Ebola
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WUERZBURG, GERMANY - OCTOBER 07:  A volunteer doctor who will travel to West Africa to help care for Ebola patients puts on an isolation suit during training offered by the German Red Cross (DRK) on October 7, 2014 in Wuerzburg, Germany. Over 1,200 people across Germany have responded to a DRK call for volunteers, while the German armed forces, the Bundeswehr, has also asked for volunteers from its own ranks. Countries around the world are taking increasing precautions and committing resources in the battle against the deadly virus as the number of victims continues to climb. (Photo Timm Schamberger/Getty Images)

Übung von Helfern in Würzburg: Infektion nur über Körperflüssigkeit möglich. Bild: Getty Images Europe

Faktencheck statt Massenpanik

Stammt das Ebolavirus aus einem Geheimlabor? 

Die rasante Ausbreitung von Ebola macht vielen Menschen Angst. Sie haben Fragen wie «Kann man sich an einer Türklinke infizieren?» oder «Warum schliesst niemand die Grenzen zu Liberia?». Hier sind die Antworten. 

Holger Dambeck / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ich sitze im Wartezimmer beim Arzt. Dort ist auch ein fiebriger Patient. Muss ich mich vor einer Ebola-Infektion fürchten?
Nein! Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit äusserst gering, dass der Patient tatsächlich mit Ebolaviren infiziert ist. Er müsste in den betroffenen Ländern gewesen sein oder Kontakt zu Infizierten gehabt haben. Zum anderen ist eine Infektion nur über Körperflüssigkeiten möglich, es muss also einen Körperkontakt geben. Theoretisch können Viren zwar auch über Türklinken übertragen werden, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering – siehe nächste Frage.

Kann ich mich über eine Türklinke oder einen Wasserhahn infizieren, den zuvor ein Ebola-Patient angefasst hat? 
Ausgeschlossen ist eine Infektion nicht, denn Viren können auch ausserhalb des menschlichen Körpers eine Weile überdauern. Wie lange, das hängt davon ab, ob die Viren in einem kleinen Flüssigkeitströpfchen eingeschlossen sind oder nicht. Ohne Feuchtigkeit sterben die Viren binnen einiger Stunden, berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC. Sofern die Viren in etwas Flüssigkeit eingebettet sind, überleben sie «wenige Tage», wie das Robert Koch-Institut aus Berlin erklärt. Allerdings gilt auch: Solange ein Ebola-Infizierter symptomfrei ist, besteht kein Übertragungsrisiko, weil er dann auch keine oder kaum Viren ausscheidet und an Griffen oder Türklinken hinterlassen kann. 

Welche Symptome hat ein Ebola-Kranker? Wie ist der Krankheitsverlauf?
Frühestens zwei und spätestens 21 Tage nach der Infektion bekommen Betroffene in der Regel plötzlich Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, fühlen sich schwach und leiden unter Halsschmerzen. Anschliessend kommen Durchfall, Erbrechen und ein Hautausschlag hinzu, es können Blutungen der Schleimhäute im Magen-Darm- und Genitaltrakt auftreten. Später versagen zuerst Leber und Nieren, viele Patienten sterben durch Herz-Kreislauf-Versagen.

Ein Video aus den USA zeigt einen Mann ohne Schutzkleidung, der wenige Meter neben einem Ebola-Infizierten steht. Handelt dieser Mann nicht unverantwortlich?
Solange er weder den Patienten berührt noch seine Pfleger, besteht keine Infektionsgefahr. Allein über die Luft ist eine Übertragung nach derzeitigem Wissensstand unmöglich – anders als etwa bei Influenzaviren. Ebolaviren werden nur durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Erbrochenem, Urin oder Fäkalien (teilweise auch durch Schweiss oder Tränenflüssigkeit) übertragen. Indem man sie berührt und sich anschliessend zum Beispiel an Mund, Nase oder die Augen fasst, können die Viren über Schleimhäute in das Innere des Körpers gelangen. Verletzungen auf der Haut sind ebenfalls eine Eintrittspforte für die Viren. Man kann sich auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr infizieren.



In meinem Flugzeug sitzen Reisende aus Westafrika. Wie soll ich mich verhalten?  

In meinem Flugzeug sitzen Reisende aus Westafrika. Wie soll ich mich verhalten?
Solange niemand Symptome des tödlichen Fiebers zeigt (siehe oben), besteht keinerlei Gefahr. Treten diese auf, sollte die betroffene Person in einem separierten Bereich sitzen und eine eigene Toilette zugewiesen bekommen. Eine Ansteckung ist nur über Körperflüssigkeiten möglich – nicht jedoch über die Luft. Theoretisch ist zwar eine Infektion über ausgehustete oder ausgeniesste Tröpfchen denkbar, die beispielsweise auf der Lippe eines direkt nebenan sitzenden Menschen landen und von dort in den Mund gelangen. Allerdings gehören Niesen und Husten nicht zu den typischen Ebola-Symptomen. Sie haben Zweifel? Lesen Sie hier weiter

WUERZBURG, GERMANY - OCTOBER 07:  A volunteer doctor who will travel to West Africa to help care for Ebola patients disinfect hands during training offered by the German Red Cross (DRK) on October 7, 2014 in Wuerzburg, Germany. Over 1,200 people across Germany have responded to a DRK call for volunteers, while the German armed forces, the Bundeswehr, has also asked for volunteers from its own ranks. Countries around the world are taking increasing precautions and committing resources in the battle against the deadly virus as the number of victims continues to climb. (Photo Timm Schamberger/Getty Images)

Ein freiwilliger Helfer will nach Westafrika reisen und den Ebola-Infizierten helfen. Er nahm am Kurs des Roten Kreuzes teil. Bild: Getty Images Europe

WUERZBURG, GERMANY - OCTOBER 07:  A volunteer doctor who will travel to West Africa to help care for Ebola patients takes a smear from an actor during training offered by the German Red Cross (DRK) on October 7, 2014 in Wuerzburg, Germany. Over 1,200 people across Germany have responded to a DRK call for volunteers, while the German armed forces, the Bundeswehr, has also asked for volunteers from its own ranks. Countries around the world are taking increasing precautions and committing resources in the battle against the deadly virus as the number of victims continues to climb. (Photo Timm Schamberger/Getty Images)

Das deutsche Rote Kreuz organisierte Anfang Oktober eine Übung für Frewillige, wie man Ebola-Patienten hilft.  Bild: Getty Images Europe

Besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Flüchtlinge?
Definitiv nicht! Die übergrosse Mehrheit der knapp 117'000 Asylbewerber von Januar bis September 2014 stammt aus Ländern, in denen es keine Ebola-Infektionen gibt. Hauptherkunftsländer sind Syrien (23'575 Erstanträge), Serbien (11'175) und Eritrea (6574). Aus den drei Ländern mit aktuellen Ebola-Ausbrüchen Liberia, Guinea und Sierra Leone kamen lediglich 1177 Flüchtlinge nach Deutschland – das entspricht exakt einem Prozent aller Asylbewerber von Januar bis September 2014. Wegen der Inkubationszeit von höchstens 21 Tagen gelten alle Menschen, die länger als drei Wochen in Deutschland sind und nicht erkranken, als Ebola-frei. Sie haben Zweifel? Lesen Sie hier weiter.

Ich habe im Internet gelesen, dass Ebola-Viren aus einem geheimen US-Labor stammen sollen und gezielt freigesetzt wurden. Was ist an dieser Geschichte dran?
Im Film «Outbreak» des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen wird genau dieser Plot erzählt. Auch bei Aids gab und gibt es derartige Verschwörungstheorien. Beweise dafür finden sich freilich keine. Grössere Ebola-Ausbrüche gab es ab 1976 in der Demokratischen Republik Kongo (vormals Zaire), der Republik Kongo, im heutigen Südsudan, Uganda und Gabun. Als Überträger vermuten Forscher Menschenaffen und vor allem Flughunde. Menschen infizieren sich mit den Viren wahrscheinlich, wenn sie das Fleisch von wilden Tieren verzehren.

WUERZBURG, GERMANY - OCTOBER 07:  A volunteer doctor who will travel to West Africa to help care for Ebola patients prepares his safety glasses during training offered by the German Red Cross (DRK) on October 7, 2014 in Wuerzburg, Germany. Over 1,200 people across Germany have responded to a DRK call for volunteers, while the German armed forces, the Bundeswehr, has also asked for volunteers from its own ranks. Countries around the world are taking increasing precautions and committing resources in the battle against the deadly virus as the number of victims continues to climb. (Photo Timm Schamberger/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Den Ursprung des aktuellen Ausbruchs vermuten Forscher in den bewaldeten Regionen im Südosten Guineas. Dort starb Anfang Dezember 2013 ein zweijähriges Kind an dem Virus – laut Europäischem Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC gilt es als das erste Opfer der Epidemie

Warum streicht man nicht alle Flugverbindungen in die Ebola-Länder oder schliesst die Grenzen zu diesen Staaten? Das würde die Ausbreitung der Viren doch stoppen.
Bisher lehnen die meisten Seuchenexperten derartige Schritte ab – und zwar aus folgenden Gründen: 

Sie haben Zweifel? Lesen Sie hier weiter

Ein Kollege ist gerade von einer Liberia-Reise zurückgekommen. Sollte ich ihm sicherheitshalber aus dem Weg gehen?
Solange ein Mensch keine Symptome einer Ebola-Erkrankung zeigt (siehe oben), besteht keine Infektionsgefahr. Treten allerdings typische Anzeichen des Ebola-Fiebers auf, sollte der Kollege umgehend einen Arzt anrufen, um abzuklären, ob er eventuell mit dem Virus infiziert ist.

Warum werden nicht in allen grösseren Gebäude, Bahnhöfe und U-Bahnstationen Temperaturscanner aufgestellt?
So könnte man Infizierte doch schnell finden. Wer nur infiziert ist, aber noch keine Symptome zeigt, wird beim Temperaturscan nicht auffallen, denn er hat noch kein Fieber. Ist die Krankheit jedoch erst einmal ausgebrochen, können die Betroffenen meist kaum noch allein das Haus verlassen. Temperaturscanner würden Ebola-Infizierte also nur selten identifizieren, dafür aber eine Vielzahl von Menschen, die aus anderen Gründen erhöhte Temperatur oder Fieber haben. Deshalb gelten die Wärmekameras als wenig effektiv. 

Mitarbeit: Irene Berres, Cinthia Briseño, Nina Weber 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maya Eldorado 18.10.2014 01:46
    Highlight Highlight Bei Ebola gibt es einige Merkwürdigkeiten:
    Jed Viruserkrankung hat eine Inkubationszeit. Das kennt man bestens von der Grippe und den Kinderkrankheiten. Ebola scheint da ausgenommen.
    Ebola ist seit den 70er-Jahren immer mal da und dort aufgeflackert ohne Angst und Schrecken auszulösen und wieder verschwunden. Diesmal ist das ganz anders. Da kann man sich schon die Frage stellen, ob in der Zwischenzeit in einem Labor herumgebastelt wurde und - entwichen ist. (Das wurde ja auch schon mit anderen Krankheitserregern gemacht.)
    Behaupten kann man das nicht, allerdings auschliessen auch nicht.
    • smoe 18.10.2014 21:04
      Highlight Highlight Ebola hat eine Inkubationszeit von 2 - 21 Tagen[1]
      Der aktuelle Ausbruch ist tatsächlich mit Abstand der grösste und es wichtig, dass Fragen gestellt werden. Beim Überfliegen der Liste der Ausbrüche und der Historie des Aktuellen scheint mir der relevante Unterschied zu sein, dass die bisherigen Ausbrüche meist bereits in den Randregionen, Dörfern eingedämmt werden konnten. 2013-14 wurden nun erstmals die Millionenstädte erreicht. Dass die Opferzahlen dann hochschnellen und die Verbreitung massig beschleunigt wird, erscheint mir logisch.

      [1] http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs103/en/
  • Triky75 17.10.2014 18:30
    Highlight Highlight Leider ist es eine Tatsache das die USA ein Patent auf das Ebolavirus haben, da sie es selber entwickelt haben, ursprünglich als chemische Waffe gedacht. Es freut mich jedoch das hier endlich gefragt oder hinterfragt wird wo das Virus herkommt und wie es nach Afrika gekommen ist!
    • smoe 17.10.2014 19:51
      Highlight Highlight Von einer Tatsache zu sprechen, dass Ebola als Chemiewaffe entwickelt wurde, ohne mit Quellen zu belegen, ist höchst fragwürdig. Eine kurze Suche nach Artikeln von Vertretern dieser These ergibt das gleiche Bild. Es wird von Tatsachen gesprochen, ohne es nachvollziehbar zu beweisen. Wenn überhaupt mal Quellen angegeben werden, sind es meist Artikel von Gleichgesinnten, die wiederum einfach von Tatsachen sprechen.

      Natürlich muss man alles Hinterfragen. Das gilt aber auch für "Verschwörungstheoretiker" die mit ihren Quellen oft ähnlich kritisch umgehen wie kleine Kinder in der Bibelstunde.
    • Romeo 17.10.2014 20:22
      Highlight Highlight Endlich. http://www.google.com/patents/US20120251502. Ein Schelm, wer böses denkt.
    • smoe 17.10.2014 22:46
      Highlight Highlight @Romeo
      - Die "Erfindung" in dem Patent ist die Identifikation und Isolation eines Ebolastammes aus Patienten in Uganda, nicht die Entwicklung des Virus selbst.
      - Das beantragte Patent wurde bisher nicht erteilt und wird es auch nicht, da seit 2013 nicht mehr patentierbar.[1]
      - Ja, für die USA wäre es wirtschaftlich sehr interessant ein Patent auf den Stamm zu haben, deswegen versuchen sie es vielleicht auch in Europa [2]
      - Andererseits lässt die CDC Forscher gratis an den von ihr patentierten Stämmen forschen, im Gegensatz zu kommerziellen Unternehmen … [3]

      Wo ist der Bezug zu Chemiewaffen?

      [1] http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-09/ebola-patent-jan-krauss-interview
      [2] http://www.google.com/patents/EP2350270A4?cl=en
      [3] http://www.snopes.com/politics/medical/ebolapatent.asp
    Weitere Antworten anzeigen
  • Vaan 17.10.2014 16:44
    Highlight Highlight Korrektur: die Aussage, die Viren "überleben" ist falsch. Viren sind keine Lebewesen (wie etwa Bakterien) und können daher nicht "sterben".
  • Zeit_Genosse 17.10.2014 15:10
    Highlight Highlight Danke watson für diese Versachlichung. Mit Ebola könnte man ja die grössten Mediengeschichten machen (vergl. USA), nur helfen tun sie nicht. Schön, wenn man sich an Fakten hält.

Bald könnte die 5. Initiative gegen Tierversuche kommen

Das Schweizer Stimmvolk dürfte erneut über ein Tierversuchsverbot entscheiden können. Eine entsprechende Volksinitiative ist auf der Zielgeraden.

Das Komitee der Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» sammelte bereits über 111'000 Unterschriften, wie dessen Website zu entnehmen ist. 100'000 sind für das Zustandekommen nötig.

Die Sammlung soll indessen weitergehen, wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» …

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