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Simon Unge lässt sich nicht mehr unterdrücken. screenshot: youtube/ungefilmt

Ausbeutung der jungen Videobranche

YouTube-Star verabschiedet sich von seinem Arbeitgeber – mit einem Video und den klaren Worten: «Ich lasse mich nicht wie einen Scheisshaufen behandeln»

Die Firma Mediakraft vermarktet erfolgreich Tausende YouTube-Kanäle. Doch jetzt verabschiedet sich ein weiterer Web-Star vom Unternehmen. In einem deftigen Abschiedsvideo erhebt der 24-Jährige Simon Unge schwere Vorwürfe. Update: Mediakraft hat mittlerweile ein Statement abgegeben.

21.12.14, 17:26 21.12.14, 17:56

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Das zwölfminütige Video kommt harmlos daher. Ein junger Mann mit Kapuzenpullover und Mütze sitzt in einem abgedunkelten Zimmer, im Hintergrund klimpert Keyboardmusik. Doch was er zu sagen hat, hat es in sich. «Ich bin am Zittern, meine Hände sind so zittrig», sagt der Hoodie-Junge, «mit diesem Video treffe ich eine folgenschwere Entscheidung.»

Zu sehen ist der 24-jährige Simon Unge, einer der erfolgreichsten deutschen Webvideo-Blogger. In seinen beiden YouTube-Kanälen «Ungespielt» und «Ungefilmt» testet er Videospiele und erzählt über seinen Alltag. Damit erreicht er ein grosses, vor allem junges Publikum. Nach eigenen Angaben werden seine Clips durchschnittlich 30 Millionen Mal pro Monat abgerufen.

Unge war bislang einer der Stars der Videoplattform, die der Werbevermarkter Mediakraft unter Vertrag hatte. Doch die Kooperation, die für beide Seiten anscheinend lukrativ war (Unge: «Ich verdiene nicht wenig Geld mit YouTube»), ist Geschichte. In seinem Abschiedsvideo kritisiert Unge die mangelnde Unterstützung der Firma. «Ernst genommen fühle ich mich schon lange nicht mehr von Mediakraft», sagt er.

Die Vertragsbedingungen seien undurchsichtig und unfair, Mediakraft habe ihn «in die Privatinsolvenz treiben» wollen, wettert Unge in dem Video. Seit Monaten liege er mit Mediakraft im Rechtsstreit. Kreativer Input sei unerwünscht, Unge wirft dem Unternehmen zudem Zahlungsausstände und gelöschte Videos vor. «Ich habe noch nie finanzielle Unterstützung für kreative Ideen bekommen».

«Ich verdiene nicht wenig Geld mit YouTube»

Simon Unge

Als er etwa um Hilfe bei der Sponsorensuche für ein grösseres Projekt gebeten habe, sei er ignoriert worden. «Die haben sich null für uns interessiert». Unges Kernvorwurf: Mediakraft schmücke sich gern mit populären YouTube-Stars und mache damit ein gutes Geschäft – im Gegenzug bekomme man dafür aber so gut wie nichts zurück.

Stellungnahme soll noch am Sonntag kommen

Mediakraft ist Betreiber eines YouTube-Partnernetzwerks, zu dem unter anderem Y-Titty und Daaruum gehören. Insgesamt hat die Firma nach eigenen Angaben rund 2500 Kanäle unter seinem Dach versammelt und erreicht rund 16 Millionen Nutzer. Das Geschäftsprinzip ist vergleichbar mit dem einer Plattenfirma: Mediakraft kümmert sich um die Vermarktung und hilft bei der Produktion und der Verbreitung von Videos.

«Ich lasse mich aber nicht ausnutzen»

Simon Unge

Doch in der Realität sah das - glaubt man der Darstellung Unges – anders aus. «Das war so ein Scheisshaufen», platzt es aus ihm heraus, oder an anderer Stelle: «Ich lasse mich nicht wie einen Scheisshaufen behandeln». Immer wenn er ein persönliches Gespräch gesucht habe, sei er abgeblockt worden. Ein Mitarbeiter habe sogar gedroht, «mein Leben zu zerstören», wenn Unge vor Gericht ziehen wolle. «Ich lasse mich aber nicht ausnutzen», sagt der 24-Jährige trotzig.

Noch hat sich das Unternehmen nicht ausführlich zu den Vorwürfen geäussert. Auf Twitter kündigte Mediakraft eine Stellungnahme noch im Laufe des Sonntags an.

Im Netz schlägt dem Webvideo-Blogger derweil eine Welle der Unterstützung entgegen. Unter dem Hashtag #freiheit trendet das Thema seit Stunden auf dem Spitzenplatz bei Twitter. Mehr als 300'000 Leute haben bereits einen neuen Kanal abonniert, den Unge auf eigene Faust eröffnet hat. Obwohl dort bislang noch kein einziges Video zu sehen ist.

Vor ein paar Monaten hatte bereits der erfolgreiche YouTuber Florian Mundt, besser bekannt als LeFloid, seine Trennung von Mediakraft angekündigt. Mit rund zwei Millionen Abonnenten zählt LeFloids YouTube-Channel zu den grössten in Deutschland. Auch LeFloid hatte sich über ein Zerwürfnis mit seinem Vermarkter beschwert, der Netzwerk-Gedanke bei Mediakraft sei verloren gegangen, sagte er.

Update: Mediakraft hat in der Zwischenzeit auf Facebook geantwortet und die Vorwürfe zurückgewiesen

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • urwald1 21.12.2014 23:43
    Highlight Sein Statement Video hat übrigens innert 24h über 1.6 Millionen klicks generiert...
    Youtube wird immer wichtiger, vorallem bei jugentlichen.
    5 0 Melden
  • Micha Moser 21.12.2014 22:28
    Highlight Finden den Schritt Mutig und auch gut. aber man sollte trotz allem nicht nur seine Seine Seite der Geschichte anhören.
    8 0 Melden
  • missesX 21.12.2014 18:08
    Highlight #freiheit ich stehe hinter simon und so zimlich alle auch ich finde es extrem mutig und super dass er diesen schritt gewagt hat danke simon❤
    9 1 Melden

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