Bernardino, California.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

In den USA ist es zu öffentlichen Protesten gekommen.
Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Zugleich gibt es in der Industrie auch erhebliche Sorgen, der öffentlich ausgetragene Streit könne am Ende zu Gesetzen mit harten Auflagen für alle Internet-Unternehmen führen, sagte ein ranghoher Branchen-Insider der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Technologie-Messe CeBIT in Hannover.

Auch US-Präsident Barack Obama warnte die Unternehmen, dass ein kompromissloser Kurs am Ende das Gegenteil bewirken könne. «Wenn etwas wirklich Schlimmes geschieht, dreht sich die politische Situation, Dinge passieren überstürzt und Sachen gehen durch den Kongress in gefährlicher und undurchdachter Form», sagte er am Freitag bei einem Auftritt auf der Digital-Konferenz South by Southwest in Texas.

(dsc/sda/dpa)

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