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Funktioniert: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigt Jolla diverse geräte verschiedener Hersteller, auf den das Sailfish OS bereits läuft.

Bild: Matthias Kremp, Spiegel Online

Android-Alternative Sailfish

Gratis-Software macht alte Handys wieder fit

Sailfish OS heisst ein neues Betriebssystem aus Finnland. Es soll ältere Smartphones auffrischen und ist für alte Android-Geräte eine echte Alternative zu Googles System. Sailfish soll bald für viele Smartphones verfügbar sein - kostenlos.

27.02.14, 07:59 27.02.14, 08:11

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Matthias kremp, spiegel online

Das alternative Betriebssystem Sailfish OS könnte bald auf vielen Smartphones laufen. Ende April werde man eine Version der Software herausbringen, die sich auf vielen unterschiedlichen Handys anstelle von Googles Android installieren lässt, sagt Tomi Pienimäki, Chef der finnischen Firma Jolla Spiegel Online. Die Installation soll so einfach sein, dass jedermann ein altes Android-Gerät durch das Finnen-System auffrischen kann.

Gerüchte, dass die kleine Firma ihre vielbeachtete «Software» bald für fremde Handys verfügbar machen könnte, hatte es schon im Vorfeld des Mobile World Congress gegeben. Harri Hakulinen, Chefentwickler von Jolla, hatte Mitte Februar getwittert:

Genauere Angaben wollte er allerdings nicht machen. Das hat jetzt sein Chef übernommen. Demnach wird Jolla zunächst einen sogenannten Launcher für Android veröffentlichen. Das ist eine Software, die den Homescreen des Handys übernimmt, Apps startet. Etwa vier Wochen später soll dann das eigentliche Betriebssystem frei zur Verfügung stehen.

Auf der Handymesse Mobile World Congress in Barcelona zeigten die finnischen Entwickler diverse Smartphones, auf denen das neue Betriebssystem schon läuft. Darunter sind Geräte von Samsung, Sony und weiteren Herstellern. Auch ein Nexus-7-Tablet haben die Programmierer vorbereitet, weisen jedoch drauf hin, dass die Software noch nicht für Tablets optimiert sein.

Beim Ausprobieren fällt trotzdem auf, dass die neue Sailfish-Software auch auf älteren Handys sehr geschmeidig läuft. Natürlich lässt sich in so kurzer Zeit kein abschliessendes Urteil fällen, doch schnell wird klar, dass Sailfish OS selbst auf vergleichsweise leistungsschwachen Geräten keine Probleme hat. Die Software läuft ruckelfrei, zeigt keine Grafikfehler oder ähnliches.

Jolla braucht Marktanteile

Viele Hersteller von Android-Smartphones bieten nach einiger Zeit keine Android-Updates mehr für die Altgeräte an. Sie wollen neue Hardware verkaufen und vernachlässigen die Pflege aussortierter Geräte. Sailfish OS könnte für diese Geräte eine Möglichkeit sein, alte Hardware mit neuen Funktionen und sicherer Software auszurüsten.

Ohnehin seien Android, Windows Phone und iOS längst veraltet, lästert Pienimäki. Android sei ursprünglich nicht einmal als Mobil-Betriebssystem entwickelt worden. Und so sei sein Sailfish OS das einzige moderne Handy-Betriebssystem auf dem Markt. Und das einzige, das echtes Multitasking beherrsche und trotzdem Strom spare.

Damit umzugehen kann durchaus Spass machen, wenngleich man sich fragen muss, wie sinnvoll bestimmte Funktionen sind. Das Multitasking ermöglicht es beispielsweise, im Hintergrund ein YouTube-Video laufen zu lassen, während man gleichzeitig Nachrichten liest. Ein wohl eher hypothetischer Anwendungsfall.

Jolla braucht Marktanteile. Bisher gibt es das Betriebssystem, das ehemalige Nokia-Mitarbeiter aus dem Linux-basierten Meego entwickelt haben, nur auf dem Jollaphone. Dieses Handy hat die Firma rund um ihre Software herum entwickelt. Das Jollaphone bietet weder aufregende Technik noch ein besonders gelungenes Design. Zahlen darüber, wie viele Telefone seine Firma schon verkauft hat, will Pienimäki nicht herausgeben. Im Vergleich mit global aktiven Konzernen wie Samsung dürfte die Zahlen verschwindend gering sein.

Bescheidenes App-Angebot

Jolla hat das typische Problem eines Newcomers in der Branche: Ist die Verbreitung gering, will kaum jemand Apps für ein neues System entwickeln. Gibt es keine Apps, kauft niemand die Geräte.

Jolla versucht diese Hürde zu senken, indem man im Sailfish OS Android-Apps abspielen kann. Doch den Google Play Store darf die Firma weder mit ihren Handys noch mit seiner Software ausliefern, weil Google dies nur für echte Android-Handys erlaubt. Also muss man sich über Drittanbieter wie den russischen Yandex-Store mit Apps versorgen. Das Angebot ist verglichen mit dem von Google gering. Doch damit müsse man sich als Anwender nicht zufriedengeben, erklärt der Firmenchef. Schliesslich sei es gar nicht schwer, den Play Store nachträglich zu installieren. Man müsse nur bei Google die entsprechenden Suchbegriffe eingeben und würde sofort leicht nachvollziehbare YouTube-Tutorials bekommen.

Wer noch ein veraltetes Android-Smartphone in der Schublade liegen hat, wird das vielleicht bald selbst ausprobieren können.



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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