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Das chinesische Brettspiel Go ist weitaus komplexer als Schach.  Bild: EPA/EPA

AlphaGo: Googles künstliche Intelligenz lernt unfassbar viel schneller als wir Menschen

2016 besiegte Googles künstliche Intelligenz den weltbesten Go-Spieler. Der Nachfolger AlphaGo Zero hat nun in kurzer Zeit mehr über das Spiel gelernt, als Menschen in tausenden Jahren. Die selbstlernende Software hat gar für Menschen völlig neue Spiel-Taktiken entwickelt.

18.10.17, 19:06 19.10.17, 06:40

Das Aufsehen war gross als die Google-Software AlphaGo 2016 den Spitzenspieler Lee Sedol im Brettspiel Go besiegte. Forscher haben die Software nun unter dem Titel «AlphaGo Zero» weiterentwickelt. Das System lernte das Spiel ohne menschliches Zutun und besiegte auch seine Vorgängerversionen.

AlphaGo hatte sich unlängst mit einem glatten 3:0-Sieg gegen den vermutlich weltbesten Go-Spieler Ke Jie durchgesetzt. An diesem und weiteren Erfolgen der lernenden Software wurde ersichtlich, wie weit die Entwicklung sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) bereits fortgeschritten ist. Das System stammt von der britischen Firma DeepMind, die vor mehr als drei Jahren vom US-Konzern Google übernommen wurde.

Besonders überraschend waren die Fähigkeiten von AlphaGo, weil das rund 3000 Jahre alte asiatisch Spiel spezielle Anforderungen stellt, die bisher eher dem menschlichen Geist exklusiv zugebilligt wurden. Angesichts nahezu unbegrenzter Möglichkeiten für Züge, ist nämlich viel Intuition, kreatives Denken und Lernfähigkeit gefragt.

Googles künstliche Intelligenz AlphaGo liess dem weltbesten Go-Spieler Ke Jie keine Chance. Bild: EPA/EPA

Während AlphaGo seinen virtuellen Geist noch am Studium von Millionen Zügen von menschlichen Top-Spielern über Monate hinweg gestärkt hatte, gingen die Wissenschaftler um David Silver von DeepMind in London nun andere Wege. Von den Ergebnissen berichten sie im Fachblatt «Nature».

Künstliche Intelligenz soll komplett ohne menschliche Hilfe Lernen

Im Zentrum stand der Gedanke, ein System zu bauen, welches das Spiel ohne Anschauungsmaterial von der Pike auf selbst erlernt und auf sich alleine gestellt weiterentwickelt – also «komplett ohne menschliche Intervention funktioniert», erklärte Silver.

Die Fähigkeit, ein System dazu zu bringen, etwas annähernd von null auf zu erlernen, sei vor allem dann wichtig, wenn es darum geht, eine Form von KI zu entwickeln, die sich selbstständig auf für sie neue Aufgaben jeglicher Art einstellt. Am Ende strebe man die Entwicklung eines Algorithmus an, der potenziell auf jedes Problem angesetzt werden kann, so der Forscher.

Das neue System begann mit nur minimaler Startinformation über die Regeln und Beschaffenheit des Spiels, gegen sich selbst zu spielen. Grundlage von AlphaGo Zero ist ein künstliches neuronales Netzwerk, das darauf abzielt, die Auswahl der nächsten Züge des Programms und den Gewinner der jeweils gespielten Partien vorherzusagen. Für gewonnene Spiele wurde es durch ein Punktesystem belohnt. Dadurch «lernte» AlphaGo Zero mit jedem Spiel dazu.

AlphaGo Zero besiegt AlphaGo 100:0

Nach wenigen Tagen – allerdings immerhin nach fast fünf Millionen Partien gegen sich selbst – schlug das Programm alle seine Vorgänger. Jenes System, das mit den Siegen gegen die Spitzenspieler aufhorchen liess, ging mit einem klaren 100:0 unter. Dafür brauchte es weit weniger Rechenressourcen als AlphaGo, heisst es seitens DeepMind.

Nicht nur habe der Algorithmus sozusagen all das in kurzer Zeit herausgefunden, was Menschen in tausenden Jahren über das Spiel gelernt haben, er habe auch völlig neue Herangehensweisen entwickelt. «Ich denke, ich kann für das Team sprechen, dass wir alle angenehm überrascht darüber sind, wie weit sich das System entwickelt hat», sagte Silver.

Experten äusserten zwar einerseits ihre Anerkennung für die Arbeit des DeepMind-Teams, stiegen aber andererseits auf die Euphoriebremse: So hätten die Wissenschaftler in der Arbeit «selbst ja keine fundamentalen algorithmischen Neuerungen vorgestellt, sondern hauptsächlich existierende Verfahren clever kombiniert», erklärte Marcus Liwicki von der Technische Universität Kaiserslautern.

Die Anwendbarkeit des Ansatzes in anderen Bereichen wäre ausserdem eher eingeschränkt, da das System eben Millionen von Spielen durchführen muss, bei denen Erfolg eindeutig definiert ist, um derart gut zu werden. «Das ist in vielen praktischen Problemen jedoch nicht der Fall», so Liwicki.

(oli/sda/apa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Tom 18.10.2017 23:38
    Highlight Gut google dann lasst das Teil doch mal für euch arbeiten. Damit google translate keine Komödie mehr ist und ich nachdem ich einen TV gekauft habe keine Werbung für TV mehr angezeigt bekomme.
    12 1 Melden
  • W°^°||°^°W 18.10.2017 23:18
    Highlight Weshalb spielt die Schwarte den nicht Lotto anstatt dieses wenig lukrative Brettspiel? Müsste ja nach dem Bericht die Zahlen mit Leichtigkeit ausspucken. Erst wenn eine solche Krüke Zukunft immer 100% vorraus weiss, ist der Begriff KI von salonfähig. Euch Blitzern kann man natürlich schreiben was man will. Versteht eh nur Bahnhof.
    5 49 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.10.2017 08:34
      Highlight Lotto spielen hat mit Intelligenz rein gar nicht zu tun. Da gehts nur um Wahrscheinlichkeiten.
      26 2 Melden
    • W°^°||°^°W 19.10.2017 18:44
      Highlight Intelligenz hat mit schnell 0 und 1 rechnen nichts zu tun. Klar bei unendlicher Dummheit natürlich schon.
      0 8 Melden
    • Tikvaw 20.10.2017 18:42
      Highlight @Limit
      Aufgrund der Heisenbergsche Unschärferelation kann es gar nie eine "Maschine/KI/Gehirn/xyz" geben die immer 100% korrekt ist oder mit 100% Sicherheit etwas voraussagen kann.
      Deshalb wird es auch nie ein "Lottozahl voraus-berechner" geben, egal wie stark die Rechenpower auch sein mag.
      3 0 Melden
    • W°^°||°^°W 21.10.2017 18:26
      Highlight Danke Tikvaw
      Das sage ich im Prinzip schon lange. Es ist eine Anmassung von jenseitiger Herkunft der Begriff künstliche Intelligenz sowie die Ängste die damit geschürrt werden. Sicher können Rechner bestimmte Aufgaben viel besser als Menschen. Auch gewisses Lernen ist möglich anhand der heutigen Software und Datenbanken. Den 7. Sinn wird man aber einer Maschine noch lange nicht einhauchen können. Es ist spannend im Nachhinein zu checken wie Maschine schneller und "schlauer" Schach Partie gewann. Lösungen oder neue Erfindungen sind aber vermutlich mehr bis anhin ungedachte Umwege zum Ziel.
      2 0 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 18.10.2017 22:44
    Highlight OMG Skynet!

    Nein, Gratulation an die Programmierer.

    Grüße, der Terminator
    36 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 18.10.2017 22:26
    Highlight Der Fortschritt in diesem Bereich ist atemberaubend und segensreich.
    17 22 Melden
    • loplop717 19.10.2017 06:40
      Highlight Aber macht mir auch angst, wenn es so weiter geht wird es uns bald nicht mehr brauchen.
      5 5 Melden
    • Toerpe Zwerg 19.10.2017 08:31
      Highlight Diese Angst unbegründet. Menschen brauchen Menschen.
      6 3 Melden
  • grumpy_af 18.10.2017 22:03
    Highlight Eine Maschine ist viel schneller, weil sie nicht denken muss.
    13 14 Melden
    • rauchzeichen 18.10.2017 23:17
      Highlight maschine?!

      lesen, überlegen, schreiben.
      1 7 Melden
    • OmegaOregano 18.10.2017 23:47
      Highlight Auch die Maschine braucht ein Datenverarbeitungssystem. Sie denkt einfach auf ihre Weise.
      10 1 Melden
    • grumpy_af 19.10.2017 07:07
      Highlight Ja rauchzeichen, eine KI funktioniert ohne Maschine nicht. Und der Prozess des Denkens fällt weg, da ein Computer "nur" vergleicht, was wir schon wissen. Und das geht halt x-mal schneller.
      2 3 Melden
    • rauchzeichen 19.10.2017 10:10
      Highlight Eine Maschine ist eine mechanische Vorrichtung. Dieser Begriff ist hier volkommen deplatziert.

      Eine KI funktioniert nicht ohne Maschine?

      So n quatsch, Ein Rechner und tadaa, es läuft. Der Prozess des denkens funktioniert auch im menschlichen Hirn nicht unähnlich, wir vergleichen erlerntes und erfahrenes mit der aktuellen Situation und reagieren. Dabei streuen wir Hormone aus, was uns fühlen lässt. Versuch mal nicht die «Mensch ist voll überlegen und einzigartig» Brille aufzusetzen. Dann sind wir plötzlich kleine Würmchen auf einer hauchdünnen Insel, die um eine Explosion kreist.
      3 4 Melden
    • DerTaran 19.10.2017 12:18
      Highlight Das Wort Maschine wird in der Informatik durchaus als Synonym für Computer und Rechner oder auch für Software benutzt. Z.B. In der theoretischen Informatik: Turingmaschine. Oder ganz speziell, das Fachgebiet im obigen Umfeld heisst: Maschinelles Lernen (machine learning)
      Also: lesen, überlegen, schreiben
      5 0 Melden
    • grumpy_af 19.10.2017 13:13
      Highlight @rauchzeichen: ach herrje... Finde es so schön wie du praktisch meine Worte wiederholst, aber trotzdem mir widersprichst. Natürlich funktioniert ein Computer auf ähnliche Weise wie unser Gehirn. Nur kann der Computer mit massiv weniger Anstrengung 2+2 zusammenzählen. Darum ist er schneller. Und den Teil mit der Brille ignoriere ich einfach mal, weil es a) keinen Zusammenhang hat und b) komplett bescheuert ist.
      1 3 Melden
    • rauchzeichen 19.10.2017 13:40
      Highlight ich entschuldige mich dafür, nicht aus der informatik zu kommen und allgemeingebräuchliche definitionen zu verwenden. war wohl etwas spitzfindig von mir.
      1 2 Melden
    • rauchzeichen 19.10.2017 16:31
      Highlight grumpy, sie können anscheinend echt nicht lesen. ich wiederhole ihre worte nicht, ich führe sie aus. was ist denn der prozess des denkens, den wir haben sollen und eine ki nicht? ein computer vergleicht nicht was wir wissen, er vergleicht die daten, die er hat. genau wie wir. nur haben wir mehr verschiedene daten. die zeit, die er für deine 2+2 rechnung benötigt, ist schneller, weil er mehr recourcen für diese funktion zur verfügung hat, als unser hirn, das tausende andere dinge tun muss.

      ich kritisiere nicht unbedingt was sie sagen, die undifferenzierte art wie sie schreiben, ist es.
      3 2 Melden
  • EvilBetty 18.10.2017 21:29
    Highlight Natürlich lernt eine Maschine schneller, sie wird nicht müde, hat keine Konzentrationsschwächen, vergisst nicht... und das konstant in einer unfassbaren Geschwindigkeit.

    WAS FÜR EINE FUCKING ÜBERRASCHUNG!!!
    28 27 Melden
    • Toerpe Zwerg 18.10.2017 22:26
      Highlight Fucking Machines?
      11 4 Melden
    • c_meier 19.10.2017 00:05
      Highlight Nicht müde... DerGerät ist vor dem Chef im Gescheft... ;)
      12 0 Melden
  • Kong 18.10.2017 21:19
    Highlight Wieviele Jahre noch bis zur Singularität? Vermutlich wird in 10 Jh ein gewöhnlicher PC die neuronalen Fähigkeiten eines Menschen übertreffen.
    Auf der einen Seite toll was für Möglichkeiten sich auf tun... aber stimmt einen auch nachdenklich was die negativen Folgen sein werden.
    40 8 Melden
    • Firefly 18.10.2017 22:20
      Highlight Ne, vergiss es.
      8 16 Melden
    • Damien 19.10.2017 00:33
      Highlight Singularität kommt nach Superintelligenz. Die Gefahr ist, dass die Menschheit dabei links liegen gelassen wird.
      Wie der Artikel erkennen lässt, lernt eine künstliche Intelligenz um ein Vielfaches schneller als wir. Erreicht eine solche gewisse kognitive Fähigkeiten und hat Zugang zu einer ausreichend grossen Wissensdatenbank (Internet), kann es sich um einiges schneller zu einer Superintelligenz entwickeln als uns lieb ist.

      Der Unterschied zwischen Superintelligenz und Mensch wäre dann nicht etwa analog Einstein vs. normaler Mensch, sondern Mensch vs. Wurm.
      12 0 Melden
  • W°^°||°^°W 18.10.2017 21:19
    Highlight Hört doch auf. Sie rechnet nur sehr viel schneller im Rahmen der zur Verfügung gestellten Software Datenbanken. Geht auch theoretisch unlogische Lösungswege die ein Mensch nie auch nur im Entferntesten in Betracht ziehen würde und gewinnt daher im Go etc. Davon kann man lernen. Mit dem eigentlichen 7. Sinn der Menschen für dad ganze Leben odet anders gesagt mit echter Intelligenz im Leben hat das nichts zu tun. Die Maschine würde jeder mit Manipulation fertig machen und Tilt setzen. Stecker ziehen etc.
    4 42 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.10.2017 22:33
      Highlight Überleg dir einfach mal was die Kombination mit der Etherium Plattform bedeuten würde. Etherium ist nicht manipierbar. Und Stecker raus geht dann schon gar nicht mehr.
      Das ist alles mehr als nur Brute Force, und wird in seiner Konsequenz den Menschen bald beseitigen.
      5 15 Melden
    • W°^°||°^°W 18.10.2017 22:58
      Highlight @Bity. Nicht manipulierbar. In welcher Welt lebst den Du? Denk Du mal z.B. an WPA2 KRACK etc.
      Es gibt nichts was es nicht gibt. Der Mensch wird im Ganzen immer noch um Welten voraus sein, auch wenn er mehr Zeit benötigt, als so ein blöder 0 1 Taschenrechner.
      Schlaf gut un
      2 11 Melden
    • W°^°||°^°W 18.10.2017 23:04
      Highlight Erstaunlich wie wenige nur den Hauch von Verstand haben. Passt aber zu dem Zeitalter und den Medien.

      Normalerweise lassen sich Nerds und Cracks kaum auf so tiefes Niveau herunter und Zeit haben die sowieso nicht dem Kindergarten zu erklären was seit Jahrzehnten schon klar ist.
      7 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.10.2017 08:38
      Highlight Verstand ist das einzige auf der Welt das fair verteilt ist. Jeder ist der Meinung er hätte genug davon.
      6 1 Melden
    • W°^°||°^°W 19.10.2017 18:41
      Highlight Falsch Bity. Dummheit ist das einizige was die meisten mit Verstand verwechseln und im Überfluss vorhanden ist.
      1 0 Melden
  • Radiochopf 18.10.2017 20:48
    Highlight Und die Waffen Firmen träumen schon von ihren KI Waffen... das man damit vielleicht Krebs und andere Krankheiten schneller/besser heilen könnte interessiert die sicher wenig...
    6 15 Melden
    • Toerpe Zwerg 18.10.2017 22:24
      Highlight Es darf bezweifelt werden, dass "KI Waffen" ein nennenswertes Potential zur Heilung von Krebs und anderen Krankheiten haben werden.
      31 4 Melden

Für die SBB-App hagelt es miese Bewertungen – das steckt dahinter

Nach dem jüngsten Update von SBB Mobile fürs iPhone und für Android-Smartphones häuft sich die Kritik. Beschwerden gibts aber auch schon länger.

Von solchen Rezensionen träumt jeder App-Entwickler. Das oben zitierte Lob bezieht sich auf die SBB-App fürs iPhone. Allerdings ist der Eintrag des Users bereits acht Jahre alt.

Aktuell klingt es im App Store zur SBB-App so:

Oder:

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Resultat: Für die SBB-Mobile-App hagelt es Ein-Stern-Bewertungen und so hat die auf Millionen Geräten installierte App zurzeit eine historisch schlechte Note von 2,3 (von 5) Sternen.

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