Doping
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FILE - This is a  Saturday, Jan. 25, 2014, file photo of a worker leaves after checking ice conditions at the Iceberg Skating Palace, where the figure skating and short track speed skiing will take place, at the 2014 Winter Olympics in Sochi, Russia. The Olympics begin Feb. 7th. You'd have to be a dope to try to get away with doping at the Sochi Olympics. That's the picture painted by international Olympic and anti-doping officials as they implement the toughest drug-testing program in Winter Games history.Using intelligence to target athletes and events considered most at risk, authorities are focusing their efforts on weeding out drug cheats through rigorous pre-games and pre-competition tests.  (AP Photo/David J. Phillip, File)

Noch kein Dopingfall

Die saubersten Spiele aller Zeiten – zumindest theoretisch

Wenn in den letzen Tagen nicht doch noch etwas passiert, werden die 22. Olympischen Winterspiele von Sotschi die saubersten aller Zeiten.

20.02.14, 14:22 20.02.14, 15:37

Seit Dopingkontrollen bei den Olympischen Spielen 1968 eingeführt worden sind, hat es meistens jemanden erwischt. Es brauchte das erste (und bis heute einzige) Todesopfer, um die olympischen Funktionäre aufzuschrecken. 1960 bei den Sommerspielen in Rom starb der dänische Radrennfahrer Knud Enemark Jensen an einer Überdosis Amphetamin. 

Der erste olympische Held, der seine Medaille wieder abgeben musste, war 1968 in Mexico der schwedische Fünfkämpfer Hans-Gunnar Liljenwall. Der Bronze-Gewinner im modernen Fünfkampf hatte zu viele Promille im Blut (Alkohol). Der bis heute spektakulärste Fall sahen die Spiele 1988: Ben Johnson, der kanadische Olympiasieger über 100 Meter, wurde erwischt und disqualifiziert.

Canadian Ben Johnson, left, signals victory as he wins the 100-meter final for the gold medal in the Seoul Olympics Sept. 25, 1988. At right is American Carl Lewis who finished second. (AP Photo/Rick Wilking)

Ben Johnson musste 1988 seine Goldmedaille über 100 Meter abgeben. Bild: AP

Bei den Winterspielen war lange Ruhe an der Dopingfront: 1992 in Albertville und 1994 in Lillehammer wurde niemand erwischt. 1998 wurde dem kanadischen Snowboard-Olympiasieger Ross Rebagliati (Riesenslalom) zwar der Konsum von Marihuana nachgewiesen und er hätte disqualifiziert werden können. Die positive Dopingprobe blieb aber aufgrund eines Entscheides des Internationalen Sportgerichtes (CAS) ohne Folgen.

Dr. Beat Villiger, seit 1992 in den verschiedensten Funktionen dabei und ein international anerkannter Dopingexperte, sagt, Winterspiele seien ohnehin etwas weniger dopinggefährdet. «Die Sommerspiele sind viel grösser. Es beteiligen sich mehr Länder und es gibt mehr Sportarten.»



Aber in den 1990er-Jahren waren die Kontrollen noch längst nicht auf dem heutigen Stand. Die Jäger tappten oft im Dunkeln. In Turin 2006 mussten sechs Medaillen wegen Dopings zurückgegeben werden und 2002 waren es immerhin zwei. Vancouver 2010 galten bisher als die saubersten Spiele aller Zeiten.

Erwischt wurden nur je eine russische Eishockeyspielerin und ein slowakischer Eishockeyspieler wegen geringfügiger Vergehen: Sie hatten im Grunde nicht gedopt, sondern die falschen Medikamente erwischt. Beat Villiger sagt: «Ich bin seit 1992 dabei und es hat eigentlich bei allen Spielen irgend einen Vorfall gegeben. Nur in Sotschi bisher nicht.»

Bild: EPA/dpa

Die Dopingjäger haben inzwischen massiv aufgerüstet. In Vancouver wurden rund 2000 Proben genommen. In Sotschi sind es bereits jetzt über 2500. Und vor allem gibt es so viele Kontrollen ausserhalb der Wettkämpfe wie noch nie. Bisher rund 500. Die Athletinnen und Athleten können in Sotschi überall und jederzeit kontrolliert werden.

Einzelne sind gleich bei der Ankunft am Flughafen getestet worden. «Die Kontrollen sind auf einem Stand wie noch nie. Die Abschreckung ist eindeutig höher», sagt Beat Villiger. «Wer in einer Kontrolle hängen bleibt, verliert ja nicht nur eine Medaille. Ein Dopingvergehen hat heute auch finanzielle Folgen. In der Regel werden Sponsorenverträge durch Dopingvergehen nichtig.»

Die olympischen Heldinnen und Helden können 24 Stunden nach dem Wettkampf vorerst aufatmen. Dann gelten sie als sauber und dürfen feiern. Aber neu werden alle Proben nicht mehr acht sondern zehn Jahre lang aufbewahrt. Wer jetzt mit einer verbotenen Substanz ungeschoren davon kommt, riskiert nachträglich disqualifiziert zu werden. 

Beat Villiger CEO of the Swiss Paraplegic Centre in Nottwil informs the media about the health condition of the patient Samuel Koch, on Monday, December 13, 2010 in Nottwil. Samuel Koch was severely injured during the German bet-show “Wetten, Dass...?” (Wanna bet?) on Saturday, December 4, 2010, after he attempted to jump over a moving car driven by his father wearing spring stilts but after hitting the car during the leap, he crashed to the ground suffering multiple back injuries and several fractures. He will now be treated in the Swiss Paraplegic Center in Nottwil, Switzerland. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Beat Villiger: «Es hat bislang bei allen Spielen einen Vorfall gegeben.» Bild: Keystone

Oder werden am Ende Kontrollen auf Anweisung von ganz oben ins Klo geschüttet? Beat Villiger sagt: «Das schliesse ich absolut aus. Das ist bei der Aufsicht auf verschiedenen Ebenen über das ganze Kontrollprozedere gar nicht machbar.» Und einer der hochrangigsten russischen Dopingjäger, dessen Name mir gerade entfallen ist, sagt: «Ich bin sehr glücklich, dass bisher alles so gut gelaufen ist. Aber wir sind Jäger. Nein, wir sind Vampire und wenn wir kein Blut kriegen, dann sind wir nicht ganz glücklich …» Die Doping-Jäger sind also motiviert.

Die Geschichte des Dopings bei Olympia

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Also die saubersten Spiele aller Zeiten? Ja, theoretisch, zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen. Aber sauber heisst erst einmal: Keiner hat sich mit unerlaubten Mitteln erwischen lassen. Es gibt die Möglichkeit, den Körper durch sogenanntes Gendoping oder verpflanzte Muskeln buchstäblich umzubauen. Im Grunde eine Horrorvision aus einem düsteren Zukunftsfilm.

An unidentified athlete makes his trial jump during the ski jumping portion of the Nordic combined Gundersen large hill team competition at the 2014 Winter Olympics, Thursday, Feb. 20, 2014, in Krasnaya Polyana, Russia. (AP Photo/Dmitry Lovetsky)

Wachsen den Skispringer bald Flughäute? Bild: AP/AP

Der Athlet, der im Labor entworfen wird. Im Idealfall etwa mit Flughäuten an den Armen damit die Skispringer wie Flughörnchen segeln. Eher wahrscheinlich ist die Kombination von verschiedenen verbotenen Substanzen. Dann wird es möglich, durch entsprechende Kombination ein Cocktail zu mixen und darin die Mengen der einzelnen Stoffe (beispielsweise Anabolika, Wachstumshormone und Insulin) so gering zu halten, dass sie in der Kontrolle nicht mehr erfasst werden können.

So sind die Spiele in Sotschi bisher zumindest theoretisch, nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, die saubersten aller Zeiten. Ob es auch in der Praxis so ist, weiss heute noch niemand. 

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Nici 21.02.2014 10:13
    Highlight Da hat man sich wohl zu früh gefreut. Ein Deutscher Athlet hatte was dagegen
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  • Watsen 20.02.2014 15:58
    Highlight Interessanter und informativer Artikel mit paar guten Schmuntzler (z.B. Absatz 10 - Der Name des russischen Anti-Doping-Menschen), weiter so :)
    0 0 Melden

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