Digital

Spiel «Candy Crush Soda Saga»: Nachfolger des Superhits, aber ein Erfolg?
Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

6 Milliarden Dollar für ein einziges Erfolgsspiel: Zieht die Facebook-Taktik heute noch?

Der Branchengigant Activision übernimmt die Spielefirma King Entertainment für eine atemberaubend erscheinende Summe. Der Deal erinnert an die Taktik von Facebook.

03.11.15, 10:42 03.11.15, 12:31

Christian Stöcker / spiegel online

Ein Artikel von

Diese Übernahme hat Symbolkraft. Sie steht für den Wandel einer Branche, deren Geschäftsmodell von der mobilen Revolution umgekrempelt wird, obwohl sie doch schon immer digital war: Activision, das Schwergewicht, der Veteran der Videospielindustrie, übernimmt den Emporkömmling King Digital Entertainment, besser bekannt als die Firma hinter «Candy Crush Saga». Activision gibt es seit 1979, King seit 2002. Nun zahlt der Branchensenior 5,9 Milliarden Dollar für den Junior.

King Digital Entertainment solle nach der Übernahme weiterhin unabhängig agieren, sagt der Firmenchef und -gründer Riccardo Zacconi. Er selbst wird demnach weiter an der Spitze bleiben.

Activision Blizzard verkauft teure Konsolen- und PC-Spiele wie «Call of Duty» oder «Skylanders», aber auch Abonnements für das Online-Rollenspiel «World of Warcraft». King Digital ist einer der erfolgreichsten Anbieter von Smartphone-Spielen, die kostenlos angeboten werden. Verdient wird an der Bereitschaft mancher Nutzer, für virtuelle Güter oder andere Spielhilfen zu bezahlen. «Candy Crush Saga» ist ein simples Spiel, bei dem die Spieler Reihen oder bestimmte Formationen von gleichen Objekten – Süssigkeiten – bilden müssen, in gewisser Weise eine Variation des «Vier gewinnt»-Prinzips.

Viel Trara zum Launch von «Candy Crush Soda Saga» vor einem Jahr.
Bild: Getty Images North America

Ein Dutzend Knöpfe und zwei Analogsticks?

Die Entwicklung von teuren Konsolen und Gaming-PC hin zu Smartphones und Tablets, von Hochpreis-Spielen hin zu Free-to-Play-Titeln macht den Giganten der Branche zunehmend Probleme. Die grossen Publisher, etwa Ubisoft, Electronic Arts oder eben Activision, haben es bislang nicht geschafft, mit ihren Spielemarken ähnliche Erfolge in diesem neuen Markt zu landen wie jüngere Firmen wie King. King & Co. konkurrieren mit den Giganten der Branche dabei vor allem um eine Ressource: die begrenzte Zeit der potentiellen Kundschaft. Und um die grosse Masse derer, denen die Bedienung eines Gamecontrollers mit einem Dutzend Knöpfen und zwei Joysticks zu kompliziert ist. Echte Hardcore-Gamer sind heute schon eine Minderheit.

Die berühmtesten Erfolgstitel für Smartphones und Tablets, Spiele wie «Angry Birds», «Clash of Clans» oder «Game of War» stammen sämtlich von kleineren, zunächst unabhängigen Unternehmen, die sich von Anfang an auf das neue Geschäftsmodell eingestellt haben. King war zunächst als Anbieter von Facebook-Spielen erfolgreich, schaffte aber, anders als etwa der Konkurrent Zynga, den Übergang auf mobile Plattformen mit grossem Erfolg. Viele der neuen Stars der Branche sind allerdings One-Hit-Wonder: Firmen wie Rovio («Angry Birds») oder eben Zynga («Farmville») tun sich oft schwer, an ihre grossen Erfolge anzuknüpfen.

Auch «Angry Birds» hat schon bessere Tage gesehen.
Bild: AP Lucasfilm

Moderater Aufschlag auf den Schlusskurs

Die Entscheidung Activisions, viel Geld in King und damit dieses relativ neue Geschäftsmodell zu stecken, erinnert an die grossen Deals aus der Web-Branche: Facebook kaufte schnell wachsende, kleinere Konkurrenten wie Instagram oder WhatsApp für horrende Summen, um dem rasanten Wandel hin zu Mobilgeräten zu begegnen. Und nun investiert der 36 Jahre alte Games-Riese Activision in einen Markt, den die eigenen Entwickler augenscheinlich nicht knacken konnten.

King-Aktien waren vor dem Deal schon viel Geld wert, Activision Blizzard bezahlt nun 18 Dollar pro Anteil – ein relativ moderater Aufschlag von knapp 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

Activision war bisher auf Konsolen-Titel wie «Destiny» fokussiert.
Bild: activision

«Candy Crush Saga» und seine Ableger sind allerdings der einzige echte Superhit, den King zu bieten hat. Andere King-Titel wie «Scrubby Dubby Saga» oder «Alpha Betty Saga» blieben weitgehend unbekannt. «Candy Crush» dagegen ist so erfolgreich, dass Microsoft sich mit King darauf einigte, den Titel auf Rechnern mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 Home automatisch mitzuliefern.

In jüngerer Zeit liess das Interesse der Nutzer an «Candy Crush» allerdings nach, ein ähnlich erfolgreiches neues Spiel konnte King nicht nachschieben. Im zweiten Quartal sank der Umsatz binnen drei Monaten um 14 Prozent auf 490 Millionen Dollar. Der Gewinn fiel im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 27 Prozent auf 119 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Im dritten Quartal machte Activision Blizzard zuletzt 127 Millionen Dollar Gewinn bei 990 Millionen Dollar Umsatz.

Die Zahl der aktiven Nutzer bei King ging um neun Prozent zurück – es waren aber immer noch gut 500 Millionen im Monat. Davon geben allerdings nur 7,6 Millionen auch Geld in King-Spielen aus, elf Prozent weniger als drei Monate zuvor.

Mit Material von dpa

Das könnte dich auch interessieren

Von «Pong» bis «Assassin's Creed»: Die beeindruckende Grafik-Evolution von Spielen in 23 Bildern

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 03.11.2015 12:44
    Highlight Casualgames ziehen immer 2-3 Jahre. Denke Candycrush wird früher oder später von irgendeiner neuen vernietlichung eines Klassikers überholt. Zoo Tetris oderso. Vou süess di tierli
    4 0 Melden

iOS-Kontrollzentrum lässt WLAN und Bluetooth aktiv, selbst wenn es der Nutzer deaktiviert

Aus heisst nicht immer aus: Apples neues Kontrollzentrum in iOS 11 hat zwar Knöpfe zum Deaktivieren der WLAN- und Bluetooth-Verbindung, doch die Funkverbindungen bleiben im Hintergrund aktiv. Das sei so gewollt, sagt Apple.

Das neue iOS 11 für iPhone, iPad und iPod touch macht es Apple-Nutzern deutlich schwerer, Funkverbindungen vollständig zu kappen. Wer bei seinem iPhone mit einem Wisch vom unteren Displayrand das Kontrollzentrum aufruft und die WLAN- oder Bluetooth-Verbindung deaktiviert, geht vermutlich davon aus, dass WLAN und Bluetooth nun vollständig deaktiviert sind. Bei iOS 11 ist dies nicht mehr der Fall, wie man in einem Supportdokument nachlesen kann.

Zum Thema WLAN schreibt Apple: …

Artikel lesen