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Strom aus dem Smartphone: Das neu entwickelte Gerät wird an die Lautsprecherbuchse des Handys angeschlossen und kann dann eine Infektion mit Syphilis oder dem HI-Virus nachweisen. bild: Samiksha Nayak/ Columbia Engineering

Labor in der Hosentasche

Teste dich mit dem Smartphone in 15 Minuten auf HIV und Syphilis

In wenigen Minuten kann ein mobiler Bluttest eine Infektion mit HIV oder Syphilis nachweisen. Der Strom für das Gerät kommt aus dem Smartphone. Die Technik soll in Entwicklungsländern eingesetzt werden, hat aber noch Mängel.

09.02.15, 21:02 10.02.15, 09:28

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Ein neuer Bluttest im Taschenformat kann eine HIV- und Syphilis-Infektion in nur 15 Minuten nachweisen. Der besondere Clou: Als Energiequelle und zum Anzeigen der Testergebnisse benötigt das kleine Gerät lediglich ein handelsübliches Smartphone.

Das Gerät sei speziell für Gegenden auf der Welt entwickelt worden, in denen nicht rund um die Uhr Elektrizität verfügbar sei, berichten Samuel Sia von der Columbia University in New York und Kollegen im Fachmagazin Science Translational Medicine. Der Test soll dabei helfen, die Übertragung von Infektionskrankheiten von Schwangeren auf ihr Kind zu verhindern: «Wir wissen, dass eine frühe Diagnose und Behandlung von Schwangeren negative Folgen sowohl für die Mutter als auch für das Baby stark reduzieren kann», sagt Sia.

Sparsames Minilabor: Das Gerät braucht nur 2,4 Prozent der Ladung eines modernen Smartphone-Akkus, berichten Forscher. Um den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, wurde auf eine elektrische Pumpe verzichtet. bild: samiksha nayak/ columbia engineering

Unterdruck ersetzt stromfressende Pumpe

Das Testgerät erfordert nur eine winzige Menge Blut aus der Fingerspitze. Die Blutprobe wird verdünnt auf eine Einwegkassette aufgetragen und in das Gerät geschoben. Der Test weist dann einen HIV-Antikörper und zwei verschiedene Syphilis-Antikörper nach.

Um den Energieverbrauch zu verringern, haben die Konstrukteure auf eine elektrische Pumpe verzichtet. Stattdessen muss der Bediener per Knopfdruck einen Unterdruck erzeugen, um die Chemikalien in die Reaktionskammer zu ziehen. Für optische Tests bauten Sia und Kollegen sparsame LEDs und Fotodioden in das Gerät ein.

Die Energie für das Testgerät kommt aus der Kopfhörerbuchse des Smartphones. Weil diese Buchsen genormt sind, können Smartphones aller Hersteller genutzt werden. Auf demselben Weg werden die Analyseergebnisse ins Smartphone übertragen. Für den gesamten Test verbraucht das Gerät den Forschern zufolge lediglich 2.4 Prozent der Ladung eines modernen Smartphone-Akkus.

Viel zu viele Fehldiagnosen

Die Verbindung über die Kopfhörerbuchse sei ein grosser Vorteil des Tests, sagt die Diagnoseberaterin Teri Roberts von «Ärzte ohne Grenzen». Allerdings hält Roberts das Gerät für nicht so kostengünstig, wie es die Forscher darstellen: 34 Dollar müssten für einen Test ausgegeben werden, während mit dem 18'000 Dollar teuren Laborgerät zahlreiche Diagnosen durchgeführt werden könnten. Auch gebe es schon andere, günstige Geräte.

Entwicklung noch am Anfang: Externe Experten halten das Testverfahren noch für zu teuer. Auch ist das Gerät mit 14 falsch positiven Testergebnissen unter 100 Personen deutlich zu ungenau. bild: samiksha nayak/ columbia engineering

«Es ist eine interessante Konstruktion, auch die Tests sind von der Idee her sehr gut», sagt Norbert Brockmeyer, Leiter des Zentrums für sexuelle Gesundheit an der Ruhr-Universität Bochum. Ihm gefällt vor allem, dass zwei verschiedene Syphilis-Antikörper diagnostiziert werden. Dadurch könne geklärt werden, ob nachgewiesene Antikörper von einer früheren oder einer akuten Erkrankung herrühren.

Allerdings hapere es an der Genauigkeit: Bei einem Testlauf an 96 Patienten in Ruanda hatte das Gerät in 14.4 Prozent der Fälle eine Infektion angezeigt, obwohl zugleich durchgeführte Labortests keine Erkrankung ergaben. «Das Testgerät ist offenbar noch nicht ganz ausgereift», sagt Brockmeyer. Seiner Ansicht nach ist die Miniaturisierung von Diagnosegeräten jedoch ein Forschungsgebiet, auf dem in den kommenden zehn Jahren viel zu erwarten ist.

Bei den Patienten in Ruanda kam das Gerät jedenfalls gut an: Laut der Studie befürworten sie den Test vor allem deshalb, weil kein Blut mit der Nadel abgenommen werden muss, weil gleich zwei Krankheiten nachgewiesen werden können und weil das Ergebnis schnell verfügbar ist.

(jme/dpa)

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