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Und so sieht das «LG G Flex» aus Video: YouTube/LgUsaMobile

«LG G Flex» im Test

Dieses Handy ist eine krumme Sache

LG macht den Anfang: Mit dem G Flex bringt der koreanische Konzern das erste Smartphone mit gebogenem Bildschirm auf den Markt. Aber braucht man das wirklich? Wir haben getestet, was das krumme Ding kann – und was es aushält.

05.02.14, 11:22

Ein Artikel von

matthias Kremp, spiegel online

Nein, es zerbricht nicht, wenn man sich draufsetzt. Das neue Android-Smartphone G Flex von LG ist zwar gebogen, es ist aber auch flexibel – selbst wenn der Hersteller das nicht offiziell sagt. Trotz des Preises von 800 Euro sind Gehäuse und Bildschirm aus Kunststoff – und das ist gut so. Denn so kann man das G Flex drücken und biegen, sich sogar darauf setzen, ohne dass es Schaden nimmt. Bis zu einer Last von hundert Kilogramm sei das möglich, verspricht LG.

Dass man sich über solche Dinge Gedanken macht, liegt an der ungewöhnlichen Form des G Flex. Anders als bei den meisten anderen Handys ist der Korpus um die Horizontalachse zum Anwender hin gebogen. LG ist damit seinem Konkurrenten Samsung voraus. Dessen um die Vertikalachse gebogenes Galaxy Round ist in Deutschland noch nicht erhältlich. Das gebogene LG hingegen soll ab dem 8. Februar zu kaufen sein. 

Bei der Deutschlandpremiere des G Flex in Berlin gaben sich Manager des Unternehmens redlich Mühe zu begründen, was die Vorteile der gebogenen Form sein sollen. Leicht nachvollziehbar ist das Argument, dass man durch die Form eine bessere Sprachqualität erreicht. Das Mikrofon ist näher am Mund des Anwenders, ähnlich wie es bei analogen Telefonen und Klapphandys wie Motorolas Razr der Fall war.

Ein weiteres Argument hat man sich von der TV-Industrie abgeschaut. Die begründet die Notwendigkeit für gebogene Curved-TV damit, dass bei einem gebogenen Bildschirm alle Pixel etwa gleich weit von den Augen entfernt sind, was zu einem besseren Bildeindruck führen soll. Dasselbe gelte auch für das G Flex, sagt LG. Bei den Fernsehern wird die Technik allerdings auch damit begründet, dass der Effekt umso deutlicher wird, je grösser der Bildschirm ist.

Darum muss es krumm sein

Auf das sechs Zoll in der Diagonale messende Display des G Flex dürfte das also nur bedingt zutreffen. Trotzdem macht es Spass, darauf Filme anzuschauen. Der Bildeindruck ist angenehm, der Bildschirm sieht ein wenig aus wie ein Mini-Kino. Ähnlich verhält es sich mit der gebogenen Form beim Telefonieren. Sie sorgt dafür, dass man das Telefon bequem halten kann. Die Sprachqualität ist tatsächlich besser als bei gerade gebauten Handys.

Ausserdem flutscht das G Flex sehr geschmeidig in Gesässtaschen, aus denen es aufgrund seiner Grösse allerdings herausragt. Setzt man sich hin, zerbricht es zwar nicht, droht aber, aus der Tasche zu fallen. In der Innentasche eines Sakkos akzeptiert es keine andere Nutzlast neben sich. Weil es gebogen ist, braucht es mehr Platz.

Vor Schlüsselkratzern beim gemeinsamen Transport in einer Tasche muss man sich dank einer geheimen Beschichtung der Rückseite nicht fürchten. Kleinere Kratzer werden binnen Minuten von einem Spezialpolymer aufgefüllt, gegen grössere Riefen hilft diese Technik aber nicht.

Grosser Bildschirm, mittelmässige Auflösung

Bei der alltäglichen Nutzung macht sich die ungewöhnliche Form kaum bemerkbar. Deutlich spürbar ist dagegen der grosse Bildschirm. Genau wie bei anderen Mobiltelefonen dieser Grössenklasse braucht man beide Hände, um das Gerät zu bedienen. Einhändig kommt man nur an die untere Hälfte des Bildschirms.

Letzterer ist ohnehin ein Schwachpunkt des G Flex. Zwar strahlt er kräftig und kontrastreich, seine Auflösung liegt mit 1280 x 720 Bildpunkten aber unter dem, was man von ähnlich grossen Geräten erwartet. Konkurrenzmodelle zeigen auf ähnlich grossen Displays meist Full HD (1920 x 1080) an und sind dabei günstiger. Der Unterschied zeigt sich vor allem beim Lesen, wenn kleine Schriften zu unleserlichen Pixelhaufen werden.

Ultra-HD-Videos für wenige

Viel mehr ist an der Hardware des G Flex nicht zu kritisieren. Der Quadcore-Prozessor ist schnell, hat reichlich Arbeitsspeicher zur Verfügung. Im Geekbench-Testprogramm kommt er auf respektable 2275 Punkte. Das sind etwa 200 weniger, als das iPhone 5s mit seinem Dualcore-Prozessor erreicht, und etwa 900 weniger als Samsungs Galaxy S4 schafft. Genug Leistung für gängige Spiele, zum Filme gucken und fürs Web liefert er locker. 

Die Ausstattung mit Netztechnik ist umfangreich, umfasst Gigabit-W-Lan nach 802.11ac, Bluetooth 4.0 LE und LTE. Die 13-Megapixel-Kamera macht gute Fotos und kann Videos nicht nur in Full-HD, sondern auch in Ultra-HD (3840 x 3120 Pixel) aufzeichnen. Einen passenden Fernseher, auf dem man sich solche Filme auch ansehen kann, hat derzeit allerdings kaum jemand. Ärgerlich ist der auf 32 GB festgelegte und nicht erweiterbare Massenspeicher. Es gibt weder eine 16-, noch eine 64-GB-Variante.

Fazit

So richtig wichtig ist es nicht, dass das G Flex gebogen ist. Sicher, das Design ist ein Hingucker, aber der Mehrwert ist gering. Das originelle Design lässt sich LG teuer bezahlen. In einer kleineren und billigeren Version mit 4,5- oder 5-Zoll-Diagonale würden die Vorzüge der Biegetechnik besser zum Tragen kommen.

Vorteile:

Nachteile:

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 05.02.2014 12:17
    Highlight Bei Bananen macht es ja für den Nutzer (Esser) auch keinen Sinn und trotzdem schmeckt es. Wenn etwas gerade ist und alle haben etwas gerades, dann muss man es krümmen, damit alle etwas krummes haben. Das ist das Prinzip von Mode und dahinter steckt der unabdingbare Wille sich zu differenzieren. Da braucht es keine weiteren aus den Fingern gesogene Argumente. Seit doch ehrlich, krumm ist das neue gerade.
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