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«Nutzt Schwäche in deiner Psyche»: Ex-Facebook-Präsident Parker warnt vor Sozialen Medien

10.11.17, 11:24 10.11.17, 11:41

Sean Parker Bild: AP

Der Erfinder der Musik-Tauschbörse Napster und frühere Präsident von Facebook, Sean Parker, warnt vor den Folgen der Nutzung Sozialer Medien. Diese seien darauf ausgelegt, Schwächen der menschlichen Psyche auszunutzen.

«Es ändert buchstäblich euren Umgang mit der Gesellschaft und untereinander» sagte Parker am Mittwoch (Ortszeit) auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebsite «Axios» in Philadelphia. «Es stört wahrscheinlich auf komische Weise Eure Produktivität. Gott allein weiss, was es mit den Gehirnen unserer Kinder macht.»

Am Anfang aller sozialer Netzwerke habe die Frage gestanden, wie man möglichst viel Zeit der Nutzer beanspruchen könnte und dabei ihre höchstmögliche Aufmerksamkeit bekomme.

«Und wir haben es trotzdem getan.»

Sean Parker

Um dieses Ziel zu erreichen, verpasse Facebook seinen Mitgliedern ab und an einen Dopamin-Kick, nämlich wenn ein anderer Nutzer auf die Posts reagiert. Das wiederum motiviere die Nutzer, ihrerseits mehr Inhalte und Reaktionen zu produzieren.

Dieser Mechanismus sei ein Kreislauf, eine Schleife der sozialen Bestätigung. Das sei genau die Art von Dingen, die sich ein Hacker wie er selbst ausdenken würde, «da es eine Schwäche in der menschlichen Psyche ausnutzt».

Die Erfinder der Sozialen Medien - Mark Zuckerberg, Kevin Systrom von Instagram, aber auch er selbst - seien sich dessen bewusst gewesen. «Und wir haben es trotzdem getan.» Früher habe er Freunden, die Sozialen Medien skeptisch gegenüber standen, gesagt «am Ende bekommen wir dich auch». Inzwischen verweigere er sich selbst den Netzwerken, sagte Parker, der durch seine Facebook-Anteile zum Milliardär wurde. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 11.11.2017 21:33
    Highlight Glaubt Hugo Stamm tatsächlich, dass sich die Gespenster darum kümmern, ob er an sie glaubt oder nicht?
    0 0 Melden
  • rodolofo 11.11.2017 08:50
    Highlight Ach Gott, am Ende ist alles eine Sucht...
    Wenn einer vom Saulus zum Paulus wird und von der "Dunklen Seite der Macht" zu den guten Jedi-Rittern konvertiert, läuten bei mir sämtliche Alarmglocken!
    Dieser clevere Geschäftsmann will gleich den doppelten Gewinn einfahren:
    Erst einsteigen, aber so richtig und fette Kohle machen.
    Und dann aussteigen, aber so richtig, und auf einer erworbenen Bio-Ranch unschuldige Hippies mit Blumen in den Haaren um sich scharen und Kurse geben in "Life-Life-Balance" und in "Tantra-Sex-Joga"...
    Wer fällt darauf rein?
    Ich nicht!
    (Ich wollte sofort aussteigen.)
    1 3 Melden
  • Therealmonti 11.11.2017 08:12
    Highlight Dies bestätigt meine Meinung: Je doofer, desto Social Media.
    2 4 Melden
    • rodolofo 11.11.2017 09:30
      Highlight Also bist du auch doof, da Du Dich hier auf Social Media äusserst.
      4 3 Melden
    • Therealmonti 11.11.2017 10:50
      Highlight @rodolofo. Kann schon sein. Ich denke aber, es ist nicht das Gleiche, ob man in seiner Online-Zeitung (watson), eine Meinung äussert oder auf Facebook, Twitter und anderen Social Media der Welt kund tut, was man grad futtert oder wo man einen Drink kippt und dann auf "likes" wartet.
      4 2 Melden
    • Rendel 11.11.2017 13:46
      Highlight Na, von Leuten die ich kennen die auf Facebook sind, passiert dort schon auch viel anderes und man stellt z.B. auch sinnvolle Projekte auf die Beine, die man dann in der realen Welt zusammen umsetzt. Es ist nicht alles ganz so oberflächlich, wie es sich manche vorstellen.

      Hier seine Meinung zu äussern, ist auch nicht sinnvoller, als ein Bild von seinen Kochkünsten auf Instagramm zu stellen.
      2 2 Melden
    • Therealmonti 11.11.2017 16:40
      Highlight Aha, Rendel, und darum wohl äusserst Du hier Deine Meinung.
      1 1 Melden
    • Rendel 11.11.2017 18:00
      Highlight Ja, warum nicht? Ich postete auch schon Fotos von gekochtem Essen, bevor es Instagram gab 😁 .
      1 0 Melden
  • Spooky 11.11.2017 04:42
    Highlight Er hat recht: Die Realität ist demokratisch.

    Und genau darum merken wir gar nicht mehr, in was für einer blöden Blase wir sind.

    Was ist schlimmer: Auf einem Scheiterhaufen verbrannt oder von sozialen Medien gemobbt oder von Psychopharmaka zerstört zu werden?
    2 1 Melden
    • rodolofo 11.11.2017 09:31
      Highlight Am schlimmsten ist es, in einer Sozialen Blase von der Pharma-Industrie gemobbt zu werden.
      3 2 Melden
    • Spooky 11.11.2017 20:25
      Highlight @rodolofo
      Du hast recht. Allgemein gesagt: Wer als Antagonist ein geschlossenes System überlebt, der überlebt alles.
      3 0 Melden
    • rodolofo 12.11.2017 09:42
      Highlight @ Spooky
      Ich meinte das eigentlich mehr als Witz.
      Aber wenn Du sagst, dass ich recht habe, dann schmeichelt mir das natürlich...
      Also meinte ich es wohl doch auch ein wenig ernst.
      2 0 Melden
  • Rendel 10.11.2017 15:42
    Highlight Es ist keine Schwäche, wenn Menschen soziale Bestätigung brauchen. Es dient dem Zusammenhalt der Gruppe und Menschen sind Gruppenwesen. Das ist biologisch eine Stärke für Menschen.

    Schwach ist es menschliche Eigenheiten auszunutzen. Sowas tun besonders Psychopathen, die nennen auch menschliche Eigenheiten ganz gern Schwäche!
    9 3 Melden
    • Saraina 12.11.2017 10:26
      Highlight Dummerweise reagieren Menschen auch auf das Placebo von sozialer Bestätigung, was den realen Zusammenhalt der Gesellschaft empfindlich schwächt.

      Im übrigen zielt auch Propaganda, oder feiner gesagt Werbung, auf diese Eigenheit des zugehören Wollens.
      0 0 Melden
  • Quamo 10.11.2017 15:10
    Highlight Die Menschen können sich auf dem Internet und in sozialen Medien Gruppen anschliessen von denen sie nur positive Rückmeldungen auf ihre Ideologien und Ansichten erhalten, die Leute schliessen sich in einer Blase ein, polarisieren sich und wenn Sie mit anderen Ansichten konfrontiert werden, können sie nicht damit umgehen.

    (nach aussage des Kanadischen Psychologen Jordan b. Peterson)
    5 0 Melden
    • Rendel 10.11.2017 16:46
      Highlight Da fehlt die Kritik an Facebook, in der These des Psychologen. Facebook fördert Blasen. Menschen haben natürlich das Bedürfnis nach sozialem Zusammenhalt, das ist völlig ok. Facebook nutzt das ganz fies aus und verstärkt perfide und auf unnatürliche Weise, was nicht sein soll.
      5 0 Melden
  • Enzasa 10.11.2017 12:39
    Highlight Er hat das getan, was jede Werbeabteilung für ihr Produkt macht.
    Niemand ist den sozialen Netzwerken hilflos ausgeliefert und Kinder brauchen Eltern die soziale Netzwerke kennen um sie um Umgang damit zu unterstützen.
    Ich gebe ihm Recht was den Umgang untereinander angeht. Meiner Meinung nach waren öffentliche Diskussionen noch nie so unsachlich beleidigend und ausgrenzend.
    13 0 Melden
    • Rendel 10.11.2017 17:08
      Highlight Es geht schon noch einen Schritt weiter was Facebook macht, als konventionelle Werbung. Wenn ich ein Waschmittel wegen der Werbung kaufe, dann bin ich an das Produkt gebunden aber zeitlich nicht. Ich werde auch nicht mit Leuten zusammengebracht, die das gleiche Waschmittel nutzen und mich dafür loben. Facebook geht viel weiter!
      3 0 Melden

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Kerem Schamberger ist äusserst aktiv auf Facebook. Jeden Tag schreibt er über politische Vorgänge in der Türkei, über kurdische Aktivisten, die verhaftet worden sind, über verschwundene Journalisten, über Anti-Erdogan Demonstrationen. Er übersetzt türkische Zeitungsartikel ins Deutsche und stöbert Nachrichten über Rojava auf, ein de facto autonomes Gebiet in Syrien, in dem die Kurden einen freiheitlichen Staat errichten wollen.

Schamberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für …

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