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Diese Frau bringt eine Rache-App auf den Markt – und die sorgt schon vor Lancierung für Stunk

Im November soll «Peeple» erscheinen. Eine Rache-App, mit der sich Menschen gegenseitig bewerten können. Ist sie nur ein Fake?

Silvana Schreier 



Werden wir von unserem Freund verlassen, kommt eine Freundin ständig zu spät zu den Verabredungen oder werden wir vom Chef gefeuert, brauchen wir ein Ventil, um unsere Wut loswerden zu können. Zwei Amerikanerinnen haben nun die ideale und kostenlose App für Rachegelüste entwickelt: «Peeple».

Wie man es bereits von Hotel- oder Restaurant-Ratings wie «Tripadvisor» kennt, sollen mithilfe dieser Anwendung bald auch Menschen mit einer Skala von eins bis fünf bewertet werden. Die Personen werden in die Kategorien beruflich, persönlich oder romantisch eingeteilt. Gibt man dann die Handynummer der betreffenden Person ein, dürfen schon Sterne verteilt werden. Der Bewertete erhält im Anschluss ein SMS mit der Mitteilung, dass jemand auf «Peeple» ein Urteil über ihn hinzugefügt hat.

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«Peeple» sorgt schon vor Erscheinen für rote Köpfe.
bild: pr

Die Publikation des Ratings kann der Ex-Freund oder der ehemalige Arbeitgeber nicht verhindern, er hat nur 48 Stunden Zeit, um mit dem Bewerter zu diskutieren und um Milde zu bitten. Erst nach einem Jahr werden negative Bewertungen automatisch gelöscht. Die positiven bleiben. Aber das interessiert ja nur die Selbstverliebten.

«Ein absolutes No-Go»

Das Rache-Projekt sorgt schon vor der Lancierung für Diskussionen in einigen Medien. Als «ein absolutes No-Go» bewertet der Rechtsanwalt Martin Steiger diese App: «Daten von Personen dürfen ungefragt weder gesammelt noch veröffentlicht werden.» Gleich in vielerlei Hinsicht sei dies rechtswidrig: Da Name, Handynummer und Foto gezeigt würden und somit mutmasslich Ehr-, Persönlichkeits- und Urheberrechtsverletzung vorliegen sowie das Recht am eigenen Bild missachtet wird.

«Es spielt auch keine Rolle, ob die Bewertung positiv oder negativ ist. Die betreffende Person muss immer ihre Zustimmung geben», erklärt Steiger, der auf Recht im digitalen Raum spezialisiert ist. Nachdem die App-Entwicklerin Julia Cordray im August ihr umstrittenes Projekt vorstellte, gab es in den sozialen Medien einen Shitstorm. Verängstigte Leute entrüsten sich: «Peeple» sei ein neues Instrument für Mobbing und Blossstellung im Internet.

Dem entgegnet Cordray, sie wolle lediglich das Zusammenleben erleichtern, da man mit den Bewertungen genau wisse, auf wen man sich einlasse. Das sei sowohl für die Auswahl eines Babysitters als auch bei einem Blind Date von Nutzen.

Erfinderin wütend über Kritik

Erstaunlich ist, dass die feindseligen und wertenden Kommentare auf Twitter und Facebook die App-Entwicklerin aus dem Silicon Valley mehr verunsichern, als sie es sollten. Schliesslich hat doch genau sie ein Werkzeug kreiert, mit dem sich Menschen gegenseitig bewerten können. Cordray reagiert aber verärgert auf die Kritik. Mittlerweile sind sowohl die Website als auch die Facebook-Seite von «Peeple» inaktiv. Ist die App also nur ein frecher Scherz?

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Julia Cordray versteht die Kritik nicht.

Nicht, wenn es nach der Erfinderin geht: Cordray teilte BBC jedenfalls mit, dass sie am 12. Oktober in einer «exklusiven Talk-Show» auftreten und ihr Konzept präsentieren werde. Weiter sei die Lancierung der «weltweit positivsten App für positive Menschen» im November geplant.

Gegenwärtig distanziert sich Cordray von ihren früheren Aussagen: Nur wenn die exponierte Person den Eintrag explizit erlaubt, werde die Bewertung auf der Plattform zu sehen sein. «Peeple» wird also voll sein mit überschwänglichen Posts. Ihren Nutzen hätte die Anwendung damit verloren. Würde «Tripadvisor» nur positive Restaurantbewertungen zulassen, so würde die Plattform ihren Sinn verlieren. Dasselbe gilt für «Peeple»: Lobhudelei lockt lediglich Egomanen an. Und eine solche App braucht wirklich niemand.

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alf 08.10.2015 12:44
    Highlight Highlight Eigentlich ist das gar nicht so schlecht. Jetzt dürften wenigstens auch die digital weniger versierten feststellen, dass die Sharing-Economy halt auch Schattenseiten hat (Machtlosigkeit der Bewerteten, Datenklau etc.).
  • zombie woof 08.10.2015 12:34
    Highlight Highlight Aldous Huxley, Schöne neue Welt, erschienen 1932. Der Mann war seiner Zeit weit, sehr weit, voraus!
  • Addi 08.10.2015 12:19
    Highlight Highlight Typische App für Frauen, die lieber hintenrum stänkern, als mal mit jemandem ehrlich zu reden.

    Ist genauso wie das ewige Schreien wegen angeblichem Stalking: Da beleidigen die Frauen die Männer, brüskieren die, verhalten sich mies, und wenn der Mann mit ihnen reden will, wollen sie nicht - sie wissen ja schon warum - und schreien dann laut 'Belästigung!'

    Es gibt nur sehr wenige wirkliche Stalker, und bei denen ist das Gesetz gerechtfertigt. Beim Großteil nicht.

  • Ms. Song 08.10.2015 12:15
    Highlight Highlight Und dabei wird vergessen, dass positiv und negativ immer vom Blickwinkel abhängig sind. Es gibt einfach zu viele Leute, die sich selbst nie hinterfragen und die Schuld immer bei anderen sehen. Für sie ist die App natürlich perfekt.
  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 08.10.2015 11:34
    Highlight Highlight Für Rache eignet sich das Spiel Beat the Boss bestens.
  • Dina 08.10.2015 10:39
    Highlight Highlight Kennt jemand die Serie 'Community'? Staffel 5 Episode 8 gab es auch so eine APP... kamm nicht gerade gut... 😂✌
  • Matrixx 08.10.2015 09:23
    Highlight Highlight Ein neues Zeitalter des Kennenlernens bricht an. Lernt man irgendwo jemanden kennen, schaut man zuerst auf "Peeble" nach. So im Stile von:
    "Lass mich rasch nachschauen, wie andere dich bewerten, bevor ich entscheide, ob ich mit dir reden will."

    Ich werde dann wohl einsam sterben...
    • Matrixx 08.10.2015 12:34
      Highlight Highlight @thotha
      Die Likes sind wohl eher, weil der Kommetar Spuren von Sarkasmus enthält...
      Vielleicht irre ich mich ja auch, das wäre mir aber neu...
  • EvilBetty 08.10.2015 08:48
    Highlight Highlight Na wo sind jetzt die «Ich habe nichts zu verbergen also habe ich nichts zu befürchten» Schreier?

    Diese App gibts schon lange, sie nennt sich «Datensammlung im Web» und wird von zahllosen Firmen betrieben.
    • geht doch 08.10.2015 10:57
      Highlight Highlight Genau, und wer ausser solche Firmen könnte sowas wirklich wollen?
    • Steckenpferd 08.10.2015 13:16
      Highlight Highlight Bei Facebook, Twitter, Cumulus Karten usw. entscheide ich selber, was ich von mir preisgeben möchte.
      Bei dieser App, entscheiden das andere Personen für mich.
      Das ist der "kleine" Unterschied.
    • The Destiny // Team Telegram 08.10.2015 15:05
      Highlight Highlight @Steckenpferd, Die ToS und AGB von diesen Programmen können jederzeit zu einem für sie bedenklichen Zustand geändert werden. Darüber haben sie ebenfalls keine Macht. Ihnen bleibt dann nichts übrig außer auszusteigen oder die Änderung zu fressen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • geht doch 08.10.2015 08:38
    Highlight Highlight Sind wir schon so weit, das die ganze Welt den Ungeheuerlichkeiten irgendeiner naiven und unreflektierten Person ausgeliefert ist?
    Das Bedrohlichste dabei finde ich die totale Verhöhnung unserer Demokratie: Innerhalb unserer Landesgrenzen stimmen wir über das und jenes ab, aber was viral läuft und unser Leben beeinflusst wird vom allgemeinen politischen Denken viel zu wenig mit einbezogen.
    • geht doch 08.10.2015 14:47
      Highlight Highlight Das Krasse ist, dass diese Art der Überwachung der Privatsphäre nicht von einem Staat (NSA etc.) oder einer der zahlreichen Datensammelfirmen ausgeht, sondern von den zu Überwachenden selber. Eine neue Stufe prwellscher Horrorvision.
  • Tataaa 08.10.2015 08:30
    Highlight Highlight Für genau 2 Einträge ist diese App gut: 1. Zur Bewertung dieser außergewöhnlich beschi..... App-Idee und 2. zur Bewertung dieser egozentrischen und selbst nicht kritikfähigen "App-Erfinderin".
    • Matrixx 08.10.2015 10:24
      Highlight Highlight Gute Idee!
      Ich schlag euch 'nen Deal vor:
      Sobald die App verfügbar ist, ladet sie sich jeder hier runter und "peebled" die Erfinderin mit negativer Bewertung.

      Dann verschwindet die App bestimmt bald wieder.
  • Louie König 08.10.2015 08:23
    Highlight Highlight Ich bin gegen eine solche App. Nicht aus Angst vor Kritik, sondern aus dem einfachen Grund, dass so Existenzen gezielt zunichte gemacht werden könnten, sofern die ursprüngliche Idee umgesetzt wird und nicht die "fülschmigspürschmi"Version, die am Ende erwähnt wird. Denn eine Ex-Freundin, ein ehemaliger Chef etc. können dort reinschreiben, was sie wollen. Es muss weder wahr, noch gemässigt sein und da der Mensch in vielen Situationen von seinen Gefühlen gelenkt wird, kann es schnell vorkommen, dass aus einer Laune heraus eine niederschmetternde Bewertung gemacht wird, die völlig übetrieben ist
    • Sir Jonathan Ive 08.10.2015 10:51
      Highlight Highlight Dazu kommt noch der Fall von Mobbing auf dem Schulhof.
      Gibt eine grosse Gruppe von Schülern eine schlechte Bewertung über einen unbeliebten Schüler ab, kann ihn das sein Leben lang verfolgen.
    • Louie König 08.10.2015 11:37
      Highlight Highlight Genau und Kinder sind da bekanntlich nicht sehr zimperlich. Ich denke mit einer solchen App würde der soziale Druck auf alle enorm vergrössert werden. Wenn man sich permanent Gedanken darüber machen muss, ob und wie man von Mitmenschen bewertet werden könnte, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis man diesem Druck nicht mehr standhalten kann. Unsere Gesellschaft geht allgemein schon in die Richtung, dass alles und jeder bewertet werden muss, diese App würde dies noch forcieren.
    • EvilBetty 08.10.2015 18:35
      Highlight Highlight Ich sehe das Problem vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen. Spätestens mit 25 sollte man sich wichtigeren Dingen zuwenden als «was denken die anderen von mir». Auf Leute die diese App konsultieren würden wenn sie mich kennen lernen kann ich grundsätzlich verzichten.
  • Menel 08.10.2015 08:08
    Highlight Highlight Da hat Frau Cordray wohl noch nicht verstanden, dass die Wahrnehmung der Mitmenschen subjektiv ist und daher ein Rating völlig unsinnig.
    Der Trick im Leben ist ja, dass man Menschen findet, mit deren Macken - und sie mit den unsrigen -
    man leben kann. Niemand kann so sein, dass ihn alle lieben. Ich jedenfalls nicht und ich finde das gut so.
    • christianlaurin 08.10.2015 11:09
      Highlight Highlight Ist es? Diese Frau sieht "hübsche" aus und war bestimmt eine in clic Girl. Sie denkt so was ist ok weil die ganze Welt sie liebt. Die Wahrheit sieht anders aus. Ich selbst bin nicht überrascht das so was kommt und es bleibt wenn auch illegal.
    • Elexys Vi 08.10.2015 11:33
      Highlight Highlight Word. Du verdienst nen Keks.
      Leider habe ich keinen :(

Instagram zeigte versehentlich User-Passwörter an

Datenpanne bei Facebooks Bilderdienst Instagram: Wie am Wochenende publik wurde, hat das Unternehmen betroffene User direkt informiert. Es soll sich um User handeln, die das Instagram-Tool «Download your data» verwendet haben, um die auf Unternehmens-Servern gespeicherten Daten abzufragen. Dabei soll im Browser-Fenster versehentlich das Nutzerpasswort im Klartext angezeigt worden sein.

Angeblich war nur eine kleine Zahl von Usern betroffen. Der Bug sei inzwischen behoben worden.

Wie Heise.de …

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