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Fast wie die guten alten Matchbox-Autos. Bild: spiegel online

Die heissen Flitzer auf dieser modernen Carrera-Bahn steuert man per Smartphone

Anki Overdrive ist eine neue Rennbahn, die Autos lassen sich per Smartphone oder Tablet steuern. Über die App können die Spieler im Stil des Nintendo-Klassikers «Mario Kart» auch Konkurrenten angreifen.

08.03.15, 19:29 09.03.15, 09:37

Markus Böhm

Ein Artikel von

Hanns Tappeiner hat einen der wohl dankbarsten Jobs der Welt. Der Geschäftsführer der Firma Anki reist umher und fragt Journalisten, ob sie Lust haben, eine Runde Autorennen zu spielen.

Sie sagen meistens ja, und Tappeiner fährt dann mit ihnen um die Wette und behauptet, Spielzeug habe sich in den letzten Jahrzehnten kaum weiterentwickelt – anders als Computerspiele. Jetzt aber komme Anki Overdrive, und alles werde anders.

Auch wenn diese Sicht der Dinge zugespitzt ist: Eigentlich gibt es wenig Grund, Tappeiner zu widersprechen. Das Angebot an vermeintlich smartem Spielzeug ist übersichtlich, nach wie vor werden Klassiker wie Legosteine, Barbies und Actionfiguren gern gekauft. Doch Tappeiners neue Rennbahn Overdrive, die per App bedient wird, hat das Potenzial, eines der spannendsten Spielzeuge des Jahres zu werden.

Overdrive ist der Nachfolger von Drive, einer bislang nur in den USA erhältlichen Rennbahn, die seit dem Juni 2013 immer wieder in den Medien auftaucht. Drive wurde damals während einer Keynote von Apple-Chef Tim Cook vorgestellt, weil die Autos sich auch mit iOS-Geräten steuern lassen. Ein Marketingcoup für Tappeiners Firma, die sich Roboterprojekten verschrieben hat.

Ein Spass auch für grosse Kinder. gif: gizmodo

Das Startpaket bietet zehn Streckenmodule

Mit Overdrive will Tappeiner den Erfolg von Drive nun übertreffen, und das auch in der Schweiz. Im September kommt zunächst ein Startset in den Handel, von dem bislang nur der US-Preis von rund 150 Dollar bekannt ist. Es enthält zwei Autos und zehn Streckenmodule, mit denen sich acht Kurstypen bauen lassen.

Die Strecken lassen sich modifizieren: Man kann zum Beispiel Steigungen einbauen, indem man einen Aschenbecher oder ein Glas unter die biegsamen Module legt. Die Rennbahn kann überall aufgebaut werden, auf dem Wohnzimmerboden, auf der Terrasse oder auf einem Billardtisch. Und man braucht nicht einmal menschliche Mitspieler dafür: Auf Wunsch lassen sich weitere Autos vom Computer steuern.

Overdrive wird durch Zukäufe erweiterbar sein. Man kann sich nach jetziger Planung zusätzliche Autos besorgen, aber auch Wendepunkte, an denen die Autos ihre Fahrtrichtung ändern, sodass sogar Gegenverkehr entsteht. Langfristig sollen Loopings auf den Markt kommen.

Anders als bei anderen Rennbahnen fliegen die Autos bei Overdrive nicht von der Strecke, wenn sie schnell in Kurven fahren. Sie halten automatisch die Spur. Neben der Bahn landen Wagen höchstens bei Zusammenstössen oder wegen der Angriffe anderer Fahrer. Denn jeder kann seine Mitspieler per App beschiessen oder aus der Ferne ausbremsen.

Lenken per Mobilgerät

Overdrive wird ausschliesslich per Smartphone oder Tablet gesteuert, was in der Praxis gut gelingt. Man bestimmt das Tempo, setzt Extras ein und legt durch Kippen des Geräts nach links oder rechts fest, wo auf der Spur der Wagen fährt.

Durch die Waffen sind die Rennen und Wettkämpfe ein Stück weit taktisch geprägt, die Duelle erinnern an den Nintendo-Klassiker «Mario Kart». Mitunter lässt sich der Führende absichtlich zurückfallen, um aus der Schussbahn seines Konkurrenten zu geraten.

Mit der Idee, eine Steuerung per Smartphone zu ermöglichen, liegt Anki im Trend: Für das Playstation-4-Spiel «Singstar» etwa muss man nicht extra ein Mikrofon kaufen – man kann einfach in sein Handy singen. Und bei der neuesten US-Version des Quiz «You Don't Know Jack» kann man ebenfalls über das eigene Smartphone mitraten.

Doch neue Technik bringt auch neue Probleme: So müssen fürs Overdrive-Spielen neben den Autos, deren Ladung maximal 25 Minuten Fahrzeit ermöglicht, stets auch die Mobilgeräte geladen sein. Zudem ist nicht jedes Modell kompatibel: Offiziell unterstützt Anki zwar iOS und Android, praktisch gibt es aber eine Kompatibilitätsliste, auf der längst nicht jedes Gerät auftaucht – auch nicht, wenn es weit verbreitet ist. Bei Drive ist es zudem nicht möglich, gleichzeitig mit Android- und iOS-Geräten zu spielen – dieses Feature bringt erst Overdrive.

Der Trailer zu Anki Overdrive

video: youtube/anki

Auch allein spielbar

In anderer Hinsicht sind Drive und Overdrive kundenfreundliche Produkte: So sind beide Rennbahnen kompatibel, auch die Schweizer und die US-Version lassen sich verbinden. Die Streckenmodule waren beim Test dank Magnettechnik binnen Sekunden zusammengesteckt, die Menüführung der Steuersoftware wirkte intuitiv. Und für die App sind keine lästigen Zusatzkäufe geplant.

Wenn das Rennspiel im September auf den Markt kommt, dürfte es vor allem von der Softwarequalität abhängen, ob das Hightech-Spielzeug sein Geld wert ist. Hanns Tappeiner verspricht etwa eine Kampagne, in der Overdrive-Besitzer allein oder mit Freunden gegen Computergegner Rennen fahren können. Das eigene Fahrzeug wird dabei mit der Zeit schneller und bekommt neue Extras, man trifft jedoch auch auf immer geschickter agierende Computergegner.

Overdrive soll mit solchen Ideen an Computerspiele erinnern, die anders als klassisches Spielzeug Lernkurven bieten. Tappeiner hofft, sein Produkt könne so über Monate oder Jahre hinweg begeistern. Gelingt das, dürfte sein Job wohl noch lange beneidenswert bleiben.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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