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Zuckerberg bemühte sich, den enorm hohen Preis zu rechtfertigen. Bild: Reuters

whatsapp-Übernahme

Facebooks Milliardendeal irritiert die Hightech-Industrie

Facebook kauft den Kurznachrichtendienst WhatsApp – und zahlt den gigantischen Preis von 19 Milliarden Dollar. Die hohe Summe schreckt den Rest der Hightech-Branche auf, ein Google-Manager hat nur Spott übrig.

20.02.14, 07:54 20.02.14, 13:47

Ein Artikel von

thomas schulz, spiegel online, san francisco

Fast nie stehen im Silicon Valley die Räder still, doch am Mittwochabend ging für einige Stunden so gut wie nichts mehr. Die Nachricht hatte das Tal getroffen wie ein Donnerschlag: Facebook kauft den Messenger-Dienst WhatsApp. Nicht die Übernahme selbst war Grund des Schocks. Das soziale Netzwerk und der Nachrichtendienst passen gut zusammen, seit zwei Jahren hatte es immer wieder Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben. Was für Unruhe sorgt, ist der Preis: 19 Milliarden Dollar. «Die haben wohl ein Komma nach der Eins vergessen», kommentiert ein Google-Manager. «Das ist doch durchgeknallt», sagt ein führender Yahoo-Ingenieur. Wen man auch fragte, die Reaktion war stets die gleiche.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg und WhatsApp-Gründer Jan Koum bemühten sich im Anschluss in einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Investoren, den enormen Preis zu rechtfertigen. 

WhatsApp hat 450 Millionen Nutzer. Täglich kommt fast eine Million hinzu, vor allem ausserhalb der USA. Die als SMS-Alternative genutzte App hat ein funktionierendes Geschäftsmodell, 99 Cent pro Download, und verdient Geld. 

All das sind sehr gute Gründe für einen Unternehmenskauf. Aber nicht für einen so astronomischen Preis. Zum Vergleich: Noch vor zwei Jahren galt die Übernahme von Instagram durch Facebook für knapp eine Milliarde Dollar als überteuert. Microsoft wurde kritisiert, für Skype mit rund acht Milliarden Dollar einen Mondpreis gezahlt zu haben. Die Übernahme von Nest durch Google vor wenigen Wochen für 3,5 Milliarden Dollar galt bis eben noch als gewagt.

WhatsApp-Gründer Jan Koum Bild: EPA/DPA

Dreistellige Millionenbeträge für Klitschen 

Die Folgen sind klar: Die Preise für Internet- und Technologieunternehmen werden weiter explodieren. Selbst kleinste Start-Up-Klitschen werden nun dreistellige Millionenbeträge aufrufen können. Vor wenigen Monaten hatte Snapchat, ebenfalls eine beliebte Messenger-Anwendung, ein Angebot von Facebook für drei Milliarden Dollar abgelehnt. Damals galt das als arrogant, heute als klug. 

Dieses Mal wollte Facebook sicher sein, nicht wieder verschmäht zu werden. Zuckerberg und Koum haben persönlich die Details in Zuckerbergs Haus ausgehandelt. Bei einem Teller schokoladenüberzogener Erdbeeren, so heisst es. 

Es ist das bislang deutlichste Signal, wie hart der Konkurrenzkampf unter den Technologieriesen geworden ist. Die meist werbegetriebenen Geschäftsmodelle beruhen auf enormen globalen Nutzerzahlen und anhaltend grossem Wachstum. Wer auch nur einen Moment schwächelt, wird abgestraft. Als Twitter vor wenigen Wochen schwaches Nutzerwachstum verkünden musste, brach der Börsenkurs sofort ein. Die Angst, den Anschluss zu verlieren, ist entsprechend gross. Schon seit einiger Zeit versuchen sich die grossen Konzerne deswegen mit Übernahmen zu behelfen. Egal ob Apple oder Yahoo: Nicht selten werden inzwischen bis zu zwei Dutzend Firmen pro Jahr hinzugekauft. 

Der Zwang, Wachstum zu kaufen 

Auch Facebook sah sich nun offenbar gezwungen, Wachstum zu kaufen. Denn aus eigener Kraft zu wachsen, vor allem bei Jugendlichen, fällt dem sozialen Netzwerk zunehmend schwer. 

Das soll nicht heissen, dass nicht auch scheinbar wahnsinnige Übernahmen im Rückblick doch noch als brillant gelten können. Als Google für rund 1,6 Milliarden Dollar Youtube kaufte, war die Skepsis enorm – mittlerweile zeigt sich, dass sich das Geschäft gelohnt hat. Facebook-Chef Zuckerberg ist jedenfalls der Meinung, so liess er in der Telefonkonferenz durchblicken, dass die 19 Milliarden Dollar für WhatsApp jetzt immer noch besser seien als ein paar Milliarden mehr in wenigen Monaten. 

So wird es sicher nicht die letzte Übernahme dieser Art gewesen sein. Die grossen Technologiekonzerne sitzen noch immer auf Bergen von Bargeld. Google etwa verfügt über rund 50 Milliarden Dollar, Apple sogar über rund 130 Milliarden. 

Für die Technologiebranche ist das jedoch eine problematische Entwicklung. Wenn sich nur noch eine Handvoll führender Konzerne Zukäufe leisten können, bleibt die Vielfalt auf der Strecke. Und damit meistens auch der Nutzer.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Simon 20.02.2014 15:36
    Highlight Der Preis ist sehr surreal. Ob da wohl die nächste Blase gärt?
    0 0 Melden
  • Donald 20.02.2014 09:57
    Highlight Mit diesen 16 mia hätte FB etwas viel besseres auf die Beine stellen können. Aber scheinbar mag man bei FB keine Risiken.
    0 0 Melden
  • davidino91 20.02.2014 09:03
    Highlight Wenn man bedenkt wie viele Obdachlose es in den Vereinigten Staaten gibt und wie viele Menschen knapp durch den Monat kommen, grenzt diese Summe an Perversion.
    8 0 Melden

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