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LeFloid alias Florian Mundt. Am Freitag trifft er Angela Merkel. screenshot. youtube

LeFloid: Wer ist der YouTuber, der Merkel interviewen darf?

Am Freitag darf LeFloid die deutsche Bundeskanzlerin befragen. Unter Jugendlichen ist der YouTuber ein Star, viele Erwachsene haben nie von ihm gehört. Vier Fragen und Antworten zum Videomacher.

10.07.15, 13:32 10.07.15, 13:44

Markus Böhm / spiegel online

Ein Artikel von

1. Muss man diesen LeFloid kennen?

Will man im Gespräch mit Jugendlichen nicht als jemand aus einer völlig anderen Lebensrealität auffallen, dann ja. LeFloid, der Freitag Angela Merkel interviewen darf, heisst eigentlich Florian Mundt, ist 27 und macht Videos für YouTube. LeFloids Videokanal existiert seit 2007, damit zählt er zu den dienstältesten deutschen YouTubern.

Der Kanal kommt mittlerweile auf 2,6 Millionen Abonnenten, er ist damit das viertbeliebteste deutsche Angebot. Die meisten Zuschauer von LeFloid sind 16 bis 24 Jahre alt. Auf Facebook hat der Videomacher 621'000 Fans, bei Twitter 565'000 Follower – das sind Grössenordnungen wie bei bekannten Nachrichtenseiten.

Die neuesten Videos von LeFloid kommen regelmässig auf mehr als eine Million Abrufe, ältere Clips mit klickträchtigen Vorschaubildern und Titeln wie «Vormittags Schülerin – Abends Hure» oder «Künstler nagelt Hoden am Boden fest» sammelten bis zu drei Millionen Klicks.

Obwohl LeFloid auch Videos zu Gaming-Themen macht und zwei weitere Kanäle betreibt, dürften ihn die meisten Nutzer mit dem Format «LeNews» verbinden. Darin präsentiert und kommentiert er jeden Montag und Donnerstag fünf bis acht Minuten lang eine Handvoll Nachrichtengeschichten. Die Bandbreite der Themen reicht von politischen Krisen über die Impfpflicht bis hin zum Leben auf dem Mars.

LeFloid pickt sich aus diversen Nachrichtenquellen vor allem das heraus, was Weitererzählpotenzial für den Pausenhof oder den Hörsaal hat. Damit eine Meldung für «LeNews» taugt, muss sie wohl mindestens den Blutdruck des Präsentators in die Höhe treiben. Das Format ist hochsubjektives Boulevard-TV, nur ohne Promiklatsch.

2. Warum ist LeFloid so beliebt?

Mit seiner Basecap und einem Stormtrooper-Kostüm hinter sich hat LeFloid einen Coolness-Bonus gegenüber allen Nachrichtensprechern, die sich mit gepudertem Gesicht abmühen, möglichst fehlerfrei in die Kamera zu sprechen. Wenn LeFloids Satzbau mal scheitert, ist das nicht peinlich, sondern authentisch und Teil des Konzepts, zu dem auch das Stimmeverstellen und übertriebenes Gestikulieren gehören.

In den bewusst hektisch geschnittenen «LeNews»-Clips ist LeFloids Rolle als empörter und leicht verwirrter Nerd so überzeichnet, dass man sie fast zwangsläufig unterhaltsam oder aber auf faszinierende Art unerträglich findet. Beides ist ein guter Vorwand, die Clips anzuschauen und LeFloid zu beobachten, wie er sich etwa ob der Dummheit von Politikern wieder einmal die Hand vors Gesicht schlägt.

Beim Publikum sammelt LeFloid aber auch auf weniger polemischen Wegen Sympathien: So fordert er nach fast jeder Meldung auf, das Thema zu kommentieren. Er inszeniert seine Meinung als Anlass für eine Diskussion und nicht deren Ende. Da ist es konsequent, dass er der Kanzlerin weniger seine Fragen stellen will, als solche, die ihm Fans unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel vorgeschlagen haben.

Screenshot aus einem LeFloid-Clip: Mit Basecap und Stormtrooper. screenshot: youtube

Im Oktober hatte sich LeFloid öffentlichkeitswirksam vom Vermarktungsnetzwerk Mediakraft getrennt, das mancher Zuschauer für den Inbegriff der Kommerzialisierung von YouTube hält. Zudem ist LeFloid im Vorstand des Vereins 301+, der sich für originelle Videoinhalte stark machen will. Zusammen mit SternTV startete er im Mai die Anti-Mobbing-Kampagne #NoHate.

Bei Medienschaffenden punktet LeFloid durch Interviews und Auftritte wie etwa auf der re:publica, bei denen er sich sehr selbstreflektiert präsentiert. So nimmt ihm auch kaum jemand übel, dass er als unabhängiger Kommentator von der Vertrauenskrise der traditionellen Medien wohl eher profitiert – obwohl er selbst Medieninhalte zitiert.

3. Wieso darf ausgerechnet LeFloid die Kanzlerin interviewen?

Politikern fällt es schwer, junge Menschen zu erreichen. Durch ein Gespräch mit LeFloid, das anschliessend im Netz landet, hat Angela Merkel die Chance, sich bei Hunderttausenden YouTube-Nutzern anzubiedern oder zumindest als netzaffin darzustellen. Eine ähnliche Idee hat schon US-Präsident Barack Obama umgesetzt. Er traf sich im Januar gleich mit drei beliebten Videomachern.

Dass Angela Merkel ausgerechnet LeFloid ein Interview gibt, erklärt sich durch die deutsche YouTuber-Szene. Dort sind Videomacher, die sich überhaupt mit politischen Themen beschäftigen, rar, und kein anderer ähnlicher Kanal erreicht eine solche Reichweite wie LeFloid. Beliebt sind hierzulande vor allem Kanäle, in denen es um Videospiele, Kosmetiktipps, Beziehungsthemen oder Sketche geht.

Mit LeFloid als Interviewer weiss Merkels Presseteam, was es bekommt: Man kann sich vergleichsweise sicher sein, dass er in Gegenwart der Kanzlerin keine Peniswitze macht, keine Markenprodukte ins Bild schmuggelt oder vor Nervosität zu kichern anfängt.

4. Kann LeFloid von seiner Arbeit leben?

Ja. LeFloid ist Vollzeit-YouTuber, das Konzipieren, Drehen und Schneiden der Videos sein Beruf. Er verdient sein Geld unter anderem dadurch, dass YouTube ihn an den Werbeeinnahmen beteiligt, die seine Clips generieren. Zusätzlich entwickelt er ein Format für das kommende Jugendangebot von ARD und ZDF und wirbt für die Techniker Krankenkasse. Seinen letzten Studentenjob hatte LeFloid nach eigenen Angaben Weihnachten 2012.

Nach seiner Trennung von Mediakraft ist LeFloid seit Kurzem beim zu ProSiebenSat.1 gehörenden Netzwerk Studio71 unter Vertrag. Die YouTube-Netzwerke helfen den Kreativen bei der Vermarktung, Finanzierung und Produktion von Videos, bekommen im Gegenzug aber einen Anteil der Umsätze.

LeFloid hat auch schon einige Fernsehauftritte bestritten. screenshot: youtube

Im Vergleich zu professionellen Nachrichtensendungen oder TV-Magazinen sind Sendungen wie «LeNews» oder Videospiel-Mitschnitte viel günstiger zu produzieren. Bei «LeNews» zum Beispiel gibt es kein Redaktionsteam im Hintergrund, was man LeFloid allerdings von Zeit zu Zeit wünschen würde. Etwa dann, wenn er mal eine dubiose Quelle heranzieht oder – wohl versehentlich – eine mehrere Jahre alte Geschichte über die sogenannte Sauerland-Gruppe als aktuelle News präsentiert. «Ich bin bloss eine Ein-Mann-Armee», erklärte er vor einigen Wochen dem Spiegel.

Für sein Merkel-Interview bekomme er kein Geld, schreibt der YouTuber auf Facebook. Das Video des Gesprächs soll kommenden Montag in LeFloids Kanal veröffentlicht werden.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 10.07.2015 15:23
    Highlight Wird bestimmt interessant. Ich mochte Lefloid nie wegen seinen Clickbait Titeln und den News ohne Hintergrundcheck. (Mehrmals auf Satire reingefallen) . Aber vielleicht überrascht er mich ja.
    5 0 Melden
  • Angribull2000 10.07.2015 14:51
    Highlight WTF?? dürft ihr das? einen 1:1 Abklatsch des Artikels von Spiegel.de veröffentlichen?
    0 9 Melden
    • F4Fred 10.07.2015 20:25
      Highlight ...
      8 0 Melden

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