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Roboter-Kellnerin in einem chinesischen Restaurant. Bild: Getty Images AsiaPac

Ihr denkt: Dank Robotern produzieren wir alle viel mehr – schön wär’s!

Obwohl wir immer leistungsfähigere Computer und immer smartere Software haben, stagniert die Produktivität. Was läuft hier falsch? 

15.06.15, 16:06 17.06.15, 12:05

Der Ökonom und Produktivitätsspezialist Robert Solow lästerte schon 1987: «Man kann das Computer-Zeitalter überall sehen – ausser in den Produktivitätsstatistiken.» Er goss damit kaltes Wasser über die aufkommende Computer-Euphorie, die zwar technisch spektakulär sei, aber wirtschaftlich unbedeutend. In den 90er Jahren wurde Solow Lügen gestraft. Der Computer hinterliess nun auch Spuren in der Arbeitsproduktivität. Zwischen 1995 und 2005 stieg sie sprunghaft an. 

«Neue Technologien haben für spektakuläre Schlagzeilen gesorgt, aber für bescheidene wirtschaftliche Resultate.

Paul Krugman, New York Times

In diesen Tagen jedoch erlebt das Computer-Produktivitäts-Paradox ein Comeback. Obwohl wir täglich von neuen Wunderdingen – 3D-Drucker, Drohnen, selbstfahrenden Autos, etc. – hören, stagniert die Produktivität in allen modernen Gesellschaften. «Neue Technologien haben für spektakuläre Schlagzeilen gesorgt, aber für bescheidene wirtschaftliche Resultate», spottete jüngst Paul Krugman in der «New York Times». 

Die Produktivitätsschwäche ist überall

In den USA stagniert die Produktivität nicht nur, sie ist gar leicht rückläufig. «Auf den ersten Blick macht das überhaupt keinen Sinn», stellt Andrew McAfee in der «Financial Times» fest. Zusammen mit Erik Brynjolfson hat er den Bestseller «Second Machine Age» verfasst, in dem er die wirtschaftlichen Folgen der Roboter-Revolution beschreibt.

Die Produktivitäts-Schwäche hat alle entwickelten Wirtschaften erfasst. Auch die Schweiz leidet darunter. Frank Schmidbauer, zuständig für die Konjunkturforschung beim Seco, stellt in der Fachzeitschrift «Die Volkswirtschaft» fest: «Das seit vielen Jahren im internationalen Vergleich eher bescheidene Produktivitätswachstum in der Schweiz hat sich noch weiter abgeschwächt: von durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr im Zeitraum 1992-2002 auf 0,9 Prozent im Zeitraum 2003-2013.» 

In der Autoindustrie klappt es mit den Robotern. bild: Shutterstock

Dass die Produktivität wächst, ist von grosser Bedeutung, vor allem in Ländern, in denen die Bevölkerung immer älter wird. Weil die Last der Altersvorsorge auf immer weniger Arbeitnehmer verteilt wird, ist es entscheidend, dass diese immer mehr leisten, sonst kracht irgendwann das System zusammen. 

«Man kann das Computer-Zeitalter überall sehen – ausser in den Produktivitätsstatistiken.»

Robert Solow

Ökonomen der verschiedensten Richtungen versuchen deshalb, das Rätsel der schwindsüchtigen Produktivitätsentwicklung zu entziffern. Sie haben für uns eine gute und eine schlechte Nachricht.

Zuerst die gute: Die schwindende Produktivität hat mit den Schwierigkeiten der Finanzbranche seit 2008 zu tun. Weil die Regulierung schärfer geworden ist, ist die Wertschöpfung pro Kopf bei Banken gesunken. Angesichts der teils grotesken Auswüchse in der Finanzbranche ist das eine positive Entwicklung.

Jobs entstehen in den Dienstleistungen

Neue Jobs werden zudem in Branchen geschaffen, in denen sich die Produktivität nur schwer steigern lässt. Der Ökonom William Baumol hat dazu ein Gesetz aufgestellt. Es lässt sich etwa am Beispiel des Coiffeur-Berufes beschreiben: Haareschneiden lässt sich nicht automatisieren, deshalb wird der Coiffeur im Verhältnis zu anderen Produkten immer teurer, obwohl der Coiffeur selbst nichts davon hat.

Haareschneiden lässt sich nicht automatisieren. Bild: Claudia Minder/freshfocus

Die zunehmende Technisierung und Automatisierung der Industrie führt dazu, dass immer mehr Arbeitnehmer in Bereiche abgedrängt werden, in denen sich die Produktivität kaum steigern lässt. Auch in der Schweiz sind in den letzten Jahren am meisten Jobs im Gesundheitswesen, in der Ausbildung und in der Verwaltung geschaffen worden.

Zu wenig Investitionen in neue Produkte und die Infrastruktur

Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht: Die sinkende Produktivität hängt auch mit der grassierenden Sparwut von Unternehmern und öffentlicher Hand zusammen. Manager kaufen lieber die Aktien ihres eigenen Unternehmens zurück als in neue Produkte zu investieren. In vielen Ländern ist wegen der vorherrschenden Austeritäts-Doktrin in den letzten Jahren viel zu wenig für Infrastruktur und Bildung ausgegeben worden. Beides zusammen hemmt das Wachstum der Produktivität – und stellt damit die Zukunft unserer Altersvorsorge vor grosse Probleme.  

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Charly Otherman, 5.5.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Matthias Studer 15.06.2015 17:39
    Highlight Hm, in einen Punkt geht der Artikel nicht auf. Die Finanzbranche produziert nichts. In dem Sinn kann sie nicht produktiv sein. Sie vermehrt zwar Geld, in dem jemand Schulden bei ihnen macht. Davon bekommen sie Zinsen, die ein Arbeiter (ganz an Schluss der langen Schlange), mit Arbeit (produktiv) abarbeiten.
    6 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 20:13
      Highlight Die Finanzbranche wurde immer mehr zu einer Geissel der Gesellschaft.
      2 0 Melden
    • Matthias Studer 15.06.2015 21:31
      Highlight Glaube eher umgekehrt.
      4 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 22:01
      Highlight Glaube nicht. Gut ich sollte vielleicht präzisieren. Diese arroganten Investmentbanker würden niemandem fehlen wenn es sie nicht mehr gäbe.
      3 0 Melden
  • rYtastiscH 15.06.2015 16:36
    Highlight Ich hab keine fundierte Kenntnisse in Ökonomie, daher verzeiht falls die Frage lächerlich ist. Es wird hier ja von einem Produktionswachstum gesprochen. Also wenn wir sagen, in der Schweiz ist das Produktionswachstum um so und so viele Prozentpunkte zurück gegangen, ist es ja immer noch gewachsen?! In den USA sei es gar rückläufig. Daraus suggeriere ich, es wäre optimal, wenn das Produktionswachstum Jahr für Jahr steigt. Den Unternehmer freut es. Aber wo ist da bitte der sozialökonomische Nutzen? Und wohin würde das in der Theorie führen? Absurd...
    13 1 Melden
    • SeKu 15.06.2015 16:47
      Highlight Ja.
      Sie haben es kapiert und treffend zusammengefasst: Absurd.
      Bei den allermeisten Ökonomen und den Superreichen mit ihren politischen Hampelmännern (lies: "bürgerliche" Politiker) muss immer alles wachsen. Also muss auch das Wachstums des Wachstums des Wachstums des Wachstums des Wachstums des Wachstums des Wachstums des Wachstums u.s.w. wachsen.
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