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Elon Musk, CEO of Tesla Motors Inc., announces its new car Tesla

2018 muss Musk zeigen, dass er nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann. Bild: AP

Das Jahr der Wahrheit für den Tesla-Chef: Musk darf sich keinen Murks mehr leisten

27.12.17, 10:58 27.12.17, 11:25


Elon Musk hat mit seiner Firma Tesla einen Hype um das Elektroauto ausgelöst, wie man ihn sonst eigentlich nur von Apples iPhone kannte. Aber die Zweifel an seinen Versprechen wachsen. 2018 muss Musk zeigen, dass er nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.

Tesla-Chef Elon Musk schien 2017 zunächst wie der grosse Gewinner, doch dann fielen ihm seine gewagten Versprechen zunehmend auf die Füsse. Jetzt ist der Druck auf den schillernden Tech-Milliardär extrem hoch - Musk muss beweisen, dass er seine Ankündigungen auch umsetzen kann.

Zuletzt kamen daran bereits Zweifel auf und das Überflieger-Image erlitt Kratzer. 2018 müssen Erfolge her, sonst könnte es ziemlich ungemütlich werden.

Ein etwas anderer Rock-Star

Noch ist der Starkult um Musk riesig, seine Anhänger vergleichen ihn mit legendären Vordenkern wie Steve Jobs oder Henry Ford. Seinen Ruf als Rockstar des Silicon Valley untermauerte Musk jüngst, indem er es als Exot der Wirtschaftswelt auf das Cover des «Rolling Stone» schaffte. Den Titel des berühmten Magazins zieren für gewöhnlich keine Unternehmer, sondern Stars der Popkultur. Im Interview schlug Musk allerdings ungewohnt düstere Töne an, die tief blicken lassen.

«Ich habe in den vergangenen Wochen ernsthafte emotionale Schmerzen gehabt», sagte der 46-jährige Top-Manager. Vor der Zeremonie zum Lieferstart von Teslas erstem Mittelklasse-Elektroauto Model 3 im Juli sei er niedergeschlagen gewesen. «Es hat jedes Quäntchen Willenskraft gebraucht, dieses Event durchzuziehen und dabei nicht wie der depressivste Typ dort auszusehen», räumt Musk offen ein.

«Wir stecken tief in der Produktionshölle»

Elon Musk

Von der Nische in den Massenmarkt

Bei der spektakulären Show, bei der die ersten 30 Model 3 an ihre Besitzer übergeben wurden, ahnte Musk wohl bereits, dass er sich womöglich übernommen hat. Für Tesla ist das neue Auto extrem wichtig. Das Model 3 kostet rund 35'000 Dollar - weniger als halb so viel wie die bisherigen Luxusmodelle Model S und Model X.

Das ist der neue Tesla Model 3

Der Wagen soll Tesla von der Nische in den Massenmarkt bringen. Er hat einen Hype ausgelöst wie früher Apples iPhone - Kunden campten zum Verkaufsstart vor den Tesla-Filialen, es gibt Hunderttausende Bestellungen.

Eine Million Autos pro Jahr

Angefacht wurde der Ansturm von Musk selbst. Grosse Ankündigungen fielen ihm schon immer leicht. Bis 2020 will er die Produktion auf eine Million Autos pro Jahr hochfahren. Das ist ein ausgesprochen ambitioniertes Ziel.

In diesem Jahr rechnet Tesla damit, etwas mehr als 100'000 Autos an die Kundschaft zu bringen. Um Musks ehrgeizige Vorgaben zu erfüllen, muss Tesla im Hauruckverfahren von einer Oberklasse-Boutique zum Volumen-Hersteller werden.

Massenfertigung ist Neuland

Da das Unternehmen keinerlei Erfahrung mit der Massenfertigung hat, waren die Zweifel in der etablierten Auto-Industrie von Anfang an gross. Doch Musk will von Skepsis und Kritik nichts hören. Mit seiner Draufgängerart hatte er nicht nur die Tesla-Fans, sondern auch die Wall Street überzeugt.

Zwischenzeitlich war die Euphorie der Anleger so gross, dass Teslas Börsenwert den der US-Autoriesen General Motors und Ford überstieg - obwohl beim Absatz Welten zwischen Tesla und den Rivalen liegen und Musks Firma seit Jahren nur Verluste anhäuft.

Im Herbst wurde Tesla auf den Boden der Realität zurückgeholt: Mit lediglich 260 Model 3 wurden die Produktionsziele im dritten Quartal massiv verfehlt, der Zeitplan für den Anlauf der Serienfertigung musste verschoben werden.

Ungeduldige Investoren

Statt Kampfansagen warnte Musk plötzlich: «Wir stecken tief in der Produktionshölle». Im November kam es noch dicker: In Form des höchsten Quartalsverlusts der Firmengeschichte wurde Anlegern die Rechnung für Teslas Mammut-Projekte präsentiert.

Statt sich jedoch mit dem Holperstart beim Model 3 aufzuhalten, preschte Musk mit neuen Ankündigungen voran. Er stellte einen strombetriebenen Laster und eine Neuauflage des E-Sportautos Roadster vor. Das sorgte für etwas Ablenkung.

Aber entscheidend ist, dass Musk beim Model 3 in die Gänge kommt. Der Einzug in den Massenmarkt muss gelingen, damit Tesla irgendwann mal profitabel wird. Musk kann nicht ewig das Geld von Investoren verbrennen.

Konkurrenz schläft nicht länger 

Erschwerend hinzu kommt für den Starunterehmer jedoch, dass die Konkurrenz nicht länger schläft. Die Schwergewichte der Autowelt behandelten das Thema E-Mobilität lange stiefmütterlich, jetzt blasen sie aber zur Jagd auf Tesla.

GM hat mit dem Chevrolet Bolt EV bereits ein Angebot in der Preisklasse des Model 3 am Start und will bis 2023 weitere 20 E-Autos auf den Markt bringen. Auch Ford, VW und viele andere finanzstarke Branchengrössen wollen angreifen. (whr/sda/dpa)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sharkdiver 27.12.2017 22:16
    Highlight Meine "Prognose" bei der 1. Model3 Bekanntgabe war, dass wen Tesla jetzt die gleichen Fehler macht wie bei den anderen Modelle(vollmundig ankünden und dann ewige Verzögerungen) könnte Tesla ernsthaft ins straucheln bringen, umgekehrt könnte es abgehen. Leider scheint er nicht von der Sorte "Livere stat Lavere" zu sein.
    9 10 Melden
  • therationalist 27.12.2017 19:05
    Highlight Elon Musk's Projekte sind seit jeher im Hochrisiko-Bereich. Er nimmt Ideen, die zu früheren Zeitpunkten bereits in Machbarkeitsstudien durchgefallen sind. Und dies meist aus gutem Grund. Es ist umso mehr erstaunlich wie lange die Finanzierung standhält. Eventuell sogar genügend lange, dass Tesla, SpaceX oder Solar City und Hyperloop tatsächlich unseren Alltag verändern werden. Doch wenn die Investoren wieder kein Geld sehen, wirds ein hartes Jahr.
    14 1 Melden
  • sikki_nix 27.12.2017 18:12
    Highlight Auch wenn er vielleicht nicht derjenige sein wird, der liefern wird, so hat er die Gesellschaft mit seinen Visionen geprägt und den Grundstein für eine Veränderung gelegt. Sogar wenn Tesla und SpaceX Konkurs gehen würden, wären die angefangen Projekte nicht verloren sonder würden von neuen Geistern aufgenommen und weitergeführt. Was ja sogar bereits jetzt schon passiert. Für Ihn selbst wäre es aber natürlich gut, wenn dies nicht passierte.
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  • Stichelei 27.12.2017 18:02
    Highlight Und so ganz nebenbei hat Musk im 2017 mit SpaceX alle 18 Missionen der Falcon 9 erfolgreich durchgeführt, in Australien die grösste Batterie der Welt in Rekordzeit in Betrieb genommen, in Puerto Rico ein Kinderspital mit einer neuen Stromversorgung versehen, in Los Angeles begonnen, sein Tunnelsystem zu bohren, mit seiner AI Firma die weltbesten Gamer mehr als verblüfft, und und und . . . Ja, er sollte wirklich endlich was liefern im 2018!
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    • BenFränkly 29.12.2017 22:29
      Highlight Zudem: Auch andere Autohersteller haben Probleme mit dem Anfahren von neu produzierten Serien. Nur peitschen die ihre Projekte nicht in diesem Affenzahn durch wie Musk. Der muss nur noch eine Produktionsstrasse optimieren - das wurde auch schon gemacht und ist keine Hexerei, lediglich eine Frage der Zeit... Wir dürfen gespannt sein :)
      5 3 Melden
  • inmi 27.12.2017 16:16
    Highlight Pssst... Ich habe ein Geheimnis für euch... Elon Musk hat schon in der Vergangenheit Versprechen gemacht, die er nicht einhalten konnte...

    Er wird auch im 2018 Versprechen nicht einhalten können, die er gemacht hat. An dem wird er aber nicht scheitern. Vielleicht an etwas anderem.
    11 16 Melden
    • word up 27.12.2017 18:17
      Highlight zum beispiel?
      7 2 Melden
  • beaetel 27.12.2017 12:38
    Highlight Ein Pioneer wie es nur wenige gibt, welche aber die ganze Menschheit auf eine neue Stufe hebt. In diesem Fall gut für die Ohren und die Lungen.
    57 32 Melden
    • Namenloses Elend 27.12.2017 19:18
      Highlight Gut für die Ohren.? Nein, ich mag Motorensound. Gut für die Lungen? Ja bei uns vielleicht, bei den Ländern welche die Rohstoffe für die Batterieherstellung fördern aber ganz sicher nicht. Ja, ich mag ihm den Erfolg gönnen und seine Autos sind gar nicht mal soo scheisse. Aber dieses von den Medien gepushte gehype nervt mich undglaublich. Als wäre ein Elektro Auto das Mass aller Dinge betreffend Umweltschutz. Kriege ich auch einen Umweltorden? Ich fahre ja schliesslich einen Hybrid.
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  • Steimolo 27.12.2017 12:04
    Highlight 260 autos in einem quartal? lol
    46 31 Melden
    • DerHans 27.12.2017 14:30
      Highlight 260 Autos in einem Quartal und eine ganze Industrie, die sich langsam aber sicher in die Hosen macht. Und was haben sie so erreicht ausser einem lol?
      52 26 Melden
    • word up 27.12.2017 15:10
      Highlight @DerHans: leider wissen nur wenige etwas über die schwierigkeit der etablierung eines wichtigen produktes auf einem so trägen markt, wie derjenige der automobilbranche. hinzu kommt starkes lobbying (fossile brennstoffe)... in meinen augen ist elon musk einer der bedeutungsvollsten denker und macher unserer zeit!
      62 24 Melden
    • DerHans 27.12.2017 16:02
      Highlight @word up darum gehen mir solche Kommentare wie von Steimolo auf die Nerven. Sobald Musk oder Tesla erwähnt wird, werden solche Steimolos zu Elektro-, Automobil- oder sonstwelche Ingeneure. Und um ihr Wissen zu untermauern kommt dann noch eine gewisse schwedische Metastudie...
      21 10 Melden
    • Steimolo 27.12.2017 16:15
      Highlight Ich hätte mit etwas mehr als 260 gerechnet. Auch sind 35k zuviel für mich. Bleibt vorerst noch was für die reicheren. Ich bin zufrieden @derhans
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    • word up 27.12.2017 18:17
      Highlight @derhans: ja, das ist in der tat so. pseudowissen hilft leider nur selten!

      @steimolo: nichts für ungut, wirklich, aber das war schon unqualifiziert ;)
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    • therationalist 27.12.2017 18:59
      Highlight @word up Das Problem ist bei Tesla jedoch ein anderes. Genau der Markteinstieg ist vorzüglich gelungen. Das Produkt ist durch die Decke, mit einem Hype den sich etablierte Hersteller nur ersehnen könnten.
      Nur waren die Kapazität noch nicht mal auf dem Papier gegeben. Tesla wollte 1500 Model S im Q3 ausliefern, es waren 260. das sind nicht mal 20%. Und das ist produktionstechnisch gesehen durchaus ein "lol" wert.
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    • DerHans 27.12.2017 20:20
      Highlight @Therationalist die Rede ist vom Model 3 und nicht vom Model S oder Model X. Soviel zu ihrem „lol“

      @steimolo anscheinend sind sie überhaupt nicht zufrieden, dass sie von sich auf andere schliessen.
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    • word up 27.12.2017 22:25
      Highlight @therationalist lol heisst "laughing out loud", wenn man die bedeutung versteht, dann ist das genau genommen nicht die feine art aber lassen wir das. ich kann verstehen, dass die grosse ankündigung nicht dem entspricht, was nun ist aber da ist tesla bei weitem nicht die einzige firma. hätte elon sagem sollen, dass das model 3 noch lange auf sich warten müsse, wäre das vertrauen schnell weg. es ist so, grosse töne spucken gehört dazu ;)
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