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7 Beispiele, die zeigen, dass selbst Wikipedia manchmal total daneben liegt

Wikipedia wird diese Woche 15 Jahre alt, das Online-Lexikon ist eine der beliebtesten Recherchequellen weltweit. Blind sollte man ihr aber nicht vertrauen, zeigen diese sieben Anekdoten – vom falschen Kennedy-Mord-Verdächtigen bis zur erfundenen Insel.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der angebliche Verwandte

Mit einem frisierten Wikipedia-Eintrag gelangte 2015 ein Fan in den Backstage-Bereich der australischen Band Peking Duk. David Spango gab sich vor der Security als Verwandter des Elektro-Duos aus. Als diese einen Nachweis verlangten, zückte er Ausweis und Smartphone mit dem Wikipedia-Eintrag zur Band, den er zuvor um die Worte «Family David Spango» ergänzt hatte – und überraschte die Musiker. Diese nahmen es mit Humor: Das sei der «genialste Schachzug», den sie je beobachtet hätten. Auch auf Twitter zollten sie dem Fan Respekt.

INDIO, CA - APRIL 10: DJ Adam Hyde of Peking Duk  attends day 1 of the 2015 Coachella Valley Music & Arts Festival (Weekend 1) at the Empire Polo Club on April 10, 2015 in Indio, California.  (Photo by Mark Davis/Getty Images for Coachella)

Bild: Getty Images North America

Die gekauften Einträge

Die Pflege von Wikipedia-Einträgen gegen Geld – das war das Geschäftsmodell einer Bande, die 2015 aufflog. Teilweise erpresste die Gruppe sogar Geld von Personen und Unternehmen für den «Schutz» der Einträge. 210 Artikel löschte Wikipedia nach Entdeckung des Netzwerks «Orangemoody», 381 Nutzerkonten wurden gesperrt. Bevorzugtes Ziel der Betrüger waren offenbar Geschäfte oder Personen, deren Artikel von Wikipedia zunächst nicht akzeptiert wurden, etwa weil sie zu werblich waren. Bei ihnen konnte es passieren, dass sich ein angeblicher Wikipedia-Mitarbeiter meldete, der eine Überarbeitung des Artikels anbot – gegen Bezahlung.

Schriftzug und Logo der freien Internet-Enzyklopädie

Bild: dpa

Angela Merkel als «Sklavin der USA»

Apple hat seine Sprachassistentin Siri darauf getrimmt, Fragen von Nutzern unter anderem mithilfe der Wikipedia zu beantworten. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel lieferte das Online-Lexikon im September 2015 aber kurzzeitig eine ungewöhnliche Antwort. Auf die Frage «Wer ist Angela Merkel?» bot die deutsche Siri-Version statt des aktuellen Artikels im Online-Lexikon einige Stunden eine Artikelfassung, in der die Politikerin unter anderem als «Lügnerin und Sklavin der USA» verunglimpft wurde.

Image

Der falsche Verdächtige

Der 2014 gestorbene amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Morde an John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann – und hat natürlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Mehr zu dem Fall finden Sie auch hier.

U.S. President John Fitzgerald Kennedy, standing on a rostrum, addresses a large crowd in the main square in front of Schoeneberg City Hall in then West Berlin in this June 26, 1963 photo. Some 300,000 people packed outside city hall to hear Kennedy's

Bild: EPA DPA

Die eingeschleuste Polit-PR

Die Parteizentralen messen Wikipedia grosse Bedeutung zu – und legen manchmal selbst Hand an, wie Twitter-Accounts wie @bundesedit nachvollziehbar machen. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken. Ihre Seite wurde zwischenzeitlich für Bearbeitungen gesperrt.

Sarah Palin / Amazing America / Screenshot

Der umbenannte Minister

Karl-Theodor zu Guttenberg, einst deutscher Verteidigungsminister, hat einige weitere Vornamen. Wilhelm gehört nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Nutzer in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen auch Wilhelm rein. Der Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber aus dem Online-Lexikon, darunter auch Spiegel Online. Der Fälscher schrieb seinerzeit im «Bildblog» über seinen Coup.

MUNICH, GERMANY - FEBRUARY 06:  Karl-Theodor zu Guttenberg, former German federal minister of defence attends the 51st Munich Security Conference (MSC) on February 6, 2015 in Munich, Germany. Foreign ministers and defense ministers from countries across the globe are meeting to discuss current global security issues, in particular the crisis in eastern Ukraine, the spread of ISIS in Syria and Iraq and the large-scale movement and plight of refugees.  (Photo by Johannes Simon/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Eine Insel namens Porchesia

Über zehn Monate lang konnte man sich bei Wikipedia über Porchesia informieren, eine Insel, die im Lexikon vor der Küste Syriens und des Libanons verortet wurde. Die Bevölkerungszahl liege bei 354'897 Menschen, hiess es im September 2006, gegenüber nur 129'750 Menschen im Jahr 1982. Auf der Insel werde Englisch, Arabisch und Griechisch gesprochen. Mittlerweile ist der Artikel nicht mehr auffindbar, die beschriebene Insel existiert nämlich gar nicht. Unser Symbolbild zeigt übrigens Mallorca.

Blick auf den Hafen von Port D'Andratx auf Mallorca, Spanien, aufgenommen am 21. Mai 2008.  (AP Photo/ Roberto Pfeil)   ---- View to the habour in Port D'Andratx at Mallorca, Spain, May 21, 2008. (AP Photo/Roberto Pfeil)

Bild: AP

Zahlen und Fakten zu Wikipedia

Woher kommt der Name Wikipedia? Wie lange würde ein Mensch brauchen, um die komplette englischsprachige Ausgabe zu lesen? Wie viele Artikel gibt es insgesamt? Und was war der erste Eintrag? Zahlen und Fakten zur weltgrössten Online-Enzyklopädie:

Lesetipp: Diese Bilder haben uns 2015 schockiert und verblüfft – und alle waren sie gefälscht

Bilder, die lügen: Manipulierte Fotos

Ein Bild lügt mehr als 1000 Worte: Was dir diese Fotos nicht zeigen

mbö/dpa

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • NWO Schwanzus Longus 11.01.2016 19:37
    Highlight Highlight Das mit der Merkel stimmt doch, was ist daran falsch?
  • Wilhelm Dingo 11.01.2016 15:24
    Highlight Highlight Von KenFM gibt es eine detailierte Recherche zum Thema:
    Play Icon
    . Man kann geteilter Meinung sein wer nun Recht hat, die Analyse zeigt aber die Mechanik hinter Wikipedia schön auf.

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