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Ironie des Kapitalismus: Wo einst die SP die Einheitskasse bewarb, ist nun ein Vergleichsportal

Erinnern Sie sich? Mit einer im Herbst 2014 an der Urne deutlich gescheiterten Initiative wollte die Sozialdemokratische Partei (SP) eine öffentliche Krankenkasse einführen. Die Informationen zur Vorlage wurden über eine Website verbreitet und diese vergleicht mittlerweile Krankenkassenprämien.

Roman Seiler / Nordwestschweiz



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Diese Website vergleicht mittlerweile Krankenkassenprämien. bild: HO

Mit der Einheitskasse sollte unter anderem die «Geldverschwendung» der Krankenversicherer «für gigantische Werbekampagnen im Kampf um die besten Risiken» gestoppt werden. Informationen über die Vorlage verbreitete www.oeffentliche-krankenkasse.ch. Links auf diese Website finden sich noch heute auf der Internetseite der SP Schweiz.

Wer sich durchklickt, stösst nun auf ein Portal, auf dem ein Vergleich der Krankenversicherungsprämien angeboten wird. Oben links heisst es – beinahe ironisch: «Volksabstimmung gescheitert. Jetzt günstige Kasse finden».

Wer will, kann eine «unverbindliche Offerte für die am besten passende Krankenkasse» anfordern. Die Anfrage landet dann bei der 2media GmbH in Wallisellen (ZH). Die ist seit Februar 2015 eine Tochtergesellschaft der deutschen finanzen.de AG.

Diese Firmen sind darauf spezialisiert, sogenannte Leads zu generieren. Das bedeutet: Die Offertanfragen werden gegen ein Entgelt an Versicherer oder Vermittler weitergereicht, die so die Möglichkeit erhalten, potenzielle Kassenwechsler anzusprechen.

Eine der Kundinnen der 2media GmbH ist die Groupe Mutuel. Das Walliser Kassen-Konglomerat wuchs dank der Jagd nach gesunden und damit meist jüngeren Kassenwechslern, guten Risiken eben, in den letzten 20 Jahren enorm.

Damit fordert nun also ausgerechnet die Internetseite der Einheitskasseninitiative zu Kassenwechseln auf. Die kosten halt was. Genau das wollten die Befürworter der Einheitskasse unter anderem unterbinden. Daher verärgert SP-Nationalrat Jean-François Steiert, einst Mitglied des Initiativkomitees, die Kaperung der Internetseite.

Jean-Francois Steiert (SP/FR) aeussert sich zur Aufsicht ueber die soziale Krankenversicherung am Dienstag, 9. September 2014 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

SP-Mann Jean-François Steiert hat in der Sache das Nachsehen.
Bild: KEYSTONE

Sauerei!

«Das ist eine Sauerei», sagt er. Damit werde fälschlicherweise der Eindruck erweckt, die Informationen stammten von den Initianten, die für eine öffentliche Krankenkasse eingestanden sind: «Es ist leider üblich, dass alle möglichen Unternehmen auf dem Buckel der Versicherten Geschäfte machen.»

Dass ihre Internetseite nun für Kassenwechsel wirbt, haben sich die Einheitskassen-Befürworter selbst zuzuschreiben. Sie gaben die Domain frei, sagt SP-Sprecher Michael Sorg: «Machen können wir nichts. Wir entfernen nun die Links auf der Website der SP Schweiz und fordern die Kantonalparteien auf, das ebenfalls zu tun.»

Die Freigabe bemerkt hat der im Online-Marketing tätige, deutsche Kaufmann Gregor Zmuda. Er übernahm die Domain, die weniger als 20 Franken pro Jahr kostet, und baute sie zum Vergleichsportal um. Für jede auf www.oeffentliche-krankenkasse.ch generierte Offerte erhält Zmuda nun eine Provision.

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Morthen 21.01.2017 20:34
    Highlight Highlight Zuerst einmal ein grosses Dankeschön, dass solche Portale entlarvt werden! Aber was uns am meisten enttäuscht, dass die SP immer noch auf ihren Seiten die Verlinkungen weiterpflegt. Vielleicht bekommen die ja einen Teil von den Provisionen ab?

    Solange hier nicht einmal etwas von der SP unternommen wird, verlieren auch wir als Bevölkerung den Glauben an die SP. Versprechungen machen und danach die Backlinks immer noch präsent halten. Hier ist doch etwas faul...

    @Watson, uns würde uns nach nun 6 Monaten eine neue Recherche interessieren. Vielleicht mit einer Stellungnahme von SP!!!
  • giguu 28.05.2016 08:51
    Highlight Highlight Wie wärs mal mit einem Design to cost Ansatz im Gesundheitswesen und gedeckelten Prämien? Gibt das Leistungsabbau oder mehr Effizienz? Was meint ihr?
  • Mr. Meeseeks 27.05.2016 23:08
    Highlight Highlight Vermittler, Berater, Vertreter, Agenten. Willkommen im Dienstleistungsgesellschaftsneuland. Gelesen auf Watson, dann mit Google verifiziert und auf Facebook geteilt. Jetzt Twittern alle darüber. Ist halt so eine Sache mit dem Cyberzeugs - alle Profitieren, ausser ich. Kann den Gedanken leider nicht zu Ende führen, weil ich noch ein Youtubevideo drehen muss und mein Uberfahrer vor der Tür steht. Arbeitstitel: "Wie mach ich einen haufen Kohle, ohne Eigenleistung und verkaufe das als Fortschritt". Alles zum Wohle des Patienten.
  • Amboss 27.05.2016 21:35
    Highlight Highlight Haha, die SP...
    Ich habe gerade das Bild meiner frisch pensionierten Eltern vor mir und wie sie das Internet nutzen

    Sie wissen, es ist wichtig. Nutzen es auch. Schreiben Mails, besuchen Websites, schauen Fotos auf Facebook an.
    Aber sie haben die Zusammenhänge nicht ganz begriffen.
    Etwa so kommt mir die SP hier vor :)
    • meglo 28.05.2016 09:00
      Highlight Highlight Wenn Sie hier ihre Eltern verhöhnen, damit sie der SP ans Bein pinkeln können, beweisen sie hier kaum eigenes Fachwissen. Diesen Beweis bleiben Sie uns schuldig. Sie haben mit ihrem Beitrag höchstens bewiesen, dass es mit ihrer sozialen Kompetenz nicht weit her ist.
    • Amboss 28.05.2016 09:39
      Highlight Highlight Och jee. Bleib doch mal locker. Man kommt auch gut durchs Leben, wenn man nicht immer alles ganz bierernst nimmt.

      Und ich verhöhn doch meine Eltern nicht. Ich sag nur, sie sind nicht damit aufgewachsen und merken nicht alle Zusammenhänge. Wenn das schon verhöhnen ist - na dann...

      Und so verhält sich die SP hier: Domain freigegeben aber Verlinkungen nicht und dann jammern... Find ich witzig
  • RedWing19 27.05.2016 20:19
    Highlight Highlight Vergleicht lieber auf www.swupp.ch

    Ein Anbieter, bei welchem sämtliche Kassen verglichen werden und nicht nur diejenigen, die dafür bezahlen.
    • G. Schmidt 27.05.2016 22:39
      Highlight Highlight Oder das Startup www.moneyland.ch, hat neben Krankenkasse noch viel mehr Vergleiche :)

Die Detektiv-Gegner haben die Lufthoheit über die Stammtische vergeigt

Das Referendum gegen die Sozialdetektiv-Vorlage scheitert mit Ansage. Es ist schwieriger, die Problematik der Verhältnismässigkeit zu vermitteln, als haarsträubende Einzelfälle anzuführen. 

Gross war die Euphorie der Initianten des Sozialdetektiv-Referendums, als die nötigen Unterschriften beisammen waren. Tatsächlich haben sie Aussergewöhnliches geleistet und ein vom mit Versicherungslobbyisten durchsetzten Parlament abgenicktes Gesetz dem Stimmvolk zur Wiedervorlage empfohlen. Ohne Lobby, ohne viel Mittel, allein mit Crowdsourcing, Social Media und tollen Testimonials. 

Von da an ging es dann südwärts. Ausser der linken Internetpopulation konnte das Referendum keine …

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