EU
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Russia's President Vladimir Putin, background left, and China's President Xi Jinping, background right, smile during signing ceremony in Shanghai, China on Wednesday, May 21, 2014 while Russian Gazprom CEO Alexei Miller, foreground left, and China's CNPC head Zhou Jiping, foreground right, signing the deal. China signed a long-awaited, 30-year deal Wednesday to buy Russian natural gas worth some $400 billion in a financial and diplomatic boost to diplomatically isolated President Vladimir Putin. (AP Photo/RIA Novosti, Alexei Druzhinin, Presidential Press Service)

DIe Staatschefs Putin und Xi Jinping (hinten Mitte) bei der Vertragunterzeichnung zwischen Russland und China. Bild: AP/RIA Novosti Kremlin

Geopolitische Verschiebungen

360 Milliarden-Deal: Russland und China schliessen Gasvertrag ab

21.05.14, 17:29 21.05.14, 19:42

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist das russisch-chinesische Gaslieferabkommen unter Dach und Fach. Im Beisein der beiden Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping wurden am Mittwoch in Shanghai die Verträge unterzeichnet.

Die beiden staatlichen Energiekonzerne Gazprom und China National Petroleum Corp (CNPC) schlossen den Deal über 400 Milliarden Dollar (rund 360 Milliarden Franken) während Putins Besuch in China ab. Das Abkommen mit 30 Jahren Laufzeit sei das grösste in der sowjetischen und russischen Geschichte, sagte Putin laut Staatsagentur Itar-Tass am Mittwoch in Shanghai.

Der russische Staatskonzern Gazprom liefert nach eigenen Angaben ab 2018 mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach China. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte laut Nachrichtenagentur Interfax: «Solch einen Kontrakt gibt es mit keinem anderen Unternehmen.» Die Gazprom-Aktie legte an der Moskauer Börse gleich darauf um einen Prozentpunkt zu.

Pipeline zwischen Sibirien und Chinas Küste

Die Vereinbarung sieht Gaslieferungen über eine neue östliche Pipeline vor, welche die Vorkommen in Sibirien mit den energiehungrigen Küstenregionen Chinas verbinden soll. Nach CNPC-Angaben ist vorgesehen, dass Gazprom auf der russischen Seite die Fördergebiete erschliesst und die Verarbeitungsanlagen errichtet.

Das russische Staatsunternehmen Gazprom wird die Exploration, Förderung und Infrastrukturbau auf russischer Seite beitragen. Bild: Reuters

Die Pipeline solle in beiden Ländern von den jeweiligen Unternehmen gebaut werden. Putin sagte, China werde 20 Milliarden Dollar zum Bau der Infrastruktur und der Gasförderung beisteuern. Russland werde 55 Milliarden Dollar in die Erschliessung von Vorkommen und den Bau der Pipeline investieren. Gazprom-Chef Alexei Miller sagte jedoch, über diese Frage werde noch verhandelt.

Schon vor mehr als einem Jahr hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei seinem Antrittsbesuch in Moskau eine Absichtserklärung für das Gasabkommen ausgehandelt. Die Unterhändler konnten sich jedoch nicht auf einen Lieferpreis einigen.

Chinesen waren zähe Verhandlungspartner

Gazprom-Chef Miller wollte auch am Mittwoch keine näheren Angaben zum Preis machen. Interfax meldete unter Berufung auf Verhandlungskreise, CNPC zahle «mehr als 350 US-Dollar» je 1000 Kubikmeter Gas. Russland hatte ursprünglich auf 400 Dollar gehofft.

Der Ukraine-Konflikt habe Russland vermutlich zu weitreichenden Zugeständnissen bei den Preisverhandlungen gebracht, vermutet der aussenpolitische Experte Cheng Xiaohe von der Volksuniversität in Peking. Denn Moskau sei wegen der Sanktionsdrohungen der USA und der EU auf der Suche nach neuen Abnehmern für sein Erdgas.

«Wegen der EU-Sanktionen ist Gazprom nicht in der Position, einen hohen Preis für sein Gas auszuhandeln»

«Angesichts der Tatsache, dass EU-Sanktionen Russland hart treffen könnten, ist Gazprom nicht in der Position, einen hohen Preis für sein Gas auszuhandeln», sagte Gordon Kwan, Chef der Marktforscher des asiatischen Ölgeschäfts bei Nomura. «Unsere chinesischen Freunde sind schwierige, harte Verhandler», sagte Putin. Die Gespräche hätten sich bis vier Uhr morgens hingezogen.

EU fürchtet um Gaslieferungen aus Russland

Derweil ermahnte die EU-Kommission Gazprom, die Gaslieferungen nach Westeuropa sicherzustellen. Der Konzern trage die Verantwortung dafür, die Lieferungen «wie in den Versorgungsverträgen mit europäischen Firmen vereinbart sicherzustellen», schrieb EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch an den russischen Präsidenten Putin.

Ukrainische Gasanlage. Bild: AFP

Die Ukraine hatte inmitten des Konflikts um die Schwarzmeer-Halbinsel Krim und die Ostukraine ihre Zahlungen für russisches Gas eingestellt und Gazprom überhöhte Preise vorgeworfen. Russland hat daraufhin gedroht, Anfang Juni die Lieferungen an den Nachbarn einzustellen. Dies könnte auch Abnehmer im übrigen Europa treffen, die über die Leitungen in der Ukraine beliefert werden.

«Wir müssen sicherstellen, dass Russland seine Energieressourcen nicht länger als Waffe gegen die Region einsetzt.»

US-Vizepräsident Joe Biden

Die USA forderten Europa unterdessen auf, sich unabhängiger von russischem Gas zu machen. Die europäischen Länder sollten ihre Energiemärkte stärker miteinander verknüpfen, sagte US-Vizepräsident Joe Biden in Bukarest. Und: «Wir müssen sicherstellen, dass Russland seine Energieressourcen nicht länger als Waffe gegen die Region einsetzt.» (tvr/sda/dpa/reu)



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der nette Herr Molina

Ex-Juso Präsident Fabian Molina ist seit gut 100 Tagen im Nationalrat – und mit 27 Jahren der jüngste Parlamentarier im Bundeshaus. Grund genug, um mit dem Zürcher einen Kaffee zu trinken, ein paar Zigaretten zu rauchen und über die grossen Themen zu plaudern.

Fabian Molina sitzt schon seit einer Weile am Tisch nebenan, aber die äusserliche Unscheinbarkeit lässt ihn verschmelzen mit der lustig-zusammengewürfelten Ausseneinrichtung dieses Treatment-Cafés in den Ausläufern des Zürcher Kreis 4. Vielleicht liegt es auch daran, dass er in einem dieser Strandkörbe sitzt, die überall ausser auf Sylt und in vernachlässigten Hinterhofgärten fürchterlich deplatziert wirken, und zudem Kopf und Oberkörper ihrer Bewohner wegschlucken.

Kurz: man sieht ihn nicht.

Er …

Artikel lesen