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Apple verweigert rauchender Schweizerin die Reparatur – wegen Nikotin im Mac

Als ihr iMac kaputt ging, wandte sich eine Schweizer Kundin an den Apple Store – und erlebte ihr blaues Wunder. Keine Höchstnoten gibts auch fürs Radio SRF, das nicht ganz «sauber» berichtete. 

25.06.15, 12:25 25.06.15, 15:08

Es gibt Geschichten, die klingen so unglaublich, dass es weh tut. 

Und dann stellt sich heraus, dass sie wahr sind. Zumindest zum grössten Teil.

Wie in diesem Fall, der eine Schweizer Mac-Nutzerin betrifft.

Wobei die Journalistin, die für das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» arbeitet und den Fall am Donnerstag publik gemacht hat, in ihrem Fazit übers Ziel hinausschoss. Aber dazu später mehr...

Der Fall trug sich laut Schilderung auf der SRF-Website wie folgt zu:

Die Frau, die häufig zuhause arbeitet, musste ihren iMac in die Reparatur geben, weil er plötzlich den Geist aufgab.

Zum Glück hatte sie eine kostenpflichtige Garantieverlängerung bei Apple abgeschlossen.

«Unsere offizielle Politik beinhaltet, dass Nikotin eine gefährliche Substanz ist (...)»

Apple USA

Umso erstaunter war sie, als man ihr im Apple Store nach kurzem Augenschein die Diagnose eröffnete: Die Festplatte sei wegen Nikotinablagerungen (durch Zigarettenrauch) kaputt gegangen. 

Und es kam noch schlimmer: Am Telefon wurde der Frau wenig später vom Apple-Support eröffnet, dass Apple das defekte Gerät nicht reparieren werde. Begründung: Dies sei zu gefährlich. Das abgelagerte Nikotin könnte die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen ...

Apple Schweiz wollte laut «Espresso» auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Das ist bei dem Fall nicht weiter verwunderlich. 

Dafür gab es dann vom Hauptsitz des US-Konzerns im kalifornischen Cupertino eine schriftliche Stellungnahme. Und die hat es in sich: «Unsere offizielle Politik beinhaltet, dass Nikotin eine gefährliche Substanz ist und dass Produkte, die damit belastet sind, nicht sicher behandelt werden können, weil sie das Reparaturteam einem möglichen Gesundheitsrisiko aussetzen.»

Ein altbekanntes Problem

Der Fall ist bizarr, aber kein Novum, was das Verhalten des US-Computerherstellers betrifft. Wer im Internet sucht, findet einige alte Fälle, in denen Apple rauchenden Kunden die Reparatur eines defekten Geräts verweigerte. 

Das US-Konsumentenschutz-Magazin Consumerist berichtete 2009, dass das Rauchen in der Nähe von Apple-Computern nicht nur die Gesundheit gefährde, sondern auch die Garantie für das Gerät zunichte mache.

Ist das in der Schweiz legal?

Die Antwort lautet Nein. Zumindest sagt dies die Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner, die von «Espresso» wie folgt zitiert wird: «Erstens hätte Apple die Kundin beim Kauf auf einen solchen Garantieausschluss aufmerksam machen müssen. Und zweitens wäre ein solcher Ausschluss auch nur zulässig, wenn die Gesundheit der Mitarbeiter wirklich in Gefahr wäre.»

Apple Schweiz wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen, wo es in den Garantiebestimmungen eine Raucher-Klausel gibt. Die Suche nach dem Wort «Nikotin» ergab auf der Apple-Website keinen Treffer...

«Die Mengen an Nikotin, mit denen man in diesem Fall rechnen muss, sind so niedrig, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine akute Gefährdung für die Mitarbeiter von Apple darstellen kann.»

Prof. Dr. Michael Arand, Universität Zürich

Entwarnung geben kann man auch, was die gesundheitliche Gefährdung durch Nikotinablagerungen auf Computern betrifft. «Espresso» hat mit dem Toxikologen Michael Arand von der Universität Zürich gesprochen. Dessen Einschätzung: «Die Mengen an Nikotin, mit denen man in diesem Fall rechnen muss, sind so niedrig, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine akute Gefährdung für die Mitarbeiter von Apple darstellen kann.»

Der «Clou» der Geschichte ist falsch

Als wäre die Geschichte nicht schlimm genug, ging es noch skurriler weiter. Nachdem Apple der Mac-Besitzerin nicht helfen wollte, empfahl man ihr, sich für die Reparatur an die Schweizer Partnerfirma Data Quest AG zu wenden. Der Computerfachhändler betreibt Filialen in mehreren grossen Städten und darf als autorisierter Apple-Partner unter anderem auch Service-Leistungen anbieten.

Und bei Data Quest löste sich das angebliche Problem mit dem gefährlichen Nikotin in Rauch Luft auf. Der Techniker sagte der Frau, dass die Ablagerungen im normalen Rahmen liegen würden. Weder sei eine Reparatur gefährlich, noch habe das Nikotin etwas mit dem Defekt zu tun. Schuld sei vielmehr ein Fabrikationsfehler bei der Festplatte. Apple habe für genau diese Ausführung einen Rückruf gestartet.

In ihrem Fazit verschweigt die SRF-Journalistin, dass sich die betroffene Kundin einige Tage vor Bekanntwerden der Rückrufaktion an den Apple Store gewendet hatte. Die Mitarbeiter konnten zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht von der Rückrufaktion wissen. Der Vorwurf, dass Apple den Fehler «sofort» hätte bemerken müssen, ist demnach falsch.

Störend ist aber allemal, dass rauchende Kundinnen und Kunden damit rechnen müssen, von Apple keinen Support zu erhalten, sondern mit fragwürdiger «Begründung» an eine Drittfirma verwiesen werden.

Apple ruft iMac-Festplatten zurück

Apple hat am vergangenen Freitag ein «iMac-Austauschprogramm für 3-TB-Festplatten bei 27-Zoll-Modellen» gestartet. Die Rückrufaktion betrifft Kunden, die das 27-Zoll-Modell zwischen Dezember 2012 und September 2013 erworben haben. In «seltenen Fällen» könne es bei den verbauten Festplatten «unter bestimmten Bedingungen zu Ausfällen kommen». Registrierte Kunden wurden benachrichtigt. Weitere Informationen gibt es auf dieser Apple-Webseite.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chaose 20.07.2015 13:39
    Highlight Nachvollziehbar. Nikotin-Ablagerungen sind kein Spass für die Elektronik. Wenn ich Teer über mein iPad leere, erwarte ich ja auch keine Gratis-Reparatur.
    1 0 Melden
  • Maria B. 26.06.2015 23:31
    Highlight Apple leidet an Verhältnisblödsinn, denn wenn ihnen die Sorge für ihre weltweiten Mitarbeiter derart am Herzen liegen würde, müssten man dort zuerst einmal vor der eigenen Türe wischen : http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/china-skandaloese-arbeitsbedingungen-bei-weiteren-apple-zulieferern-a-913465.html
    4 1 Melden
  • AnnaX 25.06.2015 15:09
    Highlight Mir ist das gleiche vor 2 jahren passiert ist also kein Einzelfall in der Schweiz.
    10 0 Melden
  • oanday 25.06.2015 13:59
    Highlight Am Besten auch gleich nicht mehr innerhalb von grösseren und verkehrsbelasteten Städten telefonieren, das iPhone könnte dadurch zerstört werden. Und die Pollen in der Luft, ganz hässliches Thema. Und zu Hause das Handy am Besten gleich in einen Plastikbeutel legen und gut verschliessen, Hausstaub lässt grüssen!
    35 7 Melden
  • Tatwort 25.06.2015 13:54
    Highlight Apple verbaut in seinen Rechnern hochgiftige Substanzen. Nach Apples "Logik" dürften also die Apple-Angestellten gar nicht in einem Apple-Shop arbeiten...
    45 9 Melden
    • Sir Jonathan Ive 08.07.2015 16:04
      Highlight welche gefährlichen substanzen werden denn da verbaut?
      Soweit ich das weiss legt apple genau wert daraug keine Gefährlichen substanzen einzubauen und wird dafür auch von Organisationen wie Greenpeace gelobt.
      Hab das dazu gefunden...
      http://www.apple.com/chde/environment/toxins/
      ist allerdings nur von der ofiziellen apple seite, weshalb darauf auch nicht zu hundert prozent zu zählen ist. Allerdings hat watson mal einen Artikel verfasst zum Greenpeace Clean Energy Report 2015 indem diese Informationen bestätigt sind. Vieleicht finde ich den Report das kann ich hier einen Link posten.
      1 0 Melden
    • Tatwort 08.07.2015 18:59
      Highlight Mach es Dir doch einfach und schau hier nach:
      http://netzfrauen.org/2013/09/11/apple-blutige-geschaeft-mit-iphone/
      0 0 Melden
  • stiberium 25.06.2015 13:34
    Highlight Scho noch schlau von Apple. Für nicht nachvollziehbare defekte ist dann halt das Rauchen schuld. ^^
    21 3 Melden
  • Der Tom 25.06.2015 13:33
    Highlight ja und jetzt mal überlegen wo sich dieser Rauch sonst noch überall ablagert. Eine riesen Sauerei diese Raucherei.
    15 29 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 25.06.2015 13:31
    Highlight Ha ha, was für eine abstruse Geschichte! Ob sich Apple wohl auch so für die Gesundheit der Mitarbeiter bei Foxconn einsetzt?
    42 6 Melden
  • Ernesto_Mueller 25.06.2015 13:22
    Highlight "Dies sei zu gefährlich. Das abgelagerte Nikotin könnte die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen ..."
    Wie nett von Apple - erzählt das den Kindern wenn sie die iPhone etc. zusammenbauen!
    35 7 Melden
  • Robson-Rey 25.06.2015 12:46
    Highlight Was jetzt? Espresso oder Nespresso?
    7 1 Melden
    • @schurt3r 25.06.2015 13:10
      Highlight Ein freudscher Verschreiber. Zu wenig Kaffee ;-)
      23 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 25.06.2015 12:31
    Highlight Habe auch mal bei einem Premium-Reseller gearbeitet und was schon für Geräte zu Reparatur erhalten haben. Wenn ein Mac nach Zigaretten stinkt und ganz gelb ist (jap das war er?!). Dann fragt man sich schon.
    31 6 Melden
    • dokugamer 25.06.2015 15:20
      Highlight Bei mir im Betrieb nennen wir diese Nikotin-Ansammlungen Moos xD
      7 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 26.06.2015 10:03
      Highlight Es gibt halt einfach Grüsel.
      3 0 Melden
  • Kza 25.06.2015 12:29
    Highlight Nespresso hat damit wohl eher wenig zu tun... ;)
    5 0 Melden
    • @schurt3r 25.06.2015 13:10
      Highlight Ja ja, ich streue Kaffeepulver auf mein Haupt :)
      20 1 Melden
  • Jaing 25.06.2015 12:26
    Highlight "Nespresso hat mit dem Toxikologen Michael Arand von der Universität Zürich gesprochen." George Clooney persönlich?
    24 0 Melden
    • @schurt3r 25.06.2015 13:12
      Highlight Nö. Sein persönlicher Assistent, Dr. Cappuccino
      37 1 Melden

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