Drogen

Die Zahl der Junkies hat sich in New York zwischen 2010 und 2013 fast verdoppelt. Bild: AP

Eine neue Dimension

Die USA haben ein schlimmes Drogenproblem – auch wegen Mittelständlern in der Provinz

In den USA hat sich das Drogenproblem mittlerweile zur «schlimmsten Krise der Geschichte»entwickelt. Nicht nur in der Millionenmetropole New York ist die Zahl der Drogentoten dramatisch angestiegen.

23.09.14, 20:00 24.09.14, 09:54

Die aktuelle Krise habe noch einmal eine andere Dimension als die Heroin- und Crack-Epidemien der 70er und 80er Jahre, die weltweit Schlagzeilen machten. Damals waren meist in Städten lebende Afro-Amerikaner aus armen Verhältnissen betroffen. Zu dieser Einschätzung kommt die US-Gesundheitsbehörde CDC. 

Heute gebe es zwei neue Hauptgruppen von Abhängigen: 18 bis 35-Jährige, die für kurze Zeit Schmerzmittel verschrieben bekamen und deren Wirkung als Spassfaktor empfinden und 40- bis 70-Jährige aus der oberen Mittelklasse. Sie alle sind meist weiss, gebildet, männlich und stammen aus ländlicheren Gegenden. 

Während einer Razzia wurden im Januar 2014 in New York sehr viele Drogen konfisziert. Bild: AP Office of the Special Narcotics Prosecutor

Die Gesundheitsbehörde CDC kritisiert vor allem die Ärzte. 259 Millionen Rezepte für Schmerzmittel stellten US-Ärzte 2012 aus – so viele, dass jeder Erwachsene statistisch gesehen eine Pillendose im Schrank haben könnte. Die langfristige Verschreibung von Opioiden fördere aber vor allem bei den 40 bis 70-Jährigen deren Abhängigkeit, warnt Experte Kolodny.

Keine Entwarnung in New York

Doch auch in New York ist die Lage ernst. Die Zahl der Drogentoten in der Millionenmetropole ist zwischen 2010 und 2013 um 41 Prozent hochgeschnellt. Kürzlich meldete die städtische Gesundheitsbehörde für das vergangene Jahr 782 Fälle – statistisch gesehen sind das mehr als zwei pro Tag. Mit 77 Prozent sei der Grossteil der an einer Überdosis gestorbenen Menschen abhängig von Opioiden gewesen. Dazu zählen Schmerzmittel, Methadon und Heroin.

In mehr als der Hälfte aller Fälle spielte dem Bericht zufolge Heroin eine Rolle. Das Rauschgift scheint die Drogenszene wieder zu dominieren: Innerhalb der letzten drei Jahre hätten sich die Todesfälle nach Heroin-Konsum in der Stadt verdoppelt. 

Heroin für weniger als vier Euro

«Da es als junger, eigentlich gesunder Mensch schwierig ist, die Mittel verschrieben zu bekommen, gehen die jungen Leute zum Schwarzmarkt», sagt Andrew Kolodny, medizinischer Leiter des «Phoenix House», einer landesweit agierenden Organisation zur Hilfe Suchtkranker. 

Dort ist Heroin Schätzungen zufolge bereits für weniger als vier Euro zu kriegen. Noch schlimmer als in New York sei es aber zum Beispiel in den südlicher gelegenen Bundesstaaten Tennessee, Kentucky, North und South Carolina. «Die Opioid-Krise ist ein US-weites Problem», sagte Kolodny. (whr/sda/dpa)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • franklyn 24.09.2014 03:38
    Highlight Ich befinde mich momentan in den USA im Auslandsjahr. Was hier in California abgeht, ist schon tragisch. Das ist ein echtes Problem. Hoffentlich kommen Sie es bald in den Griff, sonst seh ich schwarz. An Drogen kommt hier jeder wirklich erstaunlich einfach.
    1 0 Melden
  • metall 23.09.2014 21:46
    Highlight Seit die täglich da hinfliegen!
    1 4 Melden
  • Der Tom 23.09.2014 21:17
    Highlight Das mit den Schmerzmittel habe ich noch nie verstanden. Was genau soll das bringen wenn man keine Schmerzen hat?
    1 5 Melden
    • Andreas72 24.09.2014 03:26
      Highlight Die Schmerzmittel (primär Opiate) werden von Süchtigen nur zweitrangig gegen Schmerzen eingesetzt, sie verursachen, zumal überdosiert, auch Verladenheit und psychische Entspannung, bzw. je nach Medi das Gegenteil, gesteigerten Aktivismus....
      4 0 Melden
    • syknows 24.09.2014 06:36
      Highlight Die Schmerzmittel werden in einer Überdosis, meist kombiniert mit weitaus schlimmeren Drogen wie zB Alkohol, eingenommen. So wird man, jenach Konsumgut, in einen bestimmten Rauschzustand versetzt. Dieser kann u.a. Glücksgefühle, Haluzinationen und/oder weitere Bewusstseinserweiternde Effekte auslösen. Es werden auch andere Stoffe wie etwa Hustensaft oder Schlafmittel missbraucht. Was genau welches Analgetikum auslöst ist meist nur durch Mund zu Mund Propaganda oder Selbsttest rauszufinden. Darum Finger weg! Es gibt genügend weitaus "weniger schlimme", natürliche Drogen; über welche es viel Literatur gibt. Niemals mehrere miteinander mischen und die Dosierung langsam zum gewünschten Effekt anheben. Diese Erfahrung haben wohl alle schonmal gemacht, die einen über den Durst getrunken haben ;)

      Was ich als ungenügend empfinde ist, das Drogen in der Schule nicht debatiert werden. Man hört höchstens deren Namen, dass sie schlimm sind und fertig.
      6 0 Melden
  • Openyourmind 23.09.2014 21:01
    Highlight Nun...solange die "Agency" mit drei Buchstaben die USA "Black Budgets" mit Drogengeldern finanziert, kann sich die Situation nur noch verschlechtern... Ein solches Beispiel das öffentlich bekannt wurde, war die Iran-Contra Afäre (damals wurde der Gen. Noriega in der Nicaragua durch die Reagan Regierung mit solchen Geldern finanziert)... Ein anderes Beispiel das öffentlich bekannt wurde ist die Wiederaufnahme der Drogenproduktion im Afganistan unmittelbar nach "Befreiung" des Landes durch USA ende 2001 (Bemerkung: Die Taliban haben die Produktion noch vor 2001 komplett ausgerottet).... Möchte hier nicht über, durch die USA entstandene Kosovo, als Hauptroute für den Drogenschmugel nach EU debatieren... Just connect the Dots :-)
    4 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.09.2014 13:31
      Highlight In einigen suedamerikanischen regionen ist der drogenmarkt in fester hand der DEA allerdings nicht um diesen markt zu unterbinden, irgendwie muessen die tonnen tagesbedarf ja in die US grossstaedte kommen.
      1 2 Melden
  • Mith 23.09.2014 20:51
    Highlight 4 Euro? Wait, what? In den USA bezahlte man doch kürzlich noch mit US Dollars. Und in der Schweiz, wo der Artikel publiziert wurde, mit Schweizer Franken. Woher kommen die Euro und warum verwendet ihr nicht entweder die eine oder andere Lokalwährung?
    9 2 Melden

Auch wenig Alkohol kann schaden: «Das ungeborene Kind trinkt bei jedem Schluck mit»

Nur 60 Prozent der werdenden Mütter sind während der Schwangerschaft vollkommen abstinent. Dies hat eine Studie des Forschungsteams der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich herausgefunden. Dafür wurden Antworten von 3000 Frauen aus einer Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik verwendet. 

Ein Fünftel der Befragten würde sogar ein- bis zweimal pro Woche Alkohol trinken, schreibt die «SonntagsZeitung». «Die Schwangeren scheinen nicht zu trinken, weil …

Artikel lesen