Eishockey
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Switzerland's ice hockey women goalkeepers Florence Schelling, right, and Sophie Anthamatten, second from right, celebrate their bronze medal during the women's ice hockey victory ceremony at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi, at the Bolshoy Ice Dome, in Sochi, Russia, on Thursday, February 20, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Bronzeheldinnen müssen das Team des Jahres 2014 werden

Für unsere Bronzeheldinnen wird es auch nach Sotschi keine Millionen geben. Aber wenigstens sollten wir ihnen die Ehre erweisen, die sie verdienen.

Die Männer haben in Sotschi versagt. Sie waren nicht in der Lage, ein Spiel nach einem Rückstand zu drehen. Sie waren nicht in der Lage, im entscheidenden Spiel die beste Leistung abzurufen. Sie warten weiterhin auf ihre erste olympische Medaille seit 1948.

Die Frauen haben alles besser gemacht. Taktisch und spielerisch. Sie waren mental robuster. Deshalb haben auch wir unser «Miracle on Ice». Unser «Wunder auf dem Eis». Diese Bezeichnung ist im internationalen Hockey für den wundersamen Olympiasieg der US-Collegeboys in Lake Placid reserviert. Die Bronze-Medaille unserer Hockey-Frauen ist eine noch märchenhaftere Sportgeschichte als jenes «Miracle on Ice» aus dem Jahre 1980.

2004 hat René Kammerer ein Team übernommen, das gerade aus der höchsten WM-Gruppe in die absolute Anonymität abgestiegen war. Eine olympische Medaille war damals für unsere Hockeyfrauen weiter entfernt als der Mond für eine 1. August-Rakete. Zehn Jahre später ist das Wunder vollbracht. 

Kein Resultat von Arbeitsgruppen und Konzepten

Es ist eine Geschichte, die im kapitalisierten Sport des 21. Jahrhunderts eigentlich nicht mehr möglich ist. Diese Bronze-Medaille ist nicht gekauft und das Resultat von Arbeitsgruppen und Konzepten und Kommissionen und Visionen, den Lieblingsbeschäftigungen unserer Verbandsgeneräle. Nicht das Resultat von immensen finanziellen Investitionen. Dieser Erfolg ist ein sportliches Märchen.

Es geht um Leidenschaft. Um den Glauben, dass das Unmögliche möglich werden kann. Um Träume, die Wirklichkeit werden. Um Teamgeist im besten Sinne des Wortes. Um die Werte des Sportes, an die Baron Pierre de Coubertin, der Gründer der modernen Olympischen Spiele, im vorletzten Jahrhundert glaubte und die, wie wir jetzt gesehen haben, noch heute ihre Wirkung haben. Und am Ende stehen ein Happy-End und so viel Freude. Einer der emotionalsten Momente in unserer Sportgeschichte.

Switzerland's ice hockey women player Phoebe Staenz, right, celebrates her bronze medal with teamates during the women's ice hockey victory ceremony at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi, at the Bolshoy Ice Dome, in Sochi, Russia, on Thursday, February 20, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Der Teamgeist ist und bleibt die grosse Stärke der Schweizerinnen Bild: Keystone

Frauenhockey wird eine Randsportart bleiben

Frauenfussball ist längst auch bei uns salonfähig geworden. Frauentennis und Frauenskirennsport sind es sowieso und schon lange. In der heutigen Zeit ist der Supermacho-Sport Eishockey wohl der einzige Sport bei uns, der die Frauen nicht wirklich ernst nimmt.

Es würde ja zum Tag passen, nun zu schreiben, jetzt werde Frauenhockey bei uns akzeptiert. Aber das wird nicht der Fall sein. Es wird auch keinen Hockey-Bürogeneral beeindrucken, wenn die Medien für eine Förderung des Frauenhockeys trommeln. Es ist, wie es ist: Frauenhockey wird auch nach Sotschi 2014 ein Randsport bleiben.

Die von Verbandspräsident Marc Furrer angekündigte Förderung des Frauenhockeys wird bescheiden sein. Und die spontane Zusage, einer Spielerin ein Verbandsauto zu überlassen (oh, welch eine grosszügige Unterstützung!) muss wohl erst durch eine von Verbandsdirektor Ueli Schwarz noch zu bildende Arbeitsgruppe in der Verbandsbürokratie abgesegnet werden.



Dank Leidenschaft konkurrenzfähig

Ich will nicht weiter polemisieren. Wir dürfen trotz allem auf ein weiteres Wunder in vier Jahren hoffen. Aus sportlicher Sicht spricht nichts dagegen, dass die Bronze-Heldinnen auch 2018 wieder antreten. Gerade weil das Frauenhockey nicht in erster Linie von Geld abhängig ist, gerade weil die Hockeyfrauen so viel Leidenschaft in ihren Sport investieren müssen um ihn überhaupt ausüben zu können, bleiben sie international konkurrenzfähig. 

Auch wenn es weiterhin keine auch nur annähernd mit dem Männerhockey vergleichbare Förderung durch die grossen Klubs – die ZSC Lions und Lugano sind in der Frauenförderung die vorbildliche Ausnahme – gibt, die Kultur des Frauenhockeys ist gerade durch die ständige Herausforderung auf allen Ebenen stark genug, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Der Nachfolger von Erfolgstrainer René Kammerer, wohl der meistunterschätzte Coach im Schweizer Eishockey, wird in grosse Fussstapfen treten. Aber er muss nicht scheitern.

Doch wenn schon unsere Hockeykultur frauenunfreundlich bleibt, dann sollte es wenigstens ein starkes Zeichen von aussen geben: Den Titel «Mannschaft des Jahres 2014» und den Titel «Trainer des Jahres». Diese Auszeichnung ist jetzt schon für unsere Bronze-Heldinnen und ihren Coach René Kammerer zu reservieren.  

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