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Jack Ma, 49, hat ein Vermögen von fast 22 Milliarden Dollar. Bild: Getty Images

Mächtiger Onlinehändler

Das «Krokodil vom Jangtse»: Alibaba-Chef Jack Ma fand zuerst keinen Job, heute ist er der reichste Chinese

Jack Ma ist in China so etwas wie ein Rockstar. Er gründete in einer kleinen Wohnung seine eigene Firma – und wurde schnell zum wohlhabendsten Mann des Landes. Kann er nun auch die Wall Street erobern?

07.09.14, 12:11 07.09.14, 13:20

Jack Ma ist der «geistige Vater» von Alibaba. Er gilt als Visionär, der jede Gelegenheit ergreift. Seine Verkaufskünste sind legendär. Schon vor dem Börsengang des Internetriesen in New York ist der 49-Jährige mit einem Vermögen von 21,8 Milliarden Dollar der reichste Chinese. Er geniesst Kultstatus.

Bei den jährlichen «Alifest» genannten Mitarbeiterversammlungen, zu denen schon der frühere US-Präsident Bill Clinton oder US-Basketballstar Kobe Bryant eingeladen wurden, wird Ma wie ein Rockstar gefeiert. Auch gibt der Alibaba-Chef jungverheirateten Mitarbeitern persönlich seinen Segen.

Seine exzentrischen Auftritte und seine Fähigkeiten hätten eine fast religiöse Atmosphäre unter den Mitarbeitern geschaffen, finden Zeitungskommentatoren. Gepriesen werden auch seine Überredungskünste. Er könne etwas verkaufen, das noch gar nicht existiere, heisst es. 

Seine Geschäftsentscheidungen fällt Ma intuitiv. Zuletzt stieg er bei Chinas Fussballmeister Evergrande in Guangzhou ein. Doch fand die Erfolgssträhne des Titelverteidigers der asiatischen Champions League kurz darauf ein abruptes Ende.

Tellerwäscher-Karriere

Mas Lebensweg begann holprig. Zweimal fiel er bei der Aufnahmeprüfung durch, bevor er 1988 an der Pädagogischen Hochschule angenommen wurde, wie chinesische Medien berichten. Es fiel ihm schwer, einen Job zu finden. Auch die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) wollte ihn nicht als Manager anheuern. 

Obwohl ihm sowohl technische als auch geschäftliche Vorkenntnisse fehlten, gründete der Englischlehrer 1999 sein Unternehmen in einer kleinen Wohnung in der ostchinesischen Stadt Hangzhou, die bis heute Firmensitz ist.

«Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren – aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen.»

Jack Ma

«Alle unsere Wettbewerber sind im Silicon Valley, nicht in China», sagte Ma in einer Filmdokumentation und ermunterte seine Mitarbeiter, sich nicht unterkriegen zu lassen: «Wir haben genauso viel im Kopf wie die.» Er hat den Beweis angetreten: Alibaba ist heute die grösste Handelsplattform der Welt, grösser als Amazon und eBay zusammen.

Dass er den grossen Konkurrenten eBay in China abgewehrt hat, brachte ihm viel Ruhm. «eBay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren – aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen», sagte Ma 2005.

Jack Ma mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. archivBild: Getty Images

Neun Jahre später verlässt das Krokodil die heimischen Gewässer, überquert den Pazifik und lauert jetzt an der Wall Street, wo die Investoren es kaum abwarten können. Auch wenn er nun Banker und Fondsmanager umwirbt, hat er nie einen Hehl aus seinen Prioritäten gemacht: «Erstens die Kunden, zweitens die Mitarbeiter und drittens die Investoren.» So geht Alibaba zwar an die Börse, aber Jack Ma behält über ein 27-köpfiges Gremium mit Vertrauten die Kontrolle.

Vorreiter auch als Philanthrop

Seinen persönlichen Reichtum lässt der Milliardär jetzt auch in eine Stiftung fliessen und tritt damit in die Fussstapfen anderer Wohltäter wie Bill Gates, Warren Buffett oder Michael Bloomberg. Von seinen 8,8 Prozent Anteilen an Alibaba hat er 1,5 Prozent in die SymAsia-Stiftung gesteckt. Der Fonds könnte nach dem Börsengang mit dem Beitrag des Alibaba-Mitbegründers Joseph Tsai über Kapital von rund 3 Mrd. Dollar verfügen.

«Sorgen und Klagen können die gegenwärtige Situation nicht ändern.»

Jack Ma

Für China, wo karitative Organisationen noch kleine Spielräume haben, schlägt Ma damit ein neues Kapitel auf. Der Vater zweier Kinder ist beunruhigt über zunehmende Krebserkrankungen in seiner Familie oder unter Mitarbeitern. Die wachsende Umweltverschmutzung in China sieht er als eine Ursache. 

«Wir hoffen, in einer Welt mit blauerem Himmel, saubererem Wasser und besserem Zugang zu medizinischer Versorgung zu leben», sagt Ma. Er wolle mit seiner Stiftung einen Beitrag leisten und sich um Umwelt, Gesundheit und Bildung kümmern. «Sorgen und Klagen können die gegenwärtige Situation nicht ändern.» (dsc/sda/dpa)

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